{"id":9513,"date":"2020-04-06T08:25:55","date_gmt":"2020-04-06T06:25:55","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/?p=9513"},"modified":"2026-02-11T14:52:54","modified_gmt":"2026-02-11T13:52:54","slug":"kosten-und-auswirkungen-der-neuen-liquiditaetsvorschriften-auf-schweizer-retailbanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/kosten-und-auswirkungen-der-neuen-liquiditaetsvorschriften-auf-schweizer-retailbanken\/","title":{"rendered":"Kosten und Auswirkungen der neuen Liquidit\u00e4tsvorschriften auf Schweizer Retailbanken"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Die Liquidit\u00e4tshaltung von Schweizer Banken wird seit 2014 mit einer Liquidit\u00e4tsverordnung und dem FINMA-Rundschreiben \u00abLiquidit\u00e4tsrisiken Banken\u00bb verst\u00e4rkt reguliert. Diese Regularien umfassen neben qualitativen Anforderungen an das Liquidit\u00e4tsrisikomanagement auch quantitative Anforderungen an die Liquidit\u00e4tshaltung. Das Kernst\u00fcck der quantitativen Regeln sind zwei Messgr\u00f6ssen, die sich direkt aus den internationalen Empfehlungen zur Liquidit\u00e4tshaltung der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ableiten: Die Liquidity Coverage Ratio (LCR) und die Net Stable Funding Ratio (NSFR). W\u00e4hrend die LCR die kurzfristige Widerstandsf\u00e4higkeit von Banken gegen Liquidit\u00e4tskrisen f\u00f6rdern soll, zielt die NSFR auf die l\u00e4ngerfristige Finanzierungstruktur einer Bank ab. Die NSFR ist aufgrund internationaler Verz\u00f6gerungen in der Schweiz noch nicht bindend, der Bundesrat hat erst im letzten November 2019 die Einf\u00fchrung auf Mitte 2021 <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen\/bundesrat.msg-id-77160.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">angek\u00fcndigt<\/a> \u2013 analog dem Plan der EU. Die LCR hingegen wurde nach mehrj\u00e4hrigen \u00dcbergangsfristen mit schrittweisen Erh\u00f6hungen der Anforderungen per 1. Januar 2019 vollst\u00e4ndig in Kraft gesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorgehen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Institut f\u00fcr Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern hat 2017 ein vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziell unterst\u00fctztes Projekt lanciert, das die Auswirkungen der neuen Liquidit\u00e4tsvorgaben auf Schweizer Retailbanken untersuchen soll. Unser Projekt fokussiert dabei auf Schweizer Retailbanken der FINMA-Aufsichtskategorien 3 bis 5 und umfasst 65 Banken. Um die Auswirkungen des neuen Regulierungsregimes sowohl quantitativ als auch qualitativ zu verstehen, haben wir zwei Forschungsmethoden kombiniert. Einerseits haben wir mit \u00f6konometrischen Analysen untersucht, welche Faktoren die NSFR und die LCR von Schweizer Retailbanken beeinflussen. Andererseits haben wir durch semi-strukturierte Interviews mit zehn ausgew\u00e4hlten Banken untersucht, welche qualitativen, von aussen nicht direkt sichtbaren Auswirkungen, die Liquidit\u00e4tsvorgaben gehabt haben und welche Massnahmen und Konsequenzen in Zukunft infolge dieser Regelungen zu erwarten sind. Der vorliegende Artikel fokussiert auf die Erkenntnisse aus den Expertengespr\u00e4chen und fasst die wichtigsten Erkenntnisse in Form von Thesen zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1) Liquidit\u00e4tsrisiken sind dank der Regulierung st\u00e4rker in den Fokus der Banken ger\u00fcckt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Mehrheit unserer Gespr\u00e4chsteilnehmenden best\u00e4tigt, dass sich der Stellenwert von Liquidit\u00e4tsrisiken seit der Einf\u00fchrung der Liquidit\u00e4tsvorschriften stark ver\u00e4ndert hat. Obschon bereits fr\u00fcher die bankbetriebliche Liquidit\u00e4t gemessen wurde und die Liquidit\u00e4t eigentlich schon immer wichtig war, ist die Steuerung fr\u00fcher deutlich weniger strategisch erfolgt. Das Liquidit\u00e4tsrisikomanagement war im Vergleich zu heute auch deutlich weniger formalisiert und das Erreichen der gesetzlich vorgeschriebenen Ziele einfacher. Durch den Einbezug der Oberleitungsorgane (Verwaltungsrat, Bankrat) erhielt das Liquidit\u00e4tsmanagement auch formell eine strategische Dimension.