{"id":679,"date":"2022-07-04T04:00:12","date_gmt":"2022-07-04T04:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/2022\/07\/04\/das-anwaltsgeheimnis-im-lichte-der-bundesraetlichen-ukraine-verordnung-und-deren-finanzsanktionen\/"},"modified":"2026-02-11T14:53:30","modified_gmt":"2026-02-11T13:53:30","slug":"das-anwaltsgeheimnis-im-lichte-der-bundesraetlichen-ukraine-verordnung-und-deren-finanzsanktionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/das-anwaltsgeheimnis-im-lichte-der-bundesraetlichen-ukraine-verordnung-und-deren-finanzsanktionen\/","title":{"rendered":"Das Anwaltsgeheimnis im Lichte der bundesr\u00e4tlichen Ukraine-Verordnung und deren Finanzsanktionen"},"content":{"rendered":"\n<p>Von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wengervieli.ch\/team\/mraz-michael\">Dr. Michael Mr\u00e1z<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wengervieli.ch\/de-ch\/team\/rodelli-tatyana\">Tatyana Rodelli<\/a>&nbsp;und&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wengervieli.ch\/de-ch\/team\/peterli-michel\">Michel Peterli<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n<p>Das Bundesgesetz \u00fcber die Durchsetzung von internationalen Sanktionen vom 22. M\u00e4rz 2002 (nachfolgend <a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/02\/MM_SB210497.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00ab<\/a><a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2002\/564\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Embargogesetz<\/a><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/02\/MM_SB210497.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00bb<\/a>) bestimmt, dass der Bundesrat zur Durchsetzung von Sanktionen auf dem Wege der Verordnung Zwangsmassnahmen erlassen kann. Die Europ\u00e4ische Union (EU) hat bisher sechs Massnahmenpakete gegen Russland und russische Individuen beschlossen, welche insbesondere scharfe Finanzsanktionen beinhalten. Die Schweiz hat alle sechs Massnahmenpakete der EU \u00fcbernommen, indem der Bundesrat diese in der Verordnung \u00fcber Massnahmen im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine vom 4. M\u00e4rz 2022 (nachfolgend <a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/02\/MM_SB210497.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00ab<\/a><a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2022\/151\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ukraine-Verordnung<\/a><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/02\/MM_SB210497.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00bb<\/a>) geregelt hat. Somit stimmen die Schweizer Sanktionen sinngem\u00e4ss mit denjenigen der EU \u00fcberein. Per 12. Mai 2022 waren in der Schweiz gem\u00e4ss dem Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft SECO im Zuge von Finanzsanktionen <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Aussenwirtschaftspolitik_Wirtschaftliche_Zusammenarbeit\/Wirtschaftsbeziehungen\/exportkontrollen-und-sanktionen\/sanktionen-embargos\/sanktionsmassnahmen\/faq_russland_ukraine.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Verm\u00f6genswerte im Umfang von 6,3 Milliarden Schweizer Franken gesperrt<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rechtliche Grundlagen der Finanzsanktionen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4ss <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2022\/151\/de#art_15\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art. 15 der Ukraine-Verordnung<\/a> sind Gelder und wirtschaftliche Ressourcen, die sich \u00abim Eigentum oder unter der Kontrolle\u00bb von sanktionierten Personen, Unternehmen und Organisationen (nachfolgend \u00abSanktionierte\u00bb) befinden, gesperrt. Ferner ist es verboten, diesen Gelder zu \u00fcberweisen oder wirtschaftliche Ressourcen direkt oder indirekt zur Verf\u00fcgung zu stellen. Damit soll der Zugriff auf die Verm\u00f6genswerte verunm\u00f6glicht werden. Ausserdem soll verhindert werden, dass die Sanktionierten auf andere Weise an Finanzmittel oder andere Verm\u00f6genswerte gelangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Sperrung von wirtschaftlichen Ressourcen sind Verm\u00f6genswerte jeder Art betroffen. Gesperrt werden m\u00fcssen insbesondere H\u00e4user oder Luxusg\u00fcter, wie teure Autos, Flugzeuge oder die zurzeit im Ausland unter grosser