{"id":6912,"date":"2022-11-14T06:30:00","date_gmt":"2022-11-14T05:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/?p=6912"},"modified":"2026-02-11T14:53:18","modified_gmt":"2026-02-11T13:53:18","slug":"regionalisierte-analyse-der-erschwinglichkeit-von-angebotenen-mietwohnungen-in-der-schweiz-und-identifikation-von-regionen-mit-ueberhitzungserscheinungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/2022\/11\/14\/regionalisierte-analyse-der-erschwinglichkeit-von-angebotenen-mietwohnungen-in-der-schweiz-und-identifikation-von-regionen-mit-ueberhitzungserscheinungen\/","title":{"rendered":"Regionalisierte Analyse der Erschwinglichkeit von angebotenen Mietwohnungen in der Schweiz und Identifikation von Regionen mit \u00dcberhitzungserscheinungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Artikel von <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/adriankroepfli-b382311214\/?originalSubdomain=ch\">Adrian Kr\u00f6pfli<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/hochschule-luzern\/ueber-uns\/personensuche\/profile\/?pid=2413\">Michael Tr\u00fcbestein<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/hochschule-luzern\/ueber-uns\/personensuche\/profile\/?pid=1680\">Matthias Aepli<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/j%C3%B6rg-schl%C3%A4pfer-180865109\/\">J\u00f6rg Schl\u00e4pfer<\/a>, publiziert in der 24. Ausgabe vom Swiss Real Estate Journal<\/p>\n<p>In der Schweiz, einem Land von Mietern, sind in diesem Jahrtausend nicht nur die Wohneigentumspreise, sondern auch die Wohnungsmieten \u00fcberdurchschnittlich stark angestiegen, auch wenn inzwischen wieder leicht r\u00fcckl\u00e4ufige Angebotsmieten f\u00fcr die gesamte Schweiz seit 2015 zu beobachten sind. W\u00e4hrenddessen verzeichnete die Entwicklung der (verf\u00fcgbaren) Einkommen ein tieferes Wachstum als die Angebotspreise von Mietwohnungen, weshalb die Frage auftaucht, inwieweit die heutigen Mietpreise der auf dem Markt angebotenen Wohnungen f\u00fcr die ans\u00e4ssige Bev\u00f6lkerung \u00fcberhaupt noch tragbar sind.<\/p>\n<p>Zu dieser Frage gibt es Unterschiede nach Segment. Einerseits nach Einkommensklassen, da der Anteil der Wohnkosten am Einkommen f\u00fcr das unterste Einkommensquintil schon immer am h\u00f6chsten war und zuletzt nochmals angestiegen ist (BFS, o.J., a). Andererseits sind die Unterschiede von deutlichen regionalen Unterschieden gepr\u00e4gt. Vor diesem Hintergrund kommt es nicht von ungef\u00e4hr, dass der Ruf nach bezahlbarem Wohnraum in den vergangenen Jahren immer lauter wurde und die (politischen) Diskussionen diesbez\u00fcglich intensiver gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Die folgenden Ausarbeitungen zeigen erstmalig ein gesamtschweizerisches und regionalisiertes Portr\u00e4t \u00fcber die Erschwinglichkeit von angebotenen Mietwohnungen f\u00fcr Einpersonenhaushalte.<\/p>\n\n\n<h2 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#e2007a\">Kaufkraftmodell<\/h2>\n\n\n<p>Das Kaufkraftmodell nach A. Parianos \/ W\u00fcest Partner (2020) basiert auf Daten der Strukturerhebung (SE). Seit 2010 werden im Rahmen der SE j\u00e4hrlich rund 200 000 Personen der st\u00e4ndigen Wohnbev\u00f6lkerung ab 15 Jahren durch das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) befragt. Die SE erfasst f\u00fcr jede Einzelperson 284 Variablen und liefert so Informationen zu deren Wohnort, Sprache, Religion, Ausbildung, Arbeit, Pendlermobilit\u00e4t, Haushalts- und Familientypen, Bewohnertyp und Wohnkosten (BFS, o.J., b).