{"id":17980,"date":"2023-01-09T08:51:34","date_gmt":"2023-01-09T07:51:34","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/?p=17980"},"modified":"2026-02-11T14:52:59","modified_gmt":"2026-02-11T13:52:59","slug":"open-finance-bevorzugte-collaboration-models","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/open-finance-bevorzugte-collaboration-models\/","title":{"rendered":"Open Finance &#8211; bevorzugte Collaboration Models"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Die konkreten Umsetzungsbeispiele aus der Praxis \u2013 etwa die Zusammenarbeit der Hypothekarbank Lenzburg mit Neon oder Kaspar&amp; oder die von der St. Galler und der Z\u00fcrcher Kantonalbank initiierte Initiative im Bereich Open Wealth \u2013 haben interessante Aspekte der Umsetzung der entsprechenden Projekte zu Tage gef\u00f6rdert und aufgezeigt, dass vielfach auch Probleme auftauchen, die so beim Projektstart gar nicht bekannt waren, resp. an die zu diesem Zeitpunkt noch niemand gedacht hat. So ist beispielsweise die Frage aufgetaucht, welche Services, die Hypothekarbank Lenzburg f\u00fcr FinTechs erbringt, mehrwertsteuerpflichtig sind und welche nicht, was offenbar dazu gef\u00fchrt hat, dass eine Anpassung in der Buchhaltung der Bank vorgenommen werden musste, so dass die Verbuchung der entsprechenden Leistungen korrekt erfolgen konnte. Aufgrund der Kooperation mit FinTechs musste die Bank aber in der Kundenbetreuung auch Fremdsprachen lernen: W\u00e4hrend man fr\u00fcher nur Kunden aus der Region betreute, ist dieser Service aufgrund der Gesch\u00e4ftsmodelle von Neon und Kaspar&amp; nun f\u00fcr Kunden aus der ganzen Schweiz sicherzustellen. Auch in der Zusammenarbeit zwischen Banken und FinTechs steckt der Teufel offenbar im Detail.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Betrachtung der Kooperationsl\u00f6sungen aus einer Gesamtsicht wurden sowohl seitens Banken als auch von FinTech-Seite vor allem zwei Aspekte hervorgehoben.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\">\n<li>Die Partner m\u00fcssen auf Augenh\u00f6he miteinander kommunizieren und dabei die Bereitschaft mitbringen, sich in das Gesch\u00e4ftsmodell des Partners hineinzudenken.<\/li>\n\n\n\n<li>Sie m\u00fcssen zudem bereit sein, gemeinsam rasch L\u00f6sungen zu erarbeiten, wenn Probleme auftauchen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Dass das Verstehen des Partners Chancen er\u00f6ffnet, wurde anhand eines Beispiels deutlich: Die Kooperation mit der Hypothekarbank Lenzburg sei quasi innert wenigen Minuten im Grundsatz beschlossen worden, weil die Bank das Gesch\u00e4ftsmodell von Kaspar&amp;, welches im Wesentlichen die Sensibilisierung der j\u00fcngeren Generation f\u00fcr das Thema Vorsorge mittels eines konkreten L\u00f6sungsansatzes beinhaltet, sofort verstanden habe. Dass auf der anderen Seite auch ein gewisses Verst\u00e4ndnis der FinTechs daf\u00fcr, dass der Partner nicht immer sofort eine L\u00f6sung umsetzen kann, vorhanden sein muss, wurde ebenfalls deutlich. Wesentlich ist in der Zusammenarbeit deshalb auch die Einsicht beider Partner, dass man selber St\u00e4rken hat, gewisse Dinge selber gut zu machen, dass man aber in anderen Bereichen keine Kompetenzen aufweist und deshalb hier zum eigenen Nutzen auf das Know-how des Partners setzen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie zu den Collaboration Models, welche die FHNW in Zusammenarbeit mit der SBVg sowie dem SFTI und mit Unterst\u00fctzung des SIF erarbeitet hat, hat einige interessante Aspekte zu Tage gef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die folgenden vier Zusammenarbeitsmodelle bildeten die Basis der Studie:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2022\/12\/abb-1-collaboration-urs.