medialer Aufmerksamkeit stehenden Yachten. Die genannten wirtschaftlichen Ressourcen sollen nicht mehr im Wirtschaftsverkehr zur Verf\u00fcgung stehen, weil sie aufgrund der Sanktionsbestimmungen nicht mehr verkauft, vermietet oder verpf\u00e4ndet werden d\u00fcrfen. Sie werden jedoch nicht eingezogen. Eine sanktionierte Person darf somit beispielsweise weiterhin in ihrem Haus wohnen und mit ihrem Auto herumfahren, doch d\u00fcrfen diese G\u00fcter nicht verkauft und somit als Einnahmequelle verwendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wird vors\u00e4tzlich gegen die Bestimmung von <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2022\/151\/de#art_15\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art. 15 der Ukraine-Verordnung<\/a> verstossen, sieht <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2002\/564\/de#art_9\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art.&nbsp;9&nbsp;Embargogesetz<\/a> eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Busse bis zu 500&#8217;000 Schweizer Franken vor. In schweren F\u00e4llen erh\u00f6ht sich die Freiheitsstrafe auf bis zu f\u00fcnf Jahre und es kann damit eine Busse bis zu 1 Million Schweizer Franken verbunden werden. Bei fahrl\u00e4ssiger Begehung der Tat droht eine Freiheitsstrafe bis zu drei Monaten oder eine Busse bis zu 100&#8217;000 Schweizer Franken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00abEigentum\u00bb und \u00abKontrolle\u00bb im Sinne der Ukraine-Verordnung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Ukraine-Verordnung werden diese beiden Begriffe nicht n\u00e4her definiert. Literaturmeinungen oder offizielle Weisungen des SECO gibt es aufgrund der Aktualit\u00e4t der Sanktionen keine. Das SECO beantwortete unsere Anfrage Mitte Juni 2022 wie folgt: \u00abGesellschaften, die zu mehr als 50% von einer sanktionierten nat\u00fcrlichen Person, eines Unternehmens oder einer Organisation gehalten werden, erf\u00fcllen das Kriterium des Eigentums und unterstehen den Sanktionsmassnahmen\u00bb. Ob \u00abKontrolle\u00bb durch einen Sanktionierten vorliegt, muss im Einzelfall entschieden werden. Diese kann auch vorliegen, ohne dass eine sanktionierte Person die Mehrheit der Anteile an einem Unternehmen h\u00e4lt. Diesbez\u00fcglich verweist das SECO auf die <a href=\"https:\/\/data.consilium.europa.eu\/doc\/document\/ST-8519-2018-INIT\/de\/pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kriterien der EU zur Bestimmung der Kontrolle<\/a>. Diese seien f\u00fcr die Schweiz zwar nicht verbindlich, k\u00f6nnen aber immerhin als Vorbild dienen.&nbsp;Gem\u00e4ss diesen k\u00f6nnen folgende F\u00e4lle unter den Begriff der Kontrolle einer sanktionierten Person fallen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ein sanktionierter Teilhaber einer Gesellschaft, der mit weniger als 50% beteiligt ist, jedoch das Recht hat, die Mehrheit der Mitglieder des Verwaltungs-, Leitungs- oder Aufsichtsorgans zu bestellen oder abzuberufen. Somit kann dieser indirekt \u00fcber das leitende Organ seine Anliegen in der Gesellschaft einbringen.<\/li>\n\n\n\n<li>Ebenso kann ein sanktionierter Gesellschafter mittels Stimmbindungs- oder anderen Aktion\u00e4rsbindungsvertr\u00e4gen seine Meinung aufgrund dieser Beherrschungsverh\u00e4ltnisse durchsetzen und die Gesellschaft kontrollieren.<\/li>\n\n\n\n<li>Auch ist der Kontrollbegriff wohl erf\u00fcllt, wenn die Person berechtigt ist, \u00fcber Teile oder das gesamte Verm\u00f6gen der juristischen Person zu verf\u00fcgen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Wie haben Rechtsanw\u00e4ltinnen und Rechtsanw\u00e4lte vorzugehen, wenn sie von einem oben beschriebenen, unter die Sanktionsmassnahmen fallenden Sachverhalt erfahren?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meldepflicht oder Anwaltsgeheimnis?