<\/p>\n<p>Anhand der detaillierten personenbezogenen Angaben in der SE, welche f\u00fcr die Jahre 2014 bis 2018 vorliegen, konnten Parianos \/ W\u00fcest Partner (2020) die effektiven Einkommen von 942 750 Personen sowie deren Kaufkraft nach Abzug der personenbezogenen Fixkosten (Einkommenssteuern, Krankenkassenpr\u00e4mien und Pendlerkosten) berechnen. Die Berechnungen des Einkommens und der Kaufkraft erfolgten hierbei auf Stufe Einzelpersonen, nicht auf Stufe Haushalt. Die Berechnung der Variablen des Kaufkraftmodells basiert auf den Angaben aus der SE und umfasst u.a. (1) ein modelliertes Bruttoeinkommen aufgrund personenbezogener, sozio\u00f6konomischer Indikatoren; (2) Pendlerkosten kalkuliert auf Basis der Pendeldistanz zwischen Wohn- und Arbeitsort, der Anzahl Pendelbewegungen pro Woche sowie dem von der befragten Person angegebenen Transporttyp (\u00d6V, MIV, Velo, zu Fuss, andere); (3) Krankenkassenpr\u00e4mien basierend auf den mittleren Pr\u00e4mien der gr\u00f6ssten zugelassenen Krankenversicherer, der Pr\u00e4mienregion sowie dem Alter der Einzelpersonen sowie einem Mittelwert der Franchise; (4) Einkommenssteuern unter Ber\u00fccksichtigung von pauschalen steuerlichen Abz\u00fcgen (bspw. Berufskosten, Versicherungspr\u00e4mien).<\/p>\n<p>Der Begriff der Kaufkraft wird demnach wie folgt definiert und weiterverwendet:<\/p>\n<p>Bruttoeinkommen p.a.<br>\u2013 Pendlerkosten p.a.<br>\u2013 Krankenkassenpr\u00e4mien p.a.<br>\u2013 Einkommenssteuern p.a.<br><strong>= Kaufkraft p.a.<\/strong><\/p>\n\n\n<h2 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#e2007a\">K-Means Clustering und Indikatorenset<\/h2>\n\n\n<p>Die Typologisierung der Gemeinden erfolgt mittels der k-means-Methode. Das Ziel der Clusterung besteht darin, auf Basis von ausgew\u00e4hlten Indikatoren m\u00f6glichst \u00ab\u00e4hnliche\u00bb Gemeinden miteinander zu sogenannten Clustern zu gruppieren, wobei sich die gebildeten Cluster wiederum m\u00f6glichst stark voneinander unterscheiden sollen. Der Vorteil der k-means-Methode liegt in der Effizienz bei grossen Datenmengen sowie der Objektivit\u00e4t des Verfahrens, da ein Algorithmus \u00e4hnliche Strukturen in Datenbest\u00e4nden sucht und die Gemeinden so den verschiedenen Clustern zuordnet.<\/p>\n<p>Die Zuordnung der Gemeinden in die einzelnen Cluster basiert auf ausgew\u00e4hlten Indikatoren zu Bev\u00f6lkerung, Besch\u00e4ftigung, Erreichbarkeit und dem Immobilienmarkt. Die verwendeten Daten entstammen der Datenbank von W\u00fcest Partner (2021, a), welche die Daten wiederum aus anderen, vielfach nicht \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Quellen bezieht. Tabelle 1 listet deren Originalquelle sowie weitere Informationen zu den ausgew\u00e4hlten Indikatoren zur Typologisierung der Gemeinden auf.<\/p>\n<p>Das Clustering mit insgesamt sechs Clustern und 11 Indikatoren lieferte die statistisch und inhaltlich besten Ergebnisse.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"997\" height=\"598\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6919\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t1.png 997w, https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t1-300x180.png 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t1-768x461.png 768w, https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t1-928x557.png 928w\" sizes=\"auto, (max-width: 997px) 100vw, 997px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tabelle 1: Ausgew\u00e4hlte Indikatoren zur Typologisierung<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#e2007a\">Typologisierung der Gemeinden<\/h2>\n\n\n<p>Die 2202 Schweizer Gemeinden wurden mittels der Clusteranalyse insgesamt sechs Clustern zugeteilt, welche sich gem\u00e4ss nachfolgender Karte wie folgt auf die Schweiz verteilen und folgendermassen benannt werden (vgl. Abbildung 1).