{"id":330,"date":"2016-01-15T11:30:14","date_gmt":"2016-01-15T10:30:14","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/informatik\/?p=330"},"modified":"2026-02-11T14:52:33","modified_gmt":"2026-02-11T13:52:33","slug":"als-dozent-bin-ich-coach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/informatik\/als-dozent-bin-ich-coach\/","title":{"rendered":"\u00abAls Dozent bin ich Coach\u00bb"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Herr Mathis, wie motivieren Sie die Studierenden?<\/strong><br><br>Erwin Mathis: Ich sehe den Unterricht wie ein Training. Als Dozent bin ich Wissens-Trainer, der Methoden und Techniken m\u00f6glichst interessant vermitteln will. Gleichzeitig bin ich aber auch Coach, der versucht, auf der psychologischen Schiene positiven Einfluss auf die Studierenden zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin der \u00dcberzeugung, dass es sehr motivierend ist, wenn man Lerninhalte nachvollziehen kann und begriffen hat. Darum versuche ich meine Vorlesungseinheiten so zu gestalten, dass sie in sich logisch sind und aufeinander aufbauen. Meine Vorlesungen sollen \u00abagil\u00bb sein. Das heisst f\u00fcr mich: Fragen haben Vorrang. Konstruktives Unterbrechen ist erw\u00fcnscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein positives Lernklima ist wichtig! Durch die agilen Konzepte sollen die Vorlesungen interessant sein und das Lernen auch Spass machen! Eine Vorlesung, in der die Studierenden nicht mindestens einmal gelacht oder geschmunzelt haben, zeigt mir, dass ich meine Aufgabe als \u00abagiler Coach\u00bb noch nicht ganz erf\u00fclle. Die Studierenden sollen sich entspannt f\u00fchlen, damit sie die Lerninhalte konzentriert aufnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Motivations-Geheimnisse k\u00f6nnen Sie den Studierenden weitergeben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Es hilft, ein Ziel zu haben, auf das man hinarbeiten kann.<\/strong> Im Volleyball m\u00f6chte ich z.B. eine weitere Weltmeisterschafts-Medaille gewinnen. Ohne gut geplantes Training ist das nicht m\u00f6glich. Wenn ich im Fitness-Center schwitze und mich frage: \u00abWof\u00fcr machst du das eigentlich?\u00bb, kann ich mich mit einem einfachen, \u00abinneren Bild\u00bb der letzten WM in den USA motivieren: Zwei grosse Volleyballspieler \u00e0 2.10 m und 2.15 m stehen auf der anderen Seite des Netzes. Ich muss den Ball an den blockenden Armen vorbei auf den Boden bringen, d.h. ich muss h\u00f6her springen und h\u00e4rter smashen \u2013 und schon lege ich freiwillig noch etwas mehr Gewicht auf beim Fitness-Ger\u00e4t.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gemeinsam geht es leichter.<\/strong> Mannschaftssport ist sehr unterst\u00fctzend und fordernd. Man verzichtet nicht einfach auf ein Training, weil man mit seiner Anwesenheit auch einen positiven Einfluss auf die Mitspieler hat. Ausserdem sp\u00fcrt man bei den Mitspielern eine Erwartungshaltung f\u00fcr eine gute Leistung.<\/li>\n\n\n\n<li>Was mich auch motiviert, ist <strong>Unterst\u00fctzung von verschiedenen Seiten<\/strong>. W\u00e4hrend der Spiele stehen bei uns meist f\u00fcnf bis sechs Mitspieler am Spielfeldrand und machen positive Stimmung. Diese verbale Unterst\u00fctzung, z.B. \u00abHopp Schwiiz!\u00bb, ist sehr aufbauend. Auch unsere mitreisenden Frauen und Partnerinnen unterst\u00fctzen uns auf grossartige Weise. Wir sind eine grosse, feiernde, laute Schweizer Familie. Tolle Stimmung \u2013 tolle Leistung!