{"id":3020,"date":"2015-06-01T08:01:01","date_gmt":"2015-06-01T06:01:01","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/?p=3020"},"modified":"2026-02-11T14:52:46","modified_gmt":"2026-02-11T13:52:46","slug":"verdraengt-mobile-payment-das-bargeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/verdraengt-mobile-payment-das-bargeld\/","title":{"rendered":"Verdr\u00e4ngt Mobile Payment das Bargeld?"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Umschwung bei den Zahlungsmitteln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Internationale Giganten wie Apple und Facebook wollen den Zahlungsverkehr mit Mobile Payment L\u00f6sungen revolutionieren. Wobei hier unter Mobile Payment (im engeren Sinn) Bezahlmethoden mittels Mobiletelefon verstanden werden. Dabei unterscheidet man zwischen Nahzahlungen an einem Verkaufspunkt (Point of Sale) und P2P (Peer to Peer) Zahlungen zwischen zwei Personen. Auch in der Schweiz wird innovatives Mobile Payment angeboten. So wurde 2014 Tapit von der Swisscom f\u00fcr das Bezahlen am Point of Sale (Nahzahlungen) oder seit kurzem<a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/2015\/04\/28\/die-ubs-und-zuercher-kantonalbank-setzen-auf-p2p-payment-industrieloesung-der-six-group-einige-strategische-ueberlegungen-dazu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Paymit der SIX Group mit den Pilotkunden UBS und Z\u00fcrcher Kantonalbank f\u00fcr P2P Zahlungen lanciert.<\/a> Ebenfalls am Start ist die PostFinance mit TWINT. Neben diesen internationalen und nationalen Schwergewichten versuchen weitere Finanzdienstleister, Retailer, Telecoms und Startups (in der Schweiz z.B. Mobino, Muume oder Klimpr), sich ein St\u00fcck des Zahlungsverkehrskuchens abzuschneiden.<br>Die Schweiz hat aus zwei Gr\u00fcnden eine gute Ausgangslage f\u00fcr die Einf\u00fchrung neuer Mobile Payment Anwendungen. Erstens verf\u00fcgt die Schweiz \u00fcber eine hohe Smartphone-Durchdringung von 69 Prozent. Zweitens ergab eine Umfrage im Rahmen der IFZ-Retailbankingstudie 2014, dass 62 Prozent der befragten Personen Mobile Payment nutzen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was zeigt uns die Vergangenheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell ist der Zahlungsverkehr in der Schweiz im Wesentlichen zwischen Bank- und Postzahlungen, Debit- und Kreditkarten und Bargeld aufgeteilt, wobei sich die Zahlungen an Verkaufspunkten vor allem auf Debit-, Kreditkarten und Bargeld verteilen.<br>Die Wahl der Zahlungsmittel ver\u00e4nderte sich in der Vergangenheit langsam und kontinuierlich. Obwohl der bargeldlose Zahlungsverkehr f\u00fcr Konsumenten und H\u00e4ndler verschiedene Vorteile bietet, h\u00e4lt sich das Bargeld nach wie vor als wichtigstes Zahlungsmittel in der Schweiz. 1990 wurden rund 90% des Transaktionsvolumens am Verkaufspunkt mittels Bargeld abgewickelt. In den letzten 25 Jahren haben die Debit- und Kreditkarten einen Teil der Bargeldtransaktionen abgel\u00f6st. Aktuell werden aber immer noch rund 60% des allt\u00e4glichen Konsums mit Bargeld bezahlt. Mehr Details zeigt die folgende Grafik. Die Transaktionenvolumen der Debit- und Kreditkarten werden aus der SNB Statistik entnommen. Der Bargeldumsatz muss hingegen gesch\u00e4tzt werden, da es keinen direkten Messwert gibt. Dabei werden die Ausgaben aller Schweizer Haushalte f\u00fcr den Endkonsum um verschiedene Ausgaben, wie f\u00fcr Wohnung, Gesundheit, Nachrichten\u00fcbermittlung, etc. bereinigt, da diese \u00fcblicherweise nicht mit Bargeld bezahlt werden (Daten vom Bundesamt f\u00fcr Statistik). Die verbleibenden Gesamtausgaben minus die Volumen der Debit- und Kreditkarten ergeben den Bargeldumsatz. Die Grafik zeigt die prozentualen Transaktionsvolumen von Bargeld, Debit- und Kreditkarten \u00fcber die letzten 10 Jahre.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2015\/05\/zahlungsverhalten.