{"id":2494,"date":"2017-08-10T06:00:54","date_gmt":"2017-08-10T04:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/?p=2494"},"modified":"2017-08-29T10:46:23","modified_gmt":"2017-08-29T08:46:23","slug":"wie-die-digitalisierung-die-immobilienbranche-veraendert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/2017\/08\/10\/wie-die-digitalisierung-die-immobilienbranche-veraendert\/","title":{"rendered":"Wie die Digitalisierung die Immobilienbranche ver\u00e4ndert"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Dampfmaschine und der Verbrennungsmotor haben jeweils Revolutionen ausgel\u00f6st und Gesellschaft und Wirtschaft fundamental ver\u00e4ndert. Werden die Entwicklungen der Computertechnologie und des Internets \u00c4hnliches bewirken?<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #e200ff\"><em>Prof. Dr. Markus Schmidiger<\/em><\/span><\/p>\n<p>Verschiedene Megatrends haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten ausgebildet und zunehmenden Einfluss auf unsere Gesellschaft als Ganzes und die Immobilienwirtschaft im Speziellen gewonnen. \u00dcber den demografischen Wandel und seine Folgen ist viel geschrieben worden (vgl. H\u00f6pflinger, Van Vezemael, 2015; <a href=\"https:\/\/www.buch.ch\/shop\/home\/suchartikel\/ID44855441.html?sq=Pensionierte%20auf%20dem%20Wohnungsmarkt#reviewsHeader\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zimmerli, Schmidiger, 2016<\/a>)\u00a0und auch der Wertewandel in der Gesellschaft und seine Auswirkungen sind verschiedentlich beleuchtet worden (vgl. Roos, G., 2011). In letzter Zeit gewinnt der Einfluss des technologischen Wandels zunehmend an Beachtung. Viele Akteure sp\u00fcren die Auswirkungen der Digitalisierung in Form von Internet, Virtual Reality, Building Information Modeling (BIM), MobileWorking, etc. auf ihr Gesch\u00e4ft und fragen sich, was dies f\u00fcr die Zukunft ihrer Firmen bedeutet.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #e200ff\"><strong>Die digitale Revolution<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Mehr und mehr ist festzustellen, dass Unternehmensf\u00fchrer sich ernsthaft Gedanken dar\u00fcber machen, was die sogenannte \u201eDigitale Revolution\u201c f\u00fcr ihr Unternehmen bedeuten k\u00f6nnte. In Gespr\u00e4chen ist immer h\u00e4ufiger eine grosse Verunsicherung festzustellen und die Angst, dass das eigene Gesch\u00e4ftsmodell oder sogar das eigene Unternehmen aufgrund von Ver\u00e4nderungen in diesem Bereich sowie durch neue Mitspieler obsolet werden k\u00f6nnte. Viele haben den Eindruck, dass hier eine grundlegende Revolution im Gange sein k\u00f6nnte, die grosse Ver\u00e4nderungen mit sich bringen wird.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich scheinen wir uns in der Anfangsphase einer neuen \u201eindustriellen Revolution\u201c zu befinden, die durchaus vergleichbar ist mit den gesellschaftlichen und \u00f6konomischen Umw\u00e4lzungen, die etwa die Erfindung des Buchdrucks, der Dampfmaschine oder des Autos nach sich gezogen haben. Aus diesem Grund lohnt es sich, die Hintergr\u00fcnde und die wesentlichen Treiber dieser fundamentalen Verschiebungen genauer zu betrachten.<\/p>\n<p>Die grossen gesellschaftlichen und \u00f6konomischen Revolutionen der Vergangenheit beruhten in der Regel auf einem Zusammentreffen neuer Technologien, neuer Infrastrukturen und neuer Energieformen, was in Kombination dazu f\u00fchrte, dass sich die Art und Weise, wie Menschen lebten, produzierten und miteinander kommunizierten, grundlegend ver\u00e4nderte (vgl. Rifkin, 2014). Die Buchpresse in Kombination mit dem Aufkommen der Wind und Wasserm\u00fchlen trug ab dem 15. Jahrhundert massgeblich zum Niedergang von Aristokratie und Klerus bei und damit zum Aufkommen von St\u00e4dten, B\u00fcrgertum und Handwerkern.