{"id":19403,"date":"2024-03-18T07:29:19","date_gmt":"2024-03-18T06:29:19","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/?p=19403"},"modified":"2026-02-11T14:53:01","modified_gmt":"2026-02-11T13:53:01","slug":"acrevis-und-kaspar-spannen-beim-anlegen-zusammen-ein-open-banking-beispiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/acrevis-und-kaspar-spannen-beim-anlegen-zusammen-ein-open-banking-beispiel\/","title":{"rendered":"acrevis und Kaspar&amp; spannen beim Anlegen zusammen: Ein Open-Banking-Beispiel"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Ausgangslage acrevis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die acrevis hat derzeit eine eher durchschnittliche Mobile Banking-Standardl\u00f6sung im Einsatz, welche prim\u00e4r auf Zahlungstransaktionen ausgerichtet ist. Das Thema Anlegen, ein nutzerzentriertes Erlebnis sowie \u00abGamification-Aspekte\u00bb bedient die App nur wenig. Gleichzeitig will acrevis aber auch digital-affine Kundinnen und Kunden mit ihren L\u00f6sungen ansprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bereich des Anlegens ist die acrevis traditionell stark positioniert. Der Diversifikationsgrad, gemessen mit dem Anteil des <em>zinsindifferenten<\/em> Gesch\u00e4fts am Betriebserfolg, ist f\u00fcr eine Regionalbank sehr hoch. In den vergangenen drei Jahren ist dieser Wert zwar von \u00fcber 43 Prozent auf noch knapp 37 Prozent gesunken (siehe Abbildung 1). Der Grund f\u00fcr diesen abnehmenden Wert liegt aber vor allem im sehr starken Zinsergebnis (bei einem stagnierenden oder leicht r\u00fcckl\u00e4ufigen Kommissionserfolg).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/Abb-1-acrevis.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"945\" height=\"390\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/Abb-1-acrevis.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-19406\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/Abb-1-acrevis.png 945w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/Abb-1-acrevis-300x124.png 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/Abb-1-acrevis-768x317.png 768w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/Abb-1-acrevis-928x383.png 928w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/Abb-1-acrevis-600x248.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 945px) 100vw, 945px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Abbildung 1: Entwicklung Diversifikationsgrad acrevis 2021-2023 (Quellen: Gesch\u00e4ftsberichte, eigene Berechnungen)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Strategische \u00dcberlegungen bei acrevis: Make or Buy?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der sich zunehmend verschiebenden Touchpoints hin zum Mobile Banking und dem wachsenden Bedarf, auch im Bereich Anlegen eine st\u00e4rkere Pr\u00e4senz auf dem Smartphone zu etablieren, stellte sich die Frage nach dem besten Vorgehen: Soll acrevis eine eigene L\u00f6sung entwickeln oder eine Kooperation eingehen? Die Eigenentwicklung w\u00e4re zwar aus einer finanziellen Perspektive m\u00f6glich, jedoch w\u00e4re dies f\u00fcr eine kleinere Bank mit rund 153 Vollzeit\u00e4quivalenten (per 31.12.23) eine enorme Herausforderung und w\u00fcrde viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen. Daher hat sie sich f\u00fcr eine Kooperation mit Kaspar&amp; entschieden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Ausgangslage bei Kaspar&amp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite sah sich das St. Galler Startup Kaspar&amp; gezwungen, seine Strategie anzupassen. Zun\u00e4chst als B2C-L\u00f6sung konzipiert, wurde schnell klar, dass das aktuelle B2C-Marktumfeld eine erhebliche und kostspielige Herausforderung darstellt. Der Wettbewerb ist intensiv, die erforderlichen Marketingausgaben hoch, und in der Schweiz gibt es bereits eine betr\u00e4chtliche Anzahl von Neobanken. Obwohl die L\u00f6sung selbst gut funktioniert &#8211; die App f\u00fchrt Nutzer erfolgreich in die Welt des Investierens ein und durchschnittlich werden CHF 200 pro Monat angelegt &#8211; fehlte es an der erforderlichen Kundenbasis und m\u00f6glicherweise auch an Investorengeld, um das Gesch\u00e4ftsmodell skalierbar und rentabel zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcnftig wird Kaspar&amp; seine App weiterentwickeln, um diese als Show- und Entwicklungscase zu nutzen. Dies bietet ihnen die M\u00f6glichkeit, bestimmte Neuerungen vorab zu testen. Der haupts\u00e4chliche strategische Fokus von Kaspar&amp; liegt jedoch im B2B-Bereich, wo eine L\u00f6sung angestrebt werden soll, die das \u00abTWINT