{"id":3073,"date":"2010-07-26T09:10:20","date_gmt":"2010-07-26T08:10:20","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/ifz\/?p=3073"},"modified":"2020-05-20T14:54:52","modified_gmt":"2020-05-20T12:54:52","slug":"noch-ein-langer-weg-zur-finanzmarktstabilitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/ifz\/2010\/07\/26\/noch-ein-langer-weg-zur-finanzmarktstabilitat\/","title":{"rendered":"Noch ein langer Weg zur Finanzmarktstabilit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/ifz\/wp-content\/blogs.dir\/165\/files\/sites\/6\/2010\/05\/10114152.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"1011415\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/ifz\/wp-content\/blogs.dir\/165\/files\/sites\/6\/2010\/05\/10114152-150x150.jpg\" alt=\"1011415\" width=\"63\" height=\"63\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von <a href=\"http:\/\/www.hslu.ch\/hochschule-luzern\/h-ueber-uns\/h-person.htm?id_person=1011415&amp;id_teilschule=25650&amp;row=0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Maurice Pedergnana<\/a>, Prof. Dr.oec., Hochschule Luzern &#8211; Wirtschaft<br \/>\nerschienen in der <a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/ifz\/wp-content\/blogs.dir\/165\/files\/sites\/6\/2010\/07\/Zentralschweiz-am-Sonntag.pdf\">Zentralschweiz am Sonntag<\/a>\u00a0am 24. Juli 2010<\/p>\n<p>Wenn man die <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/flash\/flash-23950.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ergebnisse der Stresstests f\u00fcr europ\u00e4ische Banken<\/a>\u00a0anschaut, k\u00f6nnte man auf den ersten Blick aufatmen. Dazu hat man in der Schweiz auch guten Grund, selbst nach einer vertieften Analyse, denn die Ergebnisse f\u00fcr die beiden Grossbanken sind positiv ausgefallen. Dagegen ist es verfr\u00fcht, zahlreiche weitere europ\u00e4ische Grossbanken als gesund und stressresistent zu bezeichnen. \u00dcber manchen schwebt das Damoklesschwert. Eine n\u00e4chste Krise werden sie kaum ohne Staatshilfe oder vorheriger kr\u00e4ftiger Eigenmittelbeschaffung \u00fcberstehen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Transparenz ist neuartig f\u00fcr europ\u00e4ische Verh\u00e4ltnisse, aber f\u00fcr angels\u00e4chsische Investoren zu banal. F\u00fcr jede der 91 grossen Banken sind die Resultate einzeln publiziert worden, doch was nutzen Antworten, wenn die Fragen nicht bekannt sind, lautete der berechtigte Kommentar eines Finanzanalysten aus den USA.<\/p>\n<p>Die schweizerische Finanzmarktaufsichtsbeh\u00f6rde FINMA hat gleichzeitig die<strong> <\/strong><a href=\"http:\/\/www.finma.ch\/d\/aktuell\/Seiten\/mm-stresstesting-20100723.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ergebnisse der Stresstests<\/a>\u00a0ihrer Grossbanken bekannt gegeben. Aufgrund der besonderen Situation in der Schweiz mit zwei Grossbanken von hoher systemischer Bedeutung wurden hierzulande speziell strenge Szenarien unterstellt; sowohl UBS wie auch Credit Suisse h\u00e4tten auch nach Eintreten solcher makro\u00f6konomischen Schockszenarien \u00fcber eine stabile Kapitalbasis verf\u00fcgt. Die Schweizer Grossbanken z\u00e4hlen zweifellos zu den \u201eSiegern\u201c dieser Stresstest-Verfahren. Doch wem hilft dies weiter?<\/p>\n<p>Eine gemeinsame Medienmitteilung des <a href=\"http:\/\/www.c-ebs.org\/EuWideStressTesting.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Komitees der europ\u00e4ischen Bankenaufseher CEBS<\/a>, der <a href=\"http:\/\/www.ecb.int\/home\/html\/index.en.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Europ\u00e4ischen Zentralbank EZB<\/a><strong>\u00a0<\/strong>und der EU-Kommission zeigt an sich schon die Neuartigkeit der Kommunikation. Aus dem Stressszenario l\u00e4sst sich dann allerdings auch ableiten, dass insbesondere nicht (!) gepr\u00fcft werden musste, wie es um eine Bank steht, wenn ein Staat der Europ\u00e4ischen Union zahlungsunf\u00e4hig wird. Das ist und bleibt ein Szenario angesichts der horrenden Verschuldung europ\u00e4ischer Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien). Ob realistisch oder nicht, auf die wahren Schockszenarien wurden die 91 Banken nicht getestet. Dementsprechend n\u00fcchtern sind die Ergebnisse seit Freitagabend aufgenommen worden. Der schlechte Zustand von gewissen spanischen, griechischen und einzelnen deutschen Banken war schon vor den Stresstests bekannt. Immerhin sind nach wie vor 38 dieser 91 Banken in starker staatlicher Abh\u00e4ngigkeit. \u00dcber ganze L\u00e4nder wie beispielsweise Irland, Griechenland, Ungarn und Grossbritannien mussten zudem riesige Rettungsschirme aufgetan werden, damit das Bankensystem nicht kollabiert ist.