<\/p>\n<p>Die relativen Anteile der sechs Gemeindetypen an der st\u00e4ndigen Wohnbev\u00f6lkerung, der Anzahl Vollzeit\u00e4quivalente, der Anzahl Einpersonenhaushalte (nur Mieter) sowie der Anzahl an Zweitwohnungen, jeweils am Gesamttotal der Schweiz variieren: St\u00e4dtische Zentrumsgemeinden stellen 47% der Einwohner der Schweiz (8,6 Mio.), gefolgt von Pendlergemeinden (21%), periurbanen Zentrumsgemeinden (17%), l\u00e4ndlichen Gemeinden (10%), Berggemeinden (3%) und Tourismusgemeinden (2%).<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"778\" height=\"697\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6913\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l1.png 778w, https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l1-300x269.png 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l1-768x688.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 778px) 100vw, 778px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 1: Typologisierung der Gemeinden (Datenstand: Q4 2020)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Abbildung 2 zeigt die Auspr\u00e4gung der 11 ausgew\u00e4hlten Indikatoren innerhalb der Cluster. Der Maximalwert ist 5, der Minimalwert eins. So ist z.B. der Zweitwohnungsanteil in den Tourismusgemeinden am h\u00f6chsten.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"769\" height=\"453\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6914\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l2.png 769w, https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l2-300x177.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 769px) 100vw, 769px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 2: Auspr\u00e4gungen der 11Indikatoren. Quelle: eigene Darstellung<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#e2007a\">Methodik zur Klassifizierung der Gemeinden<\/h2>\n\n\n<p>Die Analyse der Erschwinglichkeit von angebotenen Mietwohnungen auf Stufe Gemeinde wird jeweils separat innerhalb eines Clusters vorgenommen, um nicht Gemeinden unterschiedlicher Strukturen und Typologien miteinander zu vergleichen. Hierbei werden die Gemeinden anhand eines Punktesystems bewertet, welches die Basis f\u00fcr die \u00abHeat-Map\u00bb bildet. Die Bewertung der Gemeinden mittels Punktesystem erfolgt in Anlehnung an die von der Boston Consulting Group im Jahr 1970 entwickelten Vier-Felder-Matrix (Rogator AG, o.J.).<\/p>\n<p>Die Beurteilung der Tragbarkeit einer Wohnung erfolgt in der Praxis aufgrund der sogenannten Drittelregel \u2013 wonach die Bruttomiete einer Wohnung maximal einen Drittel des Bruttohaushaltseinkommens ausmachen soll. Allerdings wird in vorliegender Analyse die relative Wohnkostenbelastung in einer Gemeinde nicht am Bruttoeinkommen, sondern an der Kaufkraft der ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung gemessen und durch das Kriterium der theoretischen Wohnkostenbelastung, welches die gewichtete Angebotsmiete f\u00fcr Einpersonenhaushalte ins Verh\u00e4ltnis zu deren Kaufkraft setzt, gemessen.