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Wenn Städte zu Hitzeinseln werden

Im Februar 2027 startet das CAS Stadtklima in die zweite Runde. Warum diese Weiterbildung gerade jetzt entscheidend ist – und weshalb es dringend mehr Fachpersonen braucht – erklärt Programmleiter Roger Gmünder.

Wenn Städte zu Hitzeinseln werden

Herr Gmünder, was passiert aktuell mit dem Stadtklima?

Das Stadtklima verändert sich rasant. Ohne Gegenmassnahmen bleiben Städte Hitzeinseln – mit spürbaren Folgen für Lebensqualität und Gesundheit. Hitze ist eines der grössten Umweltprobleme in Schweizer Städten.

Von wem kam die Idee, ein CAS in diesem Bereich anzubieten?

Der Impuls kam von Veronika Sutter, Projektleiterin Klimaanpassung der Stadt Zürich. Sie trat mit dem klaren Anliegen an die Hochschule Luzern heran, eine gezielte Weiterbildung für Fachkräfte im Bereich Stadtklima aufzubauen. Wir zeigen im CAS konkret, wie sich mit den richtigen Materialien, Pflanzen und Schwammstadt-Prinzipien wirksame Lösungen entwickeln lassen – von der Planung bis zur Umsetzung.

Der Bedarf ist enorm – es fehlt an Fachwissen in praktisch allen Bereichen. Da wir am Institut für Gebäudetechnik und Energie intensiv zu diesem Thema forschen und bereits ein eigenes Simulationsmodell entwickelt haben, war schnell klar: Hier können wir zusammen mit externen Partnern und Referentinnen einen konkreten Beitrag leisten. Mittlerweile ist das CAS breit abgestützt – neben der Stadt Zürich engagieren sich auch der SIA, die Kantone Basel-Stadt und Zürich, die Stadt Luzern, der VSA sowie das BAFU.

Hitze ist eines der gavierendsten Umweltprobleme in der Stadt.

Was macht dieses CAS einzigartig im Vergleich zu anderen Weiterbildungen?

In dieser Form gibt es das Angebot bislang nicht – vor allem nicht so kompakt und praxisnah.

Wir verbinden drei zentrale Perspektiven:

  • Grüne Massnahmen (Vegetation, Begrünung),
  • Blaue Massnahmen (Wasser, Schwammstadt-Prinzipien),
  • Graue Massnahmen (bauliche und infrastrukturelle Lösungen).

Entscheidend ist für mich: Unsere Dozierenden kommen direkt aus der Praxis. Sie vermitteln nicht nur Theorie, sondern zeigen konkret, welche Massnahmen wann sinnvoll sind – und wie sie effizient umgesetzt werden. Die Vermittlung geschieht aber auch auf übergeordneter, planerischer Ebene. Zusammen mit dem SIA und dem VSA zeigen wir hier Wege und Prozesse auf, welche für die nachfolgenden, konkreten Massnahmen vorspuren.

Grüne Massnahmen zur Hitzeminderung, die den lokalen Lebensraum aufwerten.

Was nehmen die Teilnehmenden konkret aus dem CAS mit?

Sie lernen, wirksame Massnahmenpakete für ein besseres Stadtklima zu entwickeln – abgestimmt auf reale Situationen. Gleichzeitig erwerben sie die Fähigkeit, bestehende Konzepte kritisch zu beurteilen oder gezielt einzukaufen. Kurz gesagt: Sie werden handlungsfähig.

An wen richtet sich das CAS?

Eigentlich an alle, die unsere Städte mitgestalten: von Gemeinderät:innen über Stadtplaner:innen und Landschaftsarchitekt:innen bis hin zu Tiefbauingenieur:innen. Denn eines betrifft uns alle: steigende Temperaturen in urbanen Räumen. Wer Lösungen sucht, braucht fundiertes Wissen – genau das vermittelt dieser Kurs gezielt zu diesem Thema. Unser Anspruch ist, einen umfassenden und aktuellen Wissensstand für unterschiedliche Disziplinen zu schaffen.

Wenn unterschiedliche Fachrichtungen zusammenkommen, entstehen neue Perspektiven – und genau das spürt man im Unterricht.

Sie betonen die Bedeutung einer durchmischten Teilnehmerschaft. Warum?

Weil die besten Lösungen an Schnittstellen entstehen. Wenn unterschiedliche Fachrichtungen zusammenkommen, entstehen neue Perspektiven – und genau das spürt man im Unterricht. Die Diskussionen sind lebendig, überraschend und oft sehr inspirierend.

Ein weiterer grosser Mehrwert ist das Netzwerk: Die Teilnehmenden bauen sich ein starkes, interdisziplinäres Netzwerk im Bereich Stadtklima auf, das sie weit über den Kurs hinaus begleitet.

Exkursion im Rahmen des CAS.

Was ist neu in der kommenden Durchführung 2027?

Das Feedback zur ersten Durchführung war sehr positiv – dennoch entwickeln wir das Programm gezielt weiter. Wir bauen insbesondere die Inhalte zu grünen und blauen Massnahmen aus. Zudem erweitern wir den Input zu unserem Quartierklimamodell (QKM), das auf grosses Interesse gestossen ist. Das QKM ist ein Computer-Simulationsprogramm mit dem Anspruch, ohne stundenlange Rechenleistung verlässlich aufzuzeigen, wie sich Gestaltungsmassnahmen auf das Quartierklima auswirken werden.

Unser Anspruch bleibt: inhaltlich am Puls der Zeit zu sein und aktuelle Entwicklungen direkt in die Weiterbildung einfliessen zu lassen.

Hier gibt’s mehr Infos zur Weiterbildung:

CAS Stadtklima
Start: 22. Februar 2027

Online-Infoveranstaltung am 10. Juni ->Hier anmelden!


Roger Gmünder
erlangte an der ETH in Zürich 1996 den Master in Umweltnaturwissenschaften (System: Aquatische Biologie, Nebenfach Energieökonomie). Seit 2017 leitet er am Institut für Gebäudetechnik und Energie die Weiterbildung. Im IGE etabliert er zusammen mit Kollegen und Kolleginnen Weiterbildungen in Form von Kursen und CAS (Certificate of Advanced Studies) im Bereich Energie und Nachhaltigkeit beim Bauen.

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