Baukultur und Bauen im Bestand,
Gesundheitstechnologien und Komfort
Wie lassen sich menschliche Bedürfnisse wissenschaftlich fundiert in Architektur und Innenarchitektur übersetzen? Die Humanwissenschaftliche Qualitätsanalyse (HQA) zeigt, wie Räume auf acht Ebenen wirken – und hilft, die Planung zu verbessern.
Eine gut gestaltete Umgebung unterstützt die Gesundheit. Der gebaute Siedlungsraum muss darum den Bedürfnissen der Bewohner:innen gerecht werden. In der Praxis stützen sich Planungsprozesse häufig auf:
Diese Instrumente sind wichtig, weil sie Perspektiven sichtbar machen und den Dialog fördern. Dennoch greifen sie zu kurz, schreiben Selina Lutz und Elke Reitmayer im Buch Empathic Spaces (transcript Verlag, OpenAcess). Ihr Beitrag handelt von «Humanwissenschaftlichen Methoden zur Festlegung von Qualitäten gebauter Umwelt».
Das Problem: Ein grosser Teil menschlicher Bedürfnisse ist unbewusst und lässt sich allein durch Befragungen nicht zuverlässig erfassen. Menschen können ihre grundlegenden Anforderungen an Sicherheit, Orientierung oder Erholung oftmals nicht klar benennen. Hier spielt das Wissen aus Langzeitstudien eine wichtige Rolle. So können insbesondere Bedürfnisse in die Planung von Räumen miteinbezogen werden, wenn zukünftige Nutzer:innen noch nicht bekannt sind oder Räume für wechselnde Personengruppen konzipiert werden.
«Bedürfnisorientierte Planung darf sich nicht nur auf subjektives Empfinden, Intuition oder Vorlieben stützen. Sie muss wissenschaftlich fundiert erfolgen», findet die Expertin für Wohn- und Architekturpsychologie Selina Lutz. Sie forscht und lehrt an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur und plädieren für eine evidenzbasierte Planung von Räumen, Gebäuden, Städten und allem dazwischen.

Ein mögliches Tool dazu: die Humanwissenschaftliche Qualitätsanalyse (HQA). Sie ist ein Bewertungsinstrument mit dem Ziel, die Qualität eines Gebäudes für den Mensch zu untersuchen. Also strukturiert der Frage nachzugehen: Wie gut unterstützt ein Raum grundlegende menschliche Bedürfnisse? Die HQA basiert auf Erkenntnissen aus Architektur- und Umweltpsychologie, Gesundheitsforschung und Wahrnehmungspsychologie. Sie kann sowohl im Entwurfsprozess als auch bei bestehenden Gebäuden angewendet werden. Planende erhalten damit eine systematische Entscheidungsgrundlage für ihre räumliche Planung.
Die HQA unterscheidet acht Wirkungsebenen, über die Räume auf Menschen einwirken:
Die praktische Anwendung der HQA zeigt, dass sie hilft, einen bestimmten Bereich systematisch zu untersuchen und die Bedürfnisse hinter geäusserten Wünschen zu erkennen. Im Planungsprozess eröffnet sie neue Perspektiven auf das menschliche Erleben von Raum. Dabei ist wichtig, dass die Analyse von Personen mit ausreichend Fachwissen ausgewertet und in die Planungspraxis übertragen wird.
Gleichzeitig darf die Methode nicht als allgemein gültige Lösung verstanden werden. Kulturelle Unterschiede oder spezielle Bedürfnisse von Menschen (z.B. mit Erkrankungen) lassen sich nicht umfassend und allein mit der HQA abdecken.
Klar ist: Partizipative Verfahren spielen weiterhin eine zentrale Rolle. Wenn zukünftige Bewohner:innen in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, können sie ihre individuellen Wünsche einbringen und aktiv an der Gestaltung ihres Lebensraums mitwirken. «Wir empfehlen auch die Methoden anderer Fachdisziplinen – wie beispielsweise unterschiedliche Messmethoden aus den Neurowissenschaften oder Stressforschung – in die Planung von Lebensräumen zu integrieren», sagt Selina Lutz.

Im Zusammenspiel mit wissenschaftlicher Analyse wie der HQA und fachlicher Expertise entstehen so nachhaltige und tragfähige Ergebnisse für einen gebauten Siedlungsraum, der gesund macht.
In einem aktuellen Projekt beschäftigen sich Forschende der HSLU – T&A und HSLU – SA mit unterschiedlichen Messmethoden wie Humansensorik, um die Gesundheit im gebauten Lebensraum präventiv fördern zu können.
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