{"id":2208,"date":"2022-03-31T17:03:46","date_gmt":"2022-03-31T15:03:46","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/leadership\/?p=2208"},"modified":"2026-02-05T15:17:06","modified_gmt":"2026-02-05T14:17:06","slug":"ist-die-welt-noch-immer-ein-dorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/leadership\/2022\/03\/31\/ist-die-welt-noch-immer-ein-dorf\/","title":{"rendered":"Ist die Welt noch immer ein Dorf?"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Quo Vadis, interkulturelles Leadership im 21. Jahrhundert<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Lange galt die Zusammenarbeit \u00fcber Landes- und Kulturgrenzen in Teams, Projekten, zwischen Firmen und anderen Organisationen als Selbstverst\u00e4ndlichkeit &#8211; ganz besonders f\u00fcr Unternehmen in der international stark vernetzten Schweizer Wirtschaft. F\u00fchrungskr\u00e4fte in Unternehmen fast jeder Gr\u00f6sse agierten tagt\u00e4glich in einer global vernetzten Welt mit Mitarbeitenden, Partnern, Lieferanten und Kunden aus unterschiedlichen Regionen, Kulturen und Zeitzonen. Wir diskutieren Jillaine Farrar und Sebastian Huber.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Interview: <\/strong><a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/hochschule-luzern\/ueber-uns\/personensuche\/profile\/?pid=5066\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Beat Hauenstein<\/a><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nach einem heftigen Exporteinbruch im Jahr 2020 erholten sich in der Schweiz schon bis Ende 2021 fast alle Branchen und konnten mit ihrer internationalen Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit an den Erfolg der Vorjahre ankn\u00fcpfen. Kehrt das internationale Gesch\u00e4ft jetzt zur\u00fcck zum Modus Operandi von vor der Pandemie?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><strong>Sebastian Huber<\/strong>: Das ist sehr unwahrscheinlich. In vielen Bereichen und Branchen sind die Unterbr\u00fcche in den Produktions- und Lieferketten weiterhin sp\u00fcrbar und werden auch noch einige Monate das internationale Gesch\u00e4ft bestimmen. Ausserdem haben sich einige Ver\u00e4nderungen unumkehrbar etabliert \u2013 viele Gesch\u00e4ftsprozesse wurden in den letzten Monaten digitalisiert, die Zusammenarbeit auch \u00fcber Landesgrenzen an die neuen Gegebenheiten angepasst. Es gibt wenig Gr\u00fcnde, diese Verbesserungen nicht auch k\u00fcnftig fortzuf\u00fchren. Ausserdem haben sich die Erwartungen von Kunden und Mitarbeitenden nachhaltig ver\u00e4ndert, sodass auch k\u00fcnftig Themen wie Nachhaltigkeit, ortsunabh\u00e4ngiges Arbeiten, lokale Beschaffung, CO2-Fussabdruck, Reise- und Transportkosten im In- und Ausland eine Rolle bei Managemententscheidungen spielen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jillaine Farrar: <\/strong>Genau! Es gilt zu akzeptieren, dass eine R\u00fcckkehr zu den alten Verh\u00e4ltnissen in naher Zukunft wahrscheinlich nicht m\u00f6glich und f\u00fcr viele auch nicht w\u00fcnschenswert ist. Die n\u00e4chste Normalit\u00e4t wird f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte, Arbeitnehmende, Studierende, Lehrkr\u00e4fte und Forschende anders sein. Es wird aber immer noch eine Welt sein, in der globaler Fortschritt nur durch internationale Zusammenarbeit und interkulturelles Bewusstsein erreicht werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zur \u00dcberraschung vieler Unternehmen und F\u00fchrungskr\u00e4fte brach das internationale Gesch\u00e4ft trotz aller Einschr\u00e4nkungen in den letzten zwei Jahren nicht zusammen. Wie erkl\u00e4ren Sie diese Resilienz?