Jasmin Galliker
Wäre ich Vogel, wäre ich Krähe.
Ich weiss nicht, was mich Krähe machen würde. Wissen tue ich allgemein nicht viel über die Tiere, nur, dass sie sich über die Jahre in mir eingenistet haben. Womöglich ist es das schwarze Gefieder, natürlich. Auch schon habe ich versucht, mich mit den Krähen meines Zuhauses anzufreunden. Abends füllen sie die Luft über den Häusern. Und wenn ich dann gerade auf dem Balkon sitze, drehe ich meinen Kopf zu ihnen hoch. Und wenn es zu kalt ist, schaue ich aus dem Fenster hinaus. Ich wohne schon seit meiner Kindheit dort, genau wie sie. Sie sollten mich kennen. Ob sie es tun, ist ihnen überlassen.
«wäre ich Krähe» ist eine Serie von Begegnungen. Fünf Menschen haben sich bereiterklärt, ein Teil des Werkes zu werden, zunächst ohne etwas über dessen Inhaltes zu wissen. Die erste Begegnung jeder Person wurde mit Illustrationen ergänzt und zu einem Heft gebunden. Alle Texte werden von der Erinnerung geleitet, es wurden keinerlei Hilfsmittel benutzt. Im Zentrum steht dabei die Erzählperson, der aufgrund dieses Erinnerns eine gewisse Unzuverlässigkeit zugeschrieben werden muss. Diese kommt besonders in der dazugehörigen Lesung zum Vorschein, in der Gespräche über die Begegnungen nacherzählt werden.
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