{"id":2911,"date":"2015-04-28T07:42:38","date_gmt":"2015-04-28T05:42:38","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/?p=2911"},"modified":"2026-02-11T14:52:46","modified_gmt":"2026-02-11T13:52:46","slug":"die-ubs-und-zuercher-kantonalbank-setzen-auf-p2p-payment-industrieloesung-der-six-group-einige-strategische-ueberlegungen-dazu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/die-ubs-und-zuercher-kantonalbank-setzen-auf-p2p-payment-industrieloesung-der-six-group-einige-strategische-ueberlegungen-dazu\/","title":{"rendered":"Die UBS und Z\u00fcrcher Kantonalbank setzen auf P2P-Payment-Industriel\u00f6sung der SIX Group: Einige strategische \u00dcberlegungen dazu"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>In den letzten Jahren haben verschiedene Unternehmen Anstrengungen unternommen, die Bezahlmethode \u201eMobile Payment\u201c zu erm\u00f6glichen. Neben der reinen (bargeldlosen) Bezahlfunktion per Mobiltelefon erh\u00e4lt auch das Mobile Wallet Konzept Auftrieb. Mobile Wallets sollen das klassische Portemonnaie entschlacken, indem auch Karten von Treueprogrammen, wie zum Beispiel die Cumulus Karte der Migros, digitalisiert werden. Bis anhin hat sich Mobile Payment in der Schweiz (noch) nicht durchsetzen k\u00f6nnen. Mit der heute lancierten P2P-Payment-Initiative versuchen die SIX Group mit ihren Pilotkunden ZKB und UBS, sich diesem Thema in einem ersten Schritt zu n\u00e4hern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von UBS und der Z\u00fcrcher Kantonalbank gew\u00e4hlte P2P-L\u00f6sung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alle Schweizer Bankkunden k\u00f6nnen per Ende Mai basierend auf der L\u00f6sung der SIX Group auf einfache Art und Weise P2P-Zahlungen machen. Das P2P-Payment ist dabei vor allem als ein Bargeld-Ersatz zu verstehen. Statt einem Kollegen das Mittagessen oder die reservierte Bowling-Bahn m\u00fchsam mit kleineren oder gr\u00f6sseren Noten zur\u00fcckzuzahlen, kann man diese Schuld auf einfache Art und Weise mit dem Handy begleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die SIX Group stellt die Infrastruktur zur Verf\u00fcgung. Als Kunde kann man w\u00e4hlen, ob man die L\u00f6sungen von UBS oder ZKB oder eine &#8222;Bank-neutrale&#8220; App von SIX benutzen will. Als Bank kann man w\u00e4hlen, wie man diese L\u00f6sung seinen Kunden pr\u00e4sentieren m\u00f6chte. Beispielsweise kann die Bank eine eigene P2P-App entwickeln, wie das die UBS gemacht hat (UBS Paymit). Des Weiteren kann das P2P-Zahlungssystem auch in die Mobile Banking App eingebaut werden. F\u00fcr diesen Weg hat sich die Z\u00fcrcher Kantonalbank entschieden. Es gibt aber auch die M\u00f6glichkeit, dass es die Banken damit bewenden lassen, dass ihre Kunden die neutrale Paymit-App der SIX Group runterladen und damit \u00dcberweisungen vornehmen k\u00f6nnen. Ebenso k\u00f6nnen Banken die neutrale App aber auch auf \u2013 je nach Bankfarbe \u2013 blau, gr\u00fcn, gelb, oder lila \u201eumspr\u00fchen\u201c und darauf das eigene Logo platzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem P2P-System setzt man sehr stark auf Netzwerk-Effekte. Je mehr Personen aus dem Netzwerk das System verwenden, desto gr\u00f6sser ist der Druck, auch \u201edabei\u201c zu sein. Oder mit einem anderen Beispiel argumentierend: WhatsApp ist nicht zuletzt daher so erfolgreich, weil (fast) alle dabei sind. Wenn nur 1 von 100 Freunden WhatsApp verwenden w\u00fcrde, w\u00e4re die Nutzung von WhatsApp weniger spannend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einige strategische \u00dcberlegungen zum Mobile Payment<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es geht f\u00fcr mich aber nicht nur um die (begr\u00fcssenswerte) L\u00f6sungen dieser beiden Banken bzw. der SIX Group. Es erscheint mir stattdessen noch fast relevanter, das Thema aus einer strategischen Perspektive etwas detaillierter zu beleuchten. Grunds\u00e4tzlich geht es n\u00e4mlich beim Thema Mobile Payment um die Fragestellung, wer den Kunden beim Bezahlen unterst\u00fctzt \u2013 sei dies am Verkaufsort (z.B. an der Migros-Kasse), bei der Bezahlung von Rechnungen oder beim Online Einkauf (eCommerce). Aus meiner Sicht ist das Bezahlen ein zentrales und daher auch strategisch relevantes