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2) Die Einf\u00fchrung der LCR war sowohl technisch als auch fachlich aufwendig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Berechnung der LCR mag auf den ersten Blick einfach und verst\u00e4ndlich sein. Die konkrete Umsetzung zur Kalkulation der LCR war und ist in der Praxis aber komplex. Speziell f\u00fcr kleinere Banken, die typischerweise nicht \u00fcber dezidierte Fachkr\u00e4fte auf dem Thema verf\u00fcgen, war der Aufbau des notwendigen Fachwissens und auch die technische Implementierung zur Berechnung und Rapportierung der LCR aufw\u00e4ndig. Bei s\u00e4mtlichen Banken ist die LCR-Kalkulation heute systemisch implementiert, die Rapportierung erfolgt monatlich. Eine Berechnung der LCR auf Tagesbasis ist bei den meisten Banken nur approximativ m\u00f6glich \u2013 eine genaue Steuerung w\u00e4hrend eines Monats entsprechend erschwert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3) Die Umsetzung hat Schweizer Retail Banken 16 Millionen Franken gekostet \u2013 geschmerzt hat dies vor allem die kleinen Banken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die neuen Liquidit\u00e4tsvorschriften verursachen bei den Banken zwei unterschiedliche Arten von Kosten. Einerseits kostet das Halten von Liquidit\u00e4t eine Bank sogenannte Liquidit\u00e4tshaltungskosten. Vor allem ein zus\u00e4tzlicher Investitionsbedarf in (nicht speziell attraktive) liquide Aktiva kann zus\u00e4tzliche Kosten verursachen. Die Liquidit\u00e4tsvorschriften wirken zus\u00e4tzlich dann restriktiv, wenn eine Bank gewisse Investitionsm\u00f6glichkeiten nicht mehr nutzen kann, weil diese liquiden Aktiva als Liquidit\u00e4tspuffer gehalten werden m\u00fcssen. In diesem Fall entstehen zus\u00e4tzlich Opportunit\u00e4tskosten. Andererseits verursachen die Vorschriften bei den Banken operative Kosten: Das Liquidit\u00e4tsrisikomanagement bindet Personalressourcen und erfordert technische Systeme.<br>Bei der Einf\u00fchrung der neuen Vorschriften entstanden zun\u00e4chst einmalig anfallende Umsetzungs- und Implementierungskosten. Diese Auslagen umfassten haupts\u00e4chlich interne Personalkosten, IT-Ausgaben und externe Beratungskosten. In den Gespr\u00e4chen mit den Banken haben wir versucht, diese Umsetzungskosten zur Implementierung der Liquidit\u00e4tsvorschriften zu beziffern. In Abh\u00e4ngigkeit der Bankengr\u00f6sse fielen die Kostensch\u00e4tzungen sehr breit aus. Bei gr\u00f6sseren Banken waren die maximal gesch\u00e4tzten Kosten mit \u00fcber CHF 600&#8217;000 bis zu sechs Mal h\u00f6her als bei kleineren Regionalbanken oder Sparkassen. Wenn wir die durchschnittlich gesch\u00e4tzten Kosten pro Bankengruppe (gem\u00e4ss FINMA-Aufsichtskategorie) annehmen und diese Durchschnittskosten auf die 90 Retail Banken der Aufsichtskategorie 3 bis 5 der Retail Banking-Studie hochrechnen, so resultieren initiale Implementierungskosten in der H\u00f6he von rund 16 Millionen Franken.