Datenbasierte Prozesse und Automatisierung,
Energiesysteme und -effizienz,
Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz,
Heizen, kühlen, lüften, steuern: In modernen Gebäuden müssen zahlreiche Systeme zusammenspielen. Doch nicht immer arbeiten sie so effizient, wie sie könnten. Peter Böhler, neuer Programmleiter des CAS Energetische Betriebsoptimierung, kennt die Herausforderungen aus 15 Jahren Praxis.
Im CAS Energetische Betriebsoptimierung lernen die Teilnehmenden, gebäudetechnische Anlagen systematisch zu analysieren, Einsparpotenziale zu erkennen und Optimierungsmassnahmen umzusetzen – möglichst ohne grosse Investitionen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Massnahme selbst, sondern auch der Nachweis: Wie viel Energie wurde tatsächlich eingespart?
Für den neuen Programmleiter ist genau dieses Zusammenspiel von Analyse, Erfahrung und Wirkung zentral. Seit über 15 Jahren arbeitet er als Betriebsoptimierungsingenieur und Energieberater für Wohnbauten sowie Gewerbe- und Industriekunden.
«Ich will Wirkung erzielen.»
Seine Motivation ist klar: Fachleute sollen lernen, die oft verborgenen Potenziale bestehender Anlagen zu erkennen und gezielt zu nutzen.
Wie sieht ein wirklich optimierter Betrieb aus? Ein Vergleich aus dem Alltag macht es anschaulich: Ein Auto fährt nicht mit voller Motorleistung, während gleichzeitig die Bremse betätigt wird. In der Gebäudetechnik passiert etwas Ähnliches jedoch erstaunlich häufig. Zu grosszügige Einstellungen, schlecht abgestimmte Anlagen oder Änderungen aufgrund einzelner Reklamationen können dazu führen, dass Systeme gleichzeitig heizen und kühlen oder mit unnötig hohen Sicherheitsreserven betrieben werden.
«Niemand lässt den Motor seines Fahrzeugs bewusst mit voller Leistung laufen und sorgt gleichzeitig mit der Bremse dafür, dass es nicht zu schnell fährt.»
Genau solche Situationen aufzuspüren, ist eine zentrale Aufgabe der Betriebsoptimierung. Und sie dürfte künftig noch wichtiger werden: Mit dem verstärkten Bedürfnis nach Klimatisierung von bisher nicht gekühlten Gebäuden werden diese Herausforderungen und vor allem der unnötige Energieverbrauch durch einen falschen Einsatz der Anlagen in den kommenden Jahren zunehmen.

