{"id":1855,"date":"2014-03-17T07:25:56","date_gmt":"2014-03-17T06:25:56","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/?p=1855"},"modified":"2026-02-11T14:52:45","modified_gmt":"2026-02-11T13:52:45","slug":"den-schweizer-pfandbriefmarkt-jetzt-reformieren-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/den-schweizer-pfandbriefmarkt-jetzt-reformieren-teil-ii\/","title":{"rendered":"Den Schweizer Pfandbriefmarkt jetzt reformieren? Teil II"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><b>1.&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/b><b>Finanzierungsl\u00fccke trotz Geldschwemme<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Die Schweizer Banken schwimmen in Liquidit\u00e4t. Nach wie vor tragen ihnen ihre Kunden viel Geld zu, welches sie als Sicht- oder Spargeld deponieren. Die Banken legen dieses bei der SNB oder in neue Hypotheken an. Das Problem dabei: Hypotheken sind illiquid, Kundengelder hingegen tr\u00fcgerisch. In einer Krise sind sie fl\u00fcchtig wie ein scheues Reh.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Goldene Bankregel verlangt fristenkongruente Aktiven und Passiven: \u00dcberj\u00e4hrige Aktiven m\u00fcssen mit \u00fcberj\u00e4hrigen Passiven finanziert sein. Vergleicht man die \u201eFl\u00fcssigkeit\u201c von Hypotheken mit Kundengeldern, so sind erstere weitgehend illiquid. Bei letzteren weiss man es nicht. Zwar ist die Summe der Kundengelder tr\u00e4ge, und bildet einen Bodensatz \u2013 doch der ist nicht garantiert. Kunden w\u00e4ren frei, ihre Mittel abzuziehen. Sch\u00e4tzungen, wie weit \u00fcberj\u00e4hrige Aktiven aller Banken wirklich mit \u00fcberj\u00e4hrigen Passiven gedeckt sind, errechnen \u2013 je nach Modell \u2013 eine Finanzierungsl\u00fccke von CHF 50 bis 100 Mrd. Was also heute als (nominale) Geldschwemme daherkommt, ist in Tat und Wahrheit eine riesige (laufzeitgewichtete) Finanzierungsl\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<p>Welche Rolle spielt nun der Pfandbrief dabei? 10% der Schweizer Hypotheken sind durch langfristige Pfandbriefdarlehen finanziert. Den \u00fcberwiegenden Rest steuern Sichtgelder bei. Doch diese Kundengelder sind unter Umst\u00e4nden unsicher, aus zwei m\u00f6glichen Kundenmotiven: (1) Attraktivere Anlagealternativen bei steigenden Zinsen; (2) Bonit\u00e4ts\u00e4ngste bei einer Immobilienkrise. Ob Renditedenken oder Angst, die Bankbilanzen k\u00f6nnten in diesen Szenarien austrocknen. Eine vorsorgliche Finanzierung mittels Pfandbriefen w\u00e4re eine ideale Absicherung. Warum also nicht 20% statt 10% auf diesem Wege absichern?<\/p>\n\n\n\n<p><b>2.&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/b><b>Vorgeschlagene Produkt- und Prozessinnovationen<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich sind die Banken in ihrem Bilanzmanagement autonom. Und die Natur ihres&nbsp; Gesch\u00e4ftsmodells ist ja gerade die Fristentransformation. F\u00fcr das geringe Ausmass ihrer Langfristfinanzierung mag es also individuelle Gr\u00fcnde geben. Dennoch: Diese Massnahmen w\u00fcrden das Gesamtsystem stabilisieren:<\/p>\n\n\n\n<p>a)&nbsp;&nbsp;&nbsp; Institutionelle Reformen k\u00f6nnten die Banken motivieren, Kundengelder vermehrt durch Pfandbriefe oder auch ungesicherte Anleihen zu substituieren. Sie sollten die so&nbsp; aufgebrachten Mittel aber nicht f\u00fcr zus\u00e4tzliches Hypothekenwachstum verwenden, sondern es bei der SNB anlegen, andere Passiven zur\u00fcckzahlen, oder ihrerseits Pfandbriefe kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>b)&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anleger, welche heute Sichtgeld deponieren, sollten motiviert werden, Pfandbriefe zu kaufen. Das heutige Pfandbriefangebot an Investoren ist aber wenig flexibel. Warum gibt es keine variabel verzinsten Pfandbriefe? Warum gibt es nur super-sichere Pfandbriefe, aber keine mit kontrolliert geringerer Bonit\u00e4t, daf\u00fcr mehr Zins? Angst vor \u201eSub-prime\u201c ist nicht angebracht, wenn die Differenzierung klug umgesetzt wird. Die Vorteile: Hypothekarrisiken werden breiter im Markt gestreut; zus\u00e4tzliche Anleger &nbsp;tragen Risiken mit.