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"464\" height=\"298\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2015\/05\/zahlungsverhalten.png\" alt=\"zahlungsverhalten\" class=\"wp-image-3029\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2015\/05\/zahlungsverhalten.png 464w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2015\/05\/zahlungsverhalten-300x193.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 464px) 100vw, 464px\" \/><\/a><figcaption><em>Abbildung 1: Entwicklung der prozentualen Transaktionsvolumen von Bargeld, Kreditkarten und Debitkarten<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Resultate decken sich mit \u00e4hnlichen Studien. Die Wahl des Zahlungsmittels entfernt sich stetig und kontinuierlich vom Bargeld, dies aber langsam und nicht disruptiv. Ein weiterer Trend l\u00e4sst sich aus den SNB Statistiken erkennen: Das durchschnittliche Transaktionsvolumen bei Kredit- und Debitkartenzahlungen hat abgenommen. So lag das durchschnittliche Transaktionsvolumen 2005 f\u00fcr inl\u00e4ndische Kreditkarten bei CHF 186 und CHF 83 f\u00fcr Debitkarten. 2014 sank dieser Wert auf CHF 118 f\u00fcr Kreditkarten und CHF 69 f\u00fcr Debitkarten. Im Umkehrschluss heisst dies auch, dass die Anzahl der Transaktionen signifikant zunahm. Dadurch sind entsprechend auch die Transaktionskosten f\u00fcr H\u00e4ndler gestiegen, derweil die Bequemlichkeit f\u00fcr den Konsumenten an Bedeutung gewonnen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was sagt die Wissenschaft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.alexandria.unisg.ch\/Publikationen\/224815\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Cards\u201911 Studie der Universit\u00e4t St.Gallen <\/a>beschreibt, dass die soziodemographische und finanzielle Situation von Konsumenten den Gebrauch von Zahlungsmitteln beeinflusst. Vereinfacht gesagt, steigt die Adaptionsrate f\u00fcr neue Formen mit der Bildung und dem Einkommen. Gleichzeitig sinkt sie mit dem Alter. Allerdings sind die individuellen Einsch\u00e4tzungen der Kosten, Bequemlichkeit, Sicherheit, Anonymit\u00e4t, Verf\u00fcgbarkeit und Akzeptanz wesentlicher f\u00fcr die Wahl des Zahlungsmittels. Interessant ist auch, dass kontaktlose Karten h\u00e4ufiger eingesetzt werden als traditionelle Karten.<br>In einer <a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/Veroeffentlichungen\/Bericht_Studie\/zahlungsverhalten_in_deutschland_2014.pdf?__blob=publicationFile\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Studie der Deutschen Bundesbank von 2015 <\/a>geben die Befragten an, dass bei Barzahlung eine bessere Ausgabenkontrolle vorhanden sei. Allerdings sind Personen unter 25 Jahren sehr offen f\u00fcr innovative Zahlverfahren. Es fehlt ihnen derzeit aber noch eine fl\u00e4chendeckende Einsatzm\u00f6glichkeit. Ein grosser Einfluss auf das Zahlverhalten wird durch die fortlaufende Verlagerung des Handels ins Internet erwartet. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass viele Kunden \u00fcber vorfestgelegtes Verhalten bez\u00fcglich der Wahl des Zahlungsmittels verf\u00fcgen, und nicht spontan am Verkaufspunkt entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr einen Tango braucht es zwei<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Erfolg von Zahlungssystemen h\u00e4ngt stark von Netzwerkeffekten ab. P2P Systeme sind nur bei einer gen\u00fcgend grossen Population interessant. WhatsApp macht alleine keinen Spass und bringt dementsprechend wenig Nutzen. Eine virale, schnelle Verbreitung ist f\u00fcr P2P Systeme zwingend. Bei Nahzahlungssystemen m\u00fcssen Konsumenten und H\u00e4ndler das gleiche System verwenden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie sieht es im Ausland aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Interessanterweise pr\u00e4sentiert sich das Zahlungsverhalten in verschiedenen L\u00e4ndern sehr unterschiedlich. Nordische L\u00e4nder sind auf dem Weg das Bargeld faktisch abzuschaffen. So \u00fcberrascht es nicht, dass die Danske Bank innerhalb von 18 Monaten 1.6 Millionen Benutzer f\u00fcr ihre Mobile Payment L\u00f6sung gewann. Heute nutzt entsprechend bereits jeder