{"id":1259,"date":"2016-08-24T09:47:05","date_gmt":"2016-08-24T07:47:05","guid":{"rendered":"https:\/\/hslu-soziale-arbeit.test\/?p=296"},"modified":"2026-01-21T15:20:15","modified_gmt":"2026-01-21T14:20:15","slug":"ich-kann-es-mir-nicht-erlauben-schlecht-ueber-meine-arbeit-zu-sprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hub.hslu.ch\/soziale-arbeit\/ich-kann-es-mir-nicht-erlauben-schlecht-ueber-meine-arbeit-zu-sprechen\/","title":{"rendered":"\u00abIch kann es mir nicht erlauben, schlecht \u00fcber meine Arbeit zu sprechen\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p>Eylem Demirci \u2013 Beraterin der Fachstelle Migration Zug, Ethnologin und Aktivistin \u2013 brachte es in ihrem Referat auf den Punkt: \u00abIntegration beginnt mit Partizipation und der M\u00f6glichkeit, gemeinsam etwas zu gestalten.\u00bb Die Soziale Arbeit ist aufgefordert, Partizipation auf Augenh\u00f6he zu leben und sich daf\u00fcr einzusetzen, dass Migrantinnen und Migranten aktiv mitwirken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Stand der in der Schweiz lebenden Migrantinnen und Migranten entspricht dem der Schweizer Frauen vor 1991 \u2013 bevor das Frauenstimmrecht eingef\u00fchrt wurde. Es kann nicht sein, dass Zuwanderinnen und Zuwanderer mit ihrer Arbeitskraft die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes vorantreiben und gleichzeitig von soziokulturellen und politischen Fragen ausgeschlossen sind. Wo bleibt die Umsetzung des Konzeptes der <a href=\"https:\/\/www.ekm.admin.ch\/ekm\/de\/home\/projekte\/citoyen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Citoyennet\u00e9<\/a>? Wer hier lebt soll hier mitbestimmen und nicht (wie in vielen Deutschschweizer St\u00e4dten und Kantonen) maximal in einem \u00abAusl\u00e4nderbeirat\u00bb angeh\u00f6rt werden, ohne je aktiv mitentscheiden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eindr\u00fccklich schildert dies eine Frau in einem Interview in einer Videoproduktion, welche im Bachelor-Modul \u00abKultur und kulturelle Vermittlung\u00bb zum Tagungsthema produziert wurde. Die Frau erz\u00e4hlt, dass sie als Ausl\u00e4nderin nie schlecht \u00fcber ihre Arbeit sprechen d\u00fcrfe. Im Vergleich einer neu publizierten Studie: Wir Schweizerinnen und Schweizer l\u00e4stern jedoch bis zu vier Stunden w\u00f6chentlich \u00fcber unsere Vorgesetzten. Aber als Migrantin kann sich diese Frau das nicht leisten. Sie muss immer ihre Dankbarkeit, dass sie hier leben und arbeiten darf, in den Vordergrund stellen. Dies ist auch der Grund, weshalb wir diese Videoarbeit hier nicht online stellen. Die Angst der Protagonistinnen und Protagonisten vor Repressionen war zu gross.<\/p>\n\n\n\n<p>Angst bzw. \u00c4ngste stellen ein verbindendes Thema zwischen Migrantinnen wie auch Migranten und Schweizerinnen sowie Schweizern dar. Die Angst vor \u00dcberfremdung, vor dem Verlust der eigenen Position in der Gesellschaft steht den \u00c4ngsten des pl\u00f6tzlichen nicht-mehr-geduldet-Werdens gegen\u00fcber. Doch in einem Klima der Angst ist es kaum m\u00f6glich, sich kreativ und innovativ einzubringen und sich selbst und das Land weiter zu entwickeln. Wir, die schweizerische Gesellschaft als Ganzes, m\u00fcssen uns von einer solchen Angstkultur befreien, damit das Know-how und die vielen Ressourcen jedes und jeder Einzelnen Fr\u00fcchte tragen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein junger Migrant berichtete im abschliessenden Podiumsgespr\u00e4ch, dass er w\u00e4hrend seiner Schulzeit jahrelang ausgegrenzt und als Ausl\u00e4nder stigmatisiert wurde. Erst die Hip-Hop-Kultur habe ihn \u00abgerettet\u00bb. Er wurde mit seinem K\u00fcnstlernamen nicht mehr als Ausl\u00e4nder wahrgenommen wurde, sondern als einer von vielen coolen Jungs, die das das Rappen beherrschen. Dies erinnerte mich an einen lesenswerten Artikel <a href=\"http:\/\/forschungsjournal.de\/sites\/default\/files\/downloads\/fjsb_2011-3_munsch.