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"995\" height=\"572\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2022\/12\/abb-1-collaboration-urs.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-17981\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2022\/12\/abb-1-collaboration-urs.png 995w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2022\/12\/abb-1-collaboration-urs-300x172.png 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2022\/12\/abb-1-collaboration-urs-768x442.png 768w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2022\/12\/abb-1-collaboration-urs-928x533.png 928w\" sizes=\"auto, (max-width: 995px) 100vw, 995px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Abbildung 1: Zusammenarbeitsmodelle zwischen Banken und FinTechs<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Untersucht wurde, welche Varianten in Bezug auf vertrauensbildende Massnahmen Vertreter von Banken, Versicherungen, TPPs, Technologieanbietern und Plattformen sowie Vertretern der Academia bei diesen vier Modellen bevorzugen, respektive eher ablehnen w\u00fcrden. Die Studienteilnehmer bewerteten dabei die Modelle in Kombination mit den Varianten, gem\u00e4ss Abbildung 2, jeweils mit Punkten auf einer Skala zwischen 1 und 10, was zu folgendem Ergebnis gef\u00fchrt hat:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2022\/12\/abb-2-urs-collaboration.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"605\" height=\"240\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2022\/12\/abb-2-urs-collaboration.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17985\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2022\/12\/abb-2-urs-collaboration.jpg 605w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2022\/12\/abb-2-urs-collaboration-300x119.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Abbildung 2: Zusammenfassung der Studien-Ergebnisse<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die obenstehende Graphik ist so zu verstehen, dass beispielsweise beim Zusammenarbeitsmodell Outsourcing der Status quo durchschnittlich mit 4,9 von 10 Punkten bewertet wird, was bei diesem Modell den h\u00f6chsten Wert darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dieser Gesamtsicht lassen sich folgende Erkenntnisse ziehen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Varianten mit Bewilligung FINMA schneiden grunds\u00e4tzlich schlecht ab. Damit d\u00fcrften diese beiden Varianten (in der Graphik mit den roten Punkten bewertet) als Zukunftsoptionen faktisch ausscheiden.<\/li>\n\n\n\n<li>Beim Outsourcing wird der Status quo anderen L\u00f6sungen deutlich vorgezogen; hier besteht somit kein Handlungsbedarf.<\/li>\n\n\n\n<li>Bei den eigentlichen \u2018Open Banking\u2019-Kooperationsmodellen wird entweder eine L\u00f6sung mit Selbstregulierung oder die Variante mit einer Zertifizierung durch eine private Zertifizierungsstelle gegen\u00fcber dem Status quo bevorzugt. Die Ergebnisse liegen zum Teil aber eng beieinander, so dass f\u00fcr viele Marktteilnehmer wohl beide Varianten, beim Plattformmodell wohl auch der Status quo, denkbar w\u00e4ren.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Interessant ist, dass gerade bei gemeinsamen L\u00f6sungen, welche eine Bank zusammen mit einem FinTech f\u00fcr Kunden anbieten m\u00f6chte, eine Zertifizierung des Partners als bestbewertete Variante abschneidet, w\u00e4hrend bei Plattformen, wo mehrere Parteien und FinTechs involviert sind, die Selbstregulierung bevorzugt wird. Einigermassen erstaunlich war zudem die Erkenntnis, wie uneinheitlich die vier Zusammenarbeitsformen in den m\u00f6glichen Gestaltungsvarianten von den verschiedenen Vertretern beurteilt wurden. Namentlich zwischen Banken und Versicherungen sind dabei die Einsch\u00e4tzungen oft deutlich voneinander abgewichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Welche