<\/p>\n<p>Die Erfindung der Dampfmaschine f\u00fchrte Ende des 18. Jahrhunderts zu einer auf Kohle als Energietr\u00e4ger basierenden Wirtschaft. Die Eisenbahn wurde das neue, schnelle und verl\u00e4ssliche Transportmittel. Dampfgetriebene Maschinen erm\u00f6glichten die Automatisierung ganzer Industriezweige und f\u00fchrten rasch zur Substitution menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen, zuerst sehr markant in der Textilindustrie, sp\u00e4ter in allen anderen Branchen.<\/p>\n<p>Die zweite \u201eindustrielle Revolution\u201c basierte auf der Verwendung von \u00d6l als neuem, breit verf\u00fcgbarem, g\u00fcnstigem und einfach transportierbarem Energietr\u00e4ger, in Kombination mit der Erfindung der Telefonie, die v\u00f6llig neue und schnelle Kommunikationsm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnete, was erneut zu grossen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umw\u00e4lzungen f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Aktuell und in den kommenden Jahren erreichen die drei Basisinnovationen. Computertechnologie, Internet und regenerative Stromerzeugung einen Reifegrad, der bereits zu markanten Durchbr\u00fcchen gef\u00fchrt hat und zu weiteren f\u00fchren wird. In Kombination werden sie mit grosser Wahrscheinlichkeit Ver\u00e4nderungen bewirken, die durchaus mit den grossen Revolutionen der Vergangenheit vergleichbar sind und damit unsere Gesellschaft und unser Wirtschaftssystem grundlegend ver\u00e4ndern. Wie diese Ver\u00e4nderungen aussehen werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht konkret vorausgesagt werden, dennoch sind gewisse Tendenzen erkenn- und damit in gewisser Weise prognostizierbar.<\/p>\n<p>Die<span style=\"color: #e200ff\"><strong> Computertechnologie<\/strong> <\/span>hat in den letzten Jahren massiv an Leistung und Benutzerfreundlichkeit zugelegt. Speicherplatz, Geschwindigkeit und Komplexit\u00e4t zu l\u00f6sen der Aufgaben stellen heute keine grossen Herausforderungen mehr dar. Komponenten wurden derart verkleinert, dass sie mittlerweile auf kleinstem Platz verwendet werden k\u00f6nnen. Benutzerschnittstellen sind so intuitiv und vielf\u00e4ltig, dass die Bedienung ohne Probleme sogar von ungeschulten Personen vorgenommen werden kann. Dank der Entwicklung und Verwendung mobiler Devices f\u00fcr viele Anwendungen wurde mittlerweile eine weitgehende Ortsunabh\u00e4ngigkeit erreicht, die vorher kaum vorstellbar war.<\/p>\n<p>Die <span style=\"color: #e200ff\"><strong>\u00dcbertragungskapazit\u00e4ten des Internets<\/strong> <\/span>wurden in den letzten Jahren derart gesteigert, dass mobil bereits fast die gleiche Leistung zur Verf\u00fcgung steht wie station\u00e4r. Mit der weltumspannenden Vernetzung wurden Cloud Speicher und Cloud Rechner m\u00f6glich, welche von jedem Standort Zugriff auf fast unbeschr\u00e4nkte Daten und Rechnerleistungen erlauben und es so Unternehmen erm\u00f6glichen, ihre Strukturen virtuell und de zentral aufzubauen. Mit dem anstehenden Ausbau des \u201eInternets der Dinge\u201c wird es zudem m\u00f6glich, dass auch Gegenst\u00e4nde vollautomatisch Informationen untereinander austauschen. Distanzen und Informationsmengen sind damit so gut wie irrelevant geworden, da Daten weltweit \u00fcberall verf\u00fcgbar und beinahe kostenlos \u00fcbertragbar sind.<\/p>\n<p>Mit der <span style=\"color: #e200ff\"><strong>Energiewende<\/strong> <\/span>und dem weltweiten Ausbau der Solarenergie steht die Menschheit vor einem neuen Energiezeitalter. Mit fortschreitenden Entwicklungen steigen die Leistungen von Solarpanels laufend, w\u00e4hrend die Preise massiv sinken, so dass davon auszugehen ist, dass elektrische Energie k\u00fcnftig praktisch unbeschr\u00e4nkt und zu sehr tiefen Preisen (vgl. Mayer et al., 2015)\u00a0zur Verf\u00fcgung stehen kann, insbesondere, da sich parallel dazu auch die Speichertechnologien weiterentwickeln und verg\u00fcnstigen (vgl. Naam, 2015).