{"id":906,"date":"2021-01-21T08:03:54","date_gmt":"2021-01-21T08:03:54","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/business-psychology\/?p=906"},"modified":"2026-01-07T11:42:57","modified_gmt":"2026-01-07T10:42:57","slug":"implizite-explizite-motiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/business-psychology\/implizite-explizite-motiv\/","title":{"rendered":"Wie beeinflussen unsere Motive unsere Zufriedenheit?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">Lesezeit 5&#8242; Minuten \/\/ Ein Beitrag von C\u00e9line Adekunle <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Luca Simoni*&nbsp;(23)&nbsp;ist&nbsp;Profi-Fussballer. Er&nbsp;ist \u00fcberzeugt, dass&nbsp;ihn&nbsp;das&nbsp;Erbringen von&nbsp;Leistung&nbsp;und das Erreichen von Zielen&nbsp;zufrieden machen sollte. Immer wieder beschleicht ihn aber eine latente Unzufriedenheit. Egal wie hart er arbeitet: so richtig befriedigend f\u00fchlt es sich nie an. Sind seine Motive das Problem?<\/p>\n\n\n\n<p>*<em> Hierbei handelt es sich um einen fiktiven Charakter<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was sind Motive?&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Jeder Mensch wird&nbsp;von&nbsp;Motiven geleitet.&nbsp;Die besterforschten&nbsp;Motive&nbsp;sind die&nbsp;der Leistung, der Macht und des sozialen Anschlusses. Ein stark ausgepr\u00e4gtes Leistungsmotiv sorgt daf\u00fcr, dass wir uns immer wieder in Situationen begeben, in denen wir durch erbrachte Leistungen zu Erfolgerlebnissen gelangen. Menschen mit einem starken Machtmotiv streben Positionen an, in denen sie Einfluss nehmen k\u00f6nnen. Sei dies die klassische F\u00fchrungsrolle oder die einer Lehrperson. Wir werten ein hohes Machtbed\u00fcrfnis oft negativ. Hier sollten wir dies aber nicht tun. Ghandi zum Beispiel war ein m\u00e4chtiger Mann, er setzte diese Macht jedoch f\u00fcr Belange ein, die vielen Menschen wichtig waren und dem Allgemeinwohl dienten. Oder erinnern Sie sich vielleicht noch an eine Lehrkraft, die an Sie geglaubt hat und Sie positiv beeinflusst hat? Sie k\u00f6nnte auch von einem Machtmotiv geleitet gewesen sein. Ein ausgepr\u00e4gtes Anschlussmotiv spricht daf\u00fcr, dass man sich in Situationen wohlf\u00fchlt, in denen man sich mit anderen Menschen verbinden kann. Man sucht sich dann vielleicht eine Arbeitsstelle, in der grossen Wert auf ein kollegiales Miteinander gelegt wird, oder aber man engagiert sich in seiner Freizeit in einem Verein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was unterscheidet implizite&nbsp;von expliziten&nbsp;Motiven?&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Implizite Motive&nbsp;beeinflussen uns unbewusst;&nbsp;wir&nbsp;entwickeln sie&nbsp;im vorsprachlichen&nbsp;Kindesalter.&nbsp;Eine&nbsp;Studie&nbsp;von&nbsp;McClelland &amp;&nbsp;Pilon&nbsp;vom Jahre 1983&nbsp;zeigte auf, dass ein h\u00e4ufiges Nichtreagieren&nbsp;der Eltern&nbsp;auf das Weinen ihres Kindes&nbsp;die&nbsp;Entwicklung&nbsp;des&nbsp;Anschlussmotivs&nbsp;f\u00f6rdern kann.&nbsp;Eine strenge Erziehung in puncto Sauberkeit und&nbsp;Ern\u00e4hrung&nbsp;hingegen&nbsp;kann&nbsp;die des Machtmotivs&nbsp;beg\u00fcnstigen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die expliziten Motive treiben uns&nbsp;bewusst an. Wir k\u00f6nnen diese im Gegensatz zu den impliziten&nbsp;Motiven&nbsp;wahrnehmen und ausformulieren.&nbsp;Luca Simoni,&nbsp;der Profi-Fussballer, den wir im&nbsp;Einf\u00fchrungsabsatz kennen gelernt haben, hat&nbsp;das Leistungsmotiv als sein explizites Motiv erkannt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>H\u00e4ngen implizite und explizite Motive zusammen?&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ebenfalls&nbsp;McClelland &amp;&nbsp;Pilon&nbsp;erforschten 1989 den Zusammenhang von expliziten und impliziten Motiven. Sie wollten wissen: Sagen&nbsp;unsere&nbsp;bewusst&nbsp;wahrgenommenen,&nbsp;expliziten&nbsp;Motive etwas \u00fcber&nbsp;unsere&nbsp;impliziten&nbsp;Motive aus?&nbsp;Das Ergebnis: Nein.&nbsp;Unsere&nbsp;expliziten Motive sind situationsabh\u00e4ngiger und sagen&nbsp;unmittelbare&nbsp;Reaktionen voraus, angetrieben von&nbsp;momentanen&nbsp;sozialen Anreizen.&nbsp;Sie sind kognitiv ausgearbeitet.