3. Februar 2026
Betriebliches Gesundheitsmanagement,
Gute Teamarbeit ist mehr als effiziente Abstimmung. Sie beeinflusst, wie gesund, belastbar und zufrieden Mitarbeitende sind. Dabei kommt Führungspersonen eine zentrale Rolle zu: Durch ihre Haltung und ihr Handeln beeinflussen sie Teamarbeit. Ein Forschungsprojekt an der Hochschule Luzern untersucht, welche Rolle Tugenden wie Empathie, Gerechtigkeit oder Demut für Teamarbeit spielen und ob sich diese im Arbeitskontext fördern lassen.
Inzwischen wird mehr als die Hälfte aller Aufgaben in Teams bearbeitet und Teamarbeit ist aus dem Arbeitsalltag vieler Organisationen nicht mehr wegzudenken. Zahlreiche Studien zeigen, dass Teamarbeit grundlegende psychologische Bedürfnisse wie Zugehörigkeit, Anerkennung und Selbstwirksamkeit erfüllt. Wo diese Bedürfnisse befriedigt werden, sinken Stressbelastung, Burnout-Risiko und sogar problematischer Substanzkonsum. Teamarbeit kann somit einen wichtigen Beitrag zur psychischen und physischen Gesundheit von Mitarbeitenden leisten und dadurch Krankheitstage und Abwesenheiten reduzieren.
Teamarbeit ist allerdings kein Selbstläufer. Rollenkonflikte, unklare Zuständigkeiten, mangelnde Akzeptanz von Entscheidungen oder verdeckte Machtspiele können Zusammenarbeit erschweren. Entscheidend ist daher nicht, ob in Teams gearbeitet wird, sondern wie. Nicht jede Form von Teamarbeit wirkt gesundheitsfördernd. Umso wichtiger ist es, jene Faktoren zu identifizieren, die gelingende Teamarbeit ermöglichen.
Forschung zu Teamarbeit weist seit Längerem auf die Bedeutung sozial- und selbstkompetenter Teammitglieder hin. Dazu zählen Empathie, Perspektivenübernahme, Gerechtigkeitssinn, Hilfsbereitschaft sowie Kommunikations- und Konfliktfähigkeit. Ebenso wichtig sind Selbstreflexion, Demut und intellektuelle Bescheidenheit – also die Fähigkeit, eigene Wissensgrenzen anzuerkennen und anderen Raum zu geben. Diese Fähigkeiten sind notwendig, um ein Klima psychologischer Sicherheit zu schaffen: ein Umfeld, in dem Fragen gestellt, Fehler eingestanden und unterschiedliche Sichtweisen eingebracht werden können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Genau dieses Klima gilt als zentral für Lernen, Innovation und Gesundheit in Teams.
Was heute als Sozial- und Selbstkompetenzen beschrieben wird, wurde in der antiken Philosophie bereits unter dem Begriff der Tugenden gefasst (griechisch arete – Exzellenz, Vortrefflichkeit). Platon und Aristoteles verstanden Tugenden als stabile Dispositionen, die nicht nur dem Wohl des Einzelnen, sondern dem der Gemeinschaft dienen. Die Positive Psychologie greift diesen Gedanken jüngst wieder auf. Sie unterscheidet sechs übergeordnete Tugenden (Weisheit/Wissen, Mut, Liebe/Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mässigung und Spiritualität/Transzendenz) und 24 Charakterstärken, die individuelle Ressourcen stärken und zugleich gemeinschaftliches Wohlbefinden fördern. Studien zeigen, dass ein Arbeitsumfeld, in dem persönliche Stärken eingebracht werden können und Sinnhaftigkeit erlebt wird, nicht nur die Gesundheit verbessert, sondern auch die Qualität der Zusammenarbeit erhöht.
Gelingende Teamarbeit hängt jedoch nicht allein von individuellen Tugenden ab. Sie braucht einen organisationalen Rahmen, der Kooperation unterstützt: Strukturen, die Silodenken abbauen, klare Entscheidungsbefugnisse ermöglichen und Anreizsysteme schaffen, die Teamleistung sichtbar machen. Ebenso zentral ist eine Kultur der Wertschätzung, Transparenz und Unterstützung. Auch Führung spielt eine Schlüsselrolle. Kooperative, transformationale, dienende oder authentische Führungsansätze setzen explizit auf Tugenden wie Vertrauen, Integrität und Verantwortungsübernahme und scheinen besonders geeignet, gesundheitsförderliche Teamarbeit zu ermöglichen.
Vor diesem Hintergrund untersucht ein interdisziplinäres Forschungs- und Entwicklungsprojekt an der HSLU, inwiefern Tugenden zu gelingender Teamarbeit beitragen. In einer eintägigen, tugendbasierten Intervention wird erprobt, ob Mitarbeitende und Führungskräfte für Tugenden sensibilisiert werden können und inwiefern deren bewusste Anwendung im Arbeitsalltag unterstützt wird. Ziel ist es zu prüfen, ob sich dies positiv auf die Qualität der Teamarbeit sowie auf die psychische und physische Gesundheit der Beteiligten auswirkt.
Das Forschungsprojekt verknüpft organisationspsychologische Forschung mit ethischen Perspektiven und adressiert damit eine bislang wenig beachtete Frage: Wie lassen sich Arbeitsbedingungen so gestalten, dass Zusammenarbeit nicht nur effizient, sondern auch gesund, menschlich und auf Lernen und Weiterentwicklung ausgerichtet ist? Tugenden könnten hierbei eine zentrale, bislang unterschätzte Rolle spielen, da sie über die reine Anwendung von Kompetenzen hinaus die Haltung, Intention und Motivation der handelnden Personen sowie die Auswirkungen ihres Handelns auf das Wohl aller in den Blick nehmen. Dadurch eröffnen Tugenden eine Perspektive, die über eine individualistische Betrachtung hinausgeht und die ethische Dimension von Zusammenarbeit systematisch einbezieht.
Interventionsangebot: Wenn Sie die im Beitrag beschriebenen Ansätze in Ihrem Team vertiefen möchten, bieten wir ein- oder zweitägige Interventionen zu Tugenden und gelingender Teamarbeit an. Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme: shiva.stucki-sabeti@hslu.ch oder christine.beeler@hslu.ch

Shiva Stucki-Sabeti arbeitet als Dozentin am Kompetenzzentrum Public und Nonprofit Management der Hochschule Luzern und doktoriert an der Universität Zürich zu Kompetenzen und Tugenden. Ihre Interessenschwerpunkte liegen insbesondere in den Bereichen Tugenden und Kompetenzen, Agilität in der öffentlichen Verwaltung, Führung und Zusammenarbeit auf Augenhöhe und gelingende Kommunikation.

Christine Beeler arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum für Public und Nonprofit Management der Hochschule Luzern. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Management im Gesundheitswesen sowie die Zusammenarbeit zwischen Sozial- und Gesundheitsorganisationen.
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