<\/p>\n<p>Um die Kaufkraft von Einzelpersonen auf Gemeindeebene nicht den Preisspektren von unterschiedlichen Zimmertypen gegen\u00fcberzustellen, erfolgt eine Gewichtung der verschiedenen Preisspektren der 1- bis 3-Zimmer-Wohnungen und damit die Ableitung einer gewichteten Angebotsmiete f\u00fcr Einpersonenhaushalte. Die Gewichtung der Angebotsmieten erfolgt hierbei gemeindespezifisch auf Basis des Mietwohnungsbestandes in Verbindung mit dem Bestand an Einpersonenhaushalten.<\/p>\n<p>Neben der theoretischen Wohnkostenbelastung als erstes Kriterium wird zur Klassifizierung der Gemeinden als zweites Kriterium das frei verf\u00fcgbare Einkommen ber\u00fccksichtigt, welches wie folgt definiert wird:<\/p>\n<p>Kaufkraft <br>\u2013 gewichtete Angebotsmiete <br><strong>= frei verf\u00fcgbares Einkommen <\/strong><\/p>\n<p>Die Ber\u00fccksichtigung des frei verf\u00fcgbaren Einkommens als zus\u00e4tzliches Kriterium erfolgt vor dem Hintergrund, dass die Bewertung der Gemeinden nicht allein auf der relativen Wohnkostenbelastung basieren soll. So k\u00f6nnen sich beispielsweise Gemeinden mit einer hohen Kaufkraft entsprechend auch eine hohe Wohnkostenbelastung \u00ableisten\u00bb. Das frei verf\u00fcgbare Einkommen, als weiteres Kriterium, soll somit aufzeigen, was in den Gemeinden nach Abzug der Wohnkosten als absoluter Betrag f\u00fcr die Haushalten zur Deckung der \u00fcbrigen Grundbed\u00fcrfnisse verf\u00fcgbar ist. So werden Gemeinden, deren theoretische Wohnkostenbelastungen als unproblematisch erachtet werden, dennoch eine schlechtere Bewertung erhalten, wenn diese beim frei verf\u00fcgbaren Einkommen unterdurchschnittlich abschneiden.<\/p>\n<p>Die Bewertung der Gemeinden erfolgt jeweils anhand der Betrachtung deren Median-Werte (50%-Quantil der theoretischen Wohnkostenbelastung sowie 50%-Quantil des frei verf\u00fcgbaren Einkommens), da die unteren und oberen Quantile, sprich die \u00e4rmsten oder die reichsten 25% in der Gemeinde, im Kaufkraftmodell wesentlich \u00fcber- respektive untersch\u00e4tzt werden und die Aussagekraft sehr beschr\u00e4nkt ist. F\u00fcr die Bewertung wurde ein eigenes Punktesystem entwickelt: sie erfolgt separat f\u00fcr jedes der sechs Cluster u.a. anhand der Mediane, der Standardabweichung der theoretischen Wohnkostenbelastung sowie des frei verf\u00fcgbaren Einkommens. In Abh\u00e4ngigkeit der Abweichungen erfolgt eine Punktevergabe.<\/p>\n<p>Die niedrigeren Punkte werden hierbei jeweils an die Gemeinden mit den besseren Werten vergeben (tiefere theoretische Wohnkostenbelastung oder h\u00f6heres frei verf\u00fcgbares Einkommen). Eine Gemeinde mit sehr hoher Wohnkostenbelastung und sehr tiefem frei verf\u00fcgbaren Einkommen erzielt demnach maximal 10 Punkte, w\u00e4hrend Gemeinden mit einer sehr tiefen Wohnkostenbelastung sowie einem hohen frei verf\u00fcgbaren Einkommen die Mindestpunktzahl von 2 erreichen. Gemeinden in der \u00abneutralen\u00bb Bandbreite erzielen gesamthaft 6 Punkte. In Abbildung 3 wird das entwickelte Punktesystem nochmals grafisch illustriert.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"790\" height=\"357\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6915\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l3.png 790w, https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l3-300x136.png 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l3-768x347.