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><strong>Jillaine Farrar<\/strong>: Gute F\u00fchrungskompetenzen! Wenn die F\u00fchrungskraft zeigt, dass sie Interkulturalit\u00e4t lebt und eine nachhaltig globale F\u00fchrungsrolle anstrebt, wird das Team offener f\u00fcr eine globale Zusammenarbeit sein. Globale Teams stehen vor Herausforderungen, aber dank der Pandemie haben sich auch viele T\u00fcren ge\u00f6ffnet. Kollegen, die sich vielleicht einmal im Jahr getroffen h\u00e4tten, tauschen sich jetzt mehrmals im Monat per Videokonferenz aus. Das ist zwar nicht dasselbe wie eine Zusammenarbeit vor Ort, kann aber dazu beitragen, den Kontakt aufrechtzuerhalten und an der Erreichung gemeinsamer Ziele zu arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sebastian Huber<\/strong>: Insgesamt ist es vielen Unternehmerinnen und Unternehmern gelungen, ihre Gesch\u00e4ftsmodelle w\u00e4hrend den Herausforderungen der Pandemie so weiterzuentwickeln, dass diese eben auch mit Einschr\u00e4nkungen beim internationalen Personen- und Warenverkehr funktionieren. Oftmals waren Vorbereitungen beispielweise zur Digitalisierung schon getroffen worden; in der Dringlichkeit der Disruptionen konnten diese dann z\u00fcgig umgesetzt werden. Auch hat die gemeinsame Betroffenheit \u00fcber Branchen- und Landesgrenzen hinweg zu einer gr\u00f6sseren Bereitschaft gef\u00fchrt, auch unkonventionelle L\u00f6sungen zu finden.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>In den Monaten von Lockdown und Reisebeschr\u00e4nkungen haben viele Firmen und Teams gelernt, erfolgreich in virtuellen R\u00e4umen und mit digitalen Werkzeugen international zusammenzuarbeiten. Und dies ganz ohne Reisezeit und -kosten. F\u00fchren wir k\u00fcnftig unsere internationalen Projekte und Gesch\u00e4ftsabschl\u00fcsse ganz ohne Gesch\u00e4ftsreisen durch?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><strong>Jillaine Farrar<\/strong>: Nat\u00fcrlich nicht\u2026 Die virtuelle Welt schreitet stetig voran, und es hat durchaus Vorteile, auch in Bezug auf Zeit und Kosten, wenn man nicht f\u00fcr jedes Treffen reisen muss. Pers\u00f6nliche und gesch\u00e4ftliche Beziehungen erreichen jedoch eine andere Ebene, wenn man sich vor Ort treffen und gemeinsam die lokale Umgebung erleben kann. Beziehungen sind wichtig!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sebastian Huber<\/strong>: Rein technisch werden Innovationen die M\u00f6glichkeiten der virtuellen Zusammenarbeit immer weiterentwickeln, nicht nur im internationalen Kontext, sondern auch f\u00fcr generell ortsungebundenes Arbeiten. Gleichzeitig wird die Bedeutung der pers\u00f6nlichen Kontakte, der Aufbau vertrauensvoller Gesch\u00e4fts- und Zusammenarbeitsbeziehungen zunehmen. W\u00e4hrend die Frequenz von internationalen Reisen wom\u00f6glich abnimmt, werden die Inhalte von pers\u00f6nlichen Treffen sich st\u00e4rker auf Kernfragen des Leadership in Teams und Projekten ausrichten. Operative Aufgaben hingegen k\u00f6nnen virtuell, zeitlich und r\u00e4umlich flexibel abgewickelt werden und sollten weniger der wertvollen pers\u00f6nlichen Zeit in Anspruch nehmen.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was heisst das f\u00fcr die Anforderungen und Kompetenzen an F\u00fchrungskr\u00e4fte, die sich im internationalen Umfeld bewegen? Wie sind sie auch k\u00fcnftig erfolgreich?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><strong>Sebastian Huber<\/strong>: Nur weil wir uns weniger pers\u00f6nlich begegnen, werden die F\u00fchrungsaufgaben nicht weniger. Im Gegenteil: F\u00fchrungspersonen im internationalen Kontext sind erst recht gefordert, mit einer geeigneten Kombination von pers\u00f6nlichen und virtuellen Interaktionen die bestm\u00f6gliche Wirkung in den Beziehungen mit Mitarbeitenden und Gesch\u00e4ftspartnern aus anderen Kulturen zu erzielen. Die bewusste Wahl f\u00fcr das geeignete Format und technische Werkzeug wird als zus\u00e4tzliche F\u00fchrungsaufgabe an Bedeutung gewinnen, gerade weil man sich nicht mehr so regelm\u00e4ssig und informell pers\u00f6nlich begegnen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jillaine Farrar<\/strong>: Diese neuen Kompetenzen im virtuellen und pers\u00f6nlichen Leadership von Teams und Projekten m\u00fcssen sich F\u00fchrungspersonen gezielt aneignen und fortlaufend weiterentwickeln. Dies