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4ss <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2022\/151\/de#art_16\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art. 16 der Ukraine-Verordnung<\/a> sind \u00abPersonen und Institutionen, die Gelder halten oder verwalten oder von wirtschaftlichen Ressourcen wissen, von denen anzunehmen ist, dass sie unter die Sperrung nach <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2022\/151\/de#art_15\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art. 15 Absatz 1<\/a> fallen\u00bb zur unverz\u00fcglichen Meldung an das SECO verpflichtet. Dabei haben diese die Namen der Beg\u00fcnstigten sowie Angaben zur Art und zum Wert der betreffenden Gelder und wirtschaftlichen Ressourcen zu melden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsicherheit besteht hinsichtlich der Frage, ob auch Rechtsanw\u00e4ltinnen und Rechtsanw\u00e4lte bei Kenntnis eines unter die Ukraine-Verordnung fallenden Sachverhalts zu einer Meldung verpflichtet sind. Auf der einen Seite sind diese verpflichtet sicherzustellen, dass sie nicht bei der Umgehung von Sanktionsmassnahmen behilflich sind. Auf der anderen Seite sind sie im Rahmen des Anwalts-, beziehungsweise Berufsgeheimnisses zur Geheimhaltung aller relevanter Umst\u00e4nde, die ihnen im Zusammenhang mit der Aus\u00fcbung ihres Berufes anvertraut beziehungsweise bekannt werden, verpflichtet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Umsetzung in der Praxis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die EU sieht in Art. 8 Abs. 1 lit. a <a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/07\/Verordnung-EU-269_2014.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Verordnung EU 269_2014&nbsp;des Rates<\/a> vom 17.03.2014 vor, dass sanktionsrechtliche Meldepflichten ungeachtet der Vorschriften zu Vertraulichkeit und Berufsgeheimnissen gelten. Die schweizerische Regelung hingegen \u00e4ussert sich nicht zum Verh\u00e4ltnis zwischen Meldepflicht und Verschwiegenheitsverpflichtung von Rechtsanw\u00e4ltinnen und Rechtsanw\u00e4lten.<\/p>\n\n\n\n<p>Professor Marcel Alexander Niggli kam in seinem im Auftrag des Schweizerischen Anwaltsverbandes erstellten Gutachten zum Schluss, dass Rechtsanw\u00e4ltinnen und Rechtsanw\u00e4lte nicht verpflichtet sind, sanktionierte Klienten und deren Verm\u00f6genswerte dem SECO zu melden, solange sie selbst keine fraglichen Verm\u00f6genswerte <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2022\/151\/de#art_16\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">halten oder verwalten<\/a>. Bei der klassischen Anwaltst\u00e4tigkeit ist demnach von keiner Meldepflicht auszugehen. Hingegen ist eine solche bei der akzessorischen Anwaltst\u00e4tigkeit nicht ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter verpflichtet <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2022\/151\/de#art_15\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art. 16 der Ukraine-Verordnung<\/a> \u00abPersonen und Institutionen\u00bb zur Meldung, \u00abwenn sie von wirtschaftlichen Ressourcen wissen, von denen anzunehmen ist, dass sie unter die Sperrung von <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2022\/151\/de#art_15\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art. 15 Absatz 1<\/a> fallen\u00bb. Hier stellt sich gem\u00e4ss Professor Niggli die Frage, ob Rechtsanw\u00e4ltinnen und Rechtsanw\u00e4lte von solchen Verm\u00f6genswerten <a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/02\/MM_SB210497.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00ab<\/a><a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/54\/757_781_799\/de#art_321\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">beil\u00e4ufig erfahren<\/a><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/02\/MM_SB210497.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00bb<\/a>&nbsp;oder ob der Klient ihnen diese Informationen zu den Verm\u00f6genswerten <a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/02\/MM_SB210497.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00ab<\/a><a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2002\/153\/de#art_13\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">anvertraut<\/a><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/02\/MM_SB210497.