IKM Alumni im Interview: Digitaler Wandel in der Jobwelt – Dominik Scheier

IKM Alumni im Interview: Digitaler Wandel in der Jobwelt – Dominik Scheier

Das Weiterbildungsangebot am Institut für Kommunikation und Marketing IKM umfasst aktuell drei MAS-Programme, 15 CAS sowie 11 Weiterbildungskurse. Wir haben Alumni unserer Weiterbildungen interviewt.

Die digitale Transformation verändert nicht nur unser Nutzerverhalten, sondern auch die Joblandschaft. Sie führt dazu, dass Stellenprofile sich verändern oder gänzlich neue Aufgabenbereiche entstehen. Im dritten Teil dieser Blog-Reihe beschreibt Dominik Scheier an seinem Beispiel, welche Chancen sich dabei bieten – und welche Rolle der Weiterbildung dabei zukommt.

Du konntest die Transformation für dein Weiterkommen nutzen, beschreibe doch kurz deine heutige Tätigkeit

Bis vor Kurzem arbeitete ich als UX-Designer bei einem Schweizer Solarhersteller. Das Unternehmen investiert enorm viel in die Digitalisierung und entwickelt Tools, die den Kund:innen das Leben erleichtern. In einem interdisziplinären Team war es meine Aufgabe, diese zu designen und Überlegungen aus den Konzepten in Prototypen darzustellen. Wie sehen Oberflächen und Dialoge aus? Über welche Wege gelangen die Nutzer:innen zu ihrem Ziel? Wie können Mensch und Software möglichst verständlich interagieren? Mit Fragen wie diesen beschäftigte ich mich.

Über welchen Weg bist du zu dieser Stelle gekommen?

Ich habe einen Hintergrund als Grafiker und einige Jahre in dieser Funktion in Agenturen gearbeitet. Mit dem Wunsch, mich stärker in Planungs- und Kreationsprozesse von Kampagnen einbringen zu können, absolvierte ich das CAS Marketing Communication. Damit verbunden war auch ein Seitenwechsel vom externen Dienstleister auf Agenturseite, zu einer internen Position in einem Industriebetrieb.

Der besagte Solarhersteller hat mich als Marketing-Assistent ins Boot geholt. Meine ersten Schwerpunkte waren damals die Weiterentwicklung des Corporate Design sowie die Neugestaltung der Webseite und der gedruckten Kommunikationsmittel.

Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde in der Software-Abteilung an digitalen Lösungen getüftelt. Das ehrgeizigste Projekt war ein Online-Konfigurator für Solaranlagen. Als ich in dieses Team geholt wurde, funktionierte auf technischer Ebene bereits sehr vieles. Nur war die Software in der allerersten Version dermassen kompliziert, dass selbst Profis mit spezifischem Fachwissen nicht in der Lage gewesen wären, diese zu bedienen. Damit stand ich plötzlich vor der Herausforderung Benutzeroberflächen und Dialoge so zu designen, dass sie für unsere Kund:innen verständlich sind. Die Softwareprojekte gewannen laufend an Bedeutung, sodass sich mein Aufgabengebiet entsprechend veränderte.

Du beschreibst eine Entwicklung im Unternehmen selbst. Was waren denn für dich die Gründe für eine Weiterbildung?

Je mehr das UX-Design zu meiner Haupttätigkeit wurde, desto stärker merkte ich, dass ich mit dem autodidaktischen Vorgehen an Grenzen stiess. Mir fehlten irgendwann die Modelle, nach denen ich vorgehen und anhand derer ich meine Überlegungen begründen konnte.

Zudem stellte ich fest, dass sich eine gewisse Betriebsblindheit eingeschlichen hat. Meine Teamkollegen und ich betrachteten unsere Produkte sehr einseitig von der technischen Seite her. Es gelang uns zu wenig, unsere Entwicklungen aus der Rolle der Benutzer:innen zu sehen. Dabei ist genau das der Kern des Ganzen.

Wie macht man aus einer komplizierten Software ein nützliches Tool, mit dem unsere Kund:innen gerne arbeiten? Das war eine der Fragen, die mich umtrieb. Im CAS Digital Customer Experience erhoffte ich mir Antworten darauf.

Du hattest also hohe Erwartungen an die Weiterbildung. Wurden diese erfüllt?

Im CAS konnte ich das «Aquarium» des eigenen Betriebs verlassen. Ein nicht unwesentlicher Teil waren die Gespräche mit den anderen Teilnehmer:innen, Fachleute aus den unterschiedlichsten Branchen. Zu sehen, welche Herausforderungen andere in ihren Betrieben zu meistern haben – und welche Lösungsansätze sie dabei verfolgen, öffnet den Blick enorm.