dritte D\u00e4ne das Produkt MobilePay. In S\u00fcdeuropa dagegen wird immer noch ein Grossteil der Eink\u00e4ufe bar erledigt. Nochmals anders sieht die Situation in Entwicklungsl\u00e4ndern aus, wo ein Grossteil der Bev\u00f6lkerung&nbsp; keine Bankbeziehung hat. Hier verf\u00fcgen Mobile Payment L\u00f6sungen (h\u00e4ufig mit traditionellen mobilen Telefonen, keine Smartphones) \u00fcber hohe Wachstumsraten und Marktanteile, da keine bestehenden Infrastrukturen verdr\u00e4ngt und keine neuen aufgebaut werden m\u00fcssen. So wird in Kenia das Mobiltelefon von zwei Dritteln der erwachsenen Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den Versand von Geld verwendet. Diese Entwicklungen aus Afrika k\u00f6nnen aber infolge der v\u00f6llig unterschiedlichen Voraussetzungen nicht auf die Schweiz \u00fcbertragen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Vergangenheit zeigt, dass sich das Verhalten der Schweizer Konsumenten bei der Wahl des Zahlungsmittels stetig, aber langsam weg vom Bargeld \u00e4ndert. Der Substitutionsprozess erfolgte in der Schweiz bis jetzt evolution\u00e4r und nicht revolution\u00e4r. Es ist daher zu erwarten, dass auch neue Zahlungsmittel, wie Mobile Payment, eher langsam Marktanteile gewinnen werden. Es ist dadurch schwierig, schnell eine minimale kritische Masse zu erreichen, wenn man nicht auf bestehende Systeme aufsetzen kann. Die Fragmentierung des kleinen Schweizer Marktes erschwert das Erreichen dieser kritischen Masse zus\u00e4tzlich. Daher werden unseres Erachtens Systeme mit einer evolution\u00e4ren Verbreitungsstrategie erfolgreicher sein.<br>Die technischen Voraussetzungen bez\u00fcglich Durchdringung von Smartphones und kontaktlosen Terminals sind in der Schweiz gut. Effizientes kontaktloses Zahlen ist ein gutes Argument f\u00fcr Konsumenten zum Umsteigen vom Bargeld, insbesondere da die durchschnittlichen Betr\u00e4ge laufend sinken und die Anzahl Transaktionen steigen. Mit elektronischen Geldb\u00f6rsen auf dem Smartphone ergeben sich weitere M\u00f6glichkeiten, Mehrwert f\u00fcr den Anwender zu schaffen. So k\u00f6nnten die Daten direkt f\u00fcr Personal Finance Management Systeme genutzt werden, oder Bonusprogramme von Kundenkarten integriert werden.&nbsp; Die grosse Unbekannte ist der Kampf des Staates gegen das Bargeld im Rahmen der finanziellen Repression. Der Gebrauch von Bargeld k\u00f6nnte eingeschr\u00e4nkt werden, damit Sparer bei Negativzinsen kein Bargeld horten. Dieses unwahrscheinliche Szenario w\u00fcrde die Spielregeln komplett \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p><em>PS: Es wird interessant sein, wie Vertreter von TWINT und der Z\u00fcrcher Kantonalbank (Paymit) an der <a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/wirtschaft\/agenda\/veranstaltungen\/2015\/06\/25\/konferenz-innovative-angebote-im-retail-banking\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">IFZ Konferenz \u201eInnovative Angebote im Retail Banking\u201c <\/a>vom 25. Juni die Diffusionsgeschwindigkeit einsch\u00e4tzen und die zuk\u00fcnftige Entwicklung des Schweizer Marktes f\u00fcr Mobile Payment sehen. Die Konferenz war zwar ausgebucht &#8211; infolge von 2 Abmeldungen sind aber wieder 2 Pl\u00e4tze frei geworden. Neben dem Thema Mobile Payment werden u.a. auch Crowdfunding L\u00f6sungen f\u00fcr Banken, Digitales Anlegen bei der UBS, die Entwicklungen von hypomat und e-hypo oder Social Trading diskutiert. Anmeldung bitte per Mail an e&#118;&#101;&#x6c;&#x79;&#x6e;&#x65;&#46;&#103;&#97;&#110;&#x64;&#x65;&#x72;&#64;h&#115;&#108;&#x75;&#x2e;&#x63;h.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz verf\u00fcgt \u00fcber eine gute Ausgangslage f\u00fcr die Nutzung innovativer Mobile Payment L\u00f6sungen. Allerdings hat sich das Zahlverhalten der Konsumenten an Verkaufspunkten in den letzten Jahren nur langsam weg vom Bargeld entwickelt. Eine schnelle massive Verschiebung auf Mobile Payment L\u00f6sungen ist daher unwahrscheinlich. 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