Spiel keine Prüfung. Spiel ein Konzert!

Anders als bei den meisten Studiengängen an Universitäten und Hochschulen muss man für ein Musikstudium eine praktische Aufnahmeprüfung absolvieren. An der Hochschule Luzern – Musik finden diese immer während den Monaten April und Mai statt. Im folgenden Text verraten wir dir, worauf es wirklich ankommt und wie du dich darauf vorbereiten kannst.

Du kannst sie kaum abschalten, die Musik in deinem Kopf? Du sitzt leidenschaftlich gern an deinem Instrument und möchtest dich auch beruflich damit beschäftigen? Sound, Beat und Töne sind dein Leben? Egal, ob du musizieren, komponieren oder dirigieren möchtest: Die Hochschule Luzern – Musik hat ein breites Angebot an Ausbildungen mit diversen Profilen und Schwerpunkten, wovon etwas für dich bestimmt dabei ist! Wenn dir den Durchblick zum ganzen Anmeldeprozedere fehlt, geben wir dir unser Wissen gerne weiter. Das Aufnahmeverfahren für alle Studiengänge besteht dabei aus mehreren Stufen, welche wir dir in der Folge erklären.

Anmeldung und Schnupperstunden

Die Anmeldungsfrist für alle Studienangebote ist der 29. Februar 2020. Anmeldungen, die später eintreffen, werden abgewiesen. Genauso wie bei einer Probe oder einem Konzert ist Pünktlichkeit also Trumpf! Bei der Prüfungsvorbereitung gilt: Lies die Prüfungsinhalte und Termine sorgfältig durch. Achtung – für jedes Instrument, jeden Schwerpunkt und jedes Profil gelten andere Inhalte. Ein weiterer Tipp: Melde dich schon vor der Anmeldung bei deinen Wunschdozierenden. Was? Du kennst die Dozierenden und ihre Tätigkeiten noch gar nicht? Dann unbedingt erkundigen; im Internet, bei aktuellen Studierenden oder an Konzerten! Peter Baur, Studienkoordinator Bachelor Klassik, meint dazu: «Eine vorgängige Kontaktaufnahme oder sogar schon eine Probelektion sind von grossem Vorteil, weil die betreffende Lehrperson dann bereits einen Eindruck hat und je nachdem auch eine Aussage über die Lerngeschwindigkeit beziehungsweise Umsetzung von Spielhinweisen machen kann.» Nach der Überprüfung deiner Unterlagen wirst du zu den praktischen Prüfungen eingeladen.

PreCollege

Wenn du dich noch nicht bereit fühlst, ein Musikstudium zu beginnen, oder gerade eine Matura/Berufslehre absolvierst, gibt es an der Hochschule verschiedene Angebote, die dir helfen, dich optimal auf den Bachelor-Studiengang vorzubereiten. Diese sind keine Pflicht, aber sehr zu empfehlen. Im Vorstudium aka PreCollege beispielsweise wirst du neun Monate lang intensiv in Hauptinstrument, Rhythmik und Theorie unterrichtet. Der Vorkurs hingegen läuft bis zu drei Jahre lang parallel zur Schulausbildung. Die meisten Studierenden, die das PreCollege besucht haben, traten den Aufnahmeprüfungen zuversichtlich entgegen. Besonders in Theorie wirst du dich also gut gewappnet fühlen. Um am Vorstudium oder Vorkurs teilnehmen zu können, musst du eine künstlerische Aufnahmeprüfung bestehen. Welche und wie viele Stücke, ist für alle Profile (Jazz, Klassik und Volksmusik) unterschiedlich.

