{"id":3229,"date":"2015-10-06T10:42:48","date_gmt":"2015-10-06T08:42:48","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/?p=3229"},"modified":"2026-02-11T14:52:47","modified_gmt":"2026-02-11T13:52:47","slug":"regionalbanken-und-sparkassen-trennt-sich-die-spreu-vom-weizen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/regionalbanken-und-sparkassen-trennt-sich-die-spreu-vom-weizen\/","title":{"rendered":"Regionalbanken und Sparkassen: Trennt sich die Spreu vom Weizen?"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Die Gruppe der Sparkassen und Regionalbanken (in der Folge vereinfachend Regionalbanken genannt) ist eine sehr heterogene Bankengruppe. Die Schweizerische Nationalbank z\u00e4hlt in ihrer Statistik sowohl die Valiant Bank und die Neue Aargauer Bank mit Bilanzsummen von mehr als 20 Milliarden CHF als auch eine Vielzahl von Instituten mit einer Bilanzsumme von weniger als 1 Milliarde CHF dazu. So unterschiedlich wie die einzelnen Banken in dieser Gruppe ist auch deren Effizienz. W\u00e4hrend die beste Regionalbank eine Cost \/ Income Ratio von 39.1 Prozent erreicht, was dem zweitbesten Wert einer Bank in der Schweiz entspricht, weist das Institut mit geringsten Effizienz einen Wert von 88.0 Prozent aus. Die Gruppe als Ganzes, bestehend aus den 59 in der Retail Banking Studie des IFZ ber\u00fccksichtigten Instituten, vermag ihre durchschnittliche Cost \/ Income Ratio seit \u00fcber 5 Jahren bei rund 60 Prozent relativ stabil zu halten. Sie liegt damit aber \u00fcber dem Durchschnitt der Schweizer Retailinstitute, welcher 2014 bei 57.9 Prozent lag. Bei keiner andern Bankengruppe sind die Unterschiede derart gross. Deshalb ist die Frage berechtigt, ob sich gerade in dieser Gruppe in naher Zukunft die Spreu vom Weizen trennen wird. Es lohnt deshalb genauer hinzuschauen um zu erkennen, wo die Unterscheide liegen.<br>Die detaillierte Analyse zeigt insbesondere vier Bereiche in denen Regionalbanken sehr unterschiedliche Resultate aufweisen und wo deshalb f\u00fcr die Mehrzahl der Institute Handlungsbedarf besteht. Es handelt sich dabei um die Bereiche Bruttoertr\u00e4ge, Frontkosten, IT- und Verarbeitungskosten.<br>Der Deckungsbeitrag, der aufzeigt, welchen Anteil der Bruttoertr\u00e4ge die Front nach Abzug der eigenen Kosten zur Deckung der weiteren Kosten sowie des Gewinnes abliefert, variiert bei den Regionalbanken zwischen 64.5 und 80.8 Prozent. Dies mag auf den ersten Blick nicht derart schwerwiegend erscheinen, zumal auch Banken existieren, welche einen noch deutlich kleineren Deckungsbeitrag erarbeiten. Betrachtet man aber die Verteilung der Bruttoertr\u00e4ge und der Frontkosten im Einzelnen (vgl. Abbildung 1), werden die Unterschiede deutlich:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2015\/09\/Abb-1-Blattmann.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"738\" height=\"821\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2015\/09\/Abb-1-Blattmann.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3235\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2015\/09\/Abb-1-Blattmann.png 738w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2015\/09\/Abb-1-Blattmann-270x300.png 270w\" sizes=\"auto, (max-width: 738px) 100vw, 738px\" \/><\/a><figcaption><em>Abbildung 1: Bruttoertr\u00e4ge und Frontkosten pro Mio CHF Kundenvolumen bei Regionalbanken (gr\u00fcn) und \u00fcbrigen Instituten (blau)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>W\u00e4hrend die besten Institute dieser Bankengruppe einen Bruttoertrag von \u00fcber CHF 9\u2018000 pro Mio CHF Kundenvolumen (Spar- und andere Guthaben plus Hypotheken und Darlehen sowie Depotwerte) erwirtschaften, erreicht das hier schw\u00e4chste Institut lediglich CHF 6\u2018651, d.h. einen rund 25 Prozent niedrigeren Wert. Noch deutlicher treten die Unterschiede bei den Frontkosten zu Tage: W\u00e4hrend die besten Institute mit CHF 1\u2018510 resp. CHF 1\u2018600 pro Mio CHF Kundenvolumen auch im Vergleich mit den \u00fcbrigen Instituten Spitzenwerte erzielen, m\u00fcssen andere mit CHF 2\u2018860 rund doppelt so hohe Kosten verbuchen. Es liegt auf der Hand, dass die ersteren f\u00fcr ihr langfristiges \u00dcberleben deutlich besser ger\u00fcstet sind als die letzteren. Doch auch f\u00fcr Institute, die derzeit noch keine guten Ergebnisse erreichen, ist der Zug noch nicht abgefahren: Entscheidend ist, dass die Fakten auf den Tisch gelegt und diskutiert werden und danach geeignete Massnahmen zur Verbesserung der Ergebnisse eingeleitet werden. In Zeiten enger werdender Margen lohnt es sich, die Leistung der eigenen Front regelm\u00e4ssig zu messen und mit den Besten zu vergleichen. Dies ist Ansporn und Ziel zur Verbesserung der eigenen Performance.