Ein verbreiteter Irrtum: Je neuer und moderner ein Gebäude, desto weniger gibt es zu optimieren. Die Praxis zeigt ein anderes Bild. Gerade hochkomplexe Gebäude können bereits bei der Inbetriebnahme Fehler aufweisen. Je mehr Systeme zusammenspielen, desto mehr Schnittstellen gibt es – und desto schwieriger wird es, Fehlfunktionen zu erkennen. Im Alltag fehlen dem Betriebspersonal zudem häufig Zeit oder spezifisches Know-how, um Ursachen systematisch zu analysieren und Verbesserungen nachzuverfolgen. Deshalb gilt: Betriebsoptimierung ist nicht nur bei alten Gebäuden relevant. Gerade neue, komplexe Gebäude bieten grosses Potenzial. Auch bei älteren Gebäuden gibt es viel zu holen – etwa wenn die Gebäudeautomation über die Jahre angepasst wurde oder Betriebsgewohnheiten den Energieverbrauch unnötig erhöhen.
Die nächste Entwicklung zeichnet sich bereits ab: Gebäude werden digitaler, Anlagen kommunizieren stärker miteinander und immer mehr Daten stehen zur Verfügung. Wetterprognosen können beispielsweise genutzt werden, um Anlagen vorausschauend zu steuern. Auch künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten. Sie kann direkt in der Anlagenregelung eingesetzt oder als Hilfsmittel für die Datenanalyse genutzt werden.
«AI-Lösungen können helfen, schneller und noch grössere Einsparerfolge beim Energieverbrauch zu erzielen.»
Doch mit der Digitalisierung steigen auch die Anforderungen an die Sicherheit. Vernetzte und KI-fähige Anlagen müssen vor unerwünschten Zugriffen und Manipulationen geschützt werden. Für die Betriebsoptimierung bedeutet das: Mehr Daten und mehr Möglichkeiten – aber auch mehr Komplexität.
Auch bei den Technologien selbst ist viel in Bewegung. Wärmepumpen entwickeln sich durch den Einsatz natürlicher Kältemittel weiter, neue und leistungsfähigere Maschinen kommen auf den Markt. Gleichzeitig werden bestehende Lüftungsanlagen zunehmend mit hocheffizienten, drehzahlgeregelten Antrieben nachgerüstet. Jede Veränderung an einer Anlage kann neue Einsparpotenziale eröffnen. Gleichzeitig wächst damit die Komplexität des Gesamtsystems.
«Jede neue oder veränderte Anlage bietet wieder ein frisches Potenzial für eine Betriebsoptimierung.»
Damit steigt auch der Bedarf an Fachleuten, die solche Systeme verstehen und ganzheitlich analysieren können.
Praxis steht deshalb auch im CAS im Zentrum. Die Teilnehmenden arbeiten am Campus Horw mit Mess- und Regelsystemen in den Energie- und Gebäudetechniklabors. Das Gelernte bleibt aber nicht im Labor: In der Abschlussarbeit optimieren sie eine reale Anlage in einem selbst gewählten Gebäude. Dabei geht es um eine konkrete Aufgabe: Wo liegen die Schwachstellen? Welche Massnahmen sind sinnvoll? Wie gross ist die Einsparung? Und wie lässt sich der Erfolg nachweisen? So wird aus dem CAS direkt ein Praxisprojekt – mit dem Potenzial, auch nach Abschluss der Weiterbildung weitergeführt zu werden.

Wer in der Betriebsoptimierung erfolgreich sein will, braucht mehr als technisches Fachwissen. Gefragt sind Erfahrung, analytisches Denken und die Fähigkeit, bestehende Systeme kritisch zu hinterfragen. Gleichzeitig braucht es Sozialkompetenz und Überzeugungskraft. Denn Optimierung bedeutet oft, Gewohntes infrage zu stellen und neue Lösungen durchzusetzen. Das CAS richtet sich deshalb insbesondere an HLKS-Ingenieurinnen und -Ingenieure, Energieberaterinnen und Energieberater sowie Fachleute aus Facility Management, Baumanagement und Immobilienverwaltung.
Die eigene Laufbahn des neuen Programmleiters zeigt, wie wertvoll die Verbindung von Theorie und Praxis ist. Schon früh kam er im elterlichen Restaurantbetrieb und in der mechanischen Werkstatt seines Onkels mit Kälteanlagen, Heizungen, Lüftungs- und Druckluftanlagen in Kontakt. Nach dem Studium zum Umweltingenieur an der ETH arbeitete er rund zehn Jahre in der Umweltbeobachtung und spezialisierte sich auf Mess- und Regeltechnik sowie statistische Daten und Zeitreihen. Über CAS-Weiterbildungen fand er schliesslich den Weg in die Energie- und Gebäudetechnik. Seit 2010 arbeitet er in diesem Bereich, seit 2017 mit seinem eigenen Unternehmen. Heute gibt er seine Erfahrung weiter – und möchte gleichzeitig selbst weiterlernen:
«Ich will Menschen dabei begleiten, diese Potenziale zu entdecken und gezielt umzusetzen.»
Für ihn steckt in bestehenden Anlagen noch immer ein enormes Potenzial. Vieles davon wird nicht erkannt – oder bleibt ungenutzt. Dabei geht es um mehr als technische Effizienz. Jede eingesparte Kilowattstunde reduziert den unnötigen Energieverbrauch und trägt zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung bei. Genau hier setzt das CAS Energetische Betriebsoptimierung an: bei der Frage, was eine Anlage tatsächlich leisten kann – und wie aus diesem Potenzial konkrete Wirkung wird.
Hier gibt’s mehr Infos zum CAS:
CAS Energetische Betriebsoptimierung
Start: 28. Oktober 2026
Online-Infoveranstaltung am 1. September 2026 ->Hier anmelden!

Programmleiter CAS Energetische Betriebsoptimierung
Hochschule Luzern – Technik & Architektur
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