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 790px) 100vw, 790px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 3: Punktesystem zur Bewertung der Gemeinden. Quelle: eigene Darstellung<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#e2007a\">&#171;Heat-Map&#187; der Schweizer Regionen<\/h2>\n\n\n<p>Die Generierung der Heat-Map basiert auf dem entwickelten Punktesystem zur Bewertung einer Gemeinde und zeigt auf, in welchen Regionen der Schweiz die angebotenen Mietwohnungen f\u00fcr die Einpersonenhaushalte noch tragbar sind, oder wo der Immobilienmarkt zu \u00fcberhitzen droht und sich die Angebotsmieten von der Kaufkraft der ans\u00e4ssigen Einpersonenhaushalte entkoppeln.<\/p>\n<p>Eine \u00dcberhitzungserscheinung in einer Gemeinde kann indessen nicht nur durch (zu) hohe Angebotspreise f\u00fcr Mietwohnungen, sondern auch durch ein zu geringes Angebot an Kleinwohnungen hervorgerufen werden, so dass Einpersonenhaushalte aufgrund eines Mangels an Kleinwohnungen gezwungenermassen auf gr\u00f6ssere und entsprechend teurere Wohnungen ausweichen m\u00fcssen, oder dass Kleinwohnungen aufgrund der Angebotsknappheit \u00fcberdurchschnittlich teuer sind. Durch die Tatsache, dass die Bewertungen der Gemeinden jeweils clusterspezifisch erfolgen, finden sich somit in jedem der sechs Cluster einzelne Gemeinden, welche mit der maximalen Punktzahl von 10 (schlechteste Bewertung, hohe \u00dcberhitzungserscheinung) respektive der minimalen Punktzahl von 2 (beste Bewertung, geringe \u00dcberhitzungserscheinung) versehen werden. Entsprechend finden sich in obiger Heat-Map immer wieder einzelne Ausreisser-Gemeinden, die aus deren Umgebung hervorstechen. Den einzelnen Ausreissern ist hierbei jedoch nicht allzu viel Beachtung zu schenken, da die Heat-Map nicht nur einzelne Gemeinden, sondern vielmehr ganze Regionen mit hohen \u00dcberhitzungserscheinungen identifiziert, wie dies in Abbildung 4 illustriert wird.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l4.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1006\" height=\"726\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6916\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l4.png 1006w, https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l4-300x217.png 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l4-768x554.png 768w, https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/l4-928x670.png 928w\" sizes=\"auto, (max-width: 1006px) 100vw, 1006px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 4: &#171;Heat-Map&#187; der Schweizer Regionen (Datenbestand: Q4 2020)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Als Regionen mit hohen \u00dcberhitzungserscheinungen f\u00fcr ans\u00e4ssige Einpersonenhaushalte mit einer mittleren Kaufkraft wurden demnach die gesamte Genferseeregion zwischen Genf, Lausanne und Montreux mit Ausl\u00e4ufern in Richtung Yverdon-les-Bains, das S\u00fcdtessin rund um Lugano, Locarno und Bellinzona sowie die exklusiven Tourismusregionen rund um die Gemeinden Gstaad, Bagnes (Verbier) und St. Moritz identifiziert.<\/p>\n\n\n<h2 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#e2007a\">Ergebnisse und Interpretation<\/h2>\n\n\n<p>Insbesondere die Genferseeregion \u2013 der sogenannte \u00abArc l\u00e9manique\u00bb \u2013 hat in den letzten zwei Jahrzehnten \u00fcberdurchschnittlich stark an Dynamik und wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen und entsprechend ein hohes Bev\u00f6lkerungs- und Besch\u00e4ftigungswachstum verzeichnet. Als Folge sieht sich der Arc l\u00e9manique mit einer grossen Wohnungsnachfrage konfrontiert, jedoch konnte das Wohnungsangebot f\u00fcr Einpersonenhaushalte bis jetzt bei weitem nicht mit der dynamischen Nachfrage mithalten (Avenir Suisse, 2019). Andere Studien zeigen, dass diese Situation f\u00fcr Mehrpersonenhaushalte in dieser Region \u00e4hnlich ist.