<\/p>\n<p>Gemeinsam d\u00fcrften diese drei Faktoren eine Ver\u00e4nderungskraft erreichen, die mit den letzten \u201eindustriellen Revolutionen\u201c vergleichbar ist und damit zu entsprechenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umw\u00e4lzungen f\u00fchren wird. Dar\u00fcber hinaus er\u00f6ffnet die Kombination dieser drei Basisinnovationen v\u00f6llig neue M\u00f6glichkeiten in Produktion und Interaktion, die grundlegende Ver\u00e4nderungen auch in der Immobilienbranche ausl\u00f6sen werden.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #e200ff\">Folgende Trends zeichnen sich bereits heute ab oder sind im Gange:<\/span><\/h2>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten der <span style=\"color: #e200ff\"><strong>Virtual Reality<\/strong> <\/span>und der Simulation halten unter dem Stichwort BIM \u2013 Building Information Modeling Einzug in den Entwurfs- und Bauprozess. Damit k\u00f6nnen Geb\u00e4ude und beliebige andere Objekte bereits in einer sehr fr\u00fchen Entwicklungsphase umfassend erlebbar gemacht sowie Bau und Nutzungsprozesse vorab simuliert werden. Alle Projektbeteiligten greifen auf ein zentrales Modell zu und haben somit jederzeit identische und aktuelle Daten. Nutzer und andere Stakeholders k\u00f6nnen sich fr\u00fcher in den Prozess einbringen. In Kombination d\u00fcrfte dies zu besseren Produkten und massiven Beschleunigungen, Vereinfachungen und Kostenersparnissen im Produktionsprozess f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die <span style=\"color: #e200ff\"><strong>Automatisierung<\/strong><\/span>, die bisher vor allem \u00fcber Roboter und Fliessb\u00e4nder in Fabrikhallen stattgefunden hat, erreicht Bauprojekte und Baustellen. Erste Roboter oder Drohnen, welche selbst\u00e4ndig H\u00e4user bauen, sind bereits im Einsatz. Weitere Anwendungen werden folgen. Dank per Internet \u00fcberall, jederzeit und kosteng\u00fcnstig zur Verf\u00fcgung stehender Pl\u00e4ne oder Bauanleitungen wird es mit 3D-Druckern m\u00f6glich sein, die Produktion zu individualisieren, dezentralisieren und bis auf \u201eLosgr\u00f6sse eins\u201c rentabel zu gestalten. F\u00fcr Massenprodukte werden immer noch zentralisierte (und damit besser kontrollier- und automatisierbare) Fertigungen effizienter sein, aber viele Produkte wie etwa Ersatzteile, die in kleineren Losgr\u00f6ssen und aperiodisch hergestellt werden, werden dadurch erschwinglicher und individualisierbarer.<\/p>\n<p>Mit dem \u201e<span style=\"color: #e200ff\"><strong>Internet of Things<\/strong><\/span>\u201c werden mehr und mehr Gegenst\u00e4nde mit Sensoren oder Intelligenz ausgestattet und vernetzt. Prozesse zur vorbeugenden Wartung, selbst\u00e4ndiges Bestellen von Verbrauchsmaterialien oder Ersatzteilen und vieles mehr werden in allen Bereichen zur Norm. Produkte oder Postsendungen sind jederzeit genau lokalisierbar und menschliche Funktionen werden mit intelligenten \u201eWearables\u201c unterst\u00fctzt und erweitert. Besonders im Geb\u00e4udeumfeld sind unter den Stichworten \u201eIntelligente Energiesysteme\u201c, \u201eSmart Metering\u201c, \u201eAmbient Assisted Living\u201c oder \u201eIntelligente Haussteuerung\u201c bereits verschiedenste Anwendungen in Entwicklung und weitere werden folgen. Grosse Internetkonzerne wie Apple, Google oder Amazon sind bereits heute daran, entsprechende Plattformen zu entwickeln und weltweit auszurollen.