<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>\u00dcbertragen aufs Studium heisst das: Studierende sollten sich immer Ziele setzten \u2013 und nicht nur minimale, z.B. ein Modul \u00abnur\u00bb bestehen. Sie k\u00f6nnen vom ersten Semester an Lerngruppen mit vier bis sechs Studierenden bilden und sich regelm\u00e4ssig ein bis zwei Stunden pro Woche treffen, Vorlesungen besprechen und zusammenfassen. Auf einmal merken die Studierenden: \u00abIch bin ja \u00abWissenstr\u00e4gerin\u00bb oder \u00abaktiver Zusammenfasser\u00bb f\u00fcr diese und\/oder jene Vorlesung in meiner Lerngruppe!\u00bb Umgekehrt haben sie vielleicht in einer anderen Vorlesung Schwierigkeiten und k\u00f6nnen von Gruppenmitgliedern profitieren, die dort stark sind. So ganz nebenbei lernen die Studierenden auch, wie man heute in der Wissenschaft\/Forschung im Team arbeitet. \u00abHyperintelligente\u00bb Wissenschaftler in ihrer einsamen Kammer sind heute nur noch ganz selten gefragt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was empfehlen Sie Studierenden, die ein Motivationstief haben?<\/strong><br><br>Meine Erfahrung ist folgende: Studierende, die sich in Lerngruppen organisieren, haben weniger Motivationstiefs. Selbstverst\u00e4ndlich kann es auch in Lerngruppen Entt\u00e4uschungen geben, wenn z.B. ein Gruppenmitglied eine Pr\u00fcfung nicht besteht. Aber die Gruppenmitglieder helfen sich in der Regel auch in solchen F\u00e4llen.<\/p>\n\n\n\n<p>Studierende, die mit Inhalten oder dem Stoff Schwierigkeiten haben und nicht in einer Lerngruppe mitmachen k\u00f6nnen oder wollen, sollten m\u00f6glichst rasch den Kontakt zu Dozierenden und\/oder Assistierenden suchen. Dadurch werden sie automatisch als Person und nicht nur als anonyme Studentin oder anonymen Studenten wahrgenommen. Das hat nichts mit \u00abStrebern\u00bb zu tun. Wenn Studierende ihre Ausbildung m\u00f6glichst anonym und unauff\u00e4llig machen wollen, dann verpassen sie aus meiner Sicht die Chance, sich durch die pers\u00f6nliche Auseinandersetzung, d.h. von Angesicht zu Angesicht, mit Dozierenden und Assistierenden motivieren zu lassen. Ich freue mich jedenfalls \u00fcber jede direkte Kontaktaufnahme! Wir haben in unserem Institut auch sehr engagierte Assistierende, die jederzeit zur Beantwortung von Fragen zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe sportlich und beruflich selten Motivationstiefs. Aber ich bin nicht immer mit meiner Leistung zufrieden. Aus sportlicher Erfahrung weiss ich: Wenn im Mannschaftssport eine eigene Aktion misslingt und man sich stark dar\u00fcber aufregt, kann das auch die Mitspieler negativ beeinflussen. Es ist aus meiner Sicht besser, die begangenen Fehler in einem Time-out kurz zu besprechen und dann positiv nach vorne zu schauen als innerlich hadernd \u00abVergangenheitsbew\u00e4ltigung\u00bb zu betreiben. Oft macht man in der nachfolgenden Aktion dann gleich noch einen Fehler.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es mir, als Volleyballspieler, \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit, z.B. nach einer Verletzung, nicht gelingt, meine erwartete Leistung zu erbringen, bespreche ich das zuerst mit einem oder zwei Mitspielern. Oft gen\u00fcgt mir ein Hinweis oder Tipp eines Kollegen oder eines Trainers, der eine \u00e4hnliche Situation schon einmal erlebt hat. Das empfehle ich auch Studierenden: Sie sollten Lernschwierigkeiten nicht f\u00fcr sich behalten oder verbergen, sondern ihre Kolleginnen und Kollegen um Hilfe bitten. Wer das Gespr\u00e4ch sucht, bekommt oft Hinweise darauf, wie sein Problem gel\u00f6st werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Gespr\u00e4che, die man von Angesicht zu Angesicht f\u00fchrt, sind aus meiner Erfahrung motivierender als ein l\u00e4ngerer E-Mail-Verkehr. Im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch bekommt man viele Metainformationen wie Gestik, Stimmlage, Umfeld, Ger\u00fcche usw. mit. Ausserdem ist es viel effizienter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber Erwin Mathis<\/strong><br><br>Erwin Mathis ist seit vier Jahren Dozent an der Hochschule Luzern \u2013 Wirtschaft. Er unterrichtet im Studiengang Wirtschaftsinformatik Programmierung, Softwarekomponenten, Datenbanken, IT-Service Management und Informationssysteme. Erwin Mathis hat mit 20 Jahren angefangen Volleyball zu spielen. Damals stieg er in unteren Ligen ein und spielte sich hoch bis in die Nationalliga B. Seit 2012 trainiert Erwin Mathis mit der Senioren-Volleyball-Nationalmannschaft der Schweiz. Mit ihnen hat er seither drei WM-Bronzemedaillen gewonnen. Die Senioren-Volleyball-Nationalmannschaft trainiert in der Regel alle zwei Wochen. Alle Spieler (&gt; 50 Jahre) trainieren zus\u00e4tzlich regelm\u00e4ssig in ihren Heimclubs in der ganzen Schweiz. Erwin Mathis absolviert vier bis f\u00fcnf Trainingseinheiten pro Woche, zwei davon Fitness oder Lauftraining. Er trainiert zurzeit mit zwei Mannschaften, einer 1. und einer 3. Liga-Mannschaft. Mit seinen 1.90 m geh\u00f6rt Erwin Mathis an den internationalen Events zu den \u00abkleinen\u00bb Spielern.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/informatik\/tag\/mitarbeitende-mit-doppelleben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zur Serie \u00abMitarbeitende mit Doppelleben\u00bb<\/a>: <\/strong>Hier zeigen wir Mitarbeitende mit aussergew\u00f6hnlichen Hobbys oder Berufen.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"blue-box\">\n\t<div class=\"row\">\n\t\t<div class=\"col-md-12\">\n\t\t\t<p>So l\u00e4uft der <a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/informatik\/studium\/bachelor\/informatik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Bachelor-Studiengang Informatik<\/strong><\/a><\/p>\n<p>N\u00e4chste <a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/informatik\/agenda\/veranstaltungen\/#?filters=1621,1050\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Info-Veranstaltungen<\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong>Sich digital weiterbilden:<\/strong> Im <a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/informatik\/weiterbildung\/digital-value-creation\/cas-digital-transformation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CAS Digital Transformation<\/a> lernen Sie, die Digitalisierung im Berufs-\u00a0 und Privatleben erfolgreich zu meistern. Es vermittelt die Grundlagen der verschiedenen Aspekte der digitalen Transformation.<\/p>\n<p><strong>Bleib am Ball mit dem Informatik-Blog<\/strong><\/p>\n<p>Hier erh\u00e4ltst du Tipps und Neuigkeiten aus der Welt der IT. Wir portr\u00e4tieren spannende Frauen und M\u00e4nner aus der Informatik. Du erf\u00e4hrst hier mehr \u00fcber neue Technologien, welche die Hochschule Luzern mitpr\u00e4gen. <a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/informatik\/#newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abonniere<\/a> jetzt unseren Blog!<\/p>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Motivation und Motivationstief im Studium \u2013 dar\u00fcber spricht Wirtschaftsinformatik-Dozent und \u00fc50-Volleyball-Nati-Spieler Erwin Mathis im Interview.<\/p>\n","protected":false},"author":2622,"featured_media":338,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"17595,17794,17729,17645,17534,17010","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[4678],"tags":[71271,653407,93579,4165,653651],"class_list":["post-330","post","type-post","status-publish","format-gallery","has-post-thumbnail","hentry","category-informatik","tag-dozent","tag-mitarbeitende-mit-doppelleben","tag-motivation","tag-studium","tag-workhslu_i","post_format-post-format-gallery"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.6 - 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