<br>Wenn wir diese durchschnittlichen Gesamtkosten pro Bankengruppe ins Verh\u00e4ltnis zum aggregierten Jahresgewinn setzen, erhalten wir einen Eindruck, f\u00fcr welche Banken diese Kosten \u2013 relativ betrachtet \u2013 besonders hoch waren. Abbildung 1 stellt die Relationen grafisch dar. Es wird sichtbar, dass die Kosten f\u00fcr die kleinen Banken der Aufsichtskategorie 5 deutlich sp\u00fcrbarer waren. Bei gr\u00f6sseren Banken waren die Umsetzungskosten in absoluten Zahlen zwar h\u00f6her, relativ zum generierten Gewinn aber \u00fcberschaubar. Diese Einsch\u00e4tzung deckt sich auch mit den Aussagen der verschiedenen Bankenvertreter in den Gespr\u00e4chen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2019\/12\/Abb-1-LCR.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"809\" height=\"468\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2019\/12\/Abb-1-LCR.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9515\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2019\/12\/Abb-1-LCR.png 809w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2019\/12\/Abb-1-LCR-300x174.png 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2019\/12\/Abb-1-LCR-768x444.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 809px) 100vw, 809px\" \/><\/a><figcaption><em>Abbildung 1: Die totalen Implementierungskosten pro Bankengruppe im Verh\u00e4ltnis zum aggregierten Jahresgewinn 2015 (n=90)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Kosten f\u00fcr die laufenden Aufw\u00e4nde (Personalkosten, Projektkosten bei Anpassungen, etc.) sowie Kosten f\u00fcr die Liquidit\u00e4tshaltung sind hier nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4) Als Steuerungsgr\u00f6sse der bankbetrieblichen Liquidit\u00e4t wird die LCR heute kaum verwendet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die LCR ist f\u00fcr viele Retailbanken vor allem eine formale Kenngr\u00f6sse, die es aus regulatorischen Gr\u00fcnden zu rapportieren und einzuhalten gilt. Die Kennzahl misst den kurzfristigen Liquidit\u00e4tsgrad auf einen bestimmten Stichtag und basiert auf einer F\u00fclle von modelltheoretischen Annahmen. In der Praxis f\u00fchren diese theoretischen Annahmen dazu, dass die LCR nicht immer ein \u00abkorrektes\u00bb Bild des bankbetrieblichen Liquidit\u00e4tsrisikos widergibt. So unterliegen die LCR-Werte bei gewissen Banken gr\u00f6sseren Schwankungen, ohne dass damit wohl ein effektiv h\u00f6heres Liquidit\u00e4tsrisiko einhergeht. Deshalb verwenden die meisten Banken die LCR nicht als eigentliche operative Steuerungsgr\u00f6sse.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5) Die LCR wird f\u00fcr die Banken teuer, sobald sich das Zinsniveau normalisiert hat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aus den Gespr\u00e4chen mit den Banken geht hervor, dass die LCR-Steuerung heute vor allem \u00fcber die Passivseite gesteuert wird. Banken versuchen also, die Mittelabfl\u00fcsse auf der Passivseite \u2013 also den Nenner der LCR-Gleichung \u2013 zu reduzieren. Hierf\u00fcr wurden einerseits K\u00fcndigungsfristen von mindestens 31 Tagen bei verschiedenen Konten eingef\u00fchrt. Anderseits setzen Banken die gesetzlich verlangte Nichtk\u00fcndigungskommission (NKK) von mindestens 2 Prozent bei Nichteinhaltung vermehrt hart durch. Denn durch die Einf\u00fchrung der LCR m\u00fcssen Banken f\u00fcr Konten, bei denen Kunden innerhalb von 30 Tagen ihre Einlagen ohne K\u00fcndigungsfrist abziehen k\u00f6nnen, Liquidit\u00e4tsreserven halten. Durch diese Umsetzungsmassnahmen erh\u00f6ht sich entsprechend die LCR respektive k\u00f6nnen die Liquidit\u00e4tshaltungskosten reduziert werden. Unsere Untersuchungen zeigen, dass heute zwei Drittel der Retail Banken in der Schweiz \u00fcber LCR-konforme R\u00fcckzugskonditionen auf ihren Sparkonten verf\u00fcgen (siehe Abbildung 2). Bei 86 Prozent dieser Sparkonten k\u00f6nnen Kunden nur noch 30\u2019000 CHF oder weniger innerhalb von 30 Tagen abheben. F\u00fcr gr\u00f6ssere Betr\u00e4ge haben 74 Prozent der Banken eine K\u00fcndigungsfrist von 3 Monaten definiert. Hingegen sind erst 8 Prozent der Privatkonten mit LCR-konformen R\u00fcckzugskonditionen versehen. Die f\u00fcr diese Privatkonten definierten R\u00fcckzugslimiten sind allerdings grossz\u00fcgig ausgestaltet: Ohne K\u00fcndigungsfrist k\u00f6nnen bei den entsprechenden Privatkonten zwischen CHF 100&#8217;000 und CHF 750&#8217;000 bezogen werden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2019\/12\/Abb-2-LCR.