{"id":4849,"date":"2018-01-22T08:35:29","date_gmt":"2018-01-22T07:35:29","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/?p=4849"},"modified":"2026-02-11T14:52:50","modified_gmt":"2026-02-11T13:52:50","slug":"die-modulare-anlageloesung-der-privatbank-maerki-baumann-im-test","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/die-modulare-anlageloesung-der-privatbank-maerki-baumann-im-test\/","title":{"rendered":"Die modulare Anlagel\u00f6sung der Privatbank Maerki Baumann im Test"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Unternehmensportrait<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Maerki Baumann &amp; Co. AG ist eine Privatbank im Eigentum der Familie Syz mit Sitz in Z\u00fcrich. Sie besch\u00e4ftigte per 30. Juni 2017 70 Mitarbeitende und verwaltete ein Kundenverm\u00f6gen von rund CHF 7.7 Milliarden. Wie andere Institute ging auch sie nicht unbesch\u00e4digt durch die Finanzkrise. Neben Abfl\u00fcssen an (teilweise unversteuerten) Geldern f\u00fchrten mehrere CEO-Wechsel und hohe Bussen zu einer gewissen Unruhe. Die Zahlungen zur Bereinigung der Altlasten in der H\u00f6he von 24 Millionen an die USA und CHF 3 Millionen an Deutschland haben die traditionsreiche Bank vor eine gr\u00f6ssere Belastungsprobe gestellt \u2013 vor allem wenn man sich vor Augen h\u00e4lt, dass das Eigenkapital heute rund CHF 50 Millionen betr\u00e4gt. Nun scheint es mit der Bank aber wieder aufw\u00e4rts zu gehen. Nach gr\u00f6sseren Investitionen in die Zukunft und einem ausgewiesenen Erfolg von nur CHF 400\u2018000 im Jahr 2014 konnte der Gewinn seither stetig verdoppelt werden (2015: CHF 1 Million, 2016: 2 Millionen, 1 Halbjahr 2017: CHF 2.4 Mio.). Auch der Fokus der Anzahl bedienter M\u00e4rkte zeigt sich anhand des Fokus auf die Schweiz und Deutschland (75% bzw. 10% der Verm\u00f6gen). Bemerkenswert ist, dass die Privatbank von einer durchgehend jungen Gesch\u00e4ftsleitung gef\u00fchrt wird. Die vier Gesch\u00e4ftsleitungsmitglieder sind alle zwischen 38 und 46 Jahren alt. Der CEO, Stephan Zwahlen, ist seit rund zwei Jahren im Amt und erst 39 Jahre alt.<br>Wie viele andere Privatbanken ist auch die Maerki Baumann gezwungen, sich auf die Zukunft vorzubereiten und das Gesch\u00e4ftsmodell entsprechend anzupassen. Nachfolgend m\u00f6chte ich nun insbesondere das modulare Anlagekonzept vorstellen, welches ein zentrales Element der neuen Strategie ist und am 1. Juli 2016 zun\u00e4chst bei bestehenden Kunden und ab Mitte 2017 offiziell im Markt lanciert wurde. Neben einem <a href=\"http:\/\/www.maerki-baumann.ch\/de\/unsere-dienstleistungen\/modulare-anlagelosung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Online-Konfigurator zur Illustration der modularen Anlagel\u00f6sung&nbsp;<\/a>wurde neu auch noch eine Beratungs-App f\u00fcr das Kundengespr\u00e4ch entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Konzept der modularen Anlagel\u00f6sung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die grunds\u00e4tzliche Idee hinter dem Konzept der modularen Anlagel\u00f6sung kann unter dem Schlagwort \u00abMass Customization\u00bb subsumiert werden. Das Konzept ist einerseits vollkommen individuell auf die Bed\u00fcrfnisse des einzelnen Kunden anpassbar. Gleichzeitig ist es durch die verschiedenen angebotenen Module aus Sicht der Bank gut skalierbar. Durch \u00abSammelauftr\u00e4ge\u00bb f\u00fcr verschiedene Kunden sinken im Rahmen der Bewirtschaftung der einzelnen Module aus Bankensicht die entsprechenden Transaktionskosten.<br>Der Beratungsprozess l\u00e4uft dabei wie folgt ab: Nach Erstellung des Risikoprofils w\u00e4hlt der Kunde sein Grundmodul. Dieses besteht aus \u201eLiquidit\u00e4t\u201c, \u201eAktien\u201c, \u201eObligationen\u201c und \u201eAnderem\u201c (z. B. Gold). Abh\u00e4ngig vom Risikoprofil wird von der Bank eine entsprechende Gewichtung der einzelnen Anlageklassen vorgeschlagen. Dieses kann aber auch \u00fcbersteuert werden, wobei Verletzungen des Risikoprofils sofort angezeigt werden. Interessant ist, dass dieses Grundmodul wahlweise nur in CHF oder ausschliesslich in EUR angeboten wird. Es gibt dadurch also kein direktes W\u00e4hrungsrisiko (es sei denn, ein Schweizer Kunde entscheidet sich f\u00fcr ein EUR-Grundmodul bzw. ein \u00abEuro-Kunde\u00bb f\u00fcr das CHF-Grundmodul). Dieses Grundmodul kann danach beliebig erg\u00e4nzt werden durch 13 weitere im Angebot stehende