25. November 2025

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Gesundheitspolitik,

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Zwischen Effizienz und Empathie: Warum das Gesundheitswesen neue Wege braucht

Zwischen Effizienz und Empathie: Warum das Gesundheitswesen neue Wege braucht
Von Larissa Sundermann und Jan Schlüchter

Das Schweizer Gesundheitswesen steht am Scheideweg. Zwischen Kostendruck, Fachkräftemangel und wachsender Komplexität droht der Mensch verloren zu gehen. Die Pandemie hat eindrücklich gezeigt, wie zentral Pflege, Prävention und Kooperation sind – doch eine wirkliche Veränderung blieb bisher aus: Mehr Administration, weniger Zeit für Patient:innen. Der neue Major Health Business & Management der Hochschule Luzern setzt hier an und befähigt, Gesundheit ökonomisch klug, patientenwirksam und digital vernetzt zu gestalten.

Es war der Applaus, der in Erinnerung blieb. Während der Pandemie stand das Pflegepersonal im Rampenlicht. Menschen klatschten von Balkonen, Politiker:innen dankten öffentlich, Medien lobten das Engagement an der „Front“. Doch kaum war der Ausnahmezustand vorbei, kehrte der Alltag zurück – und mit ihm die Überstunden, der Personalmangel und die Bürokratie.

Eine Pause? Nicht für die, die täglich an der Front für die Gesundheit kämpfen. Der Reformstau ist real: Sowohl ambulant als auch stationär verbringen Pflegefachpersonen Stunden mit Dokumentation, oft für Leistungen, die nicht einmal verrechnet werden können. Ärztinnen und Ärzte kämpfen mit administrativen Auflagen, die sie von Patient:innen fernhalten. Verwaltungskosten steigen, regulatorische Komplexität nimmt zu. Zufriedenheit sinkt – bei Patient:innen wie beim Fachpersonal.

Gleichzeitig nehmen digitale Lösungen und Automatisierung rasant zu, doch sie bringen oft neue Schnittstellenprobleme statt Entlastung…und alle bezahlen mit ihren steigenden Krankenkassenprämien, ohne dass ein Ende dieser Abwärtsspirale in Sicht wäre.

Das Gesundheitswesen scheint in einem Paradox gefangen: Je stärker es ökonomisch gesteuert wird, desto weniger erreicht es seine eigentlichen Ziele: Gesundheit, Vertrauen, Zugang.

Reformen mit Wirkung

Reformen wie EFAS (Einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen) sollen Anreize schaffen, Versorgung effizienter zu gestalten. Ein Anfang – doch die Realität ist komplex. Was auf dem Papier effizient wirkt, führt in der Praxis oft zu neuen Reibungen.

EFAS zeigt vor allem eines: Entscheidungen im Gesundheitswesen haben Dominoeffekte über alle fünf Beteiligten – Leistungserbringer, Kostenträger, Patient:innen, politische Interessenvertreter:innen und Partner:innen aus der Gesundheitsindustrie.

Und während Gesundheitsorganisationen um Tarife, Budgets und Fallpauschalen ringen, fragen sich viele Fachpersonen: Wo bleibt der Mensch in diesem System? Ökonomie ist dabei kein Gegner, aber es bedarf dabei klarer Antworten auf die Frage, für welche Werte wir uns einzeln und als Gesellschaft einsetzen und wem diese nutzen (sollen)?

Vom Verwalten zum Gestalten

Die ökonomische Logik hat das Gesundheitswesen professionalisiert, und es gleichzeitig von seiner eigentlichen Mission entfremdet. Wenn Management zum Selbstzweck wird, verliert es die Verbindung zur Praxis.

Es reicht nicht, das System zu verwalten. Wir brauchen Menschen, die es neu entwerfen:

  • die Ökonomie als Werkzeug für Gesundheit nutzen,
  • die Patient:innen in den Mittelpunkt der Wertschöpfung stellen,
  • die systemisch denken und Lösungen umsetzen können,
  • die den Mut haben, auch Unbequemes zu hinterfragen.

Der Gesundheitsmarkt wartet nicht auf die nächste Prozessoptimierung. Er wartet auf eine echte Neuausrichtung – patientenwirksam, ökonomisch sinnvoll, technologisch integriert und gesellschaftlich verantwortungsvoll.

Gesundheit neu denken – nicht nur optimieren

Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Sie ist ein Zusammenspiel von Lebensbedingungen, Verantwortung, Kultur und Politik – und mutigen Entscheidungen. Gesundheit neu denken bedeutet:

  • Ökonomie schafft Möglichkeiten, nicht Grenzen.
  • Digitalisierung bedeutet Entlastung, nicht nur neue Schnittstellen.
  • Innovation denkt über Sektoren hinweg, nicht im Silobetrieb.

Der Mensch ist Massstab für Erfolg – nicht die Prozesskennzahl.

Genau hier setzt der Major Health & Business an

Der Major des Master of Science in Business Administration der Hochschule Luzern richtet sich an Menschen, die mehr wollen als Prozesse zu optimieren. An diejenigen, die das Zusammenspiel von Wirtschaft, Gesellschaft, Gesundheit und Technologie verstehen und aktiv gestalten wollen.

Mit dem 5P-Ansatz (People, Patients, Providers, Payers, Policy) wird der Gesundheitssektor in seiner ganzen Komplexität betrachtet. Studierende lernen, wie Entscheidungen in einem Bereich Dominoeffekte in anderen auslösen, und wie Innovationen gedacht und umgesetzt werden müssen, um effektiv Wirkung zu erzielen.

Im Experimental Lab entwickeln sie Prototypen, testen Versorgungsmodelle, denken digitale Lösungen anders, und setzen Veränderung praktisch um, in Zusammenarbeit mit Spitälern, Versicherern, Behörden, Start-ups und Gesundheitspraxen.

Es geht um mehr als Wissen.  Es geht darum, Voraussetzungen für Wandel zu schaffen und ihn mutig zu gestalten.


Der Major Health Business & Management ist Teil des Master of Science in Business Administration der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Er richtet sich an Bachelorabsolvent:innen, die die Zukunft des Gesundheitswesens aktiv mitgestalten möchten.

Die nächsten Infoanlässe: 9. Dezember 2025, 13. Januar und 24. Februar 2026

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