<\/p>\n<p>Die digitale Reproduktion verursacht praktisch <span style=\"color: #e200ff\"><strong>keine zus\u00e4tzlichen Kosten<\/strong><\/span>. Ist beispielsweise eine Zeitung erst einmal geschrieben, fallen online keine Kosten mehr an, unabh\u00e4ngig davon, ob ein Artikel einmal oder millionenfach gelesen wird. Das Gleiche gilt f\u00fcr praktisch alle digitalen (oder digitalisierbaren) Produkte, seien es B\u00fccher, Ausbildungsunterlagen, Baupl\u00e4ne, Programme, Produktionsvorlagen f\u00fcr 3D-Drucker oder anderes mehr. Damit werden viele Gesch\u00e4ftsmodelle in Frage gestellt und Unternehmen werden sich mit der Frage befassen m\u00fcssen, wie sie ihre Einkommensstr\u00f6me aufrechterhalten und expandieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dank des Internets sind <span style=\"color: #e200ff\"><strong>Informationen global einfach und schnell verf\u00fcgbar<\/strong><\/span>. Generell kann davon ausgegangen werden, dass Privatpersonen und Gesch\u00e4ftspartner immer besser und transparenter informiert sind. Das f\u00fchrt einerseits dazu, dass Fehlverhalten schneller publik gemacht und sanktioniert wird, andererseits d\u00fcrfte es aber auch dazu f\u00fchren, dass Gesch\u00e4ftsmodelle, die ausschliesslich auf einem Informationsvorsprung beruhen, immer schwieriger aufrecht zu erhalten sein werden.<\/p>\n<p>Mithilfe entsprechender Plattformen k\u00f6nnen die <span style=\"color: #e200ff\"><strong>Kosten f\u00fcr Informationsbeschaffung<\/strong> <\/span>und Transaktionen massiv gesenkt werden. Immobilienplattformen wie ImmoScout24 und andere haben es in ihrem Bereich bereits vorgemacht, bilden jedoch erst einen ganz kleinen Teil der Wertsch\u00f6pfungskette ab. Analog zum Online Banking sind durch Automatisierung und Virtualisierung massive Kostensenkungen und Geschwindigkeitssteigerungen im Verkehr zwischen Unternehmen und Einzelpersonen zu erwarten. Ebenfalls grosses Potential liegt in der unternehmens\u00fcbergreifenden Vernetzung von Gesch\u00e4ftsprozessen verschiedener Akteure. Mit dem elektronischen Grundbuch und den elektronischen Schuldbriefen ist im Bereich des Liegenschaftenhandels ein erster Schritt getan. Weitere werden folgen, auch in anderen Bereichen.<\/p>\n<p>Dank Internet, Cloud und Telekonferenzen spielen <span style=\"color: #e200ff\"><strong>Raum und Zeit<\/strong> <\/span>f\u00fcr die Zusammenarbeit eine geringere Rolle als fr\u00fcher. Das wird dazu f\u00fchren, dass Zusammenarbeit und F\u00fchrung anders gestaltet wird, dass nach der Globalisierung der Industrie sich nun auch bisher gesch\u00fctzte Branchen aus dem Dienstleistungsbereich (wie etwa Architektur, Ingenieurwesen, Werbung, PR) einem verst\u00e4rkt internationalen Wettbewerb stellen m\u00fcssen, womit sich nat\u00fcrlich auch die Anforderungen an B\u00fcror\u00e4umlichkeiten und Arbeitspl\u00e4tze sowohl quantitativ als auch qualitativ weiter ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Unternehmen haben sich insbesondere deshalb gebildet, weil der Koordinations- und Informationsaufwand auf diese Weise reduziert werden konnte. Mit den neuen M\u00f6glichkeiten des virtuellen Arbeitens k\u00f6nnen Freelancer und <span style=\"color: #e200ff\"><strong>andere Firmen einfach und weltweit in Projekte eingebunden werden<\/strong><\/span>. Es ist davon auszugehen, dass sich Spezialisten vermehrt selbst\u00e4ndig machen oder in kleinen Firmen organisieren und projektbezogen in Unternehmensprojekte eingebunden werden. Architekten, Ingenieure, Zeichner, Informatikspezialisten, Werber etc. k\u00f6nnen ohne grossen Aufwand weltweit rekrutiert und eingebunden werden, mit entsprechenden Auswirkungen auf Kapazit\u00e4ten und Kosten. Unternehmen werden nicht strategierelevante Aktivit\u00e4ten noch st\u00e4rker auslagern als bisher.