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Recap Smart-up X female founders luncheon – 1×1 der Finanzierung

Recap Smart-up X female founders luncheon – 1×1 der Finanzierung

Zum Abschluss der ersten Staffel der Smart-up X-female founders luncheons haben wir ein ganz wichtiges Thema adressiert: Die Finanzierung des eigenen Unternehmens. Marco Stutz, Investment Direktor und Vorstandsmitglied bei diversen Startups, bereicherte diesen Event mit seinen wertvollen Inputs. Was versteht man denn überhaupt unter dem Begriff «Venture Capital» und wann ist der richtige Zeitpunkt, um sich danach umzuschauen? Das und vieles mehr erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Marco Stutz ist seit 12 Jahren im Bereich der Unternehmensfinanzierung tätig und hat bereits über 50 Deals betreut. Von Unternehmern und deren Art, sich zu organisieren und kreativ zu werden, war er schon immer fasziniert. Bis er dann eines Tages auf einen Unternehmer stiess, der schon in über 100 Firmen investiert hatte. Für diesen Unternehmer kam er vor 12 Jahren in die Schweiz und stieg bei dessen Firma Mountain Partners ein. Zu Marcos Aufgabenbereich gehört, die jungen Firmen bei der Ideenfindung und der Erstellung des Businessplans zu unterstützen und ihnen im Anschluss mit dem ersten Venture Capital, der notwendigen rechtlichen und organisatorischen Struktur, bis zu den folgenden Finanzierungsrunden zu verhelfen.

Moment mal. Was ist Venture Capital denn überhaupt?
Wichtig zu wissen ist, dass du dich in einem ersten Schritt immer fragen musst, ob es überhaupt notwendig ist, Venture Capital aufzunehmen und dafür Anteile deines Unternehmens abzugeben. Vielleicht kannst du dich sogar selbst vorfinanzieren oder du erhältst Fördergelder einer Universität, aus dem öffentlichen Sektor oder eines Accelerator-Programms? Es wird aber wünschenswerterweise ein Zeitpunkt eintreffen, an dem dein Unternehmen wächst, du weitere Mitarbeiter einstellen musst, deine Umsätze vielleicht noch nicht ausreichen, um die Kosten zu tragen und du deinen Firmenbetrieb noch stärker füttern musst. Dir stehen viele Optionen zur Verfügung, beispielsweise:

• Ein Kredit (Fremdkapital), z.B. bei einer Bank aufzunehmen,
• Venture Capital (Eigenkapital) bei einem Investor aufnehmen.

Beim Venture Capital nimmst du Eigenkapital auf und gibst dafür Anteile deines eigenen Unternehmens ab. Du sollst darauf achten, dass du dir nicht nur Geld an Board holst, sondern auch die richtigen Personen (z.B. Business Angels), die gute Erfahrungen in der Unternehmensgründung mitbringen, dir Zugang zu ihrem Netzwerk verschaffen, die das Potenzial deiner Geschäftsidee gut einschätzen können und am besten auf deinen Unternehmensbereich spezialisiert sind und somit gute Kontakte mit ersten Kunden knüpfen können.

Gut, das habe ich nun verstanden. Aber wann frage ich nach Venture Capital? Wann ist der richtige Zeitpunkt dafür?

Wichtig ist: Mache dich und dein Business von Anfang an unübersehbar!

Es heisst also: Teilen, teilen, teilen und sich Feedback und Tipps von Investoren sowie auch von Freunden und der Familie einholen! Damit erhältst du sehr schnell ein Gespür dafür, worauf potentielle Investoren achten und was ihnen bei deiner Geschäftsidee noch fehlt. Des Weiteren merkst du dadurch sehr schnell, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, nach Venture Capital zu fragen und wie viel Geld du aufnehmen solltest. Wenn ein Investor beispielsweise fragt, wieso du denn nur nach CHF 500’000 fragst, wirst du deine Summe wohl erhöhen müssen. Das kann verschiedene Ursachen haben, entweder hast du bereits starken Wettbewerb, gegen den du dich durchsetzen musst oder es müssen Prozesse finanziert werden, die einfach teuer sind, bspw. Produktion, Lagerhaltung und Logistik bei physischen Produkten.

Dein Unternehmen muss zum Zeitpunkt der Präsentation noch nicht unbedingt profitabel sein. Auf jeden Fall solltest du dem Investor aufzeigen können, wie du in Zukunft Geld verdienen willst und welchen Plan du verfolgst um auf ein profitables Geschäftsmodell umzustellen. Der Investor möchte auch sehen, dass dein Team dazu in der Lage ist, die Geschäftsidee umzusetzen und schnelles sowie profitables Wachstum zu betreiben. Das nennt man Skalierung und ist Venture Capital-Gebern sehr wichtig. Du solltest also alle nötigen Kompetenzen in deinem Team abdecken.

