{"id":9553,"date":"2020-02-03T08:08:03","date_gmt":"2020-02-03T07:08:03","guid":{"rendered":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/?p=9553"},"modified":"2026-02-11T14:52:54","modified_gmt":"2026-02-11T13:52:54","slug":"best-practice-in-hypothekarprozessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/best-practice-in-hypothekarprozessen\/","title":{"rendered":"Best Practice in Hypothekarprozessen"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Die Hypothekarprozesse von Schweizer Retail Banken sind nach wie vor sehr heterogen und enthalten trotz einer Vielzahl von Digitalisierungsprojekten immer noch viele manuelle Arbeitsschritte. Im Rahmen des Projektes \u00abBest Practice in Hypothekarprozessen 2019\u00bb hat das Institut f\u00fcr Finanzdienstleistungen Zug IFZ zusammen mit verschiedenen Instituten untersucht, wie effizient die Prozesse heute schon sind, wo die \u00abpain points\u00bb liegen und wie Verbesserungen realisiert werden k\u00f6nnen. Konkret wurden die Prozesse der Neufinanzierung und der Verl\u00e4ngerung im Detail analysiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gesch\u00e4ftsf\u00e4lle wurden dabei zun\u00e4chst aufgrund der Risikobeurteilung in die drei Kategorien \u00abrisikolos\/gr\u00fcn\u00bb, \u00abmit Risiken\/orange\u00bb und \u00abzu hohe Risiken\/rot\u00bb und anschliessend aufgrund der Komplexit\u00e4t der Prozesse in die Kategorien \u00abstandard\u00bb, \u00abstandard +\u00bb und \u00abkomplex\u00bb unterteilt. Insgesamt ergab sich die folgende Verteilung:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2020\/02\/Abb1-Sourcing.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"811\" height=\"432\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2020\/02\/Abb1-Sourcing.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9727\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2020\/02\/Abb1-Sourcing.png 811w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2020\/02\/Abb1-Sourcing-300x160.png 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2020\/02\/Abb1-Sourcing-768x409.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 811px) 100vw, 811px\" \/><\/a><figcaption><em>Abbildung 1: Verteilung der Gesch\u00e4ftsf\u00e4lle von Neugesch\u00e4ften<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Risiko- und Prozesssituation weichen voneinander ab<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtet man zun\u00e4chst die H\u00e4ufigkeitsverteilung aus Risiko-Sicht, so f\u00e4llt auf, dass mehr als 70% der Gesch\u00e4ftsf\u00e4lle als risikolos eingestuft werden. Als risikolos resp. als Gesch\u00e4fte mit \u00e4usserst niedrigem Risiko werden dabei diejenigen Gesch\u00e4ftsf\u00e4lle beurteilt, bei denen Belehnung und Tragbarkeit sowie die ZEK-Infos in Ordnung sind, bei welchen die Kreditw\u00fcrdigkeit gegeben ist, wo das Wohneigentum im Gesch\u00e4ftsgebiet der Bank liegt und wo es sich um ein \u00abStandardobjekt\u00bb (im Gegensatz zu einem Luxusobjekt) handelt. Auf Basis dieser Kriterien kommt man zum Schluss, dass die teilnehmenden Institute aus der Risikoperspektive im Durchschnitt solide unterwegs sind. Es w\u00e4re deshalb zu erwarten, dass sich auch aus Prozess-Sicht ein \u00e4hnliches Bild ergeben m\u00fcsste. In der Realit\u00e4t weicht aber die Prozess-Sicht deutlich von der Risiko-Sicht ab. Mit andern Worten: Obwohl mit diesen Gesch\u00e4ftsf\u00e4llen oft keine, oder nur geringe Risiken verbunden sind, schaffen es die Institute nicht, diese als Standardf\u00e4lle abzuwickeln. Als Hauptkriterium f\u00fcr Standardf\u00e4lle wurde die Kompetenz des Kundenbetreuers, inkl. der Gew\u00e4hrung allf\u00e4lliger Sonderkonditionen (in einem definierten Rahmen) herangezogen. Daneben wurden weitere Kriterien wie etwa die Verwendung einer hedonischen Sch\u00e4tzung, die Finanzierung ausschliesslich mit Grundpfanddeckung und Gelder aus der S\u00e4ule 3a bei der eigenen Bank sowie vorhandenen, resp. neu zu errichtenden Schuldbriefen verwendet. Mit diesen Kriterien werden im Durchschnitt lediglich knapp 30 Prozent der Gesch\u00e4ftsf\u00e4lle als Standardf\u00e4lle abgewickelt.