<\/p>\n<p>Mit <span style=\"color: #e200ff\"><strong>Prozessautomatisierung<\/strong><\/span>, k\u00fcnstlicher Intelligenz, Datenanalyse und Automatisierung von Routineprozessen geraten nun auch sogenannt h\u00f6her wertige T\u00e4tigkeiten in den Fokus der Digitalisierung und werden sich n\u00f6tigen Ver\u00e4nderungen nicht entziehen k\u00f6nnen (Chui et al., 2015, S. 37)\u00a0. Studien gehen davon aus, dass selbst von den T\u00e4tigkeiten eines CEO rund 20% automatisiert werden k\u00f6nnten. Bei anderen, auch kreativen Berufen etwa im Bereich Architektur oder Design, aber auch im Verkauf ist der Anteil teilweise noch wesentlich h\u00f6her. Berufsbilder und Anforderungen an Mitarbeiter werden sich massiv ver\u00e4ndern und damit auch die Anspr\u00fcche an Aus- und Weiterbildung.<\/p>\n<p>Internet-Plattformen erm\u00f6glichen immer st\u00e4rker, dass <span style=\"color: #e200ff\"><strong>Privatpersonen sich direkt miteinander in Verbindung setzen<\/strong> <\/span>und vernetzen. Uber und AirBnB, die damit ihre jeweiligen Branchen drastisch ver\u00e4ndern, sind nur der Anfang. Auch in anderen Bereichen d\u00fcrfte vermehrt zu beobachten sein, dass sich Anbieter und Nachfrager direkt vernetzen. Da diese oft \u00fcber andere Kostenstrukturen verf\u00fcgen als die etablierten Marktakteure (und teilweise auch nicht den gleichen staatlichen Regelungen unterliegen), k\u00f6nnen sie zu wesentlich g\u00fcnstigeren Konditionen anbieten. Professionelle Anbieter werden dadurch in Zugzwang geraten und ihre Gesch\u00e4ftsmodelle \u00fcberarbeiten m\u00fcssen. Klassische \u201eGatekeeper\u201c wie Makler oder Vermittler werden massiv unter Druck kommen und aus dem Markt gedr\u00e4ngt werden, wenn es ihnen nicht gelingt, substantielle Mehrwerte anzubieten und erfolgreich neue Gesch\u00e4ftsmodelle zu entwickeln.<\/p>\n<p>In welchem Ausmass und Zeitrahmen sich die dargestellten Ver\u00e4nderungen verwirklichen und welche weiteren, heute noch nicht absehbaren Ver\u00e4nderungen hinzu kommen, ist weitgehend offen und h\u00e4ngt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Sicher ist jedoch, dass jede einzelne dieser Ver\u00e4nderungen das Potential hat, die Art und Weise, wie und wo Menschen und Unternehmen interagieren und produzieren, zu ver\u00e4ndern. In der Kombination k\u00f6nnen sie zu einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Revolution f\u00fchren. Damit werden sich nicht nur die Anforderungen an Wohn und Arbeitsr\u00e4ume qualitativ und quantitativ ver\u00e4ndern. Auch die Attraktivit\u00e4t von Standorten wird sich verschieben und die Art und Weise, wie sich Unternehmen organisieren, mit ihren Kunden interagieren und wie Mitarbeiter gef\u00fchrt werden, wird sich drastisch ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die Immobilienwirtschaft ist gut beraten, sich mit diesen Ver\u00e4nderungen rechtzeitig zu befassen, sie bei ihren Entscheidungen zu ber\u00fccksichtigen und in ihr Handeln einfliessen zu lassen.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #e200ff\"><strong>Wertewandel &#8211; Herausforderung und Chance<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Interessanterweise werden die teilweise revolution\u00e4ren Innovationen in den Bereichen Computertechnologie, Internet und regenerative Energien von einem beinahe gleichzeitig stattfindenden Wertewandel in unserer Gesellschaft begleitet. Insbesondere j\u00fcngere Generationen denken und funktionieren anders und leben nach einem anderen Wertesystem sowie einer anderen Arbeitsethik als die Babyboomer.<\/p>\n<p>Diese j\u00fcngeren Generationen sind in grossem Masse f\u00fcr die Innovationen im digitalen Bereich verantwortlich, sind sie doch mit den neuen Technologien aufgewachsen und verf\u00fcgen bereits \u00fcber eine ganz andere Denkweise und ein viel tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die digitalen M\u00f6glichkeiten und Anwendungen.