&nbsp;Die impliziten&nbsp;Motive&nbsp;jedoch sind affektiver gesteuert,&nbsp;sie&nbsp;zeigen langfristige Verhaltenstrends auf.&nbsp;Das&nbsp;Vergn\u00fcgen&nbsp;an&nbsp;der&nbsp;reinen&nbsp;Ausf\u00fchrung einer&nbsp;bestimmten&nbsp;Handlung&nbsp;an sich&nbsp;ist von impliziten Motiven gesteuert.&nbsp;Die beiden Motive k\u00f6nnen absolut unterschiedlich ausfallen und&nbsp;sie&nbsp;weisen keinerlei Korrelation auf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie beeinflussen uns diese Motive?&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Unsere&nbsp;Motive steuern unser Verhalten tagt\u00e4glich.&nbsp;Im Idealfall&nbsp;besteht eine Motivkongruenz: unsere impliziten und expliziten&nbsp;Motive stimmen \u00fcberein.&nbsp;Dann begeben wir uns immer wieder in Situationen, in denen wir diese Motive unbewusst erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Wir erleben eine&nbsp;gr\u00f6ssere&nbsp;Zufriedenheit im Alltag, wie beispielsweise die Person mit einem impliziten Anschlussmotiv, die eng mit ihrem eingespielten Team mit grossem Zusammenhalt arbeiten kann. Sie kann ihr Anschlussmotiv ideal befriedigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Stimmen die beiden Motive jedoch nicht \u00fcberein, spricht man von einer Motivinkongruenz. Dies&nbsp;ist bei Luca Simoni der Fall. Sein explizites Motiv ist das Leistungsmotiv. Er sucht immer wieder Situationen auf, in denen er Leistung erbringen, abrufen und zeigen kann. So hat er sich auch daf\u00fcr entschieden, eine Fussballkarriere in Angriff zu nehmen. Er arbeitet hart,&nbsp;um seinem expliziten Motiv gerecht zu werden. Was er aber nicht weiss:&nbsp;Sein implizites Motiv ist das Machtmotiv. Er&nbsp;wird&nbsp;sein implizites Motiv&nbsp;mit seinen Handlungen&nbsp;nicht befriedigen&nbsp;k\u00f6nnen, egal wie hart&nbsp;er arbeitet.&nbsp;Er wird dank dieser Inkongruenz st\u00e4ndig eine latente Unzufriedenheit versp\u00fcren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Sachverhalt zeigen auch diverse Studien, wie beispielsweise die von Hugo M. Kehr im Jahre 2004: Er untersuchte das Machtmotiv von 82 ManagerInnen. Die Ergebnisse: Je mehr das explizite Motiv der ManagerInnen vom impliziten Machtmotiv abwich, desto kleiner war die volitionale St\u00e4rke dieser Personen. Sie mussten viel mehr Anstrengung an den Tag&nbsp;legen,&nbsp;um ihre Willenskraft zu entfesseln.&nbsp;Auch ihre gemessene Zufriedenheit f\u00fcnf Monate sp\u00e4ter war niedriger als die der ManagerInnen mit kongruenten Motiven.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kann man sein implizites Motiv beeinflussen?&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn man der Studie von&nbsp;McClelland &amp; Winter&nbsp;Glauben schenken kann: Ja.&nbsp;Sie untersuchten&nbsp;1969&nbsp;den Erfolg von EntrepreneurInnen in&nbsp;den beiden&nbsp;St\u00e4dten&nbsp;Kakinada und&nbsp;Rajahmundry&nbsp;in Indien.&nbsp;52 KleinunternehmerInnen&nbsp;aus Kakinada&nbsp;liessen&nbsp;sie&nbsp;an einem einw\u00f6chigen&nbsp;Intensivtraining teilnehmen, das Themen wie&nbsp;Erfolgsmotivierung, Zuversicht, realistische Zielsetzung&nbsp;und&nbsp;positive&nbsp;Selbstbewertung&nbsp;behandelte. Alles Themenbereiche, die dem Leistungsmotiv zuzuschreiben sind.&nbsp;Zwei Jahre sp\u00e4ter&nbsp;erzielten&nbsp;die&nbsp;UnternehmerInnen&nbsp;aus Kakinada bedeutend&nbsp;gr\u00f6ssere&nbsp;Erfolge&nbsp;und&nbsp;sie&nbsp;konnten&nbsp;mehr&nbsp;Arbeitsstellen schaffen&nbsp;als&nbsp;die&nbsp;Vergleichsstichprobe ohne Training aus&nbsp;Rajahmundry.&nbsp;Die Forscher erkl\u00e4rten dies durch die Beeinflussung ihres impliziten Motivs.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie kann man nun die Motive&nbsp;nutzen,&nbsp;um die Zufriedenheit im Arbeitsleben zu steigern?&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein wichtiger Faktor ist es, sein implizites Motiv zu kennen. Es gibt Testverfahren, mit denen man seine impliziten Motive messen kann, wie&nbsp;den <a href=\"http:\/\/www.psychologie.uzh.ch\/dam\/jcr:00000000-6323-9dae-ffff-ffffcf2cc20b\/TAT.