Praktische Prüfungen

Die praktische Prüfung bildet das Kernstück des Aufnahmeverfahrens für das Bachelor-Studium und dreht sich immer um das jeweilige Hauptinstrument. Im Fokus stehen das Singen oder Spielen von Jazzstandards, Repertoirestücken aus der klassischen Musik oder Volksmusik. Dieser musikalische Vortrag wird von einer Jury, bestehend aus den jeweiligen Hauptfachdozierenden, bewertet. Ausserdem kann oder musst du dich für unterschiedliche Schwerpunkte entscheiden, die dann zusätzliche Prüfungsinhalte verlangen. Beim Bachelor-Studium Kirchenmusik gilt es beispielsweise, eine Entscheidung zwischen den Schwerpunkten Chorleitung und Dirigieren zu fällen. Im Studiengang Bachelor of Arts in Music stehen dir optional die Schwerpunkte Improvisation, Dirigieren/Schulmusik und Komposition zur Auswahl. Für alle praktischen Aufnahmeprüfungen rät Peter Baur, dir gut zu überlegen, welches Stück du zuerst spielst oder singst. Ausserdem solle man nur Stücke vorbereiten, bei denen man seine Musikalität zum Ausdruck bringen kann. «Lieber einen Schwierigkeitsgrad tiefer wählen, aber dafür musizieren», so Baur. Laut Susanne Abbuehl, Leiterin der Institute Jazz und Volksmusik, möchten die Prüfungskommissionen ihres Departements besonders Interaktion sowie Kommunikation mit der Band, ein gutes Gehör und melodische, rhythmische und harmonische Fähigkeiten erleben. Dabei können das Blattspielen und Blattsingen zu Stolpersteinen werden – man kann sich verheddern und die Nerven verlieren. Oft sind nämlich Gehör und Analysefähigkeit nicht gleichmässig entwickelt – beim Blattspielen und Blattsingen braucht es aber beides. Soviel sei hingegen verraten: Wer beim Teil mit der Band ordentlich Gas gibt, wird nicht am Blattspiel aufgehängt. Im Anschluss an den praktischen Teil werden zudem Fragen wie «Warum willst du Musik studieren?» oder «Was sind deine Berufsziele?» gestellt. Wichtig ist, dass die Dozierenden hierbei Wissensdurst und Elan spüren. Das Vermitteln der eigenen Lust, um in die Materie einzutauchen, und eigene künstlerische Visionen sind ebenfalls ein Plus. Verbringe also neben dem technisch sauberen Erarbeiten der Stücke auch Zeit mit Fragen à la «Was will ich sagen?», «Wo will ich eigentlich hin mit oder nach diesem Studium» und «Wie mache ich dieses Stück zu meinem eigenen?» Mira Hirtler, Jazz-Sängerin, rät ausserdem, sich während der Prüfung genug Zeit zu nehmen, um einzuzählen und in die Stimmung jedes Stücks einzutauchen. «Gehe mit dem Mindset an diese Prüfung, dass du gleich ein Konzert spielst oder singst.»

Theorieprüfung

Neben einer künstlerischen Leistung an der praktischen Prüfung legst du eine Theorieprüfung ab. Die klassische Sängerin Elena Dietrich empfiehlt, früh genug mit deren Vorbereitung anzufangen. «So können sich Automatismen einprägen, die sich dann auch in Stresssituationen gut abrufen lassen.» Auch Peter Baur sagt über das Blattlesen beziehungsweise Blattsingen: «Was man nicht übt, kommt nicht von alleine!» Die Theorieprüfung entscheidet mit darüber, ob man für das Studium zugelassen wird – investiere also genügend Zeit. Wenn du die Beispielprüfungen im Internet ordentlich bearbeitest, bist du gut gewappnet für die eigenen Tests, meint die Jazzsaxofonistin Nelly Jüsten. Die Theorieprüfung wird unterteilt in verschiedene Disziplinen. So wird man zu schriftlichen und mündlichen Prüfungen eingeladen. An den schriftlichen wird verlangt, verschiedene Diktate rauszuhören und in Notenschrift zu notieren sowie Stücke zu analysieren. An den mündlichen wird das Singen von Skalen, Akkorden und Rhythmen geprüft. Wie viele einzelne Prüfungen und welche Inhalte genau kommen, hängt wiederum vom Studiengang und Profil ab. So musste beispielsweise die Jodelstudentin Andrea Küttel bei ihrer Anmeldung zwischen den Profilen Jazz und Klassik entscheiden, was dann den Inhalt der Theorieprüfung bestimmt hat, da keine Volksmusiktheorie angeboten wird.

Wer an diesem Punkt nun etwas eingeschüchtert ist, dem versichern wir: keine Sorge! Erstens sind die Aufnahmeprüfungen mit einer guten Vorbereitung mehr als machbar, zweitens können sie wiederholt werden und drittens ist die Autoprüfung wesentlich schlimmer. Wir wünschen viel Erfolg!

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  • Lara Liechti

    Lara Liechti studiert an der Hochschule Luzern – Musik klassischen Gesang. Die Mezzosopranistin ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des 2018 gegründeten Vereins «Schmelzpunkt». Der Verein hat zum Ziel, Schweizer Kulturschaffende zu vernetzen und die Produktion von jungen Kulturprojekten zu fördern. Neben dem Masterstudium in Pädagogik tritt Lara als Solistin auf, organisiert spartenübergreifende Projekte und ist Musikjournalistin.

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    Luca Koch

    Luca Koch erzeugte bereits als Kind die grössten Lärm-Emissionen. Genau diese Eigenschaft bringt ihn heute auch auf die Bühnen der Schweiz – und noch viel weiter! Aktuell studiert er Jazzgesang an der Hochschule Luzern – Musik. Nebenbei bildet er sich auf weiteren Instrumenten und in Gesangstechniken weiter, widmet sich der Malerei und dem Tanz. Mit seinen Projekten, die von Jazz und Electro über Freie Improvisation sowie Hip Hop bis Metal reichen und oftmals interdisziplinären Charakter haben, bringt er seine Farben in die Schweizer Kunst- und Musikszene. Neben der Bühne ist Luca Koch passionierter Gesangslehrer, Chorleiter und Musikjournalist mit einem grossen Interesse an Menschen, die wie er nach ihrer Stimme in dieser bizarren Welt suchen.

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