Gesch\u00e4ftsfeld von Retail Banken. Insofern war ich auch etwas erstaunt ob der Aussage von Urs Rohner, Verwaltungsratspr\u00e4sident der Credit Suisse, am Finanz und Wirtschafts-Forum FinTech 2015 am 8. April. Gem\u00e4ss seiner Einsch\u00e4tzung ist dem Bezahlen keine allzu grosse strategische Bedeutung zuzumessen. Ebenso erw\u00e4hnte er, dass (sinngem\u00e4ss) der Zahlungsverkehr gr\u00f6sstenteils bereits schon weg sei von den Banken. Ich bin noch immer der Meinung, dass das Thema eine strategische Relevanz hat und man mit allen Mitteln verhindern muss, dass (zu) viele Kundeninteraktionen verloren gehen. Schlussendlich geht es beim Thema des Bezahlens auch darum, seine Kunden (besser) zu kennen. Insofern w\u00fcrde ich dies gerade im Retail-Gesch\u00e4ft nach wie vor als ein Kerngesch\u00e4ft f\u00fcr Banken betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Strategische Optionen f\u00fcr eine Bank<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Derzeit hat eine \u201eklassische\u201c Retail Bank aus meiner Sicht sechs strategische Optionen, wie man mit dem Thema Mobile Payment \u2013 und in einem ersten Schritt dem P2P-Payment \u2013 umgehen kann:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Eigenentwicklung:<\/strong> Banken k\u00f6nnen selber ein Payment-System entwickeln. Dieses kann danach sowohl von den eigenen Kunden als (sinnvollerweise) auch von Kunden anderer Banken genutzt werden.<\/li><li><strong>Zusammenarbeit mit Startups:<\/strong> Eine zweite M\u00f6glichkeit besteht darin, eine Zusammenarbeit mit einem Startup zu verfolgen und beispielsweise White Labelling L\u00f6sungen von <a href=\"http:\/\/mobino.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mobino<\/a>, <a href=\"http:\/\/muume.com\/#download\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Muume<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.klimpr.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Klimpr<\/a> einzukaufen.<\/li><li><strong>Kooperation mit <a href=\"http:\/\/twint.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">TWINT<\/a>: <\/strong>Eine dritte M\u00f6glichkeit besteht darin, seinen Kunden TWINT (eine 100%-Tochtergesellschaft von PostFinance) anzubieten und das Laden des Twint Wallets via Bankkonto zu erm\u00f6glichen oder TWINT in seine Banking Apps einzubauen.<\/li><li><strong>Kooperation mit Paymit (L\u00f6sung der SIX-Group): <\/strong>Eine vierte M\u00f6glichkeit besteht darin, die Zahlungsl\u00f6sung auf die bankneutrale Plattform der SIX Group aufzusetzen (in den vorne beschriebenen Varianten)<\/li><li><strong>Warten auf ausl\u00e4ndische Partner:<\/strong> Apple Pay, Google Wallet, Samsung Pay oder auch andere ausl\u00e4ndische Anbieter werden m\u00f6glicherweise bald in Schweiz kommen. Als f\u00fcnfte strategische Option kann man auf diese L\u00f6sungen warten und den Kunden den entsprechenden Zugang erm\u00f6glichen. Gleichzeitig gibt man dadurch nat\u00fcrlich teilweise (oder ganz) die eigentliche Kundenschnittstelle weg. In der Vergangenheit haben Banken die Kundenschnittstellen jedoch nur sehr selten weggegeben. Hauptprofiteure von Apple Pay werden vor allem die Kreditkartenanbieter sein.<\/li><li><strong>Man macht nichts<\/strong>.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig laufen weitere Initiativen in der Schweiz wie beispielsweise die Swiss ALPS Initiative, welche vor allem von der Kartenindustrie getrieben wird. Der Vorteil einer Kreditkartenbasierten L\u00f6sung ist, dass das \u00d6kosystem bereits existiert, viel Erfahrung und Knowhow vorhanden sind und es auch l\u00e4nder\u00fcbergreifend funktioniert. Der Nachteil dieses vor allem Kreditkarten-basierten Systems ist, dass dies f\u00fcr den Handel eher teuer ist. Ebenso k\u00f6nnen die meisten Banken (Ausnahme: Grossbanken) diese Entwicklung nur bedingt mitgestalten und bez\u00fcglich den Ertr\u00e4gen nur wenig profitieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zuerst Kunden oder zuerst H\u00e4ndler? Henne-Ei Problematik im Payment Markt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weitere wichtige Fragen im ganzen Kontext sind auch: Soll man zuerst eine Kundenbasis aufbauen und danach die H\u00e4ndler gewinnen? Oder soll man als erstes die H\u00e4ndler begeistern und erst dann die Kunden motivieren, die entsprechenden Touchpoints zu benutzen?