<\/p>\n<p>Im gesellschaftlichen wie pers\u00f6nlichen Umfeld ist festzustellen, dass als Gegenentwicklungen zu Automatisierung, Beschleunigung, st\u00e4ndiger Verf\u00fcgbarkeit, Null-Fehler-Toleranz und Technologisierung, welche die wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen der letzten Jahre mit sich gebracht haben menschliche, soziale und ethische Werte wieder verst\u00e4rkt an Bedeutung gewinnen.<\/p>\n<p>Es sind insbesondere folgende Trends zu beobachten:<\/p>\n<p><span style=\"color: #e200ff\"><strong>Soziale N\u00e4he<\/strong> \u2013 <strong>Zugeh\u00f6rigkeit<\/strong><\/span><em>: <\/em>Nach Jahren von Individualisierung und Selbstverwirklichung und der damit verbundenen Isolierung sind die Menschen wieder vermehrt auf der Suche nach Zugeh\u00f6rigkeit zu Gruppen oder Gemeinschaften. Dies nicht nur im Rahmen von Religion oder Weltanschauung, im Kreis gleichgesinnter Weinliebhaber oder OldtimerRestaurateure, sondern in zunehmendem Masse auch im Rahmen der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Firma oder einem Arbeitsteam. Besonders junge Mitarbeiter wollen sich mit der Firma und ihren Werten identifizieren k\u00f6nnen und das Gef\u00fchl haben, etwas Sinnvolles zu machen, zu etwas Gr\u00f6sserem zu geh\u00f6ren und verbunden zu sein.<\/p>\n<p><span style=\"color: #e200ff\"><strong>Suche nach Sinn \/ Spiritualit\u00e4t<\/strong><\/span><em>: <\/em>Die wirtschaftlichen Entwicklungen in der westlichen Welt haben dazu gef\u00fchrt, dass die Grundversorgung weitgehend gesichert ist und die Menschen sich nun h\u00f6heren Werten zuwenden k\u00f6nnen. Nachdem nicht mehr um das reine \u00dcberleben gek\u00e4mpft werden muss ist die Suche nach Sinn und Spiritualit\u00e4t ins Zentrum des menschlichen Strebens ger\u00fcckt. Waren es in der 68er-Bewegung noch vorwiegend junge Menschen und Randgruppen, die sich Musik und Spiritualit\u00e4t zu wendeten, boomen heute Yoga-, Selbstfindungs- und Meditationskurse auf breiter Basis. Auch Unternehmensf\u00fchrer und Top-Manager besch\u00e4ftigen sich mittlerweile immer h\u00e4ufiger mit Fragen zu Sinnstiftung und Spiritualit\u00e4t. Die Arbeit dient nicht mehr nur dem Broterwerb, sondern soll einen gesellschaftlichen und individuellen Sinn stiften.<\/p>\n<p><span style=\"color: #e200ff\"><strong>Work \u2013 Life Balance<\/strong><\/span><em>: <\/em>Arbeit ist nicht mehr der kategorische Imperativ, dem alle anderen Faktoren, wie etwa Gesundheit, Familienleben und eigene Interessen, bedenkenlos untergeordnet oder geopfert werden. Selbstbest\u00e4tigung und Selbstwertgef\u00fchl werden nicht mehr nur im beruflichen Umfeld gesucht. Familie, Freunde und Selbstverwirklichung im privaten Bereich und in der Freizeit gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die klassischen Erwartungen an Mitarbeiter, sich unter vollem Einsatz und mit langen Arbeitszeiten nach oben zu schuften, laufen damit immer \u00f6fter ins Leere. F\u00fchrungskr\u00e4fte und Management m\u00fcssen umdenken und neue Arbeitszeit- und Karrieremodelle anbieten, wollen sie die neue Generation produktiv und erfolgreich f\u00fcr ihre Ziele einbinden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #e200ff\"><strong>Verantwortung<\/strong><\/span><em>: <\/em>Wirtschaft und Einzelpersonen wollen und sollen sich f\u00fcr ihr Handeln wieder vermehrt verantwortlich f\u00fchlen. Das ist die Basis des Nachhaltigkeitstrends, der insbesondere die Immobilienbranche in den letzten Jahren stark beeinflusst hat. Das bezieht sich jedoch nicht nur auf Verantwortung f\u00fcr die Umwelt, sondern auch f\u00fcr die Gemeinschaft sowie allgemein die Folgen des eigenen Handelns. Staat, Kunden, Stakeholder und auch Mitarbeiter fordern dies zunehmend konsequent von Unternehmen ein. Werden diese Anspr\u00fcche ignoriert, folgen entsprechende Konsequenzen, von Imageverlust bis hin zu finanziellen Sch\u00e4den.