{"id":199,"date":"2015-09-02T08:28:18","date_gmt":"2015-09-02T06:28:18","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/informatik\/?p=199"},"modified":"2026-02-10T11:23:37","modified_gmt":"2026-02-10T10:23:37","slug":"und-wieder-ein-gescheitertes-it-projekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/informatik\/und-wieder-ein-gescheitertes-it-projekt\/","title":{"rendered":"Und wieder ein gescheitertes IT-Projekt"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Berichte \u00fcber gescheiterte IT-Projekte beim Bund h\u00e4ufen sich. Die j\u00fcngsten Beispiele sind <a href=\"http:\/\/www.inside-it.ch\/articles\/38615\">Insieme<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.computerworld.ch\/news\/it-branche\/artikel\/astra-schmeisst-trivadis-raus-68580\/\">Astra<\/a> &nbsp;und <a href=\"http:\/\/www.luzernerzeitung.ch\/nachrichten\/schweiz\/schweiz-sda\/Informatikprojekt-des-Bundes-gescheitert;art46447,576090\">ASALneu<\/a>. Aber auch in der Wirtschaft gibt es vergleichbare Vorf\u00e4lle, wie zum Beispiel das Erneuerungsprojekt der <a href=\"http:\/\/www.inside-it.ch\/articles\/33503\">IT-Plattform der Raiffeisen-Gruppe<\/a>. All diesen Projekten gemeinsam ist ihre Gr\u00f6sse und Komplexit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">IT-Projekte mit einem Budget von zig Millionen Franken und deutlich mehr als 30 Personenjahren Aufwand beherbergen enorme Risiken, die von den Auftraggebern oft untersch\u00e4tzt werden. Als Gr\u00fcnde f\u00fcr ein Scheitern gelten verpasste Meilensteine, nicht eingehaltene Spezifikationen oder, wie im Fall des k\u00fcrzlich gescheiterten Astra-Projekts, schlechte Performance. Das sind jedoch nur die Auswirkungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gr\u00fcnde f\u00fcr gescheiterte IT-Projekte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gr\u00fcnde f\u00fcr gescheiterte IT-Projekte liegen tiefer. Dem verst\u00e4ndlichen Wunsch des Auftraggebers nach Kosten- und Planungssicherheit kommt der Lieferant mit umfassenden Spezifikationen \u00fcber das Gesamtprodukt nach. Diese Spezifikationen sind Papierberge von mehreren hundert Seiten, die \u2013 sind wir ehrlich \u2013 niemand im Detail liest und, sollte sie doch jemand lesen, niemand versteht.&nbsp; Oft werden diese Dokumente f\u00fcr die eigene Absicherung verfasst. Daneben stehen die W\u00fcnsche des Kunden. Wenn man so viel Geld in die Hand nimmt, soll das Ergebnis auch alle W\u00fcnsche abdecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oft bestehen bereits Systeme, die abzul\u00f6sen sind. Diese sind \u00fcber Jahre gewachsen und haben sich zu wahren Funktionsmollochen entwickelt. Diese Funktionalit\u00e4ten m\u00f6chte man nicht aufgeben, auch wenn teilweise gar nicht klar ist, ob sie \u00fcberhaupt genutzt werden. So startet man bereits mit einer extrem grossen Komplexit\u00e4t. W\u00e4hrend des Projekts kommen dann noch weitere W\u00fcnsche hinzu, da sich die Welt w\u00e4hrend des Projekts weiter dreht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Entscheidend: Der Faktor Mensch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlussendlich ist da noch der Faktor Mensch. Auch wenn Informatik immer den Touch des Analytischen und Technischen hat, IT-Projekte sind vor allem People Business. IT ist nicht Selbstzweck und die Software wird in einer Fachdom\u00e4ne genutzt, die oft sehr weit von der Informatik entfernt ist. Im Banking, Bauwesen, Verkehrswesen, etc. arbeiten Leute, die in diesen Gebieten ausgebildet wurden und mehrj\u00e4hrige Berufserfahrung haben. Sie sprechen eine andere Sprache, haben andere Wertvorstellungen und andere Arbeitsabl\u00e4ufe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Schlagwort heisst \u201eInterdisziplinarit\u00e4t\u201c. In vielen dieser Grossprojekte klafft eine un\u00fcberwindbare H\u00fcrde zwischen Auftraggeber und Lieferant. Man redet aneinander vorbei und am Ende reduziert es sich auf den Satz: \u201eDie Anforderungen wurden nicht umgesetzt\u201c oder einfacher ausgedr\u00fcckt: \u201eDas habe ich mir nicht so vorgestellt\u201c. Dabei reicht es nicht, dass eine Handvoll Business Analysten die Dom\u00e4ne verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aufteilen, Einschr\u00e4nken, Iterieren, Kommunizieren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Grossprojekte<\/strong> sollten m\u00f6glichst in Teilprojekte zerlegt werden, die f\u00fcr sich testf\u00e4hig und eventuell sogar einsatzf\u00e4hig sind. Hier bieten sich <a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/hochschule-luzern\/ueber-uns\/medien\/magazin\/archiv\/2015\/06\/09\/soveco\/\">agile Entwicklungsmethoden<\/a>\u00a0an. Dabei sollte man sich konsequent auf das ben\u00f6tigte Minimum beschr\u00e4nken. Hierzu liefern die <a href=\"http:\/\/theleanstartup.com\/\">Erfahrungen aus dem Lean-Startup-Bereich<\/a> viele Denkanst\u00f6sse.