Die Programminhalte werden von Dozent:innen vermittelt, die mitten im Wirtschaftsleben stehen. Es sind teils sehr inspirierende Personen, Taktgeber:innen am Puls der Zeit, die spannende Einblicke in ihre Tätigkeiten vermitteln. Die Theorie wird nicht in den luftleeren Raum gesetzt, sondern steht immer in direktem Bezug zu konkreten Teams oder Unternehmen, die damit arbeiten. In gewisser Weise ist der CAS ein Fenster in die Zukunft. Begriffe wie künstliche Intelligenz, Big/Smart Data oder Gamification werden plötzlich sehr konkret. In diversen Beispielen, wie solche Technologien oder Methoden zum Einsatz kommen, werden sie fassbar gemacht.

Was für mich wichtig war: Die Weiterbildung versteht sich als Plattform für Experimente. In kurzen Übungen können immer wieder Case Studies diskutiert und in Form von Prototypen ausprobiert werden. Dabei geht es nicht nur um die Fragestellungen an sich, sondern ebenso um die Methoden, mit denen Teams im Idealfall vorgehen. Lösungen nach der Design Thinking Methode und in agilen Settings zu erarbeiten, habe ich als enorm anregend empfunden.

Dominik Scheier
UX-Designer und Absolvent des CAS Digital Customer Experience

Was ist das Wichtigste, das du mitnimmst?

Die erste «Erkenntnis» ist an sich simpel: im Zentrum stehen immer die Nutzer:innen. Hier hat sich die Prämisse grundlegend geändert. Es sind nicht mehr die Creative Directors, die vermeintlich wissen, wie die Dinge auszusehen und zu funktionieren haben. Beim Human Centered Design geht es darum, die Services oder Produkte aus der Perspektive derjenigen zu betrachten, die diese nachfragen und kaufen. In iterativen Prozessen wird versucht, die Menschen zu verstehen und Lösungen zu kreieren, die für bestimmte Gruppen nützlich sind. Und spätestens hier kommen Daten ins Spiel. Das Thema Datenerhebung und -Analyse ist darum einer der Schwerpunkte des CAS. Es geht darum, ein Gespür dafür zu bekommen, mit welchem Ziel welche Dinge gemessen werden können und welche Schlüsse daraus sich auf das Design einzelner Touchpoints übertragen lassen.

Der zweite Punkt ist die Arbeitsmethode selbst. Wer heute im Marketing oder der Entwicklung digitaler Produkte tätig ist, bewegt sich immer in interdisziplinären Teams. Im CAS wird ein Verständnis dafür entwickelt, wie in anderen Fachbereichen gedacht und gearbeitet wird. Ich muss nicht selber programmieren, den perfekten Content liefern oder komplexe Daten analysieren können. Aber ich sollte die gleiche Sprache sprechen wie die Teamkolleg:innen, deren Kernkompetenz das ist. Die Weiterbildung bietet teils vertiefte Einblicke in andere Fachbereiche und Anwendungsfelder und fördert so das Verständnis dafür.

Wie stehen aus deiner Sicht das Lernen im Job und eine Weiterbildung zueinander?

Die digitale Welt, in der wir uns als Nutzer:innen sowie als kreative Akteur:innen bewegen, entwickelt sich rasant. Innovationsprojekte in Unternehmen können tolle Chancen für die berufliche Weiterentwicklung bieten. Und die Digitalisierung betrifft alle Branchen. Nur scheint doch allzu oft das Tagesgeschäft zu dringend und die Zeit, um seine eigenen Arbeitsmethoden zu überdenken, nicht vorhanden zu sein.

Eine Weiterbildung bietet darum den idealen Rahmen, um etwas Abstand zu den Alltagsaufgaben zu gewinnen. Auch um einen Aquarium-Effekt, wie ich ihn beschrieben habe, zu vermeiden, halte ich Inputs von aussen für unerlässlich. Das bringt nicht nur einen persönlich weiter, sondern im besten Fall das ganze Team.

Ausserdem ist die Weiterbildung ein idealer Ort, um sein persönliches Netzwerk auszubauen. Es können sich gute Kontakte oder gar Freundschaften ergeben, die bestehen bleiben, lange nachdem einem das Diplom überreicht wurde.

Ich bin überzeugt, dass es beides braucht. Vielleicht lässt sich der Vergleich mit einem Computer wagen: Mit einem bestimmten System lässt sich lange wunderbar arbeiten. Allerdings braucht es gelegentlich ein Update, um von der neuesten Version der Software profitieren zu können.

Interessiert zu erfahren was andere Alumni gesagt haben? Hier geht’s zum zweiten Teil.

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