30. Januar 2026

Smart-up Portraits

Cyclos Research AG: Der Weg zum Asset Deal

Ein junges Team, eine tiefe Faszination für Marktmechanismen und das Ziel, datenbasiert Erkenntnisse zu gewinnen. Die Geschichte von Cyclos Research AG zeigt, wie sich aus technischer Neugier eine marktreife Software entwickelte. Im Interview erzählt Mitgründer Luka Micic von den Anfängen, den Herausforderungen und dem erfolgreichen Verkauf der Software.

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Cyclos Research AG: Der Weg zum Asset Deal

Was macht die Cyclos Research AG?
Cyclos Research AG ist ein Fintech-Start-up, das als Team von 6 Personen eine quantitative Software zur Analyse von Finanzmärkten entwickelt hat. Das System verarbeitet über 90 Prozent aller Marktaktivitäten innerhalb von 13 Mikrosekunden und identifiziert dabei Ineffizienzen. Ineffizienzen entstehen, wenn der Marktpreis eines Wertpapiers kurzfristig von seinem tatsächlichen Wert abweicht, etwa durch geringe Liquidität oder Informationsasymmetrien. Die Software von Cyclos Research erkennt solche Abweichungen, indem sie Hochfrequenzdaten (Messungen in sehr kurzen Zeitintervallen) erfasst und systematisch auswertet. Zum Vergleich: Ein Augenblinzeln dauert rund 150 Millisekunden und ist damit etwa 11’500-mal langsamer. Ende 2025 wurde die Software im Rahmen eines Asset Deals von einem institutionellen Finanzunternehmen übernommen.

Wie wurde aus gemeinsamen Interessen ein Unternehmen?
Luka Micic und sein Mitgründer Aravinth Suntharalingam kennen sich seit ihrer Schulzeit. Beide verbindet ein gemeinsames Interesse an Finanzmärkten, Daten und Mathematik. Aravinth verantwortet den technischen und quantitativen Bereich, während Luka für die Organisation und die finanziellen Themen zuständig ist. Aus dem zunächst als Infrastrukturprojekt konzipierten Vorhaben entwickelte sich ein eigenständiges Unternehmen. Cyclos Research wurde als Aktiengesellschaft gegründet und unter anderem von Benjamin Koch, Präsident des Wirtschaftsverbands Stadt Luzern, als Mentor begleitet.

Was ist die Idee hinter Cyclos Research?
Der Ursprung von Cyclos Research reicht bis Ende 2020 zurück. Bereits früh begannen die Gründer mit dem Aufbau einer eigenen Infrastruktur zur Erfassung, Verarbeitung und Speicherung hochfrequenter Marktdaten in Echtzeit. Ziel war es nicht, Preise vorherzusagen, sondern Marktineffizienzen sichtbar zu machen und Marktaktivitäten möglichst mechanisch und schnell abzubilden. Die Software analysiert dafür unter anderem Auftragsbuchdaten, Marktpreise und Handelsvolumen und liefert so detaillierte Einblicke in die Entstehung von Preisen, die insbesondere für institutionelle Investoren und die akademische Forschung von grossem Wert sind.

Wie beeinflussten Datenbasis und Skalierung die Weiterentwicklung?
Die Verarbeitung grosser Datenmengen machte eine Anpassung der technischen Architektur notwendig. In diesem Zuge erfolgte der Wechsel von Python zu Rust, um Performance und Skalierbarkeit sicherzustellen. Zugleich zeigte sich, dass der ressourcenintensive Betrieb einer noch nicht ausreichend skalierbaren Monetarisierung gegenüberstand, wodurch die langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit in den Fokus rückte. In dieser Phase begann Cyclos Research, Gespräche mit Investor:innen und strategischen Partner:innen zu führen. Dabei zeigte sich, dass die Software für grössere Marktteilnehmer:innen einen erheblichen strategischen Wert besitzt, insbesondere für Unternehmen, die selbst im Bereich Machine Learning und Marktanalyse tätig sind.

Wie kam es zum Asset Deal?
Aus ersten Gesprächen entwickelte sich schliesslich die Möglichkeit eines Verkaufs. Ein Interessent stand vor der Entscheidung, eine eigene Infrastruktur aufzubauen oder eine bestehende Lösung zu übernehmen. Die Wahl fiel auf den Kauf der Software von Cyclos Research.
Der Verkauf erfolgte über einen Asset Deal. Dabei wurden die Software sowie die entsprechenden Nutzungsrechte übertragen, nicht jedoch die gesamte Firma. Die Aktiengesellschaft, der Name und weitere Strukturen bleiben im Besitz der Gründer. Dieses Vorgehen vereinfachte den Prozess und reduzierte rechtliche Risiken.

Was waren die zentralen Learnings?
Ein zentrales Learning für Luka war, Verantwortung gezielt abzugeben und sich stärker auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. Unterstützung dort anzunehmen, wo andere mehr Erfahrung oder Expertise einbringen, erwies sich dabei als entscheidend. Nachhaltiger Erfolg entsteht aus dieser Perspektive selten im Alleingang, sondern im Zusammenspiel eines engagierten Teams und klarer, konsequent umgesetzter Entscheidungen.

Was bleibt und was folgt?
Heute blicken Luka Micic und sein Team mit Stolz auf das Erreichte zurück. Das gesamte Team wurde am Verkauf beteiligt und die Mitarbeitenden sind mindestens noch ein Jahr lang angestellt. Für Luka persönlich stehen der Abschluss seines Bachelorstudiums und möglicherweise ein Master an. Unternehmerisch bleibt die Neugier gross: Research, neue Ideen und weitere Projekte sind bereits in Gedanken, auch wenn noch nichts Konkretes entschieden ist.
Über den persönlichen Ausblick hinaus zeigt die Geschichte der Cyclos Research AG vor allem eines: Abkürzungen gibt es nicht. Der Aufbau eines Start-ups erfordert Ausdauer, einen klaren Fokus und die Bereitschaft, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig war es für Luka immer wieder motivierend zu sehen, wie aus einer eigenen Idee ein Produkt entsteht, das für andere tatsächlich einen Mehrwert schafft.

3 weitere Fragen:

  1. Arbeitet ihr oft am Wochenende?
    Aravinth und Ich arbeiten nicht nach der Uhr, damit auch am Wochenende. Grundsätzlich ist das für uns keine Belastung, wir leben, was wir tun. Ich sehe es mehr als Rhythmus. Manche Wochenenden sind intensiv, andere entspannt.

 

  1. Was sind eure liebsten Teambuilding-Aktivitäten?
    Teambuilding entsteht oft durch einfache Dinge: Gutes Essen, Kaffee trinken, ehrliche Gespräche fern von KPI’s. Das Highlight war aber unser erster Teamausflug im Oktober nach Süditalien, Sonne inklusive.

 

  1. Was bringt euch so richtig auf die Palme?
    Negativität ist ansteckend. Ständiges jammern zerstört jedes Team, egal wie gut die Idee ist.

Wir gratulieren Cyclos Research AG herzlich zu diesem starken Meilenstein und sind gespannt auf die nächsten Schritte!

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