<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Sicht der UBS und ZKB liegt die Beantwortung dieser Frage klar in der ersten L\u00f6sung. Durch P2P verdienen Banken noch kein Geld \u2013 sie nutzen aber den Effekt, der bei P2P entsteht: Wenn Geld an Personen geschickt wird, welche noch nicht im Netzwerk sind, werden diese per SMS \u00fcber das \u201ereservierte\u201c Geld benachrichtigt. Diese haben dadurch einen Anreiz, sich auch zu registrieren wodurch der Netzwerk- resp. Schneeballeffekt zum Tragen kommt und die Kundenbasis f\u00fcr das neue Bezahlsystem erh\u00f6ht wird. In einem zweiten Schritt ist das Ziel, die Tools mit C2B- resp. P2M- L\u00f6sungen (d.h. Kunden bezahlen in&nbsp;Gesch\u00e4ften)&nbsp;zu kommerzialisieren resp. rentabilisieren. TWINT verfolgt hier eine etwas andere Strategie und fokussiert schon zu Beginn sehr stark auf die H\u00e4ndler (attraktives Angebot f\u00fcr H\u00e4ndler). Gleichzeitig kombiniert TWINT dies mit einem ausgekl\u00fcgelten Loyalty-Programm, welches die Kunden anlocken soll.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Perspektiven<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist derzeit noch schwer abzusch\u00e4tzen, ob das P2P-System wirklich die Eintrittsschwelle ist f\u00fcr die n\u00e4chste Stufe \u2013 das Bezahlen mit dem Handy beim H\u00e4ndler respektive am POS. Die Frage ist auch, ob der Netzwerkeffekt greifen wird oder ob das Ganze mit mehr Sand im Getriebe startet als sich dies die beiden Banken erhoffen. Generell gilt bei mobilen Zahlungsl\u00f6sungen, dass der Kunde eine L\u00f6sung nutzen m\u00f6chte, die auch von m\u00f6glichst vielen Personen in seinem Netzwerk genutzt wird. Vor diesem Hintergrund begr\u00fcsse ich den Entscheid der beiden bedeutenden Banken UBS und ZKB, dass sie kein Eigenprodukt herstellen, sondern eine L\u00f6sung anwenden, welche anderen Banken auch offensteht. Ebenso begr\u00fcsse ich es, dass diese beiden Banken hier den ersten Innovations-Schritt gehen. Die SIX Group als Partner scheint mir ziemlich gut geeignet, da sie eine gewisse Neutralit\u00e4t aufweist. Insbesondere besteht wohl nur eine geringe Gefahr, dass sie direkt mit den Kunden in Kontakt treten will\/kann. Ebenso k\u00f6nnen durch diese L\u00f6sung m\u00f6glicherweise die Aufbaukosten f\u00fcr die Infrastruktur auf mehrere Schultern verteilt werden. Gleichzeitig ist aber der Integrationsaufwand f\u00fcr die jeweiligen Banken nicht zu untersch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Welche L\u00f6sung sich schlussendlich auch immer durchsetzen wird \u2013 es ist f\u00fcr den Finanzplatz Schweiz zu hoffen, dass sich die Banken zusammenraufen und eine L\u00f6sung kreieren, welche allen Banken offensteht und von allen genutzt werden kann. Schafft man es nicht, eine solche einheitliche L\u00f6sung zu etablieren, ist die Gefahr gross, dass der Zahlungsverkehr an ausl\u00e4ndische Anbieter wie Google oder Samsung abwandert.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>PS: Sowohl die L\u00f6sung von TWINT als auch die L\u00f6sung der Six-Group werden an der Konferenz &#8222;Innovative Angebote im Retail Banking&#8220; vorgestellt und intensiv diskutiert. Thierry Kneissler, CEO von TWINT und Ren\u00e9 H\u00e4geli von der Z\u00fcrcher Kantonalbank werden jeweils ihre Sichtweisen einbringen. Die Konferenz ist bald ausgebucht &#8211; es sind nur noch 8 Pl\u00e4tze frei. Eine baldige Anmeldung wird empfohlen. <a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/2015\/03\/16\/innovative-angebote-im-retail-banking-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mehr Informationen finden Sie hier.<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute haben die UBS und die Z\u00fcrcher Kantonalbank bekannt gegeben, dass sie in Partnerschaft mit der SIX Group ein P2P-Payment, also ein direktes Bezahlsystem von Privatperson zu Privatperson \u00fcber das Mobiltelefon, lancieren, das von allen Bankenkunden und von allen Banken nutzbar ist. Im nachfolgenden Artikel m\u00f6chte ich einerseits diese Produkte und die darunterliegende offene Plattform vorstellen. 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