Akzentmodule. Es gibt derzeit sieben Aktien-Akzentmodule (zum Beispiel \u00abNebenwerte Schweiz\u00bb, \u00abAktien Global\u00bb oder \u00abAktien Eurozone\u00bb), vier Obligationen-Module (zum Beispiel \u00abObligationen CHF\u00bb oder \u00abObligationen Schwellenl\u00e4nder\u00bb) und zwei \u00abAndere\u00bb Module (\u00abGlobal Ausgewogen\u00bb und \u00abRohstoffe\u00bb). W\u00e4hrend gewisse Akzent-Modelle ausschliesslich mit Einzeltiteln umgesetzt werden (gilt v.a. f\u00fcr den Schweizer und EU Markt), umfassen andere Module auch aktive und passive Anlagefonds von Drittanbietern. Die Einzeltitel werden dabei gem\u00e4ss der \u00abHouse-View\u00bb von Maerki Baumann ausgew\u00e4hlt. Derzeit werden noch s\u00e4mtliche Module von Maerki Baumann selber konzipiert und verwaltet. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass man k\u00fcnftig auch entsprechende weitere Angebote von Drittanbietern integrieren wird. So werden gem\u00e4ss Stephan Zwahlen, CEO der Bank, k\u00fcnftig noch weitere Module hinzukommen, zum Beispiel mit Blick auf bestimmte Anlagethemen. Der Kunde kann w\u00e4hrend des Beratungsprozesses entscheiden, wie stark er das Grundmodul gewichtet und wie viele Akzentmodule er erg\u00e4nzen m\u00f6chte.<br>Das Konzept mag auf den ersten Blick etwas \u00e4hnlich klingen wie die Auswahl an verschiedenen Fonds (z.B. in einem Fondsmandat). Der wichtigste Unterschied liegt aber darin, dass der entsprechende Anleger direkt Aktion\u00e4r ist und entsprechend s\u00e4mtliche Aktion\u00e4rsrechte, inkl. seinem Wahlrecht an einer Generalversammlung aus\u00fcben darf.<br>Der Beratungsprozess wird seit kurzem auch digital und mit einer entsprechenden Beratungs-App abgebildet. Der Kundenberater begleitet die Kunden mit diesem Tool durch den Entscheidungsprozess. In der untenstehenden Abbildung 1 wird ersichtlich, wie man die einzelnen Akzentmodule individuell ausw\u00e4hlen und selbst\u00e4ndig gewichten kann. Mit einem Klick kann man jederzeit wieder zur\u00fcck auf den Bankvorschlag gehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2017\/12\/Abb-1-maerki.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2017\/12\/Abb-1-maerki-1024x768.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4853\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2017\/12\/Abb-1-maerki-1024x768.png 1024w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2017\/12\/Abb-1-maerki-300x225.png 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2017\/12\/Abb-1-maerki-768x576.png 768w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2017\/12\/Abb-1-maerki.png 1386w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption><em>Abbildung 1: Individualisierung der ausgew\u00e4hlten Akzentmodule (Angebote auf der rechten Seite ersichtlich)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die untenstehende Abbildung 2 zeigt eine zusammenfassende \u00dcbersicht mit Darstellung des Grundmoduls (braun) und der Akzentmodule (blau) auf. Des Weiteren sind in dieser \u00dcbersicht auch das Risiko, die Anlageklassen und die Geb\u00fchren pro Jahr ersichtlich. Ist der Kunde mit dem Vorschlag einverstanden, wird das entsprechende Dokument elektronisch ausgedruckt und (in Papierform) dem Kunden zur Unterschrift vorgelegt. Entlang der so spezifizierten Asset Allocation verwaltet die Bank anschliessend die Inhalte der einzelnen Module.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2017\/12\/Abb-2-maerki.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2017\/12\/Abb-2-maerki-1024x768.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4854\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2017\/12\/Abb-2-maerki-1024x768.png 1024w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2017\/12\/Abb-2-maerki-300x225.png 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2017\/12\/Abb-2-maerki-768x576.png 768w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2017\/12\/Abb-2-maerki.png 1386w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption><em>Abbildung 2: Zusammenfassende \u00dcbersicht<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Tool wird aus meiner Sicht sehr einfach und intuitiv gehalten. Ebenso gef\u00e4llt mir pers\u00f6nlich das Design.