2. Juli 2026
Eine aktuelle Analyse von Wirz & Partners zur finanziellen Stabilität der Schweizer Spitäler zeigt: Über die Hälfte der Akut- und Rehakliniken schrieb 2024 ein negatives Jahresergebnis. Die Verluste der defizitären Häuser summierten sich auf rund 750(!) Millionen Franken. Das führt zwangsläufig zur Frage, ob nicht gewisse unrentable Spitäler geschlossen werden sollten. Die reine Dichotomie Erhalten vs. Schliessen greift meines Erachtens jedoch zu kurz. Entscheidend ist viel mehr, welche Rolle ein Spitalstandort in der regionalen Versorgung künftig übernehmen soll.
Die finanzielle Lage vieler Schweizer Spitäler bleibt angespannt. Gemäss der aktuellen Analyse von Wirz & Partners wies 2024 mehr als die Hälfte der Akut- und Rehakliniken ein negatives Jahresergebnis nach Abschreibungen aus. Gleichzeitig lag die durchschnittliche EBITDAR-Marge 2024 bei rund 4.5 Prozent und damit weiterhin deutlich unter jener Grössenordnung (ca. 10%), die für eine nachhaltige Selbstfinanzierung und Investitionsfähigkeit nötig wäre. Der betriebswirtschaftlichen Logik folgend müsste man unrentable Spitäler schliessen. Dies löst jedoch in der Regel sofort einen politischen Aufschrei aus: Spitalschliessungen sind äusserst unpopulär und lösen in der Bevölkerung Ängste aus. Meines Erachtens gibt es jedoch einen Mittelweg, der zwar in verschiedenen Spitalgruppen diskutiert und praktiziert wird, jedoch politisch noch zu wenig Gehör findet: Gewisse Grundleistungen (z.B. Tagesklinik, Notfall, Reha, Altersmedizin) überall anbieten, weitere medizinische Leistungen jedoch an einzelnen Standorten bündeln und spezialisierte Leistungen zentral konzentrieren, wo die Fallzahlen dann auch eine hohe Qualität gewährleisten.
Spezialisierung ist so nicht automatisch Abbau. Ein Spitalstandort kann für eine Region weiterhin wichtig bleiben, auch wenn nicht mehr alle Leistungen überall angeboten werden. Genau hier liegt jedoch die politische Schwierigkeit. Was aus Sicht einer Spitalgruppe als sinnvolle Weiterentwicklung des Versorgungsnetzes erscheint, wird regional rasch als Schwächung des eigenen Standorts wahrgenommen. Das zeigt sich exemplarisch beim Luzerner Kantonsspital. Als Gruppe kann das LUKS die Versorgung grundsätzlich standortübergreifend denken: Luzern, Sursee, Wolhusen, Nidwalden und bald schon Obwalden müssen nicht alle dasselbe anbieten, sondern können unterschiedliche Rollen in einem gemeinsamen Versorgungssystem übernehmen. Sobald Leistungen angepasst oder konzentriert werden sollen, wird daraus aber eine hochpolitische Frage: Wird in «unserem» Spital abgebaut?
Die Debatte um das Luzerner Spitalgesetz macht diesen Konflikt sehr deutlich sichtbar. Die Spitalführung braucht Flexibilität, um Qualität, Personalressourcen und Wirtschaftlichkeit zu sichern. Politik und Bevölkerung erwarten dagegen verlässliche Garantien für die Versorgung in der Region. Eine weitsichtige Spitalpolitik müsste daher meines Erachtens stärker zwischen Standorterhalt und Angebotserhalt unterscheiden. Spitäler «retten» bedeutet deshalb nicht, den Status quo zu konservieren. Es heisst, regionale Versorgung so weiterzuentwickeln, dass Nähe dort erhalten bleibt, wo sie medizinisch und gesellschaftlich sinnvoll ist – und Spezialisierung dort möglich wird, wo Qualität und Wirtschaftlichkeit sie verlangen.
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