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abEngagement und Ausgrenzung \u2013 theoretische Zug\u00e4nge zur Kl\u00e4rung eines ambivalenten Verh\u00e4ltnisses\u00bb von Chantal Munsch<\/a>. In dem sie u.a. am Beispiel der Rapkultur beschreibt, wie wichtig es sei, genau hinzuh\u00f6ren welche Themen die Menschen besch\u00e4ftigen und ihnen dann auch eine Plattform zu bieten, diese in den politischen Raum zu transferieren. Denn auch solche jugendkulturelle Engagements sind Ausdruck von Partizipation und Mitsprache und sollte von der Mehrheitsgesellschaft entsprechend aufgenommen werden. Dazu geh\u00f6rt die i.slam Bewegung \u2013 es lohnt sich, hinzuh\u00f6ren, welche (Alltags-)Geschichten junge Musliminnen und Muslime in ihren <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0cgK6Ia9Njg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">i.Slams<\/a> be- und verarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sind die W\u00fcnsche von Migrantinnen und Migranten? In einem zweiten Videoprojekt \u00abMein Wunsch\u00bb tastete sich eine Gruppe an das Thema heran und interviewte vier Migrantinnen und Migranten und setzten diese eindr\u00fccklich in Szene. Es sind dieselben W\u00fcnsche nach Anerkennung, Liebe und (beruflicher) Entfaltung, die auch wir Schweizerinnen und Schweizer hegen. Um die Teilhabe der Migrantinnen und Migranten zu st\u00e4rken, braucht es auf der politischen Ebene einen Kulturwandel. Aber auch die Soziokulturelle Animation ist aufgefordert, sich daran zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Videoprojekt im Rahmen des Bachelor-Moduls \u00abKultur und kulturelle Vermittlung\u00bb bei Reto St\u00e4heli\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/aTpbF3ezNsk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Katharina Barandun, Siedlungssozialarbeiterin, hat dies in ihrem Projekt zum Thema <a href=\"https:\/\/www.socialnet.de\/rezensionen\/13387.php\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abZusammenleben in multikulturellen Siedlungen\u00bb<\/a> vorbildlich aufgezeigt. Sie ist von T\u00fcr zu T\u00fcr gegangen, hat sich f\u00fcr das Leben der Menschen interessiert und sie eingeladen, sich einzubringen, um gemeinsam das Zusammenleben in der Siedlung zu gestalten. Dank dieser pers\u00f6nlichen Einladung und dem Vertrauen, das aufgebaut wurde, haben sich viele Menschen aktiv an der Gestaltung der Siedlung beteiligt. V\u00e4tertreffs wurden aufgebaut, Kinderspielnachmittage, Frauensportkurse sowie gemeinsame Gr\u00fcnfl\u00e4chen-Putzaktionen. Wollen wir Integration, m\u00fcssen wir Migrantinnen und Migranten einbeziehen. Dies beginnt damit, dass wir einen Schritt auf sie zugehen und sie einladen, sich einzubringen. Die neusten Resultate des <a href=\"http:\/\/sgg-ssup.ch\/de\/freiwilligenmonitor\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Freiwilligenmonitors 2016<\/a> zeigen unter anderem klar auf, dass viele \u2013 vor allem \u00e4ltere Migrantinnen und Migranten\u2013 Lust und Kapazit\u00e4t h\u00e4tten, zivilgesellschaftlich zu&nbsp;partizipieren. Nutzen wir diese Ressourcen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegenw\u00e4rtig sind es gut zwei Millionen Menschen, die in der Schweiz Heimat gefunden haben und in ihren Mitwirkungsrechten dennoch stark eingeschr\u00e4nkt sind. Deshalb haben Dozierende und Studierende der Soziokulturellen Animation eine spannende Tagung zum Thema \u00abTeilhabe von Migrantinnen und Migranten\u00bb organisiert. 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