<br>Des Weiteren sind die folgenden Punkte aus meiner Sicht beachtenswert:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Es gibt durch das Tool Finfox von Ecofin eine systemunterst\u00fctzte, regelm\u00e4ssig durchgef\u00fchrte \u00dcberwachung, \u00e4hnlich wie ich dies bereits bei der neuen Anlagel\u00f6sung der <a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/2016\/07\/08\/die-digitale-anlageberatung-der-graubuendner-kantonalbank-im-test\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Graub\u00fcndner Kantonalbank<\/a> oder bei der <a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/2014\/05\/26\/ein-erster-blick-ins-neue-digitale-private-banking-der-ubs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">UBS<\/a> beschrieben habe. Im Gegensatz aber beispielsweise zur L\u00f6sung der UBS werden allf\u00e4llige Verletzungen im Portfolio nicht direkt dem Kunden gemeldet, sondern dem Kundenberater. Dieser hat dann seinerseits die Aufgabe, entsprechende Massnahmen mit dem Kunden zu planen.<\/li><li>Das Preismodell ist nachvollziehbar und transparent. Es wird dem Kunden f\u00fcr jedes Modul aufgezeigt, wie hoch die entsprechenden Kosten (all-in-fee) sind. Der Preis wird festgelegt in Abh\u00e4ngigkeit der gew\u00e4hlten Module und des Anlageverm\u00f6gens. Er ist daher im Bereich von 0.8 bis 1.3 Prozent. Module mit Schweizer Titeln sind in der Regel teurer als eher \u00abexotischere\u00bb Module, welche auf ETF basieren und ausl\u00e4ndische M\u00e4rkte im Visier haben. Ebenso wird die absolute und relative Performance mittels einzelner Factsheets stets transparent ausgewiesen pro Modul. Schliesslich kann der Kunde die einzelnen Module bzw. Modulinhalte \u00fcber E-Banking jederzeit einsehen.<\/li><li>W\u00e4hrend Maerki Baumann das modulare Anlagekonzept intern entwickelt und umgesetzt hat, wurde f\u00fcr die Programmierung des Online-Konfigurators und der Beratungs-App die Firma ti&amp;m beauftragt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Ein Video \u00fcber die Funktionsweise der modularen Anlagel\u00f6sung finden Sie <a href=\"http:\/\/www.maerki-baumann.ch\/modular-anlegen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Privatbanken m\u00fcssen ihre Gesch\u00e4ftsmodelle \u00fcberdenken und L\u00f6sungen pr\u00e4sentieren, die massgeschneidert auf die anspruchsvolle Kundschaft passen. Auf der anderen Seite m\u00fcssen gerade \u2013 aber nicht nur \u2013 kleinere Privatbanken auch L\u00f6sungen anbieten, die kosteneffizient respektive ertragsoptimierend sind. Das Angebot in modularer Form hilft im Vergleich zu einer Vielzahl von individuellen Kundenportfolios einerseits, die Kosten tief zu halten (Sammelauftr\u00e4ge bei Portfolio-Anpassungen). Gleichzeitig fliesst weniger Geld an andere Produkthersteller, da sich die Bank selber f\u00fcr die meisten Produkte verantwortlich zeigt. Ebenso wird es je l\u00e4nger je wichtiger, digitale L\u00f6sungen f\u00fcr Private Banking Kunden anzubieten. Diese m\u00fcssen sowohl im Beratungsprozess als auch selbstst\u00e4ndig von zu Hause aus vom Kunden eingesetzt werden k\u00f6nnen. Die L\u00f6sung der Maerki Baumann gibt \u2013 abgesehen vom letzten Punkt \u2013 eine m\u00f6gliche Antwort auf diese Herausforderung. Das Konzept von Maerki Baumann ist zwar nicht speziell innovativ als solches \u2013 es ist aber eine aus meiner Sicht spannende und sinnvolle L\u00f6sung, wie man als kleinere Privatbank sein Gesch\u00e4ftsmodell adjustieren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meistens berichte ich auf diesem Blog \u00fcber Neuerungen bei Kantonalbanken oder den Grossbanken. Im heutigen Blog kann ich nun (endlich) auch einmal \u00fcber eine innovative L\u00f6sung einer Privatbank berichten. Die mit einem Kundenverm\u00f6gen von CHF 7.7 Milliarden eher kleine Privatbank Maerki Baumann hat aus meiner Sicht eine spannende modulare Anlagel\u00f6sung implementiert, welche als strategisch interessante Antwort auf die verschiedenen Herausforderungen f\u00fcr solche Banken gewertet werden kann. 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Im heutigen Blog kann ich nun (endlich) auch einmal \u00fcber eine innovative L\u00f6sung einer Privatbank berichten. Die mit einem Kundenverm\u00f6gen von CHF 7.7 Milliarden eher kleine Privatbank Maerki Baumann hat aus meiner Sicht eine spannende modulare Anlagel\u00f6sung implementiert, welche als strategisch interessante Antwort auf die verschiedenen Herausforderungen f\u00fcr solche Banken gewertet werden kann. 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