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00bb<\/a>&nbsp;hat. Im letzten Fall greift das <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2002\/153\/de#art_13\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">anwaltliche Berufsgeheimnis<\/a>, auch \u00abAnwaltsgeheimnis\u00bb genannt, dessen Einschr\u00e4nkung in keiner Bestimmung vorgesehen und demnach auch nicht zul\u00e4ssig ist. Erfahren die Rechtsanw\u00e4ltinnen und Rechtsanw\u00e4lte somit im Rahmen ihrer beratenden T\u00e4tigkeit von solchen wirtschaftlichen Ressourcen, sind sie nicht zur Meldung an das SECO verpflichtet. Die erste Variante untersteht dem weiter gefassten Geheimnisschutz des <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/54\/757_781_799\/de#art_321\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">strafrechtlichen Berufsgeheimnisses<\/a>, im Folgenden \u00abBerufsgeheimnis\u00bb genannt. Im Gegensatz zum Anwaltsgeheimnis sind Einschr\u00e4nkungen des Berufsgeheimnisses in gewissen F\u00e4llen erlaubt. Und zwar dann, wenn dies eidgen\u00f6ssische oder kantonale Bestimmungen \u00fcber die Melde- und Mitwirkungsrechte, \u00fcber die Zeugnispflicht oder Auskunftspflicht gegen\u00fcber einer Beh\u00f6rde vorsehen. Eine solche Einschr\u00e4nkung bedarf allerdings einer ausdr\u00fccklichen gesetzlichen Grundlage, die gem\u00e4ss Professor Niggli gegenw\u00e4rtig nicht besteht.&nbsp;Die Sanktionsregeln der Ukraine-Verordnung&nbsp;haben bloss Verordnungscharakter und sind strafrechtlich zu unbestimmt. Folglich d\u00fcrfen Rechtsanw\u00e4ltinnen und Rechtsanw\u00e4lte auch unter dem weiteren Blickwinkel des Berufsgeheimnisses keine Meldung an das SECO erstatten. Ansonsten begehen sie eine Verletzung des Berufsgeheimnisses und riskieren eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Rechtsanw\u00e4ltinnen und Rechtsanw\u00e4lte gem\u00e4ss dem Gutachten von Professor Niggli keine Meldung an das SECO erstatten m\u00fcssen, solange keine fraglichen Verm\u00f6genswerte gehalten oder verwaltet werden. Dennoch sollte der Klient aufgrund der Berufspflichten auf die Vorgaben der Ukraine-Verordnung hingewiesen werden. Umfasst das Mandat somit auch das Halten oder Verwalten von fraglichen Verm\u00f6genswerten, so scheint es angezeigt, dieses abzulehnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das SECO <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Aussenwirtschaftspolitik_Wirtschaftliche_Zusammenarbeit\/Wirtschaftsbeziehungen\/exportkontrollen-und-sanktionen\/sanktionen-embargos\/sanktionsmassnahmen\/faq_russland_ukraine.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">sch\u00e4tzt die Situation \u00e4hnlich ein<\/a>. Bei der \u00abkernanwaltschaftlichen\u00bb T\u00e4tigkeit seien Rechtsanw\u00e4ltinnen und Rechtsanw\u00e4lte nicht zur Meldung von Verm\u00f6genswerten verpflichtet. Insbesondere bei der Vertretung vor Gericht soll das Anwaltsgeheimnis der Meldepflicht vorgehen. Anders sieht es bei den \u00fcbrigen T\u00e4tigkeiten, wie beispielsweise bei der Verm\u00f6gensverwaltung oder bei treuh\u00e4nderischen T\u00e4tigkeiten, aus. Hierbei vertritt das SECO die Ansicht, dass Rechtsanw\u00e4ltinnen und Rechtsanw\u00e4lte zur Meldung gem\u00e4ss Ukraine-Verordnung verpflichtet sind und das Anwaltsgeheimnis in den Hintergrund r\u00fcckt. Die Unterscheidung erscheint sinnvoll und praktikabel, doch ergeben sich in der Praxis gleichwohl regelm\u00e4ssig Abgrenzungsschwierigkeiten. In diesem Zusammenhang stellt sich das SECO auf den Standpunkt, dass die Gerichte entscheiden sollen, ob das Anwaltsgeheimnis oder die Meldepflicht im jeweiligen Fall Vorrang hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schlussbemerkung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Konkrete Vorgaben an die Rechtsanw\u00e4ltinnen und Rechtsanw\u00e4lte zur Meldepflicht von sanktionierten Personen oder Institutionen mit Bezug zu Russland existieren bisher nicht. Die j\u00fcngsten Entwicklungen scheinen daf\u00fcr zu sprechen, dass dem Anwalts-, beziehungsweise Berufsgeheimnis Vorrang gegeben wird und diese lediglich bei nicht-berufstypischen T\u00e4tigkeiten aufgehoben werden \u2013 dies im Gegensatz zur EU. Somit wird das Anwaltsgeheimnis aus den genannten Gr\u00fcnden zurecht st\u00e4rker gewichtet als die Sanktionsmassnahmen der Ukraine-Verordnung.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der n\u00e4chste Beitrag auf dem Blog Economic Crime erscheint nach den Sommerferien am 22. August 2022.<\/em><\/p>\n\n\n\t\t<div class=\"detail__member\">\n\t\t<h1 class=\"detail__member--title\">Autor: Dr. iur. Michael Mr\u00e1z<\/h1>\n\t\t<figure class=\"detail__member--img\">\n\t\t\t\t\t\t<!