{"id":5159,"date":"2022-07-05T12:59:35","date_gmt":"2022-07-05T10:59:35","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/management-and-law\/?p=5159"},"modified":"2026-02-11T14:53:45","modified_gmt":"2026-02-11T13:53:45","slug":"smart-contracts-die-digitalen-kaugummi-automaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/management-and-law\/2022\/07\/05\/smart-contracts-die-digitalen-kaugummi-automaten\/","title":{"rendered":"Smart Contracts: die digitalen Kaugummi-Automaten"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Der Begriff \u00abContract\u00bb (dt. Vertrag) ist im Zusammenhang von sogenannten \u00abSmart Contracts\u00bb insofern irref\u00fchrend, als es sich beim Smart Contract nicht um einen Vertrag gem\u00e4ss&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/27\/317_321_377\/de#art_1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art. 1 des Obligationenrechts (OR)<\/a>&nbsp;handelt, sondern um einen&nbsp;Software-Code, der dazu entwickelt wird, vordefinierte Bedingungen, Funktionen oder Aktionen auszuf\u00fchren&nbsp;(\u00abwenn \u2013&gt; dann\u00bb) und zu protokollieren. Bei Eintritt einer zuvor festgelegten, digital pr\u00fcfbaren Bedingung (\u00abtrue\/false\u00bb), eines zuvor festgelegten Ereignisses (sog. \u00abtrigger\u00bb) wird automatisch eine ebenfalls zuvor festgelegte Reaktion (Parameter) ausgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kein Vertrag, sondern Software<\/strong><\/h4>\n\n\n\n\n\n<p>Der Vertrag im Sinne von <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/27\/317_321_377\/de#art_1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art. 1 OR<\/a> kommt bei einem Smart Contract in der Regel&nbsp;<em>vor<\/em>&nbsp;dem Einsatz dieses Software-Codes zustande und die Abwicklung des Vertrags durch einen Smart Contract als technisches Hilfsmittel ist integrierender Vertragsbestandteil. Die Parteien m\u00fcssen sich in der Folge das Agieren des Smart Contracts bzw. des entsprechenden Software-Codes anrechnen lassen. Man denke hier zum Beispiel an die Sharing-Economy: Ich m\u00f6chte bei einem Anbieter, wie&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.mobility.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mobility<\/a>, ein Auto mieten. Die entsprechenden Bedingungen zum Angebot von Mobility entnehme ich Informationen, die ausserhalb des Smart Contracts publiziert worden sind. Sobald ich jedoch das Angebot annehme, z.B. durch das Dr\u00fccken eines Buttons auf der App von Mobility, startet der Smart Contract, wie ein Domino, ohne dass irgendjemand noch eingreifen m\u00fcsste. Die Software pr\u00fcft, ob auf meinem Krypto-Wallet (digitales Portemonnaie mit Krypto-Geld wie z.B. Bitcoin) ein vorab definierter Mindestbetrag vorhanden ist. Wenn diese Bedingung gegeben ist, gibt die Software den elektronischen Autoschl\u00fcssel frei. Am Ende der Fahrt sperrt die Software den elektronischen Autoschl\u00fcssel und holt in meinem Krypto-Wallet die Geb\u00fchr f\u00fcr die Autofahrt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Keine Erfindung des digitalen Zeitalters<\/strong><\/h4>\n\n\n\n\n\n<p>Smart Contracts sind keine Erfindungen des digitalen Zeitalters. Die Idee der Smart Contracts gibt es schon ewig lange. Ein gutes Beispiel daf\u00fcr ist der Kaugummi-Automat. Derjenige, der den Automaten aufstellt, macht ein Angebot. Sobald jemand beim Automaten den geforderten Betrag einwirft und damit das Angebot annimmt, startet das selbst ausf\u00fchrende System, eben der Smart Contract. Ist der eingeworfene Betrag gen\u00fcgend hoch, spuckt der Automat einen Kaugummi aus \u2013 auch hier, ohne dass irgendjemand noch ins System eingreifen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Blockchain