<\/p>\n<p>Im Fall des Kantons Genf liegt der Grund gem\u00e4ss Salvi (2012) in der \u00abhausgemachten (Wohnungs-)Knappheit \u00bb durch die staatlichen \u00dcberregulierungen des Wohnungsmarktes. Das \u00abLoi sur les d\u00e9molitions, transformations et r\u00e9novations de maisons d\u2019habitation\u00bb und die Regulierungen in den sogenannten \u00abzone de d\u00e9veloppement\u00bb identifiziert Salvi hierbei als investorenfeindlich und Hauptverursacher der Wohnungsknappheit im Kanton Genf, darunter leiden nun auch die Einpersonenhaushalte.<\/p>\n<p>Aufgrund des knappen Wohnungsangebots in Genf werden die zuziehenden Arbeitskr\u00e4fte bei der Wohnungssuche deshalb gezwungen, in andere Regionen auszuweichen (Hasenmaile, 2014, 6). Als Folge steigt die Nachfrage nach Wohnraum der Einpersonenhaushalte \/ Singlehaushalte in den umliegenden Regionen sowie im gesamten Arc l\u00e9manique, was sich gem\u00e4ss dem Vier-Quadranten-Modell von DiPasquale \/ Wheaton (1992) in stetig steigenden Angebotspreisen manifestiert und entsprechend zur \u00dcberhitzungserscheinung der Region beitr\u00e4gt \u2013 zumindest so lange, bis der Angebots- und Baumarkt nachhaltig auf die ver\u00e4nderte Nachfragedynamik zu reagieren imstande ist.<\/p>\n<p>Im S\u00fcdtessin stellt sich die Situation hingegen differenzierter dar, denn seit einigen Jahren entwickelt sich das Tessiner Bev\u00f6lkerungswachstum r\u00fcckl\u00e4ufig. Trotzdem wurden in den vergangenen Jahren vergleichsweise viele Wohnungen gebaut und die Leerstandsquote ist stetig angestiegen: Als Folge verzeichnet das Tessin mittlerweile leicht r\u00fcckl\u00e4ufige Angebotsmieten (W\u00fcest Partner, 2021, b). Dennoch wird der S\u00fcdtessiner Wohnungsmarkt in der Analyse der Erschwinglichkeit aus Sicht der ans\u00e4ssigen Einpersonenhaushalte mit mittlerer Kaufkraft immer noch als \u00fcberhitzt eingestuft. Aufgrund des Angebots\u00fcberhangs ist aber davon auszugehen, dass die Mieten auch f\u00fcr kleinere Wohnungen weiter sinken werden und sich die Lage entspannt.<\/p>\n<p>Nachfolgende Tabelle 2 listet die zehn Gemeinden mit \u00fcber 15 000 Einwohnern auf, welche in der Analyse der Erschwinglichkeit von angebotenen Mietwohnungen f\u00fcr ans\u00e4ssige Einpersonenhaushalte mit mittlerer Kaufkraft die h\u00f6chsten \u00dcberhitzungserscheinungen (h\u00f6chste Anzahl Punkte) aufweisen.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"747\" height=\"273\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6918\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t3.png 747w, https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t3-300x110.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 747px) 100vw, 747px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tabelle 2: Gemeinden mit den h\u00f6chsten \u00dcberhitzungserscheinungen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Unter den Regionen mit den geringsten \u00dcberhitzungserscheinungen werden insbesondere die Kantone Obwalden, Nidwalden, Schwyz und Uri sowie die Gemeinden um und entlang der Achse Langenthal, Olten und Aarau identifiziert. Interessant wird zudem ein Blick auf die Region um Zug sowie auf die bekannte \u00abZ\u00fcrcher Goldk\u00fcste\u00bb, welche in der Studie der finanziellen Wohnattraktivit\u00e4t der Credit Suisse (2020) nur unterdurchschnittliche Bewertungen erreichten: Obwohl in diesen Regionen schweizweit einige der h\u00f6chsten Angebotsmieten verzeichnet werden, werden jene Regionen als Gemeinden mit geringen \u00dcberhitzungserscheinungen identifiziert. Dies will heissen, dass sich die ans\u00e4ssigen Einpersonenhaushalte die vergleichsweise hohen Mieten in jenen Regionen also durchaus leisten k\u00f6nnen, da sie hohe verf\u00fcgbare Einkommen haben.