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Möge die Technologie mit Dir sein, Virtual Leader!

Möge die Technologie mit Dir sein, Virtual Leader!

Virtuelles Leadership – klingt noch immer geradezu exotisch nach Science-Fiction. Doch was es konkret bedeutet, Leadership und virtuelle Kommunikation- und Informationstechnologie im Berufsalltag umzusetzen, das zeigen spannende Praktiken in diesem Bereich. In „Virtuell Führen“ als Teil des Buches Leadership und People Management setzen sich drei Expert*innen damit auseinander.

Autorin: Vivian M. Decker (basierend auf Ingo Stolz, Moana Monnier & Silvana Beer, Virtuell führen, in „Leadership und People Management“, 2022, S. 365–376)

Es gibt Zungenbrecher und es gibt Zungenbrecher. „Führung mit Unterstützung virtueller Kommunikations- und Informationstechnologien“ ist definitiv einer der anspruchsvolleren. Versuchen Sie einfach mal, das dreimal hintereinander zu sagen, ohne zu stottern.

Was sich anhört wie eine bunte Mischung aus Fachjargons ist bereits weit mehr. Während wir noch damit beschäftigt sind, über unser Gestotter hinaus zu verstehen, was genau der Begriff „Führung mit Unterstützung virtueller Kommunikations- und Informationstechnologien“ meint, hat sich die Bedeutung des Begriffs bereits wieder verändert. Warum? Ganz einfach, weil Führung in diesem Kontext an Technologie gebunden ist und die Technologie entwickelt sich derzeit so schnell weiter, dass wir kaum Schritt halten können. Das hört sich überzogen an?

Ray Kurzweil, Leiter der technischen Entwicklung bei Google, würde da widersprechen. Seiner Ansicht nach entwickelt sich die Technologie sogar mit geradezu exponentieller Geschwindigkeit (für besonders Interessierte an dieser Stelle eine Empfehlung seines schon 2001 veröffentlichten Artikels “The Law of Accelerating Returns”).

Zurück zum Thema virtuelle Führung. Die Herausforderungen und berufspraktischen Chancen virtueller Führung ergeben sich aus verschiedenen Mega-Trends wie der Globalisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Welche konkreten virtuellen Führungspraktiken sich jedoch im digital-global vernetzten Arbeitsraum dauerhaft als nützlich und wirksam erweisen, wird erst die Zukunft zeigen.

Denn zum jetzigen Zeitpunkt ist der Begriff wie die Praxis des virtuellen Führens noch einer rapiden Entwicklung unterworfen (wie rapide technologische Entwicklung ist, das haben wir dank Ray Kurzweil nun schon mal geklärt). Anstatt zu hektisch auf die Zukunft zu blicken sollte der Anspruch derzeit also darauf liegen, sich auf Kernkompetenzen und -verhaltensweisen zu fokussieren, die virtuelles Führen effizienter und effektiver machen.

Was macht virtuelle Führung aus?

Gehen wir davon aus, dass virtuelle Führung für eine über Distanz agierende Führungsperson ein „dynamischer Prozess bestehend aus der Interaktion mit Technologie und Menschen innerhalb einer Organisation und darüber hinaus“ ist. Damit wird schon mal klar, dass die Praktiken virtueller Führung von den Dimensionen Distanz, Ort und Zeit geprägt sind. Das klingt ja alles schön und gut. Aber was genau bedeutet das für die Praxis?

Struktur, Menschsein und IT

Im Kontext von Virtualität spielt die Balance der Führungsstruktur eine große Rolle: Um erfolgreich virtuell zu führen, sind strukturierte und priorisierende Arbeitsroutinen das A und O. Immer noch zu abstrakt? Es geht darum, festzulegen, wie die Technologie (nehmen wir beispielsweise MS Teams, Zoom oder mit welchem Programm auch immer Ihre Organisation Sie quält) das Team unterstützt. Wie oft informelle oder formelle Treffen stattfinden und über welchen Kanal (vielleicht machen Sie ja Casual Drinks vor dem Bildschirm über Teams und Monthly Meetings via Zoom?). Wichtig sind dabei jedoch die Zielsetzung (Casual Drinks?), Timeline (bis 21 Uhr?), und Prioritäten (alle haben ihr Weinglas oder ihren veganen und alkoholfreien Prosecco neben sich stehen).  

Neben solchen organisatorischen Aspekten geht es auch darum, dass innerhalb eines virtuellen Teams flache Hierarchien und die Delegation von Entscheidungskompetenzen zu den einzelnen, lokalen Teammitgliedern gefördert werden. Klingt logisch? Ist es auch, besonders vor dem Hintergrund, dass die mangelnde geografische Nähe besser kompensiert wird, wenn die Teammitglieder selbstgesteuert und selbstverantwortlich arbeiten.

Besonders im virtuellen Team – in dem rein virtuell geführte Interaktionen, wir kennen es, dazu führen, dass informeller, sozialer Austausch oft zu kurz kommt – ist der Team Lead dazu angehalten, aktiv zuzuhören, proaktiv nachzufragen und Feedback einzuholen, sich einzufühlen, bewusst Zeit auch für den sozialen Austausch einzuplanen sowie Missverständnisse durch Transparenz, Konsistenz und repetitive Updates zu vermeiden.

Auch agile Führungstechniken erweisen sich als effektiv für die virtuelle Führungsarbeit. Um ein paar Beispiele zu nennen, Design-Thinking-Mentalität, Networking Skills, transparentes und schnelles Informationsmanagement, Ermutigung zum Selbst-Denken, Trial-and-Error-Haltung, all das ist für virtuelle Führung besonders förderlich. Je nach Lokalitäten der Team Mitglieder geht es jedoch auch um interkulturelle Führungstechniken und somit darum, im Team vorhandene Diversität zu erkennen, hervorzuheben und durch passende Dialogmöglichkeiten zu nutzen. 

Mehr als Excel und PowerPoint Skills sollten durchaus drin sein…

Personenbezogene Kompetenzen hin oder her, für die erfolgreiche Umsetzung von virtuellen Führungspraktiken geht es auch um Sicherheit und Routine im Umgang mit den genutzten Informationen- und Kommunikationstechnologien: Für den Team Lead bedeutet das, technologische Trends und Entwicklungen zu evaluieren und neue Möglichkeiten zur Verbesserung der eigenen virtuellen Führungsarbeit zu ergreifen. Gleichzeitig geht es jedoch auch um Kompetenzen zur Mitgestaltung einer nutzenstiftenden IT-Architektur, welche die virtuelle Führungsarbeit bestmöglich unterstützt.

Falls bei Ihnen nun der Eindruck entstanden sein sollte, dass Sie mit dem oder der ITler*in Ihres Vertrauens sprechen sollten, an dieser Stelle eine kleine Entwarnung. Insgesamt geht es in der Diskussion um die Entwicklung virtueller Führung um weit mehr als nur Technologie. Es geht um die Interaktion zwischen Menschen mithilfe von Technologie. Und da haben wir alle, Digital Natives oder Boomer, noch eine Menge zu lernen.

Mehr dazu im Buch Leadership und People Management, das kurze, kompakte und anwendungsorientierte Beiträge zu zentralen Führungsthemen beinhaltet und Führungspersonen in modernen Organisationen unterstützt.

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