als Plattform<\/strong><\/h4>\n\n\n\n\n\n<p>Wie das Beispiel des Kaugummi-Automaten zeigt, kann ein Smart Contract auf irgendeiner Plattform betrieben werden. Die hier beschriebenen Smart Contracts werden jedoch auf einer&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Blockchain\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Blockchain<\/a>&nbsp;aufgesetzt. Dabei handelt es sich um eine Internet-Plattform, deren Charakteristikum insbesondere ist, dass sie durch ihre Dezentralisierung und Transparenz praktisch immun gegen Eingriffe ist und somit auch nicht ver\u00e4ndert werden kann. Dies ist bei einem Smart Contract besonders wichtig. Denn das Vertrauen der Partei, die in einen Smart Contract einwilligt, &nbsp;ist nur gegeben, wenn sie davon ausgehen kann, dass die Regeln w\u00e4hrend des \u00abSpiels\u00bb nicht ge\u00e4ndert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit Codes als Smart Contract auf der Blockchain-Infrastruktur aufsetzen k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie in die Programmiersprache der Blockchain (bei Ethereum \u00abSolidity\u00bb) umgewandelt werden. Nach erfolgreicher Umwandlung (sog. Compile) kann der Smart Contract erstellt werden (sog. Deploy). Durch den Deploy wird der Smart Contract selbst Akteur des Netzwerks, d.h. er wird ein neuer Teilnehmer im Netzwerk der Blockchain, der rein nach den Regeln seines Codes agiert (vgl. weiterf\u00fchrend und vertiefend zur Thematik <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/book\/10.1007\/978-3-658-27963-9\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wilkens\/Falk, Smart Contracts, Springer 2019<\/a>, S. 10).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Vorz\u00fcge von Smart Contracts<\/strong> <strong>&#8211; effizient, anonym, intermedi\u00e4rlos<\/strong><\/h4>\n\n\n\n\n\n<p>Smart Contracts k\u00f6nnen nur Leistungen erbringen, die sich digital in der Blockchain abbilden lassen. In erster Linie sind das Transaktionen und Registereintr\u00e4ge. Smart Contracts scheinen sich damit besonders f\u00fcr einfache Rechtsdurchsetzungen, wie Einzug von Zahlung mit korrespondierender Freigabe bzw. Sperre der Sache, zu eignen (Wilkens\/Falk, S. 14, mit weiteren Verweisen).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verwendung von Smart Contracts erfolgt grunds\u00e4tzlich anonym. Es werden auf der Blockchain lediglich die anonymen Transaktionsdaten gespeichert. Falls in einem Gesch\u00e4ft die Identifizierung der Parteien gew\u00fcnscht ist, m\u00fcssen diese ihre Identit\u00e4t zus\u00e4tzlich zum automatisch ablaufenden Smart Contract im System erfassen. Smart Contracts bieten sich deswegen eher dort an, wo entweder ein geringes Schlechtleistungsrisiko besteht und es deswegen nicht auf die Identit\u00e4t der Parteien ankommt, oder dort, wo sich die Vertragsparteien schon kennen (Wilkens\/Falk, S. 15, mit weiteren Verweisen).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Blockchain-Technologie erlaubt es auch, dass bisher notwendige Intermedi\u00e4re ausgeschlossen werden k\u00f6nnen. So kann das vorne erw\u00e4hnt Beispiel mit dem Carsharing auch ohne einen Provider, wie Mobility, betrieben werden. Halter verleihen ihre Autos direkt untereinander. Aber auch Uber und Airbnb und Finanzintermedi\u00e4re, wie Banken und Kreditkartenfirmen, k\u00f6nnen obsolet werden; was diese nat\u00fcrlich f\u00fcrchten (!).