<br>Auch wenn man ber\u00fccksichtigt, dass die Komplexit\u00e4t der Gesch\u00e4ftsf\u00e4lle teilweise durch den Kunden resp. seine finanzielle Situation beeinflusst werden, hat die Analyse doch ergeben, dass die Banken mit ihren Weisungen und Kompetenzordnungen grosse Gestaltungsm\u00f6glichkeiten haben, welche die Effizienz massgeblich beeinflussen. Und die oben gezeigte Diskrepanz zwischen Risiko- und Prozesssicht zeigt auf, dass hier ein betr\u00e4chtliches Optimierungspotenzial besteht. Denn um das Hypothekargesch\u00e4ft effizient betreiben zu k\u00f6nnen, sollte der Anteil der Gesch\u00e4fte, die standardisiert abgewickelt werden k\u00f6nnen, etwa bei 2\/3 liegen. Zudem zeigt die Best-Practice, dass komplexe F\u00e4lle, welche einen deutlich erh\u00f6hten Aufwand mit sich bringen, nicht mehr als 10 Prozent der Hypothekar-Gesch\u00e4ftsf\u00e4lle einer Bank ausmachen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hohe Konversionsraten aber Prozessabbr\u00fcche erfolgen oft zu sp\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Weiteren hat die Analyse des IFZ ergeben, dass die Konversionsraten der teilnehmenden Institute, also der Anteil der Gesch\u00e4fte die zu einem Abschluss f\u00fchren, sowohl bei Verl\u00e4ngerungen wie auch beim Neugesch\u00e4ft relativ hoch ist. Bei Neugesch\u00e4ften kommt es bei den untersuchten Banken durchschnittlich in knapp f\u00fcnf von zehn Gesch\u00e4ftsf\u00e4llen zu einem Abschluss. Beim Bestandesgesch\u00e4ft liegt die Zahl erwartungsgem\u00e4ss nochmals deutlich h\u00f6her: Sie betr\u00e4gt im Durchschnitt gute 80 Prozent.<br>Prozessabbr\u00fcche sowohl beim Neu- als auch beim Bestandesgesch\u00e4ft werden mehrheitlich durch die Kunden initiiert und nur zu einem kleinen Teil durch die Bank. Es f\u00e4llt aber auf, dass Banken beispielsweise beim Neugesch\u00e4ft absolut mehr Abbr\u00fcche nach dem Zweitkontakt vornehmen als beim Erstkontakt. Aus wirtschaftlicher Optik hingegen w\u00e4re es w\u00fcnschenswert, einen Prozess, der nicht zu einem Gesch\u00e4ft f\u00fchrt, so fr\u00fch wie m\u00f6glich abzubrechen, um die Prozesskosten tief zu halten. Die Abbr\u00fcche durch die Kunden \u2013 oftmals aus Pricing-Gr\u00fcnden \u2013 erfolgen vielfach auch erst nach dem Zweitkontakt. Es erscheint deshalb zweckm\u00e4ssig, dass Banken das Thema Pricing auf grunds\u00e4tzlicher Ebene bereits im Erstgespr\u00e4ch thematisieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Grosse Unterscheide bei Bearbeitungszeiten und Best Practice<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weiteres Einsparpotenzial hat die Analyse im Bereich der Prozessautomatisierung geortet. Abbildung 2 verdeutlicht, dass in unserem Sample heute noch immer rund 40 Prozent der Prozesse vollst\u00e4ndig manuell abgewickelt werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2020\/01\/Abbildung-2-Best-practice-hypothekarkredit.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"522\" src=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2020\/01\/Abbildung-2-Best-practice-hypothekarkredit-1024x522.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9555\" srcset=\"https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2020\/01\/Abbildung-2-Best-practice-hypothekarkredit-1024x522.png 1024w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2020\/01\/Abbildung-2-Best-practice-hypothekarkredit-300x153.png 300w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2020\/01\/Abbildung-2-Best-practice-hypothekarkredit-768x391.png 768w, https:\/\/hub.hslu.ch\/retailbanking\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2020\/01\/Abbildung-2-Best-practice-hypothekarkredit.png 1091w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption><em>Abbildung 2: Automatisierungsgrad der Prozessschritte<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zwar setzen die untersuchten Banken g\u00e4ngige IT-Systeme ein, diese scheitern jedoch noch zu oft an Spezialf\u00e4llen und den daf\u00fcr erforderlichen individuellen L\u00f6sungen, was eine vollst\u00e4ndig automatisierte Kreditabwicklung verunm\u00f6glicht. Ziel der Banken muss es deshalb sein, in Zukunft auch komplexe Gesch\u00e4ftsf\u00e4lle praktisch vollst\u00e4ndig zu automatisieren. Voraussetzung daf\u00fcr sind jedoch IT-L\u00f6sungen, die in der Lage sind, individuelle L\u00f6sungen automatisiert abwickeln zu k\u00f6nnen.