<\/p>\n\n\n\n<p>c)&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Zuteilung der Pfandbriefdarlehen durch die Emittenten an die Banken k\u00f6nnte ge\u00e4ndert werden. Am effizientesten w\u00e4re eine Marktliberalisierung: Banken, welche Kriterien erf\u00fcllen, w\u00fcrden direkt Pfandbriefe emittieren. Das Monopol der beiden Pfandbriefemittenten w\u00fcrde fallen. Der Markt erhielte Impulse.<\/p>\n\n\n\n<p>d)&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bankbilanzen bergen drei grosse Risiken: Bonit\u00e4tsrisiken, Zins\u00e4nderungsrisiken und Refinanzierungsrisiken. Die Bonit\u00e4tsrisiken sind von den Beh\u00f6rden bis ins Detail reguliert. Zins\u00e4nderungsrisiken und Refinanzierungsrisiken hingegen scheinen etwas vernachl\u00e4ssigt. Es gibt keine verbindlichen Minimumregeln, h\u00f6chstens individuelle Vorgaben. Was w\u00e4re zu tun? Neue Regulierungen zu Liquidit\u00e4t und Refinanzierung sollten durch emissionsfreundliche Reformen begleitet werden.<\/p>\n\n\n\n<p><b>3.&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/b><b>Vorgeschlagene Regulierungsschritte<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Auch diese Massnahmen w\u00fcrden das Gesamtsystem stabilisieren:<\/p>\n\n\n\n<p>a)&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ab 2018 m\u00fcssen die Banken verbindliche Liquidit\u00e4ts- und Finanzierungsquoten (LCR und NSF) einhalten. Finanzierungsl\u00fccken sind absehbar. Sie k\u00f6nnen durch neue Emissionen geschlossen werden (Emissionen sind L\u00f6sungen am Verhandlungstisch \u00fcber \u201eangemessene &nbsp;Modellparameter\u201c vorzuziehen).<\/p>\n\n\n\n<p>b)&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die zus\u00e4tzlichen gesicherten Anleihen sollten allerdings die Gl\u00e4ubigerposition traditioneller Anleger nicht nachhaltig schw\u00e4chen. So soll auch nach Verpf\u00e4ndung und Verbriefung ausreichend Haftungssubstrat in den Bankbilanzen verbleiben. Z.B. in dem h\u00f6chstens 20% der Hypotheken mittels Pfandbriefen finanziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>c)&nbsp;&nbsp;&nbsp; Muss eine Bank saniert werden, so m\u00fcssen k\u00fcnftig auch Gl\u00e4ubiger einen Beitrag leisten. Dieses Konzept, das unl\u00e4ngst in Zypern zur Anwendung gelangte, wird \u201eBail-In\u201c genannt, und wird gegen\u00fcber Staatshilfen der Steuerzahler (Bail-Out) pr\u00e4feriert.&nbsp; Auch Pfandbrief-Investoren sind Gl\u00e4ubiger, aber weil sie separat gesichert sind, unterliegen sie nicht dem Bail-In Risiko. Die Regulierung sollte die Beitr\u00e4ge aller Risikotr\u00e4ger neu abw\u00e4gen und grunds\u00e4tzlich kl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>d)&nbsp;&nbsp;&nbsp; Als makroprudentielle Massnahme k\u00f6nnten die Beh\u00f6rden Zielstrukturen f\u00fcr aggregierte Aktiven und Passiven im inlandorientierten Bankensystem formulieren und kommunizieren, dies im Sinne eines gesamtwirtschaftlichen Asset &amp; Liability Management (f\u00fcr ein inl\u00e4ndisches Kreditgewerbe, welches letztlich ohnehin weitgehend staatsgarantiert ist).<\/p>\n\n\n\n<p><b>4.&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/b><b>Wenig Reformeifer <\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist denkbar, dass nichts \u00e4ndert. Denn wom\u00f6glich ist es wie in der Kommunalpolitik: Dort muss manchmal zuerst ein Unfall passieren \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>PS: Ein spannender Artikel zu diesem Thema ist k\u00fcrzlich im Tages-Anzeiger erschienen: <em><a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/wirtschaft\/Warum-Bankberater-bei-Hypotheken-gerne-um-den-heissen-Brei-herumreden\/story\/30011809\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Warum Bankberater bei Hypotheken gerne um den heissen Brei herumreden<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das heute scheinbar \u00fcberliquide Bankensystem wird in einer Bankenkrise eine Finanzierungsl\u00fccke offenbaren. Eine vorausschauende Reform und Liberalisierung des Pfandbriefmarktes tr\u00fcge zur Vermeidung dieser Risiken bei. 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