<\/p>\n<p>Aber blenden wir kurz zur\u00fcck: Im Laufe des Jahres 2009 bildeten sich viele <a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/download\/presse\/reden\/2010\/20100701.zeitler_frankfurt.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Finanzmarktindikatoren<\/a>\u00a0wieder auf Niveaus zur\u00fcck, wie wir sie von vor der Krise oder zumindest aus der Zeit vor der Insolvenz von Lehman Brothers gewohnt waren. Der Optimismus an den M\u00e4rkten und auch die konjunkturelle Zuversicht nahmen zu.<\/p>\n<p>Ende April 2010 kippte das Stimmungsbild; augenblicklich war die Lage von hohen Unsicherheiten gepr\u00e4gt. F\u00fcr mich als \u00d6konom war die Wucht erstaunlich, denn es traten kaum Neuigkeiten auf. Dass Griechenlands Zahlen sch\u00f6n gef\u00e4rbt waren, wussten bei der statistischen Beh\u00f6rde <a href=\"http:\/\/epp.eurostat.ec.europa.eu\/portal\/page\/portal\/eurostat\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Eurostat<\/a><strong>\u00a0<\/strong>l\u00e4ngst alle. Und dass der spanische Immobilienmarkt marode ist, weiss jeder Feriengast. Auch die miserable Haushaltsdisziplin in Italien wie in Frankreich ist seit bald 50 Jahren nicht wirklich neu. \u00a0Hinl\u00e4nglich bekannt war auch das Ausmass der Staatsverschuldung, und auch deren sprunghafter Anstieg als \u201eKollateralschaden\u201c der Krise nach Lehmann und ihrer Bek\u00e4mpfung.<\/p>\n<p>Der Euro verliert 17 % an Wert gegen\u00fcber dem Dollar allein in diesem Jahr, und dabei steht die US-amerikanische Volkswirtschaft auf wackeligen Beinen und schiebt enorme Lasten (extrem hohes Staatsdefizit, steigende Besch\u00e4ftigungslosigkeit, marode Infrastruktur) vor sich hin. Aber das Misstrauen gegen\u00fcber dem alternden, selbstgef\u00e4lligen, zerstrittenen Europa ist weltweit noch viel gr\u00f6sser: Europa ist in der ausserkontinentalen Wahrnehmung eine Ansammlung von Statistikf\u00e4lschern, politischen Hazardeuren (Sarkozy) und Clowns (Berlusconi), Eigenbr\u00f6tlern (Cameron) und solchen, die unwillig sind, harte und l\u00e4ngst f\u00e4llige Entscheidungen zu treffen (Merkel). Deshalb d\u00fcrfte die extreme Fragilit\u00e4t der Finanzm\u00e4rkte hier nicht wirklich abnehmen.<\/p>\n<p>Schon im Jahr 2005 wurde der europ\u00e4ische Stabilit\u00e4tspakt bedauerlicherweise gelockert. Das schlimmste Ereignis war dann aber das Nichtkonkursgehenlassen von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Griechischer_Staatsbankrott_von_1893\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Griechenland<\/a>. Ein geordnetes Scheitern h\u00e4tte f\u00fcr europ\u00e4ische Staaten eine wichtige Disziplinierungs- und Lenkungsfunktion gehabt. Stattdessen musste im Mai dieses Jahres ein in der Geschichte der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion beispielloses Hilfs- und Stabilisierungspaket geschn\u00fcrt werden \u2013 zur Rettung einzelner Staaten und ihrer Gl\u00e4ubigerbanken. Bis zu 440 Milliarden Euro an Krediten k\u00f6nnen vergeben werden. Weitere 250 Milliarden Euro stellt der <a href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/index.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Internationale W\u00e4hrungsfonds IWF<\/a>\u00a0bereit. Aber noch scheint es wenige zu k\u00fcmmern, dass die kreditfinanzierte Stimulierung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage h\u00f6chstens ein Dauerzustand mit Drogencharakter ist. Und wie lange leben Junkies? Haben wir in Europa eine glaubw\u00fcrdige Exit-Strategie von der Droge Staatsverschuldung?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong> Eine Vertrauensst\u00e4rkung erfolgt nicht mit der Bekanntgabe von Stresstests, ohne die detaillierten Stressszenarien offenzulegen. Wirklich Vertrauen geschaffen werden kann nur durch eine weitsichtige W\u00e4hrungs- und Wirtschaftspolitik \u2013 nicht nur in einzelnen L\u00e4ndern, sondern in ganz Europa!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/ifz\/wp-content\/blogs.dir\/165\/files\/sites\/6\/2010\/07\/Unterschrift-Maurice1.PNG\"><\/a><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/ifz\/wp-content\/blogs.dir\/165\/files\/sites\/6\/2010\/07\/Unterschrift-Maurice.PNG\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hslu.ch\/hochschule-luzern\/h-ueber-uns\/h-person.htm?id_person=1011415&amp;id_teilschule=25650&amp;row=0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Prof. Dr. oec. Maurice Pedergnana<\/a><br \/>\nZug, 24. Juli 2010<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Maurice Pedergnana, Prof. Dr.oec., Hochschule Luzern &#8211; Wirtschaft erschienen in der Zentralschweiz am Sonntag\u00a0am 24. 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