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"993\" height=\"433\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2019\/12\/Abb-2-LCR.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9514\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2019\/12\/Abb-2-LCR.png 993w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2019\/12\/Abb-2-LCR-300x131.png 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2019\/12\/Abb-2-LCR-768x335.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 993px) 100vw, 993px\" \/><\/a><figcaption><em>Abbildung 2: LCR-Konformit\u00e4t der R\u00fcckzugskonditionen von Bankkonten Schweizer Retail Banken (Privatkundengesch\u00e4ft, per 30.01.2019, n=65)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Auf der Seite des Z\u00e4hlers, der HQLA, haben die meisten befragten Banken bislang ihre Strategie nicht bedeutend angepasst. Ein bedeutender Teil der HQLA sind derzeit vor allem die entsprechenden Girokonten bei der Schweizerischen Nationalbank. Bei einer Normalisierung des Zinsniveaus bef\u00fcrchten mehrere Bankenvertretende, dass sie verst\u00e4rkt auch die HQLA auf- und ausbauen m\u00fcssen, was zu bedeutenden Kostenfolgen f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>6) Die LCR ist ein Kind der Krise und bisher ungetestet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der derzeitigen Zinssituation sind die (Opportunit\u00e4ts-)Kosten der LCR noch \u00fcberschaubar. Viele Retailbanken haben derzeit eine komfortable Liquidit\u00e4tssituation und konnten die LCR zus\u00e4tzlich durch verschiedene Massnahmen auf der Passivseite (Einf\u00fchrung LCR-konformer R\u00fcckzugskonditionen) ohne bedeutende Kostenfolgen erh\u00f6hen. Die meisten Bankenvertreter sind sich aber einig, dass ein normalisiertes Zinsniveau zu m\u00f6glicherweise bedeutend h\u00f6heren Liquidit\u00e4tshaltungskosten f\u00fchren wird. Die bisherige Situation mit einem sehr niedrigen Zinsniveau verunm\u00f6glicht entsprechend ein finales Urteil, ob die Kennzahl auch in Zeiten eines \u00abnormalisierten\u00bb Zinsumfelds oder generell in Krisensituationen wirklich hilft, die Liquidit\u00e4tsprobleme zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>7) Die NSFR bereitet den Banken weniger Kopfschmerzen als die LCR<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Erg\u00e4nzung zur LCR fungiert die Net Stable Funding Ratio (NSFR) als aufsichtsrechtliches Mass f\u00fcr die strukturelle, l\u00e4ngerfristige Liquidit\u00e4ts- und Finanzierungsstruktur einer Bank. Fast alle befragten Banken berechnen die NSFR bereits heute. Gem\u00e4ss \u00fcbereinstimmenden Antworten sind die Anforderungen dieser Kennzahl praktisch nicht restriktiv. Die Einhaltung und auch die Kosten der LCR werden als bedeutend h\u00f6her eingesch\u00e4tzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>8) Die Erleichterungen f\u00fcr das Kleinbankenregime kommen sp\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die FINMA will die Risikoorientierung und die Proportionalit\u00e4t ihrer Aufsicht verst\u00e4rken. Mit dem sogenannten \u00abKleinbankenregime\u00bb verfolgt sie das Ziel, die Effizienz von Regulierung und Aufsicht f\u00fcr kleine, solide Banken zu erh\u00f6hen und unn\u00f6tige administrative Belastungen zu vermeiden. Erst Ende Februar 2020 hat die FINMA 64 Banken zur Teilnahme am Regime <a