<br>Ein hoher manueller Aufwand f\u00fchrt automatisch zu h\u00f6heren Bearbeitungszeiten. Diese variieren in unserem Sample \u2013 aber auch im ganzen Markt \u2013 sehr stark. Das Institut mit der h\u00f6chsten Bearbeitungszeit ben\u00f6tigt heute rund drei Mal so lange f\u00fcr die Abwicklung eines Standard-Neugesch\u00e4fts wie das Institut mit der k\u00fcrzesten Bearbeitungszeit.<br>Als Best-Practice, f\u00fcr die Abwicklung eines Standard-Neugesch\u00e4ftes gelten heute f\u00fcr den End-to end Prozess drei bis vier Stunden. Aufgrund der doch immer wieder etwas unterschiedlichen Gesch\u00e4fte macht es unseres Erachtens wenig Sinn, hier eine genauere Angabe zu liefern. Hinzu kommt, dass f\u00fcr eine gute Kundenberatung allenfalls auch 10 Minuten mehr eingesetzt werden sollen und ein allzu tief angesetzter \u00abBest practice\u00bb Wert sich deshalb negativ auf die Qualit\u00e4t des Prozesses auswirken k\u00f6nnte. Eine einfache Verl\u00e4ngerung sollte gem\u00e4ss unserer Erkenntnis \u00a0in 10 bis 15 Minuten erledigt werden k\u00f6nnen.<br>Ob in der Schweizer Bankenwelt alle Institute in absehbarer Zeit diese Bestmarkten erreichen oder sich zumindest in \u00e4hnliche Bereiche verbessern werden, scheint uns nicht sicher. Vor dem Hintergrund der enger werdenden Margen m\u00fcssen sich aber alle Institute damit auseinandersetzen, zu welchen Kosten sie ihre Leistungen erbringen k\u00f6nnen. F\u00fcr das eine oder andere Institut d\u00fcrfte es deshalb zweckm\u00e4ssig sein, auch in der Kreditabwicklung die Sourcing-Option zu pr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der durchgef\u00fchrten Analyse und der genannten sowie weiterer Ergebnisse wurden die folgenden sechs \u00abBest practice\u00bb-Grunds\u00e4tze hergeleitet:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Anteil Standardgesch\u00e4fte: <\/strong>2\/3 der Gesch\u00e4ftsf\u00e4lle sollten im Standardprozess abgewickelt werden k\u00f6nnen.<\/li><li><strong>Prozessoptimierung: <\/strong>Nicht wertsch\u00f6pfende Elemente sind generell zu eliminieren. Entscheidungsprozesse und Abl\u00e4ufe sind so einfach wie m\u00f6glich zu halten. Kontrollen und Doppelspurigkeiten, welche die Risiken der Bank nicht oder kaum reduzieren, sollen weggelassen werden.<\/li><li><strong>Digitalisierung:<\/strong> Diese beinhaltet sowohl die weitestgehend automatisierte Prozessabwicklung, als auch eine vollst\u00e4ndige elektronische Dossier F\u00fchrung. Zudem umfasst sie auch die Integration von den im Prozess erforderlichen Services wie Risikorating des Kunden, Liegenschaftssch\u00e4tzung etc.<\/li><li><strong>Elektronisches Kundendossier: <\/strong>Hier ist auf eine nahtlose Integration in die elektronische Prozessf\u00fchrung zu achten.<\/li><li><strong>Papierloser End to End Prozess: <\/strong>Dieser beinhaltet auch die papierlose Vertragsvereinbarung.<\/li><li><strong>Sourcing Option: <\/strong>Sollte bei jeder Investition in den Hypothekarprozess gepr\u00fcft werden.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><em><strong>Im Rahmen der <a href=\"https:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/wirtschaft\/agenda\/veranstaltungen\/2020\/05\/06\/sourcing-konferenz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sourcing Konferenz vom 6. Mai 2020<\/a> wird die Kreditverarbeitung eines der behandelten Themen sein. Dort werden wir weitere Denkanst\u00f6sse zur Optimierung der Prozesse vermitteln. Es ist zudem vorgesehen, die Studie \u00abBest Practice in Hypothekarprozessen\u00bb auch in diesem Jahr durchzuf\u00fchren. Banken, welche Interesse haben, daran teilzunehmen, k\u00f6nnen sich unverbindlich bei <a href=\"&#x6d;&#x61;&#x69;&#x6c;&#x74;&#111;&#58;&#117;&#114;s&#46;b&#x6c;&#x61;&#x74;&#x74;&#x6d;&#x61;&#110;&#110;&#64;hsl&#x75;&#x2e;&#x63;&#x68;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dr. Urs Blattmann<\/a> melden.<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo stehen die Banken bez\u00fcglich Digitalisierung der Hypothekarprozesse?\u00a0 Wie hoch ist die Effizienz? Wie lange dauert eine \u00abbest practice\u00bb Neuer\u00f6ffnung oder Verl\u00e4ngerung? Wo liegen die Schwierigkeiten bei der Verbesserung der Prozesse? Diesen und vielen weiteren Fragen ist das Institut f\u00fcr Finanzdienstleistungen Zug IFZ im Rahmen einer Studie nachgegangen. 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