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Keine Kontrolle, keine juristischen Auseinandersetzungen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n\n\n<p>Ein Smart Contract ist aus juristischer Sicht \u00absmart\u00bb (engl. f\u00fcr \u00abklug\u00bb, \u00abschlau\u00bb), weil er selbstausf\u00fchrend ist. Wie erw\u00e4hnt heisst dies, dass ein Smart Contract von alleine abl\u00e4uft, ohne dass w\u00e4hrend des Prozesses jemand eingreifen m\u00fcsste. Im Gegenteil, bei einem Smart Contract darf w\u00e4hrend des Prozesses nicht mehr eingegriffen werden. \u00abSmart\u00bb bedeutet aber auch, dass es bei einem Smart Contract keine Meinungsverschiedenheiten und damit keine Auseinandersetzungen der Parteien geben sollte. Denn der Smart Contract macht genau das, was vorab definiert und programmiert worden ist. Es besteht kein Raum f\u00fcr Diskussionen. Technisch bestimmte Transaktionen werden ex ante festgelegt, im Gegensatz zu den ex post durchsetzbaren Regeln. Die Vertragserf\u00fcllung ist nicht (mehr) vom individuellen Verhalten der Parteien abh\u00e4ngig. Der Vollzug des Smart Contracts muss selbstredend auch nicht \u00fcberpr\u00fcft werden \u2013 ein weiterer grosser Vorteil.<\/p>\n\n\n\n<p>An Grenzen st\u00f6sst die Technologie des Smart Contracts, wenn im Rahmen eines Rechtsverh\u00e4ltnisses die Folgen einer Aktivit\u00e4t des Vertragspartners nach Ermessen beurteilt werden muss (z.B. die Einsch\u00e4tzung, ob ein Verhalten des Vertragspartners dem Grundsatz von Treu und Glauben widerspricht); sprich, wenn es sich eben gerade nicht um eine genau definierte Bedingung handelt. Eine solche Beurteilung vermag aktuell nur ein Mensch vorzunehmen. Sollte eine solche Ermessensaus\u00fcbung aber insk\u00fcnftig auch durch k\u00fcnstliche Intelligenz (KI) m\u00f6glich sein, kann dies allenfalls auch ein Smart Contract mit entsprechenden F\u00e4higkeiten wiederum selbst erledigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Einf\u00fchrung von Smart Contracts in den Rechtsalltag wird der Aufwand im Zusammenhang mit Vertr\u00e4gen von der Phase der Vertragsdurchsetzung \u2013 die ja nun automatisiert vorgenommen wird \u2013 hin zu der Phase der Vertragserstellung verschoben. Dies bedeutet, dass der Aufwand f\u00fcr die Erstellung eines Smart Contracts sehr gross ist, denn es m\u00fcssen alle Eventualit\u00e4ten vorab \u00fcberlegt und einprogrammiert werden. Daf\u00fcr sollte nach der Ausf\u00fchrung des Smart Contracts kein Aufwand mehr f\u00fcr juristische Auseinandersetzungen entstehen. Falls die Ausf\u00fchrung funktioniert, ist dies auch aus juristischer Sicht geradezu genial, wirklich smart!<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00abOrakel\u00bb als Verbindung zur Aussenwelt<\/strong><\/h4>\n\n\n\n\n\n<p>Bei langfristigen Beziehungen, bei denen ein Smart Contract zu Anwendung kommt, stellt sich die Frage, wie man Ver\u00e4nderungen im Kontext (z.B. steigende Rohstoffpreise) ber\u00fccksichtigen kann, obwohl in einen Smart Contract grunds\u00e4tzlich nicht mehr eingegriffen werden kann. Die L\u00f6sung f\u00fcr dieses Problem sind&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Blockchain_oracle\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Blockchain-Orakel<\/a>. Ein solches Orakel ist ein Interface (Software, oder Hardware [z.B. Sensor]), das den in sich geschlossenen Smart Contract mit der Aussenwelt verbindet und mit entsprechenden Informationen versorgt. So k\u00f6nnen z.B. Preise in Smart Contracts gem\u00e4ss externen Indizes angepasst werden. Ein Orakel gelangt aber auch im Falle zum Einsatz, wo eine Transaktion (erst) dann ausgef\u00fchrt werden soll, wenn eine physische Ware \u00fcbergeben wurde. Orakel k\u00f6nnen Informationen sowohl von der Aussenwelt in den Smart Contract liefern (eingehendes Orakel), wie auch umgekehrt (ausgehendes Orakel). Zudem k\u00f6nnen die Informationen von einem Orakel kommen (zentrales Orakel), oder von mehreren (dezentrale Orakel). Der Einsatz von letzteren dient der Erh\u00f6hung der Zuverl\u00e4ssigkeit von Informationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anzumerken zum Einsatz von Orakeln in Blockchains bzw. Smart Contracts ist, dass diese an und f\u00fcr sich dem Prinzip widersprechen, dass in Abl\u00e4ufe auf der Blockchain nicht eingegriffen werden kann. Basierend auf diesem Prinzip geniessen Transaktionen auf der Blockchain und damit auch in Smart Contracts bei den Parteien grosses Vertrauen, insbesondere auch unter anonymen Partnern.