-- <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"1060\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/07\/michael-mraz-portrait.jpg\" class=\"attachment-normal size-normal\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/07\/michael-mraz-portrait.jpg 800w, https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/07\/michael-mraz-portrait-226x300.jpg 226w, https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/07\/michael-mraz-portrait-773x1024.jpg 773w, https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/07\/michael-mraz-portrait-768x1018.jpg 768w, https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/07\/michael-mraz-portrait-527x698.jpg 527w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/> -->\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/07\/michael-mraz-portrait.jpg\" alt=\"\">\n\t\t<\/figure>\n\t\t<div class=\"detail__member--content\">\n\t\t\t<div class=\"detail__member--content--description\">\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.wengervieli.ch\/team\/mraz-michael\" target=\"_blank\">Dr. iur. Michael Mr\u00e1z<\/a> ist Partner bei Wenger Vieli AG in Z\u00fcrich und Fachanwalt SAV Strafrecht. Er verteidigt Personen und Unternehmen in Straf- und Untersuchungsverfahren. Zudem ber\u00e4t er Unternehmen bei der Aufkl\u00e4rung und der Vorbeugung von strafrechtlichen oder disziplinarischen Verst\u00f6ssen.\r\n\r\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\n\t\t\t\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\t\t<div class=\"detail__member\">\n\t\t<h1 class=\"detail__member--title\">Autorin: Tatyana Rodelli<\/h1>\n\t\t<figure class=\"detail__member--img\">\n\t\t\t\t\t\t<!-- <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"226\" height=\"300\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/07\/tatyana-rodelli-portrait-226x300-1.jpeg\" class=\"attachment-normal size-normal\" alt=\"\" \/> -->\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/07\/tatyana-rodelli-portrait-226x300-1.jpeg\" alt=\"\">\n\t\t<\/figure>\n\t\t<div class=\"detail__member--content\">\n\t\t\t<div class=\"detail__member--content--description\">\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.wengervieli.ch\/de-ch\/team\/rodelli-tatyana\" target=\"_blank\">MLaw Tatyana Rodelli<\/a> ist Junior Lawyer bei Wenger Vieli AG in Z\u00fcrich und insbesondere im Bereich Wirtschaftsstrafrecht t\u00e4tig. Sie sammelt die n\u00f6tige Praxiserfahrung f\u00fcr den Erwerb ihres Anwaltspatents. Vor ihrer T\u00e4tigkeit bei Wenger Vieli AG war sie w\u00e4hrend ihrem Studium an der Universit\u00e4t Luzern als Klinikmanagerin Junior am Universit\u00e4tsspital Z\u00fcrich t\u00e4tig.\r\n\r\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\n\t\t\t\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\t\t<div class=\"detail__member\">\n\t\t<h1 class=\"detail__member--title\">Autor: Michel Peterli <\/h1>\n\t\t<figure class=\"detail__member--img\">\n\t\t\t\t\t\t<!-- <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"226\" height=\"300\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/07\/Michel_Peterli_Portrait-226x300-1.jpeg\" class=\"attachment-normal size-normal\" alt=\"\" \/> -->\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/economiccrime\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2022\/07\/Michel_Peterli_Portrait-226x300-1.jpeg\" alt=\"\">\n\t\t<\/figure>\n\t\t<div class=\"detail__member--content\">\n\t\t\t<div class=\"detail__member--content--description\">\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.wengervieli.ch\/de-ch\/team\/peterli-michel\" target=\"_blank\">MLaw Michel Peterli<\/a> ist Junior Lawyer bei Wenger Vieli AG in Z\u00fcrich und insbesondere im Bereich Wirtschaftsstrafrecht t\u00e4tig. Er sammelt die n\u00f6tige Praxiserfahrung f\u00fcr den Erwerb seines Anwaltspatents. W\u00e4hrend seinem Studium an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich arbeitete er als juristischer Mitarbeiter in einer Kanzlei in Z\u00fcrich.\r\n\r\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\n\t\t\t\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgrund der anhaltenden russischen Milit\u00e4raggression gegen die Ukraine reagierten verschiedene L\u00e4nder mit scharfen Sanktionen gegen Russland. Diese erweitern und ver\u00e4ndern sich fortlaufend. Dabei den \u00dcberblick zu behalten, ist nicht leicht. Dennoch ist es wichtig, die diesbez\u00fcglichen Verbote und Gebote zu kennen, um nicht mit den Strafbestimmungen in Ber\u00fchrung zu kommen. 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