Varianten, die in Bezug auf ihre rechtlichen Aspekte im Rahmen der Veranstaltung noch vertieft diskutiert wurden, sich mittelfristig in der Praxis durchsetzen werden, wird sich weisen m\u00fcssen. Nach meiner Einsch\u00e4tzung hat die Studie insbesondere die Bevorzugung einer Marktl\u00f6sung deutlich gemacht. <br>Die Rolle des Regulators wurde an der Veranstaltung ebenfalls thematisiert. Hervorgehoben wurde dabei vom SIF vor allem der Wille zur Zusammenarbeit mit den Marktakteuren, den diese mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen haben. Das SIF hat aber einmal mehr auch deutlich gemacht, dass die \u00d6ffnung des Finanzplatzes in der Schweiz nur sehr langsam vorankomme und dass, sollte hier keine Beschleunigung stattfinden, letztlich doch noch punktuelle regulatorische Eingriffe erforderlich sein k\u00f6nnten. Einig waren sich die Marktakteure und der Regulator schliesslich darin, dass die Vision einer \u2018Open Economy\u2019 welche sich aufgrund der stark zunehmenden Nachfrage nach Daten immer deutlicher in den Vordergrund schiebt, nur dann erreichen l\u00e4sst, wenn neben der Finanzbranche auch andere Branchen, insbesondere die grossen Retailer, ihre Daten Dritten zur Verf\u00fcgung stellen, wenn der Kunde dies w\u00fcnscht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einsch\u00e4tzung und Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass wir in der Schweiz durchaus in der Lage sind innovative L\u00f6sungen zu entwickeln, wurde durch Samuel Widman, dem fr\u00fcheren CEO der Firma Endoxon und langj\u00e4hrigen Verantwortlichen von Google Maps, veranschaulicht: Mit der Firma Endoxon hatte er n\u00e4mlich in den 90er Jahren in der Schweiz L\u00f6sungsans\u00e4tze erarbeitet, welche denjenigen der Konkurrenz deutlich \u00fcberlegen waren, so dass Google die Firma aufkaufte und mit ihm und seinen Mitarbeitern im Verlauf der Zeit die heutige L\u00f6sung geschaffen hat. Ob sich diese Geschichte in der Finanzbranche wiederholt ist offen. Ans\u00e4tze sind aber durchaus vorhanden, hat sich doch Google Cloud bei Open Wealth engagiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel entscheidender als die Entwicklung einer weltweit im Einsatz stehenden L\u00f6sung d\u00fcrfte f\u00fcr den Finanzplatz Schweiz jedoch der Wille der Marktteilnehmer zur Entwicklung neuer, besserer L\u00f6sungen f\u00fcr ihre Kunden und sowie die Einsicht, dass hervorragende L\u00f6sungen oft in Zusammenarbeit mit Partnern entstehen, sein. Dass von einer Zusammenarbeit zwischen Bank und FinTech beide Seiten viel lernen, aber auch viel profitieren k\u00f6nnen, zeigen die Beispiele bei der Hypothekarbank Lenzburg, aber beispielsweise auch die Kooperation von Vontobel und Yapeal. Dass mit der \u00d6ffnung zudem in der Regel eine h\u00f6here Effizienz erreicht wird, zeigen die L\u00f6sungen Open Wealth und b-Link. Es bleibt zu hoffen, dass die Mehrzahl der F\u00fchrungsorgane von Finanzdienstleistern diese Chancen nicht nur erkennen, sondern auch rasch anpacken. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Regulator in der Schweiz nicht einzugreifen braucht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Darstellung basierend auf Publikation in SZW-RSDA 1\/2022:&nbsp; Stengel\/R\u00fcegg\/Sommer\/St\u00e4uble\/Freund: \u00abKooperationsformen zwischen Banken und Drittanbietern aus vertrags- und datenschutzrechtlicher Perspektive\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweizerische Bankiervereinigung hat im Rahmen einer k\u00fcrzlich durchgef\u00fchrten Veranstaltung Use Cases aus der Praxis zur Zusammenarbeit zwischen Banken und FinTechs vorgestellt und dabei auch die Ergebnisse einer Studie zu Collaboration Models pr\u00e4sentiert. 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