f\u00fcrs Investieren\u00bb darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn zwei sich (an einer IFZ-Konferenz) treffen: acrevis und Kaspar&amp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu Kaspar&amp; verf\u00fcgte acrevis zwar \u00fcber eine bestehende Kundenbasis, jedoch fehlte es an einer guten App im Bereich der Geldanlage. Eine herk\u00f6mmliche White-Label-L\u00f6sung h\u00e4tte m\u00f6glicherweise auch funktioniert, aber sie w\u00e4re mit hohen Kosten verbunden gewesen. Dank Open Banking wurde der Entwicklungsprozess und die technologische Umsetzung erheblich vereinfacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Schnittstellen zwischen Kaspar&amp; und acrevis laufen \u00fcber die Standardschnittellen von bLink von der SIX. Durch die Verwendung von bLink wurde der Prozess auch kosteng\u00fcnstiger, da nur eine Standard-Schnittstelle verwaltet werden musste. So konnte eine Co-Label-L\u00f6sung entwickelt werden, die gegen\u00fcber einer \u00abklassischen Whiltelabelling-L\u00f6sung\u00bb gem\u00e4ss Aussagen der beiden Beteiligten sowohl die einmaligen als auch die wiederkehrenden Kosten senkt. Zudem erlaubt bLink acrevis weitere Partner (z.B. Bexio oder Klara) vereinfacht aufzuschalten. Die Basis von Multibanking ist damit f\u00fcr Kaspar&amp; und acrevis ebenso gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund erscheint eine Zusammenarbeit zwischen acrevis mit Kaspar&amp; als eine sinnvolle L\u00f6sung. Konkret versprechen sich die beiden Firmen durch die Zusammenarbeit die folgenden Vorteile:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Kaspar&amp; erh\u00e4lt durch die Kooperation mit acrevis Zugang zu einer gr\u00f6sseren Kundengruppe, was neue Wachstumsm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet.<\/li>\n\n\n\n<li>acrevis kann durch die Zusammenarbeit ihr Serviceangebot erweitern, eine innovative L\u00f6sung bereitstellen und die Benutzererfahrung verbessern.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Kundschaft schliesslich profitiert von einer guten und benutzerfreundlichen Anwendung zu vern\u00fcnftigen Preisen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Es ist wichtig anzumerken, dass durch diese Zusammenarbeit das Mobile Banking von acrevis nicht ersetzt, sondern \u00abnur\u00bb erg\u00e4nzt wird. Nun stehen der Kundschaft zwei verschiedene acrevis Mobile Banking App-L\u00f6sungen zur Verf\u00fcgung. W\u00e4hrend die klassische App vor allem auf Transaktionen ausgerichtet ist, konzentriert sich die neue App von Kaspar&amp;acrevis haupts\u00e4chlich auf das Aufrundungssparen und die Vereinfachung von Anlagezielen (\u00abAnlage-App\u00bb). Diese Vielfalt k\u00f6nnte f\u00fcr bestimmte Kundinnen und Kunden von acrevis m\u00f6glicherweise verwirrend sein, da von derselben Bank zwei (oder wenn man die Twint App noch dazu nimmt, drei) verschiedene Apps angeboten werden. Es kann aber auch eine Chance sein, ein unterschiedliches Branding zu etablieren. Der Vertrieb der App \u2013 und das Erl\u00e4utern der Vorteile der zus\u00e4tzlichen App \u2013 soll daher nicht nur, aber auch \u00fcber die Kundenberaterinnen und Kundenberater erfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>So fliesst das Geld<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Geldstr\u00f6me zwischen dem FinTech und der Bank sind in etwa wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Kaspar&amp; erh\u00e4lt regelm\u00e4ssige Zahlungen durch eine SaaS Fee, unabh\u00e4ngig von der Anzahl der Transaktionen. Zudem erh\u00e4lt Kaspar&amp; einen Anteil der Kundengeb\u00fchren. Die Dienstleistungen von Kaspar&amp; umfassen die Verm\u00f6gensverwaltung, inklusive First-Level-Support, technische Unterst\u00fctzung und Wartung \u00fcber bLink sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung der L\u00f6sung. Kaspar&amp; generiert ebenfalls Leads f\u00fcr Kundenberaterinnen und Kundenberater, damit bisher passive Kunden zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Anliegen kontaktiert und in weitere Angebote der acrevis \u00fcberf\u00fchrt werden k\u00f6nnen (z.B. Hypotheken, Vorsorgeberatung, S\u00e4ule 3a oder Anlagemandate wie Expert Online).<\/li>\n\n\n\n<li>Die Interchange Fee, Kartengeb\u00fchren und Depotgeb\u00fchren fliessen an acrevis (m\u00f6glich w\u00e4re hier ebenfalls der Einsatz hauseigener Anlageprodukte und Fonds).