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Aktuelle und potenzielle Einsatzgebiete<\/strong><\/h4>\n\n\n\n\n\n<p>Obwohl das Potential von Smart Contracts unbestritten ist, sind die aktuellen Einsatzgebiete in der Praxis (noch) beschr\u00e4nkt. Ein paar Beispiele f\u00fcr aktuelle und vor allem f\u00fcr potenzielle Einsatzgebiete veranschaulichen die spannenden Chancen, die sich hier bieten (Weitere Beispiele finden sich im <a href=\"https:\/\/digilaw.ch\/smart-contracts\/\">Kapitel zu Smart Contracts auf digilaw.ch<\/a>.):<\/p>\n\n\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><em><strong>Softwarelizenz<\/strong><\/em><br>Ein Smart Contract bezieht die Geb\u00fchr f\u00fcr eine Softwarelizenz vom Krypto-Wallet des Lizenznehmers und gibt in der Folge die Software f\u00fcr eine bestimmte Zeit zum Gebrauch frei. Auf dieselbe Weise erfolgt sp\u00e4ter auch eine Verl\u00e4ngerung der Lizenz. In diesem Fall muss jedoch gew\u00e4hrleistet sein, dass der Lizenznehmer diesen Vorgang zu einem zum Voraus bestimmten Zeitpunkt unterbrechen (also den Vertrag k\u00fcndigen) kann.<br><br>   <\/li><li><em><strong>Interaktion des Internets der Dinge (<a href=\"https:\/\/digilaw.ch\/13-internet-of-things-iot\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Internet of Things, IoT<\/a>)<\/strong><\/em><br>Mit dem Internet verbundene Dinge, wie z.B. Autos und Haushaltsger\u00e4te, organisieren sich mittels Smart Contracts selbst, tauschen sich aus und f\u00fchren Transaktionen aus. So ordert die Waschmaschine eigenst\u00e4ndig einen Monteur, wenn sie einen Defekt feststellt, bestellt entsprechend dem Verbrauch Waschmittel und bezahlt daf\u00fcr \u2013 dies alles, ohne dass ein Mensch eingreift.<br><br>   <\/li><li><em><strong>Dezentrale Energieversorgung<\/strong><\/em><br>Insk\u00fcnftig werden immer mehr Private lokal Strom produzieren. Durch den Einsatz von Smart Contracts k\u00f6nnen sich diese in einem echtzeitbasierten dezentralen Energiemarkt (sog. Microgrid) direkt \u2013 also ohne Einbindung zentraler Stromanbieter als Intermedi\u00e4re \u2013 mit den Stromkonsumenten verbinden. Es kann ein automatischer Austausch von Informationen \u00fcber die verf\u00fcgbare (\u00fcbersch\u00fcssige) Energiemenge der Anbieter und den Energiebedarf der Nutzer erfolgen, was wiederum die Automatisierung von Preisverhandlungen und Transaktionen erm\u00f6glicht ((Wilkens\/Falk, Smart Contracts, mit weiteren Verweisen).<br><br>   <\/li><li><em><strong>Nutzung von Musik und deren Verg\u00fctung<\/strong><\/em><br>Die Nutzung von Musik und deren Verg\u00fctung an die Autorinnen und Komponisten erfolgt bisher \u00fcber ein internationales Netz von Verwertungsgesellschaften. Es ist vorstellbar, dass dieser Vorgang insk\u00fcnftig automatisiert \u00fcber Smart Contracts abl\u00e4uft.<br><br>   <\/li><li><em><strong>Supply-Chain-Management<\/strong><\/em><br>Einen wichtigen Beitrag k\u00f6nnen Smart Contracts erg\u00e4nzend zur Blockchain-Technologie zur Automatisierung des weltweiten Lieferketten-Managements (Supply-Chain-Management) leisten. Bei diesem m\u00fcssen Intermedi\u00e4re, wie z.B. die in der Schweiz domizilierte\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sgs.