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleiches ist zu den Kosten in den Bereichen IT und Verarbeitung anzumerken, auch wenn bereits eine ganze Reihe von Regionalbanken die Wahrnehmung dieser Aufgaben ausgelagert hat. Die Analyse zeigt, dass diejenigen Institute, welche IT- und\/oder Verarbeitung ausgelagert haben, nicht zwangsl\u00e4ufig tiefere Kosten aufweisen. Vielfach ist sogar das Gegenteil der Fall. Dies bedeutet, dass auch diese Kosten regelm\u00e4ssig \u00fcberpr\u00fcft werden m\u00fcssen, unabh\u00e4ngig davon ob die Leistung in diesen Bereichen inhouse oder extern erbracht werden. Denn wie Abbildung 2 zeigt, sind auch hier die Unterschiede enorm:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2015\/09\/Abb-2-Blattmann.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"738\" height=\"821\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2015\/09\/Abb-2-Blattmann.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3232\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2015\/09\/Abb-2-Blattmann.png 738w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2015\/09\/Abb-2-Blattmann-270x300.png 270w\" sizes=\"auto, (max-width: 738px) 100vw, 738px\" \/><\/a><figcaption><em>Abbildung 2: IT- und Verarbeitungskosten pro Mio CHF Kundenvolumen<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>W\u00e4hrend ein Institut sowohl bez\u00fcglich IT- als auch Verarbeitungskosten bei den Besten liegt und damit Kosten von weniger als CHF 300 pro Mio CHF Kundenvolumen f\u00fcr die IT resp. CHF 450 f\u00fcr die Verarbeitung aufweist, zeigen andere viermal h\u00f6here IT-Kosten respektive fast dreimal so hohe Verarbeitungskosten. Dies bedeutet, dass hier die Unterschiede noch deutlich gr\u00f6sser sind als bei den Frontkosten. Allerdings liegt der durchschnittliche Anteil der IT-Kosten an den Gesamtkosten f\u00fcr Retailbanken bei 18.0 Prozent und der derjenige f\u00fcr die Verarbeitungskosten bei 17.2 Prozent, w\u00e4hrend dem die Frontkosten mit 47.8 Prozent doch beinahe die H\u00e4lfte der Kosten ausmachen (Vergleiche Swiss Benchmarking). Das heisst, dass generell in allen Kostenbereichen grosse Einsparpotenziale vorhanden sein k\u00f6nnen. Wo sie bei einem einzelnen Institut jeweils liegen, ist individuell zu ermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Vorhersage der Entwicklungen in der Finanzbranche, wird h\u00e4ufig mit Gr\u00f6ssenvorteilen argumentiert und in der Folge unterstellt, dass kleinere Institute ung\u00fcnstigere Perspektiven h\u00e4tten. Die Erfahrung lehrt uns, dass dies keinesfalls so ist, sondern dass sich eher die Regel \u201asurvival of the fittest\u2018 best\u00e4tigt. Auch bei den Regionalbanken ist es so, dass kleine Institute durchaus erfolgreich und effizient wirtschaften k\u00f6nnen. Dies belegt unter anderem auch die diesj\u00e4hrige Retailbankenstudie des IFZ (erscheint am 19.11,2015): Vier Regionalbanken erreichten eine Platzierung unter den Top 15 bei der Cost \/ Income Ratio, davon weisen drei Institute eine Bilanzsumme von weniger als CHF 1.5 Milliarden aus. Dieses Ergebnis l\u00e4sst sich auch so interpretieren, dass das Gesch\u00e4ftsmodell der Regionalbanken keineswegs ein Auslaufmodell ist, sondern durchaus auch l\u00e4ngerfristig Chancen f\u00fcr ein Bestehen im Markt bietet. Voraussetzung dazu scheint allerding zu sein, dass man heute seine Hausaufgaben gewissenhaft erledigt und sowohl bei den Ertr\u00e4gen als auch bei den Kosten Massnahmen einleitet, um mit den Besten mithalten zu k\u00f6nnen. Dies erfordert von den F\u00fchrungsorganen die Bereitschaft zu regelm\u00e4ssigen Vergleichen und, basierend auf den individuellen Ergebnissen, den Mut zum entschlossenen Handeln. Die Zukunft wird weisen, ob sich bei den Regionalbanken an dieser essentiellen F\u00fchrungsfrage die Spreu vom Weizen trennen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><em>PS: Auch in diesem Jahr wird das IFZ im Rahmen der IFZ Retail Banking Konferenz &#8211; neben anderen Themen &#8211; wieder das ausf\u00fchrliche Benchmarking von 90 Retail Banken vorstellen. Wer nicht an die Konferenz kommen kann, kann das Benchmarking und die rund 180-seitige Studie f\u00fcr CHF 290.- bestellen. <\/em><em>Mail an:&nbsp;<a href=\"&#x6d;&#97;i&#x6c;&#116;o&#x3a;&#x69;&#102;&#x7a;&#x40;&#104;s&#x6c;&#117;&#46;&#x63;&#x68;?subject=Bestellung%20Retail%20Banking%20Studie%202015\">&#x69;&#x66;&#122;&#64;&#104;s&#x6c;&#x75;&#x2e;&#99;&#104;.<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Heterogenit\u00e4t der Gruppe der Sparkassen und Regionalbanken zeigt sich auch bez\u00fcglich ihrer Effizienz. Wird dies in Zukunft im Markt Konsequenzen haben? 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