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Kognitive Dissonanz: Das bekannte Gefühl des Unwohlseins

Kognitive Dissonanz: Das bekannte Gefühl des Unwohlseins
RaucherInnen erfinden oft kuriose Gründe, um sich ihre Sucht schönzureden, Photo by cottonbro from Pexels

Lesezeit 5’ Minuten // Ein Beitrag von Lukas Krieg

Die Theorie der kognitiven Dissonanz gehört zu den wichtigsten und spannendsten Theorien der Sozialpsychologie. Sie beschreibt das Gefühl des Unwohlseins, welches wir erleben, wenn wir uns gegen unser Selbstkonzept verhalten. Wollen Sie das Wissen über diese «Supertheorie» nutzen können? Unser Beitrag verrät Ihnen die Details – lesen Sie unbedingt weiter.

Und aus welchem Grund konsumieren Menschen immer noch viel Fleisch, wenn doch bekannt ist, unter welchen unwürdigen Bedingungen die Tiere teilweise gehalten werden? Diese und weitere Fragen, lassen sich mit Hilfe der Theorie der kognitiven Dissonanz beantworten.

Die Theorie der kognitiven Dissonanz

Das menschliche Verhalten beruht grundsätzlich auf dem Bedürfnis ein stabiles und positives Selbstbild zu bewahren. Führen wir eine Handlung aus, die im Gegensatz zu unserem positiven Selbstbild steht, löst dies in uns ein starkes Unwohlsein aus. Dieses Gefühl nennen wir kognitive Dissonanz. Die kognitive Dissonanz ruft ein ungutes Gefühl hervor, welches wir unbedingt verringern möchten. Dafür gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Änderung des Verhaltens, um es in Einklang mit der dissonanten Kognition zu bringen.
  2. Änderung der dissonanten Kognition, um unser Verhalten zu rechtfertigen.
  3. Hinzufügen neuer Kognitionen, um unser Verhalten zu rechtfertigen.

Anwendungsbeispiel: RaucherInnen – Warum rauchen sie?  

RaucherInnen ist bewusst, dass das Risiko für Lungenkrebs durch ihren Zigarettenkonsum stark erhöht wird. Trotzdem rauchen sie gerne und oft. Um die Dissonanz zwischen diesen Gedanken zu verringern, kommen die drei erwähnten Methoden ins Spiel.

  1. Ich ändere mein Verhalten, indem ich mit dem Rauchen aufhöre. Diese Methode wäre sicherlich die beste, ist jedoch nicht gerade einfach. Viele Konsumentinnen und Konsumenten werden rückfällig. Aber finden sich diese einfach mit dem Gedanken ab, an Lungenkrebs sterben zu können?

Nein, hier kommen die beiden anderen Methoden ins Spiel.

  1. Rückfällig gewordene RaucherInnen reden sich das Rauchen schön. Dies entspricht der Änderung der Kognition. Sie spielen Studien zu den Gefahren des Rauchens herunter und gewichten das gute Gefühl während des Rauchens viel höher.
  2. RaucherInnen halten sich einen Ausnahmefall vor Augen. Dies entspricht dem Hinzufügen einer neuen Kognition. Dies kann zum Beispiel der 90 Jahre alte und kerngesunde Grossvater sein, der aber seit 40 Jahren täglich eine Schachtel Zigaretten raucht.

Führen diese Methoden nicht zum gewünschten Ziel, greift man auf die vierte Möglichkeit der Selbstbestätigung zurück. Hier ruft sich die Person eine oder mehrere ihrer guten Eigenschaften ins Gedächtnis, um die eine schlechte zu kompensieren. Damit werden die Gewissensbisse ebenfalls verkleinert. Mögliche Rechtfertigung: «Ich bin vielleicht RaucherIn aber dafür esse ich kein Fleisch, treibe viel Sport und trinke keinen Alkohol.»

Dissonanz erlebende Menschen leugnen oft die Realität, um das ungute Gefühl loszuwerden. Am Beispiel des Rauchens kann dies sehr schön veranschaulicht werden.

Erkennen Sie diese Verhaltensweisen bei sich oder Ihnen nahestehenden Personen wieder? Unter stopsmoking.ch können Sie sich über eine Rauchentwöhnung informieren.

Beobachten Sie kognitive Dissonanz im Alltag

Nun, da Sie wissen, was Dissonanz ist und wie sie sich äussert, können Sie diese überall im Alltag beobachten. Sei es nun bei den Stars und Sternchen, im eigenen Freundeskreis oder bei sich selbst. Achten Sie bei sich in Zukunft mehr darauf und Sie werden erstaunt sein, was Ihnen alles auffallen wird. Schreiben Sie uns Ihre Beobachtungen gerne in einem Kommentar! Wir sind gespannt Ihre Geschichten zu erfahren.


Referenzen

  • Aronson, E., Wilson, T., & Akert, R. (2014). Sozialpsychologie (8. Aufl.). Hallbergmoos: Pearson.
  • Cover Image Photo by cottonbro from Pexels
  • Photo «Cigarette» by fotografierende from Pexels

Informationen zum Autor

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Models «Kommunikationskompetenz: Mit Bildern und Texten informieren» an der Hochschule Luzern – Wirtschaft.

Lukas Krieg studiert Wirtschaftspsychologie in Luzern und ist Kampfsportler wie auch angehender Menschenversteher.

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