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">thematischen Apperzeptionstest (TAT)<\/a>. Beim TAT schreibt die Testperson zu vorgegebenen Bildergeschichten einen Text. Die Psychologin oder der Psychologe wertet diesen Text aus, indem sie oder er bestimmte Schlagw\u00f6rter analysiert, ausz\u00e4hlt und einem der Motive zuordnet.&nbsp;Wenn man sein implizites Motiv erschliesst, kann man wie die indischen KleinunternehmerInnen versuchen, dieses zu ver\u00e4ndern. Eine weitere Option w\u00e4re, seine expliziten Motive zu hinterfragen und anzupassen: Wenn Luca Simoni den Test absolviert hat und nun weiss, dass ihn ein Machtmotiv antreibt, kann er seine Karriereziele \u00fcberdenken. Vielleicht k\u00f6nnte er eine Position als Trainer anstreben und so k\u00fcnftig sein Machtmotiv befriedigen. Sobald seine expliziten Handlungen mit dem impliziten Motiv \u00fcbereinstimmen, wird er schnell merken, wie seine innere Zufriedenheit ansteigt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><strong>Referenzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Brandst\u00e4tter, V., Sch\u00fcler, J., Puca, R.M. &amp; Lozo, L. (2018). Motivation und Emotion. Allgemeine Psychologie f\u00fcr Bachelor. Berlin: Springer.<\/li><li>HSLU Unterrichtsmaterial, Motivationspsychologie (HS19\/20, Woche 03), Implizite Motive, Dozierende:&nbsp;Annabelle Hofer, Domingo Valero, &amp;&nbsp;Sylvia Manchen Sp\u00f6rri<\/li><li>Cover Image von&nbsp;<a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/phillipkofler-715497\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=5754865\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Phillip Kofler<\/a>&nbsp;auf&nbsp;<a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=5754865\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pixabay<\/a>&nbsp;<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"background-color:#f2f2f2;color:#32373c\" class=\"wp-block-genesis-blocks-gb-profile-box square gb-has-avatar gb-font-size-18 gb-block-profile gb-profile-columns\"><div class=\"gb-profile-column gb-profile-avatar-wrap\"><div class=\"gb-profile-image-wrap\"><figure class=\"gb-profile-image-square\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"960\" class=\"gb-profile-avatar wp-image-1119\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/business-psychology\/wp-content\/uploads\/sites\/21\/2021\/01\/01_21_Adekunle_Bild.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/business-psychology\/wp-content\/uploads\/sites\/21\/2021\/01\/01_21_Adekunle_Bild.jpg 960w, https:\/\/hub.hslu.ch\/business-psychology\/wp-content\/uploads\/sites\/21\/2021\/01\/01_21_Adekunle_Bild-300x300.jpg 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/business-psychology\/wp-content\/uploads\/sites\/21\/2021\/01\/01_21_Adekunle_Bild-150x150.jpg 150w, https:\/\/hub.hslu.ch\/business-psychology\/wp-content\/uploads\/sites\/21\/2021\/01\/01_21_Adekunle_Bild-768x768.jpg 768w, https:\/\/hub.hslu.ch\/business-psychology\/wp-content\/uploads\/sites\/21\/2021\/01\/01_21_Adekunle_Bild-600x600.jpg 600w, https:\/\/hub.hslu.ch\/business-psychology\/wp-content\/uploads\/sites\/21\/2021\/01\/01_21_Adekunle_Bild-698x698.jpg 698w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/figure><\/div><\/div><div class=\"gb-profile-column gb-profile-content-wrap\"><h2 class=\"gb-profile-name\" style=\"color:#32373c\">Informationen zur Autorin <\/h2><p class=\"gb-profile-title\" style=\"color:#32373c\">Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Moduls \u00abKommunikationskompetenz: Mit Texten und Bildern informieren\u00bb an der Hochschule Luzern &#8211; Wirtschaft.<\/p><div class=\"gb-profile-text\"><p>C\u00e9line Adekunle (31) ist Studentin der Wirtschaftspsychologie an der HSLU W im 3. Semester. Sie ist zweifache Mutter und arbeitet Teilzeit f\u00fcr die Schweizer Radio und Fernsehgesellschaft. F\u00fcr den Studiengang Business Psychology hat sie sich entschieden, weil die menschliche Psyche sie einfach sehr fasziniert. Wie wir Entscheidungen treffen, wo uns Heuristiken hinters Licht f\u00fchren, das wollte sie genauer wissen.<\/p><\/div><ul class=\"gb-social-links\"><\/ul><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beschleicht Sie eine latente Unzufriedenheit obwohl Sie erfolgreich sind? 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