<\/p>\n<p><span style=\"color: #e200ff\"><strong>Suffizienz \u2013 Weniger ist mehr<\/strong><\/span><em>: <\/em>Die Konsumgesellschaft mit ihren zahlreichen Ausw\u00fcchsen hat sich in den entwickelten Staaten gegen Ende des letzten Jahrhunderts selbst an ihre Grenzen gebracht. Zunehmend hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass \u201emehr\u201c nicht immer \u201ebesser\u201c ist und dass das dauernde Streben nach mehr zu einem Dauerlauf im Hamsterrad ausgeartet ist, verbunden mit negativen Folgen, die in keiner Relation zum Erreichten stehen. Eine \u201eneue Bescheidenheit\u201c ersetzt das bisherige Streben nach mehr, verbunden mit h\u00f6heren Anspr\u00fcchen an die Qualit\u00e4t von Produkten, Dienstleistungen und Erfahrungen, die sich an neuen Werten messen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #e200ff\"><strong>Nat\u00fcrlichkeit und Authentizit\u00e4t:<\/strong> <\/span>Nach Plastik und virtuellen Welten sehnen sich die Menschen wieder nach Nat\u00fcrlichkeit und Authentizit\u00e4t. Im Tourismus hat sich das bereits zu einem wichtigen Erfolgsfaktor entwickelt. Aber auch im Baugewerbe erleben Holz und nat\u00fcrliche Materialien wieder einen Aufschwung. Produkte, Firmen, F\u00fchrungskr\u00e4fte und Einzelpersonen erlangen und besitzen Autorit\u00e4t und Anerkennung, wenn sie nat\u00fcrlich und authentisch sind.<\/p>\n<p>Viele dieser sozialen, gesellschaftlichen und ethischen Entwicklungen verlaufen teilweise scheinbar gegenl\u00e4ufig zu den digitalen Ver\u00e4nderungen und Trends. Auch zwischen den verschiedenen Generationen unterscheidet sich ihre Auspr\u00e4gung.<\/p>\n<p>Eine der Herausforderungen in der Immobilienbranche, wie in vielen anderen etablierten Wirtschaftszweigen, besteht darin, dass die Mehrzahl der heutigen Entscheidungstr\u00e4ger und F\u00fchrungskr\u00e4fte noch der Generation der Babyboomer angeh\u00f6rt und damit mit einem anderen Wertesystem aufgewachsen ist und diesem auch heute noch zu einem grossen Teil nachlebt. Die digitale Revolution geht jedoch von den j\u00fcngeren Generationen aus: Diese verf\u00fcgen \u00fcber das notwendige Know-how und sind in einem Alter, in dem sie den Status quo in Frage stellen und ver\u00e4ndern wollen. Unternehmen stehen damit vor der Herausforderung, daf\u00fcr zu sorgen, sich selbst und die Kultur ihrer Unternehmung so weiterzuentwickeln, dass sich die innovativen Ideen und Kr\u00e4fte derjenigen, f\u00fcr welche die digitale Revolution weniger eine \u201eRevolution\u201c als vielmehr ein selbstverst\u00e4ndlicher Teil ihrer Lebens und Arbeitswelt ist, produktiv einbringen und entwickeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #e200ff\"><strong>Folgen f\u00fcr die Immobilienbranche<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Wenn die Folgen der digitalen Revolution tats\u00e4chlich mit den letzten industriellen Revolutionen vergleichbar sind, wird dies Auswirkungen auf alle Lebens- und Gesellschaftsbereiche haben und zweifellos zu massiven Ver\u00e4nderungen f\u00fchren. In der breiten Diskussion werden zur Zeit vor allem die Gefahren f\u00fcr bestehende Jobprofile, Arbeitspl\u00e4tze und Prozesse thematisiert. F\u00fcr innovative, offene und zukunftsorientiert denkende und agierende Personen und Firmen er\u00f6ffnen diese Entwicklungen und Ver\u00e4nderungen aber auch sehr viele neue M\u00f6glichkeiten und Chancen.