Baukultur und Bauen im Bestand,
Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz
Wie gut funktioniert eine Verglasung nach Jahren im Gebäude tatsächlich noch?
Verglasungen bleiben oft über Jahrzehnte Teil der Gebäudehülle – transparent, dauerhaft und meist wenig beachtet. Doch wie gut funktionieren sie nach Jahren im Einsatz tatsächlich noch? Ein mobiles In-situ g-Wert Messgerät der Hochschule Luzern macht ihre energetischen Eigenschaften direkt am eingebauten Bauteil messbar.
Gerade bei älteren Fassaden fehlen oft verlässliche Informationen über die vorhandene Verglasung. Datenblätter sind nicht mehr auffindbar, Glasbeschichtungen unbekannt oder die tatsächlichen Eigenschaften haben sich über die Nutzungsdauer verändert. Für Sanierungen und eine mögliche Weiterverwendung stellt sich deshalb eine zentrale Frage: Was kann das vorhandene Glas tatsächlich noch leisten?

Forschende der Institute Bauingenieurwesen und Elektrotechnik an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur haben auf Basis eines Prototyps der Universität Innsbruck ein mobiles In-situ g-Wert Messgerät entwickelt, das genau hier ansetzt. Das Gerät wird direkt an der eingebauten Verglasung montiert und erfasst deren bauphysikalisches Verhalten zerstörungsfrei und unter realen Bedingungen.
Gemessen werden unter anderem die einfallende und durchgelassene solare Strahlung, der Wärmestrom durch die Verglasung sowie Innen- und Aussentemperaturen. Ein digitales Modell fügt diese Daten zusammen und ermittelt den g- und gtot-Wert. Je nach Umgebungsbedingungen reichen die Messsequenzen von wenigen Stunden bis zu einem Tag. Die Verglasung muss dafür weder ausgebaut noch beschädigt werden.
Das grösste Potenzial liegt zunächst in der Untersuchung bestehender Fassaden. Werden die tatsächlichen Eigenschaften einer Verglasung bekannt, kann besser beurteilt werden, ob sie weitergenutzt, ertüchtigt oder ersetzt werden sollte. Gerade im Kontext von Sanierung und Re-Use schaffen solche Messdaten eine wichtige Entscheidungsgrundlage dort, wo ursprüngliche Produktinformationen fehlen oder nicht mehr verlässlich sind.
Das Verfahren ist jedoch nicht nur auf ältere Verglasungen beschränkt. Auch bei neuen Gläsern kann die Messung wichtige Informationen liefern. In der Qualitätssicherung lässt sich überprüfen, ob ein eingebautes Produkt tatsächlich die erwartete Performance erreicht. Im Rahmen einer Technical Due Diligence können reale Bauteileigenschaften bei der technischen Bewertung von Gebäuden berücksichtigt werden. Und auch für Forschung und Produktentwicklung ist der Vergleich zwischen geplantem, simuliertem und tatsächlich gemessenem Verhalten interessant – beispielsweise bei adaptiven Verglasungen, neuen Beschichtungen oder komplexen Glas- und Sonnenschutzsystemen.
Damit wird die In-situ g-Wert Messung zu einem Bindeglied zwischen Produktkennwert, Simulation und gebauter Realität.
Vom 20. bis 23. Oktober 2026 wird das In-situ g-Wert Messgerät auf der glasstec in Düsseldorf präsentiert. Das Exponat ist Teil der Sonderschau glass technology live in Halle 11, Stand G27.
Der Auftritt an der glasstec wurde durch die grosszügige Unterstützung und Materialspenden folgender Sponsoren ermöglicht:



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