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">SGS Group<\/a>, fortlaufend Waren pr\u00fcfen, Sicherheitsgarantien abgeben, Zahlungen freigeben, oder eben nicht, wenn die daf\u00fcr definierten Voraussetzungen nicht gegeben sind. Weil die entsprechenden Prozesse und Parameter definiert sind, k\u00f6nnen diese Aufgaben auch Smart Contracts \u00fcbernehmen; insb. auch mit dem Einbezug der vorne beschriebenen Orakel.<br>  <br><\/li><li><em><strong>Flugausfallversicherung<\/strong><\/em><br>Der Smart Contract ermittelt auf Basis der \u00f6ffentlichen Lande- und Abflugdaten von Flugzeugen automatisch Versp\u00e4tungen und Flugausf\u00e4lle und zahlt Verg\u00fctungen f\u00fcr versicherte Ereignisse vom Smart Contract direkt aus.<br><br>  <\/li><li><em><strong>Auto-Haftpflichtversicherung mit Pay-as-you-drive-Prinzip<\/strong><\/em><br>Gekoppelt mit einer Auto-Haftpflichtversicherung ermittelt ein Smart Contract den Fahrstil eines Versicherten und passt basierend darauf die Versicherungspr\u00e4mie an.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Code is Law-Prinzip vs. nationales zwingendes Recht<\/strong><\/h4>\n\n\n\n\n\n<p>Nach dem im Kontext von Smart Contracts ab und an vereinbarten \u00abCode is Law-Prinzips\u00bb soll ausschliesslich die Programmierung der Software das rechtliche Verh\u00e4ltnis zwischen ihren Nutzern bestimmen und gesetzliche Anforderungen sollen entsprechend nicht gelten. Die Anwendung dieses Prinzips kann insbesondere dazu f\u00fchren, dass auch ein Programmierfehler als korrekt gilt und damit deswegen kein Schadenersatz verlangt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4ss&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/27\/317_321_377\/de#a19\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art. 19 Abs. 1 OR<\/a>&nbsp;gilt nach schweizerischem Recht grunds\u00e4tzlich die Vertragsfreiheit. Nach&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/27\/317_321_377\/de#a19\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art. 19 Abs. 2 OR<\/a>&nbsp;sind aber von den gesetzlichen Vorschriften abweichende Vereinbarungen nur zul\u00e4ssig, wo das Gesetz nicht eine unab\u00e4nderliche Vorschrift auf\u00adstellt oder die Abweichung nicht einen Verstoss gegen die \u00f6ffent\u00adliche Ordnung, gegen die guten Sitten oder gegen das Recht der Per\u00ads\u00f6nlichkeit in sich schliesst. Mindestens wenn ein Smart Contract mit einem Code is Law-Prinzip unter schweizerisches Recht f\u00e4llt, w\u00e4re das Prinzip nicht anwendbar, wenn es gegen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/27\/317_321_377\/de#a19\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art. 19 Abs. 2 OR<\/a>&nbsp;verst\u00f6sst. Dies w\u00e4re z.B. der Fall, wenn das schweizerische Recht in diesem Punkt widersprechendes zwingendes Recht vorsieht.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne m\u00fcssen Smart Contracts auch den zwingenden Formerfordernissen des nationalen Rechts entsprechen und die Parteien k\u00f6nnen durch einen Smart Contract den Vertragstyp nicht selbst bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mehr juristische Fragen als Antworten<\/strong><\/h4>\n\n\n\n\n\n<p>Dass in einen Smart Contract nicht mehr eingegriffen werden kann, birgt aber auch zahlreiche juristische Risiken. Wer haftet f\u00fcr Programmierfehler? Was passiert, wenn bei einem Smart Contract keine M\u00f6glichkeit f\u00fcr eine Beendigung (K\u00fcndigung) vorgesehen ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Da sowohl Blockchain wie Smart Contracts nicht an Landesgrenzen gebunden sind, ja nur schon dezentral und damit auch international betrieben werden, Recht jedoch in der Regel immer noch national ist, besteht ein grosses Risiko, mit einem Smart Contract gegen irgendein nationales Recht zu verstossen. Hinzu kommt, dass eine Pr\u00fcfung des Rechts s\u00e4mtlicher L\u00e4nder \u2013 mindestens im Moment \u2013 unm\u00f6glich ist (wird evtl. mit k\u00fcnstlicher Intelligenz einmal m\u00f6glich).