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit dem Kanton Basel-Stadt, welcher in der Studie der Credit Suisse (2020) bez\u00fcglich finanzieller Wohnattraktivit\u00e4t unter den Kantonen hinter Genf am zweitschlechtesten abgeschnitten hat, sich in der Analyse der Erschwinglichkeit jedoch durchaus im Mittelfeld bewegt. Die Stadt Z\u00fcrich weist hingegen \u00fcber durchschnittliche bis leicht \u00fcberdurchschnittliche \u00dcberhitzungserscheinungen f\u00fcr ans\u00e4ssige Einpersonenhaushalte mit mittlerer Kaufkraft auf. Obenstehende Tabelle 3 listet die zehn Gemeinden mit \u00fcber 15 000 Einwohnern auf, welche in der Analyse der Erschwinglichkeit von angebotenen Mietwohnungen f\u00fcr ans\u00e4ssige Einpersonenhaushalte mit mittlerer Kaufkraft die geringsten \u00dcberhitzungserscheinungen (tiefste Anzahl Punkte) aufweisen.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"748\" height=\"271\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6917\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t2.png 748w, https:\/\/hub.hslu.ch\/immobilienblog\/wp-content\/blogs.dir\/443\/files\/sites\/9\/2022\/11\/t2-300x109.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 748px) 100vw, 748px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tabelle 3: Gemeinden mit den geringsten \u00dcberhitzungserscheinungen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#e2007a\">Schlussfolgerung<\/h2>\n\n\n<p>Das vorliegende Kaufkraftmodell erm\u00f6glicht erstmalig eine schweizweite Analyse der Erschwinglichkeit von Mietwohnungen f\u00fcr Einpersonenhaushalte auf einheitlicher Berechnungsbasis, indem die lokalen Angebotspreise einer Gemeinde nicht ins Verh\u00e4ltnis zu den Einkommen, sondern ins Verh\u00e4ltnis zur effektiven Kaufkraft der ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung gesetzt werden konnten. Dieses Vorgehen erlaubt zudem eine Identifikation von Regionen \u2013 namentlich die gesamte Genferseeregion sowie das S\u00fcdtessin \u2013, in denen sich die Angebotsmieten von der Kaufkraft der ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung entkoppeln und (im Vergleich zu anderen Regionen) zumindest f\u00fcr Mietwohnungen f\u00fcr Einpersonenhaushalte sehr hoch sind. Offen bleibt die Frage, ob die Mieten sich in diesen Regionen f\u00fcr dieses Segment bald senken werden, oder ob sie noch weiter ansteigen werden.<\/p>\n\n\n<h2 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#e2007a\">Das k\u00f6nnte Sie ebenfalls interessieren:<\/h2>\n\n\n<p>Entdecken Sie die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/wirtschaft\/themen\/immobilien\/?sourceurl=\/immobilien\">Welt des Immobilienmanagements<\/a>&nbsp;und erfahren Sie alles Wissenswerte rund um den&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/wirtschaft\/weiterbildung\/mas\/ifz\/immobilienmanagement\/\"><strong>MAS Immobilienmanagement<\/strong><\/a>&nbsp;und andere Angebote zum Thema&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/wirtschaft\/themen\/immobilien\/?sourceurl=\/immobilien\">Immobilien<\/a>. 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