kann heute die virtuelle Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden in der Schweiz sein, die aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturkreisen kommen und sich deswegen einen unterschiedlichen Umgang mit digitalen Werkzeugen gewohnt sind. Sp\u00e4ter m\u00fcssen gezielte Entscheidungen getroffen werden, wie k\u00fcnftig in Projekten \u00fcber L\u00e4ndergrenzen und Zeitzonen hinweg zusammengearbeitet wird. M\u00f6glichkeiten gibt es viele; das eigene Leadership-Verst\u00e4ndnis in der Auswahl und dem Umgang mit diesen M\u00f6glichkeiten und Herausforderungen erfordert aber eigene, neue Kompetenzen und bedarf einer gezielten Weiterbildung in internationalem Leadership.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beat Hauenstein: <\/strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\"><div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"172\" height=\"229\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/leadership\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2022\/03\/Jillaine-Farrar-e1648742443442.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2220\" \/><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p style=\"font-size:15px\"><a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/hochschule-luzern\/ueber-uns\/personensuche\/profile\/?pid=159\">Prof. Jillaine Farrar<\/a>, Hochschule Luzern \u2013 Wirtschaft, unterrichtet interkulturelle F\u00fchrungsthemen und forscht \u00fcber die Internationalisierung von KMU. Mit Prof. Dr. Ingo Stolz leitet sie gemeinsam die englischsprachige Weiterbildung CAS Leading Global Teams and Projects. In ihrer Freizeit engagiert sie sich ehrenamtlich als Vizepr\u00e4sidentin SIETAR Switzerland (Society for Intercultural Education, Training and Research) und ist Mitherausgeberin des Swiss Journal of Intercultural Education, Training and Research. Sie stammt urspr\u00fcnglich aus Kanada und besitzt sowohl die schweizerische als auch die kanadische Staatsb\u00fcrgerschaft. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\"><div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"172\" height=\"255\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/leadership\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2022\/03\/Sabastian-Huber.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2221\" style=\"width:138px;height:205px\" \/><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p style=\"font-size:15px\"><a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/hochschule-luzern\/ueber-uns\/personensuche\/profile\/?pid=3931\">Sebastian Huber<\/a> lehrt und forscht an der Hochschule Luzern \u2013 Wirtschaft zu Themen des internationalen Managements und Gesch\u00e4ftsmodelltransformation im Luxusmarkt. Er leitet verschiedene Weiterbildungsangebote in Business Excellence und internationalem Management am Institut f\u00fcr Betriebs- und Regional\u00f6konomie und forscht im Rahmen seines Doktorats an der Silpakorn University in Thailand zur Business-to-Business Sharing Economy f\u00fcr KMU.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"blue-box\">\n\t<div class=\"row\">\n\t\t<div class=\"col-md-12\">\n\t\t\t<p>Das in Englisch durchgef\u00fchrte <a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/en\/lucerne-school-of-business\/continuing-education\/CAS\/IBR\/Leading-Global-Teams-and-Project\/\">CAS Leading Global Teams and Projects<\/a> vermittelt die internationalen F\u00fchrungskompetenzen, um Mitarbeitende, Projekte und Unternehmen erfolgreich im \u00abGlobal Village\u00bb des 21. Jahrhunderts zu managen.&nbsp;<\/p>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"blue-box\">\n\t<div class=\"row\">\n\t\t<div class=\"col-md-12\">\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese globale Kooperation erfuhr eine ungewohnte Disruption. Heute diskutieren wir mit den HSLU-Experten, was das f\u00fcr die interkulturelle F\u00fchrungsarbeit des 21. 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