<\/p>\n\n\n\n<p>Da es m.E. aus juristischer Sicht aktuell mehr Fragen zu Smart Contracts gibt als Antworten, muss der Einsatz von Smart Contracts wohl\u00fcberlegt sein.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Smart Contracts: ein Zukunftsthema des Vertragsmanagements &#8211; Bilden Sie sich weiter!<\/strong><\/h4>\n\n\n\n\n\n<p>Das spannende Potential, das Smart Contracts bieten, sollten Unternehmen in Zukunft unbedingt kompetent f\u00fcr sich nutzen. Dies bedingt entsprechendes Wissen im betrieblichen Vertragsmanagement.  <\/p>\n\n\n\n<p>Die Hochschule Luzern bietet mit dem CAS Vertragsmanagement ab September 2022 ein neues interdisziplin\u00e4res  Weiterbildungsprogramm, mit dem Fachpersonen aus den verschiedensten Bereichen unter anderem genau dieses Knowhow vertiefen und ihre Expertise auf den Ebenen Recht und Vertragsgestaltung, Strategie und Verhandeln sowie Tools und Prozesse zu einem integralen Kompetenzprofil im Contract Management erg\u00e4nzen (Informationen zum CAS Vertragsmanagement in der Box).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-genesis-blocks-gb-columns gb-layout-service-3 gb-layout-columns-2 gb-2-col-wideright gb-has-custom-background-color has-black-color gb-columns-center alignfull\" style=\"padding-top:5%;padding-right:5%;padding-left:5%;background-color:#e0f3ff\"><div class=\"gb-layout-column-wrap gb-block-layout-column-gap-2 gb-is-responsive-column\" style=\"max-width:1210px\">\n<div class=\"wp-block-genesis-blocks-gb-column gb-block-layout-column\"><div class=\"gb-block-layout-column-inner has-pale-cyan-blue-color\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/management-and-law\/wp-content\/blogs.dir\/901\/files\/sites\/15\/2021\/06\/Bild_Webseite_Handschlag-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3800\" width=\"536\" height=\"400\" \/><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-genesis-blocks-gb-column gb-block-layout-column gb-is-vertically-aligned-center\"><div class=\"gb-block-layout-column-inner\">\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>CAS Vertragsmanagement<\/strong><br><\/h6>\n\n\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In drei praxisorientierten Modulen vermittelt das CAS Vertragsmanagement fundierte Kenntnisse in den Bereichen Recht und Vertragsgestaltung, Strategie und Verhandeln sowie Tools und Prozesse.<br>Die Weiterbildung startet im September 2022 und dauert bis M\u00e4rz 2023.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\"><strong>Infoveranstaltung (online): 6. Juli 2022, 18.00 Uhr<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<h6 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\"><strong>Anmeldeschluss: 31. August 2022<\/strong><\/h6>\n\n\n\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-genesis-blocks-gb-button gb-block-button\"><a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/wirtschaft\/weiterbildung\/cas\/ibr\/cas-vertragsmanagement\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" class=\"gb-button gb-button-shape-rounded gb-button-size-medium\" style=\"color:#ffffff;background-color:#4abaff\">Weitere Infos<\/a><\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Smart Contract &#8211; ein schillerndes Schlagwort, das in aller Munde ist. Aber was ist das eigentlich? Was macht den Smart Contract so smart? Und wo wird er in der Praxis eingesetzt? 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