Forschung und Entwicklung,

Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz

Hindernisse und Geschäftsmodelle für kreislauffähige Gebäudetechnik

Konkrete Massnahmen, Checklisten und Beispiele aus der Praxis: Eine neue Wegleitung der Hochschule Luzern und suissetec zeigt, wie die Branche zirkuläre Anlagen und Systeme entwickelt.

Hindernisse und Geschäftsmodelle für kreislauffähige Gebäudetechnik

Die Herstellung gebäudetechnischer Anlagen erfordert eine Vielzahl von wertvollen Ressourcen: So werden beispielsweise metallische Rohstoffe u.a. für Rohrleitungen, Legierungen, Armaturen oder elektrische Komponenten verwendet, oder Kunststoffe u.a. für Isolationsmaterialien, Dämmstoffe, Rohre oder Verkleidungen. Viele der eingesetzten Rohstoffe sind dabei endlich, weshalb wir darauf achten sollten, diese möglichst lang im Kreislauf zu halten.

Im Auftrag von suissetec hat das Institut für Gebäudetechnik und Energie der HSLU – T&A eine Wegleitung erarbeitet, die die Integration von Kreislaufwirtschaft in der Gebäudetechnik anhand konkreter Massnahmen, Checklisten und Projektbeispiele thematisiert. Die Wegleitung zeigt anhand der 10 R’s der Kreislaufwirtschaft auf, wie gebäudetechnische Systeme künftig flexibler, langlebiger und rückbaubar geplant werden können.

Zentrale Herausforderungen für Reuse in der Gebäudetechnik

Gerade für die Wiederverwendung von Bauteilen gibt es noch viele Herausforderungen, die ebenfalls in der Wegleitung thematisiert werden. Diese sind:

  • Dimensionierung: Gebäudetechnische Anlagen sind oft objektspezifisch geplant und lassen sich deshalb nur schwer ohne Anpassungen in anderen Gebäuden wiederverwenden.
  • Qualität der Elemente: Wiederverwendbare Anlagen und Bauteile müssen auf Verschleiss, Effizienz, Funktionalität und Sicherheit geprüft und bei Bedarf aufbereitet werden.
  • Technologischer Fortschritt: Bestehende Anlagen können durch neue Technologien und höhere Effizienzanforderungen schnell veralten und müssen vor dem Wiedereinbau auf ihre Aktualität geprüft werden.
  • Gesetzliche Vorgaben und Normen: Hohe Anforderungen an Energieeffizienz, Hygiene, Schall, Sicherheit und Ausführung können die Wiederverwendung gebäudetechnischer Anlagen erschweren.
  • Garantie und Haftung: Beim Einsatz gebrauchter Anlagen bestehen Unsicherheiten bezüglich Verantwortung, Garantie und Haftung, weshalb klare Prüfungen, Dokumentationen und vertragliche Regelungen nötig sind.
  • Fehlende Dokumentation: Unvollständige Informationen zu verbauten Materialien, Anlagen, Wartung und Zustand erschweren die Suche und Bewertung wiederverwendbarer Komponenten.
  • Demontierbarkeit: Anlagen und Bauteile müssen gut zugänglich und mit lösbaren Verbindungen geplant sein, damit sie rückgebaut, repariert, ersetzt oder wiederverwendet werden können.
  • Wirtschaftlichkeit: Rückbau, Lagerung, Prüfung und Aufbereitung können zusätzliche Kosten verursachen, sodass Reuse nicht immer günstiger ist als der Einsatz neuer Produkte.

Die Hindernisse zeigen: Kreislaufwirtschaft in der Gebäudetechnik ist nicht nur eine Materialfrage. Sie betrifft Planung, Normen, Dokumentation, Geschäftsmodelle und die Zusammenarbeit zwischen Bauherrschaft, Planung, Ausführung, Betrieb und Herstellern.

Ein Leitfaden für die Praxis

Sina Büttner spricht an einer Veranstaltung vom Institut für Gebäudetechnik der Hochschule Luzern.

«Der grösste Hebel für mehr Kreislaufwirtschaft in der Gebäudetechnik liegt in den frühen Planungsphasen», sagt Sina Büttner von der HSLU, die an der Wegleitung mitgewirkt hat.

Entscheidungen darüber, wie viel Technik tatsächlich nötig ist, welche Materialien verwendet werden oder wie flexibel ein Gebäude später genutzt werden kann, beeinflussen die Umweltwirkung über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Die Wegleitung bleibt dazu bewusst praxisnah. Neben Grundlagen und Checklisten enthält sie zahlreiche Projektbeispiele aus der Schweiz. Beispiele für Massnahmen sind:

  • Gute Zugänglichkeit und Reparierbarkeit der Anlagen(-teile) ermöglichen
  • Lösbare Verbindungen für Demontierbarkeit/Rückbaubarkeit/Trennbarkeit von Materialien
  • Standardisierte Anlagen(-teile) verwenden, um die Verfügbarkeit von Ersatzteilen sicherzustellen
  • Einsatz alternativer Materialien prüfen, um Graue Emissionen zu reduzieren
Textile Lüftungsleitungen im «The Green House» in Utrecht.

Neue Geschäftsmodelle für zirkuläre Gebäudetechnik

«Die Branche bewegt sich – und mit ihr entstehen neue Geschäftsmodelle, neue Kooperationen und neue Planungsansätze», sagt Sina Büttner.

Die Wegleitung gibt dazu Beispiele und beschreibt drei neue Geschäftsfelder, die sich mit einem wachsenden Markt zirkulärer Gebäudetechnik entwickeln. Diese sind:

  • Gebäudetechnik als Service: Anlagen werden nicht verkauft, sondern als Leistung angeboten; Anbieter bleiben Eigentümer und haben ein Interesse an langlebigen, wartbaren Komponenten.
  • Refurbishment und Modernisierung: Betriebe spezialisieren sich auf Prüfung, Aufbereitung, Nachrüstung und Wiedereinbau bestehender Komponenten.
  • Modulare kreislauffähige Systeme: Hersteller bieten Produkte an, die repariert, erweitert, zurückgenommen und erneut eingesetzt werden können.

Wegleitung Kreislaufwirtschaft in der Gebäudetechnik

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