Mysterium Musik-Studierende. Was ist dran an den Klischees und Gerüchten?

Musikstudierende, gesichtet an einem Freitagmorgen am Obergrund.
Musikstudierende, gesichtet an einem Freitagmorgen am Obergrund.

Gegen Mittag starten sie ihren Tag, schlurfen mit bleichen Gesichtern Richtung Schulgebäude. Sonnenbrillen verdecken die von einer durchzechten Nacht gezeichneten Gesichter und nur der Morgenkaffee hat sie überhaupt aus dem Bett gelockt. Aber mal ehrlich – was machen Musikstudis überhaupt den ganzen Tag?

«Ihr dürft mir getrost glauben – wenn ihr möglichst viel schlafen wollt, ist das Musikstudium wahrscheinlich nichts für euch.»

Vorurteil 1: «Musik-Studierende schlafen jeden Tag aus.»

Es ist unvorstellbar, aber selbst im Musikstudium trifft man Nachteulen wie Frühaufsteher/innen an. Der Grund für das scheinbar ständige Ausschlafen ist jedoch ein einfacher: Musiker/innen sind dann gefragt, wenn andere Feierabend haben. Folglich finden Proben und Konzerte meistens abends statt, woraus sich auch der verschobene Tagesrhythmus ergibt. Ihr dürft mir getrost glauben – wenn ihr möglichst viel schlafen wollt, ist das Musikstudium wahrscheinlich nichts für euch. Musiker/in sein ist tägliche, intensive Arbeit, und in stressigen Zeiten kommt der Schlaf, wie in jedem anderen Studium, auch mal zu kurz.

Vorurteil 2: «Das Musikstudium ist ja voll easy, ihr habt fast keine Prüfungen und wenig Unterricht.»

Ich gebe zu: keine fünfzigseitigen Arbeiten schreiben zu müssen, stört mich genau so wenig wie das Bibliothek-Camping, welches mir erspart bleibt. Bei uns gibt es aber auch nur wenige Module, in denen wir schriftlich geprüft werden könnten. Die meiste Arbeit findet in der Übekammer statt, Inputs bekommen wir beim Einzelunterricht. Unser Studium ist praxisorientiert, der Fortschritt individuell und über eine längere Zeit erfolgend. «Voll easy» trifft es also nicht wirklich. Wir müssen grosse Selbstdisziplin und Entschlossenheit mitbringen, um unsere Ziele zu erreichen. Ausserdem können wir nicht ein paar Wochen vor den Prüfungen mit der Vorbereitung beginnen; wir arbeiten jeden Tag hart an uns – ja, auch an den Wochenenden. Und in den Semesterferien. Glücklicherweise macht uns das aber auch Spass… (Oder sollte es hoffentlich machen).

Vorurteil 3: «Musiker/innen sind einfach unwiderstehlich.»

Das trifft voll und ganz zu.

Was haben wir gelernt? Generalisierungen sind doof. Drum diese – und am besten auch sich selbst – nicht zu ernst nehmen. Auch wenn an manchen was dran ist, treten Musikstudierende in allen Farben und Formen auf. Wie sieht’s bei dir aus? Wirst du dem Stereotyp gerecht oder fällst du aus dem Schema?

Und jetzt: Pause vorbei; weiterüben!

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  • Lara Liechti

    Lara Liechti studiert an der Hochschule Luzern – Musik klassischen Gesang. Die Mezzosopranistin ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des 2018 gegründeten Vereins «Schmelzpunkt». Der Verein hat zum Ziel, Schweizer Kulturschaffende zu vernetzen und die Produktion von jungen Kulturprojekten zu fördern. Neben dem Masterstudium in Pädagogik tritt Lara als Solistin auf, organisiert spartenübergreifende Projekte und ist Musikjournalistin.

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