<\/p>\n<p>Unbestritten f\u00fcr die Immobilienbranche ist:<\/p>\n<ul>\n<li>Produkte, Dienstleistungen, Prozesse und Standortattraktivit\u00e4ten werden sich ver\u00e4ndern<\/li>\n<li>Sowohl die Gesellschaft als Ganzes als auch s\u00e4mtliche Akteure \u00fcber den Lebenszyklus der Immobilien werden von diesen Ver\u00e4nderungen beeinflusst werden<\/li>\n<li>Konventionelles strategisches Denken wird keine L\u00f6sung sein, da Trendbr\u00fcche darin kaum integrierbar sind und viele neue Entwicklungen in politischen, sozialen, technologischen und wirtschaftlichen Fragen nicht vorausgesagt werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Immobilienbranche in der Schweiz hat einen Superzyklus von \u00fcber 20 Jahren Aufschwung hinter sich und ist gewohnt, in Zeithorizonten von Jahren bis Jahrzenten zu denken und zu planen. F\u00fcr sie stellt diese Situation deshalb eine besondere Herausforderung dar.<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Dieser Artikel entstand im Rahmen des Digitalisierungsbarometers. Die Studie ermittelt anhand einer breit angelegten, repr\u00e4sentativen Erhebung bei den wichtigsten Akteuren der Immobilienbranche in der Schweiz, wie die Auswirkungen der Digitalisierung wahrgenommen werden und welche Auswirkungen f\u00fcr die kommenden Jahre erwartet werden. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Die gesamte\u00a0Studie k\u00f6nnen Sie hier beziehen:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Digitalisierungsbarometer-2016-Gesch\u00e4ftsmodelle-Markus-Schmidiger-ebook\/dp\/B01LDF0K2I\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1501053872&amp;sr=8-1&amp;keywords=digitalisierungsbarometer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Digitalisierungsbarometer 2016 &#8211; Kundenverhalten und Gesch\u00e4ftsmodelle<\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Digitalisierungsbarometer-2017-Digitales-Planen-Bauen\/dp\/3906877078\/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;qid=1501053872&amp;sr=8-2&amp;keywords=digitalisierungsbarometer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Digitalisierungsbarometer 2017 &#8211; Digitales Planen und Bauen<\/strong><\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<h4 align=\"LEFT\"><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/strong><\/h4>\n<ul>\n<li>Chui, M., Manyika J., &amp; Miremadi, M. (2015). Four fundamentals of workplace Automation. McKinsey Quarterly, November 2015.<\/li>\n<li>Gondring, H. (2012): Handbuch Zukunft der Immobilie. K\u00f6ln: Immobilien Manager Verlag.<\/li>\n<li>H\u00f6pflinger, F., Van Wezemael, J. (2014): Age Report III: Wohnen im h\u00f6heren Lebensalter. Z\u00fcrich: Seismo Verlag.<\/li>\n<li>Mayer, Johannes M. et.al. (2015): Current and Future Cost of Photovoltaics. Stuttgart, Fraunhofer Institut<\/li>\n<li>Naam, R. (2015): How cheap can Solar get? Very cheap indeed. http:\/\/rameznaam.com\/2015\/08\/10\/howcheapcansolargetverycheapindeed\/ Posted 10.8.2015<\/li>\n<li>PwC (2014): Real Estate 2020: Building the Future. London: PwC.<\/li>\n<li>PwC (2015): Emerging Trends in Real Estate \u2013 The global outlook for 2015. London: PwC.<\/li>\n<li>Rifkin, J. (2014): The Zero Marginal Cost Society: The Internet of Things, Collaborative Commons, and the Eclipse of Capitalism. Basingstoke: Palgrave McMillan<\/li>\n<li>Roos, G. et.al. (2011): Wertewandel in der Schweiz 2030. Z\u00fcrich: swissfuture.<\/li>\n<li>Zimmerli, J., Schmidiger, M. (2016): <a href=\"https:\/\/www.buch.ch\/shop\/home\/suchartikel\/ID44855441.html?sq=Pensionierte%20auf%20dem%20Wohnungsmarkt#reviewsHeader\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Demografie und Wohnungswirtschaft \u2013 Pensionierte auf dem Wohnungsmarkt<\/a>. Zug: IFZVerlag.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dampfmaschine und der Verbrennungsmotor haben jeweils Revolutionen ausgel\u00f6st und Gesellschaft und Wirtschaft fundamental ver\u00e4ndert. Werden die Entwicklungen der Computertechnologie und des Internets \u00c4hnliches bewirken? 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