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das Ziel von acrevis ist es, nach etwa zwei Jahren die Gewinnschwelle zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die App<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich wie bei den einzelnen Twint-Apps, sind beide Brands in der App zu finden (\u00abKaspar&amp;acrevis\u00bb). Das Erscheinungsbild orientiert sich jedoch an den (roten) acrevis-Farben (vgl. Abbildung 2). Neben Dienstleistungen rund um das Rundungssparen und Anlegen wird auch eine CO<sub>2<\/sub>-Fussabdruck-Analyse angeboten, um das nachhaltige Konsumverhalten &nbsp;zu f\u00f6rdern. Besonders interessant f\u00fcr acrevis ist m\u00f6glicherweise das Angebot des Fondssparplans in der Kaspar&amp;acrevis App \u2013 eine solche Option gab es bisher bei acrevis n\u00e4mlich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die bestehende Kundschaft von acrevis, die bereits eine Karte, ein Konto und E-Banking nutzen, ist das Onboarding schnell erledigt, da eine erneute Identifikation entf\u00e4llt. Die acrevis-Kundschaft ben\u00f6tigt f\u00fcr die Nutzung der Kaspar&amp;acrevis-App keine zus\u00e4tzliche Karte, sondern kann die App mit der \u00abnormalen\u00bb acrevis-Karte nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn des Jahres befand sich die L\u00f6sung noch im &#8222;Friends and Family&#8220;-Stadium (mit etwa 100 Testpersonen). Seit dem 15. M\u00e4rz 2024 ist sie offiziell live geschaltet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/abb-2-acrevis-look-and-feel.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"991\" height=\"657\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/abb-2-acrevis-look-and-feel.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-19407\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/abb-2-acrevis-look-and-feel.png 991w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/abb-2-acrevis-look-and-feel-300x199.png 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/abb-2-acrevis-look-and-feel-768x509.png 768w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/abb-2-acrevis-look-and-feel-928x615.png 928w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2024\/03\/abb-2-acrevis-look-and-feel-600x398.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 991px) 100vw, 991px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Abbildung 2: \u00abLook and Feel\u00bb der Kaspar&amp;acrevis App<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die acrevis ist der erste Partner von Kaspar&amp;. Kaspar&amp; steht derzeit aber mit zahlreichen weiteren Banken im Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Mobile Banking hat mittlerweile f\u00fcr alle Banken eine enorme Bedeutung erlangt. Insbesondere f\u00fcr kleinere Banken gestaltet sich jedoch die Bereitstellung einer sehr guten Benutzererfahrung und einer qualitativ hochwertigen App oft als Herausforderung. Im Bereich des Anlegens bieten die Apps vieler kleinerer Banken oft nur begrenzte Funktionalit\u00e4ten und sind weniger ansprechend als diejenigen von grossen Banken oder von gewissen Smartphone Banken.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts dieser Herausforderungen und neuer Chancen durch Open Banking hat die acrevis Bank mit ihrer Kooperation mit Kaspar&amp; einen spannenden Ansatz im Sinne von &#8222;Wealth Management as a Service&#8220; gew\u00e4hlt, um die Benutzererfahrung zu verbessern und ihr Angebot zu erweitern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sehe eine Herausforderung in diesem Konzept f\u00fcr die acrevis, dass das Mobile Banking von acrevis nicht durch die neue App ersetzt, sondern vielmehr erg\u00e4nzt wird. Dies k\u00f6nnte f\u00fcr einige Kundinnen und Kunden m\u00f6glicherweise verwirrend sein, da sie nun pl\u00f6tzlich zwei acrevis-Apps haben und je nach Situation entscheiden m\u00fcssen, welche sie verwenden sollen. Auf der anderen Seite kann man auch argumentieren, dass eine eigene App es erlaubt, ein eigenes Branding bzw. ein unterschiedliches Story-Telling aufzubauen. Das Kaspar&amp;acrevis Branding wird beispielsweise dynamischer und j\u00fcnger daherkommen als das klassische acrevis Branding. Diese Flexibilit\u00e4t k\u00f6nnte mit einer Mobile Banking Integration nicht erreicht werden. Insofern bin ich sehr gespannt, wie sich die L\u00f6sung bei der acrevis-Kundschaft durchsetzen wird. Ich gehe derzeit davon aus, dass in den ersten ein bis zwei Jahren etwa 5 bis 10 Prozent der Kundschaft von acrevis dieses Angebot nutzen werden. Die App ist f\u00fcr acrevis auch eine gute Chance, die junge Kundschaft und bisherigen \u00abNicht-Investoren\u00bb an das Thema heranzuf\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Mobile Banking hat in der Zwischenzeit f\u00fcr alle Banken eine sehr hohe Bedeutung erlangt. 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