href=\"https:\/\/www.finma.ch\/de\/news\/2020\/02\/20200227-mm-kleinbankenregime\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">zugelassen<\/a>, r\u00fcckwirkend per Anfang 2020. Grunds\u00e4tzlich haben es die Banken in den Interviews als positiv erachtet, dass die FINMA bem\u00fcht ist, den kleinen und risikoarmen Instituten gewisse Erleichterungen zu gew\u00e4hren. Gleichzeitig kommt es in Bezug auf die Liquidit\u00e4tsvorschriften f\u00fcr die meisten der befragten Banken zu sp\u00e4t und sind die Anforderungen zur Aufnahme hoch. Viele Implementierungskosten sind bereits angefallen, die Systeme sind vorhanden und alle Anforderungen werden schon umgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>9) Die Effektivit\u00e4t der Liquidit\u00e4tsvorschriften wird mehrheitlich anerkannt, die Effizienz aber abh\u00e4ngig von der Bankengr\u00f6sse kritisch beurteilt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Beurteilung der neuen Liquidit\u00e4tsvorgaben zeigt sich ein relativ konsistentes Bild. In den Gespr\u00e4chen haben die Mehrheit der Banken die Effektivit\u00e4t der Liquidit\u00e4tsvorschriften grunds\u00e4tzlich anerkannt. Hingegen wird die Effizienz der Vorschriften in den Gespr\u00e4chen, speziell von den kleineren Banken, kritisch beurteilt. Der hohe Komplexit\u00e4tsgrad der quantitativen Vorschriften hat vor allem bei mittleren und kleineren Banken verh\u00e4ltnism\u00e4ssig hohe Kosten verursacht \u2013 sowohl was die technische Umsetzung als auch den Aufbau des notwendigen Fachwissens anbelangt. Ausserdem f\u00fchrten die komplexen Modellannahmen bei der LCR-Berechnung dazu, dass die LCR bei gewissen Instituten zum Teil nur noch von einem kleinen Kreis von (Fach-)Experten in der Tiefe verstanden wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die neuen Liquidit\u00e4tsvorschriften haben bei Schweizer Retailbanken zu einem gesch\u00e4rften Verst\u00e4ndnis der bankbetrieblichen Liquidit\u00e4t gef\u00fchrt. Die Liquidit\u00e4t wird heute strategischer und damit bewusster gesteuert. Allerdings sind die dahinterliegenden Modelle heute um einiges komplexer, sie werden oft nur noch von wenigen Experten verstanden. Durch den hohen Komplexit\u00e4tsgrad kann eine \u00abScheingenauigkeit\u00bb in der Liquidit\u00e4tshaltung entstehen, die so in der Praxis nicht zu erreichen ist. Auf der Produktseite haben die quantitativen Anforderungen dazu gef\u00fchrt, dass Banken von ihren Kunden eine Trennung von Sparen und Zahlen verlangen. Die meisten Sparkonten verf\u00fcgen deshalb heute \u00fcber restriktive R\u00fcckzugslimiten. Die Regularien kommen entsprechend mit einem Preisschild. F\u00fcr die Banken fielen bisher vor allem Implementierungskosten an, die speziell f\u00fcr kleinere Banken relevant(er) waren. Bei steigenden Zinsen k\u00f6nnten die Kosten f\u00fcr die Liquidit\u00e4tshaltung deutlich steigen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine ausf\u00fchrliche Version ist in der IFZ Retail Banking-Studie 2019 zu finden. Siehe: Dietrich, A. &amp; Mattmann, B. (2019) Zu den Auswirkungen der \u00abneuen\u00bb Liquidit\u00e4tsvorschriften auf die Retailbanken. In: Dietrich, A., Lengwiler, C., Passardi, P. &amp; Amrein, S. (Hrsg.) IFZ Retail Banking-Studie 2019, Zug, IFZ-Eigenverlag.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Finanzkrise hat die Bedeutung von Liquidit\u00e4tsrisiken bei Banken verdeutlicht. Im Nachgang zur Krise wurden deshalb vom Basler Ausschuss f\u00fcr Bankenaufsicht neue internationale Standards zur Liquidit\u00e4tshaltung von Banken entwickelt. Im folgenden Blog zeigen wir auf, wie teuer die Einf\u00fchrung f\u00fcr Schweizer Retail Banken war und welcher Institute besonders betroffen waren. 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