<\/li>\n\n\n\n<li>Mit den gleichen Ans\u00e4tzen kann auch das zweite Problemfeld, die Behebung <strong>technologischer Schulden<\/strong> <strong>aus der Vergangenheit<\/strong>, angegangen werden. Schrittweise Abl\u00f6sung mit einer klaren Vision \u00fcber die Zielarchitektur erlaubt das Risiko einer Big-Bang-Einf\u00fchrung zu reduzieren. Die technischen Voraussetzungen sind mit serviceorientierten Architekturen (SOA) und Cloud-L\u00f6sungen l\u00e4ngstens gegeben. Zentraler Aspekt hierbei ist das Thema Schnittstellen, das nicht vernachl\u00e4ssigt werden darf.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kosten- und Planungssicherheit<\/strong> ist Vertrauenssache. Die Erfahrung hat gezeigt, dass auch mit umfangreichen Spezifikationen und Fixpreisvertr\u00e4gen kein Erfolg garantiert werden kann. Vertrauen kann nur \u00fcber die Zeit aufgebaut werden. Auch hier hilft ein iteratives Vorgehen. Kann dem Kunden in kurzen Zyklen funktionierende Software vorgestellt werden, gewinnt er Vertrauen zum System und zum Lieferanten. Dabei m\u00fcssen sich beiden Parteien \u00fcber das Ziel im Klaren sein und es muss eine Kultur aufgebaut werden, die auch Fehler und R\u00fcckschl\u00e4ge erlaubt.<\/li>\n\n\n\n<li>Wobei wir beim <strong>Faktor Mensch<\/strong> w\u00e4ren. IT-Projekte sind Gemeinschaftswerke, bei denen jeder Partner sein Know-how einbringt: Der Kunde das Dom\u00e4nenwissen und der IT Provider sein technisches Wissen. F\u00fcr diese Zusammenarbeit ist gegenseitiges Verst\u00e4ndnis unverzichtbar. Interdisziplinarit\u00e4t ist ein Key Asset auf dem heutigen Arbeitsmarkt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Interdisziplin\u00e4re Ausbildung macht den Unterschied<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit ist die Schulung der interdisziplin\u00e4ren Arbeitsweise eine Verpflichtung f\u00fcr die Ausbildung. Die <strong>Hochschule Luzern<\/strong> hat dieses Thema deshalb zu einem ihrer Schwerpunkte gew\u00e4hlt. Neben der interdisziplin\u00e4ren Arbeit unter den Departementen und den <a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/hochschule-luzern\/ueber-uns\/portraet\/interdisziplinaritaet\/\">interdisziplin\u00e4ren Schwerpunkten<\/a> geht die Zentralschweizer Bildungsinstitution&nbsp;noch einen Schritt weiter. Sie vereint technische Informatik und Wirtschaftsinformatik ab Sommer 2016 am neuen <a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/informatik\/ueber-uns\/\">Campus Rotkreuz<\/a>. Durch die enge Zusammenarbeit von \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Blue_Collar\">Blue Collar<\/a>\u201c und \u201eWhite Collar\u201c, die gemeinsame Ausbildung und gemeinsame Forschung wird das gegenseitige Verst\u00e4ndnis gef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ziel ist es, dass Studierenden als interdisziplin\u00e4r denkende Profis ins Berufsleben einsteigen und ein St\u00fcck dazu beitragen, dass Hiobsbotschaften \u00fcber gescheiterte IT-Projekte der Vergangenheit angeh\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie lassen sich IT-Debakel verhindern? Tim Weing\u00e4rtner, Vize-Direktor Forschung der Hochschule Luzern \u2013 Informatik, empfiehlt, grosse Projekte in kleinere Teilprojekte aufzuteilen, agil, iterativ und vor allem interdisziplin\u00e4r zu arbeiten.<\/p>\n","protected":false},"author":2641,"featured_media":212,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"17595,17794,17729,17645,17534,17010","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[392493],"tags":[],"class_list":["post-199","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-software-engineering"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Und wieder ein gescheitertes IT-Projekt - Informatik an der Hochschule Luzern<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Wie lassen sich IT-Debakel verhindern? 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