{"id":1512,"date":"2019-12-16T19:47:30","date_gmt":"2019-12-16T19:47:30","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/musik\/?p=1512"},"modified":"2020-01-16T17:17:50","modified_gmt":"2020-01-16T17:17:50","slug":"freiheit-lehren-mut-vermitteln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/musik\/freiheit-lehren-mut-vermitteln\/","title":{"rendered":"Freiheit lehren, Mut vermitteln: Opernregisseurin Regina Heer."},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"ux-post-layout ux-post-layout--with-image\">\n    <div class=\"ux-post-layout__image\">\n        <figure>\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/musik\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/01\/ReginaHeer2-kopie-e1610458524335.jpg\" alt=\"\">\n        <\/figure>\n        <div class=\"ux-post-layout__text\">\n            <p>Regina Heer ist freischaffende Opernregisseurin und leitet den szenischen Unterricht an der Hochschule Luzern. Nach Jahren als Regieassistentin wollte sie zudem selber ran: In ihren Inszenierungen wird sie zur M\u00e4rlitante.<\/p>\n        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p>Zuerst war Regina Heer gl\u00fccklich mit ihrem Job als\nRegieassistentin. Nach den Stationen Z\u00fcrich und Luzern arbeitete sie an der\nMetropolitan Opera in New York. Im Verlauf der Zeit packte sie jedoch immer\nmehr die Lust, selber zu inszenieren. \u00abIch habe mir oft die Frage gestellt: Wie\nweiss ich, ob ich das kann?\u00bb, kommentiert sie diese Entwicklung. Ein\nbefreundeter Regisseur, mit dem sich Heer oft austauschte, gab ihr schliesslich\neinen entscheidenden Rat: \u00abEr meinte, ich m\u00fcsse einfach mal machen\u00bb, beschreibt\nsie seine Worte und f\u00e4hrt fort: \u00abWenn ich wirklich eine Leidenschaft daf\u00fcr\nhabe, wie ich Geschichten durch Menschen und Musik erz\u00e4hlen m\u00f6chte, dann ist\nder Rest ein Handwerk, das man erlernen kann.\u00bb <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Visuelle Begabung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn Heer ein Libretto (also einen Operntext) liest, singt\nsie oft lauthals mit. Das Visuelle ist f\u00fcr sie ganz nat\u00fcrlich: \u00abBeim H\u00f6ren und\nLesen einer Oper habe ich sofort Bilder im Kopf, sehe das B\u00fchnenbild, die\nMenschen auf der B\u00fchne und vieles mehr schon vor mir. Es funktioniert wie das\nabsolute Geh\u00f6r, ist so selbstverst\u00e4ndlich! Ich behaupte, dass dies meine\nBegabung ist.\u00bb Das sagt sie ohne jegliche Spur von \u00dcberheblichkeit \u2013 Regina\nHeer ist eine Person, die weiss, was sie kann. Ein st\u00e4ndig wiederkehrendes\nThema in der Oper ist die Stellung der Geschlechter\u2013 ein Thema, das die\nRegisseurin in ihrem pers\u00f6nlichen Schaffen immer besch\u00e4ftigt: \u00abDie Oper ist\nf\u00fcrchterlich m\u00e4nnerdominiert und das Frauen- und M\u00e4nnerbild eine Katastrophe.\nIch will da etwas ver\u00e4ndern und ein anderes Bewusstsein schaffen\u00bb. Die Wut der\nFrau findet auch in ihrer Produktion von \u00abLes Adieux\u00bb mit der Hochschule Luzern\n\u2013 Musik ihren Platz: M\u00e4nner werden erdr\u00fcckt und erschlagen. Heer: \u00abNicht dass\nich \u2039die M\u00e4nner\u203a tot haben will \u2013 aber eine Wut dar\u00fcber, was uns Frauen in den\nletzten 2\u2019000 Jahren angetan wurde, besteht schon.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Oper vs. Schauspiel<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die j\u00e4hrlichen Opernbesuche mit der Familie waren schon als\nKind ein Highlight f\u00fcr Heer. Ihre Eltern legten grossen Wert auf musikalische\nBildung \u2013 sie spielte Klavier und sang in den Kirchench\u00f6ren ihres Vaters, unter\nanderem im semiprofessionellen Opernchor des Theaters Winterthur. S\u00e4ngerin zu\nwerden blieb lange ein Berufswunsch, trotzdem machte sie zuerst eine Ausbildung\nzur Primarlehrerin. Die Arbeit mit Kindern n\u00e4hrte sie aber nicht genug:\n\u00abErwachsene zu unterrichten geht f\u00fcr mich auf. Wenn eine erwachsene Person das\nLernen verweigert, ist das ihre Sache \u2013 sie kann Verantwortung f\u00fcr sich\n\u00fcbernehmen. Kinder k\u00f6nnen das aber nicht.