Es kommt aber natürlich auch ganz darauf an, in welchem Stadium ein Investor in Unternehmen investiert. Bei der Firma Mountain Partners beispielsweise sind viele Cases am Anfang noch nicht profitabel, da sie in einem sehr frühen Stadium investieren. Der Weg zur Profitabilität muss sich in den ersten 12 bis 24 Monaten zeigen. Interessant ist auch, dass bei 95% der Fälle das Geschäftsmodell noch mindestens zwei bis drei Mal angepasst wurde. Das bedeutet, dass der erste Case, den das Team vorgestellt hatte, nicht unbedingt der Case war, mit dem sie schlussendlich erfolgreich wurden.

Aber wie berechne ich, wie viel Venture Capital ich benötige? Das kann ich doch nicht einfach «spüren»?

Investoren sprechen gerne von einem Business Plan, wobei mir persönlich viel wichtiger ist, keinen ausführlichen Text zu lesen, sondern den dahinterliegenden Finanzplan zu verstehen. Mit folgenden Annahmen solltest du die Planung angehen:
• Für eine Kostenplanung, nimm den Worst Case an und rechne ohne Einnahmen/Umsätze, denn diese sind teilweise sehr schwer einzuschätzen.
• In einem nächsten Schritt sollst du eine Zeitperiode festlegen, für welche die Summe der Finanzierungsrunde ausreichen sollte. Marco empfiehlt, mit 12-18 Monaten zu rechnen.
• Schaue dir nun all deine Ressourcen an. Wie viel Geld brauchst du in diesen 12-18 Monaten? Beispiele für Ressourcen sind: Gehälter, ein Anwalt, Gründungskosten, Büromiete, CRM-System usw.
• Definiere in einem nächsten Schritt deine KPI’s. Welche Performance ist für dein spezifisches Geschäftsmodell relevant?

Sehr gut, dann weiss ich nun, wie ich die Summe einer Finanzierungsrunde berechne. Doch welche Finanzierungsrunden gibt es? Und wie zeichnen sich diese aus?

Vor der ersten Finanzierungsrunde solltest du CHF 25’000 bis CHF 50’000 in dein Unternehmen investiert haben. Wie bereits oben erwähnt finanzierst du dies entweder selbst oder mit den Fördergeldern einer Universität oder eines Accelerator Programms – und es muss ja nicht immer alles in «Cash» sein.

Pre-Seed: Du hast eine gute Idee und diese Idee getestet, indem du erste Umfragen auf dem Markt gemacht hast? Dann befindest du dich gerade in der Pre-Seed-Phase. Mit dem Geld, das du in dieser Phase erhältst, solltest du innerhalb von drei Monaten mit deinem Produkt oder deinem Service an den Markt gehen und dein Produkt mit sogenannten «Pilot-Kunden» testen. In dieser Phase versuchst du, eine erste Transaktion abzuschliessen.
Seed-Phase: Wenn dein Produkt oder dein Service funktioniert und du erste Kunden hast, befindest du dich in der Seed-Phase. Die nächsten CHF 300’000 bis CHF 500’000 werden dafür eingesetzt, das Produkt in den nächsten 12 Monaten zu professionalisieren und eine Kundenmindestanzahl sowie stabile Umsatzvorausschau zu erreichen.
Series A: Du kannst nachweisen, dass dein Konzept/deine Technologie/dein Produkt funktioniert und es wollen immer mehr Kunden davon profitieren? Dann befindest du dich in der Series A-Phase. Das Geld dieser Finanzierungsrunde wird dafür eingesetzt, das anfängliche Wachstum noch zu verstärken. Ein Beispiel hierfür wäre, dass du dein Produkt in neue Märkte einführst oder an weitere Kundengruppen verkaufst.

Nachfolgend gibt es noch die Finanzierungsrunden Series B, C, D usw.. Auf diese gehen wir in diesem Blogbeitrag nicht weiter ein.

Was erwartet ein Investor von meinem Pitch? Wie soll mein Pitch-Deck aussehen?

Dein Pitch-Deck sollte einen Umfang von ca. 20 Seiten haben. Die Präsentation zu Deiner Idee und Deinem Unternehmen ist wie eine Bewerbung. Die Qualität muss auf jeden Fall stimmen (kein berühmter Kaffee-Fleck!), achte auf das Design und ermögliche dem Investor den Zugang zu allen möglichen Informationen. Versuche auch, durch ein warmes Intro an Investoren zu gelangen, beispielsweise durch eine persönliche Nachricht auf LinkedIn und noch besser durch eine Vorstellung. Die info@ E-Mail-Adresse schauen sich die Investoren zwar an, damit erfolgreich zu sein ist allerdings sehr unwahrscheinlich.

Auch der Inhalt deines Pitch-Decks ist wichtig. Folgendes sollte enthalten sein:
• Das Problem und deine Lösung (Produkt/Service)
• Geschäftsmodell: wie verdienst du Geld?
• Der Markt und deine Konkurrenten
• Dein Team

Zum Schluss möchte dir Marco noch einen wichtigen Tipp mit auf den Weg geben:
• Schaue dich im Internet nach Pitch-Decks von erfolgreichen Firmen um und orientiere dich an diesen!

Autorin: Leonie Stöcklin, Sandborn

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