\u00bb In Basel und Z\u00fcrich startete Heer\nihre musikp\u00e4dagogische T\u00e4tigkeit mit der \u00abOpernwerkstatt\u00bb. Die Kurse waren gut\nund bunt besucht \u2013 Laien, Studierende aus dem PreCollege und Senior*innen. Seit\n2004 doziert sie in Basel, seit 2011 zus\u00e4tzlich in Luzern. Heute f\u00fchlt sich die\nRegisseurin an den Fachhochschulen, wo sie S\u00e4nger*innen ausbildet, gut\naufgehoben: \u00abIch liebe S\u00e4nger*innen. Das Leben mit ihnen ist mir nah, es wird\nviel gelacht.\u00bb Mit ein Grund daf\u00fcr, dass sie nur Opern inszeniert: \u00abIch fand es\neher schwierig mit Schauspieler*innen. Bei ihnen geht es viel um Kopf, um\nIntellekt, zumal sie introvertierter sind\u00bb, meint Regisseurin Heer und f\u00e4hrt\nfort: \u00abAusserdem traue ich mir Schauspiel nicht zu. In der Oper gibt die Musik\nTiming und Tonalit\u00e4t vor. Beim Text kreierst du das selbst\u00bb. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Vermittlung k\u00fcnstlerischer\nFreiheit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>K\u00e4mpfen musste die Dozentin\nf\u00fcr ihren Lehrbereich \u00abSzenischer Unterricht Oper\u00bb an beiden Schulen. Dieser\nist ein Randbereich, eingefordert durch den Fachbereich Gesang, dem sie\nangeh\u00f6rt. \u00abDas Wichtigste, was ich meinen Studierenden vermitteln will, ist das\nVerstehen und Erfahren, dass jede Art von k\u00fcnstlerischer \u00c4usserung eine Unmenge\nan Facetten haben kann. Sie sollen lernen, sich die Freiheit zu nehmen, eine\nganz pers\u00f6nliche Umsetzung mit Subtext und Vorstellungskraft zu f\u00fcllen\u00bb, so Heer.\nLeiten l\u00e4sst sie sich dabei von verschiedenen Fragen: Wie kann ich das lehren\nund lernen? Wie dr\u00fccke ich mich auf der B\u00fchne selbstverst\u00e4ndlich und\nauthentisch aus? Wie finde ich den Mut und den Zugang zu dem, was in meinem\nK\u00f6rper sowieso schon abgespeichert ist? \u00abDieser Transformationsprozess\nfasziniert mich immer noch total\u00bb, findet die passionierte P\u00e4dagogin. Bald\njedoch neigt sich ihre Zeit an den Hochschulen dem Ende zu: Heer wird in\neinigen Jahren pensioniert. Konkrete Pl\u00e4ne, wie es weitergehen soll, hat sie\nvorerst keine. Doch eine Konstante bleibt: \u00abAls Kind wollte ich M\u00e4rlitante\nwerden. Heute denke ich oft, dass ich als Regisseurin eigentlich genau das\nmache\u00bb, sagt Regina Heer \u2013 und wird das drum wohl noch f\u00fcr lange Zeit machen.<\/p>\n\n\n<div class=\"detail-link__wrapper\">\n    <div class=\"detail-link fullWidth\">\n\n                    <h3 class=\"detail-link__title\"><\/h3>\n        \n        \n                                                            <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/musik\/studium\/ensembles-und-veranstaltungsreihen\/stagelab\/dozierende\/#reginaheer\">\n                            <div class=\"detail-link--wrapper\">\n                                <h3>Regina Heer ist Dozentin f\u00fcr szenischen Unterricht<\/h3>\n                                <span>\n                                <\/span>\n                            <\/div>\n                        <\/a>\n                                                                                <a target=\"\" href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/musik\/studium\/ensembles-und-veranstaltungsreihen\/stagelab\/\">\n                            <div class=\"detail-link--wrapper\">\n                                <h3>Das StageLab bietet w\u00e4hrend dem Studium einen Einstieg ins Musiktheater<\/h3>\n                                <span>\n                                <\/span>\n                            <\/div>\n                        <\/a>\n                                                            <\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Regina Heer ist freischaffende Opernregisseurin und leitet den szenischen Unterricht an der Hochschule Luzern. 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