Gesundheitstechnologien und Komfort
Das OoDrop-System macht sichtbar, was bisher kaum messbar war: die Aktivität einzelner Zellbestandteile unter Mikrogravitation. Es verbindet präzise Messtechnik mit einem robusten Design für extreme Bedingungen – und schafft damit eine neue Grundlage für die Forschung im Weltraum.
Forschung in der Schwerelosigkeit liefert wichtige Hinweise darauf, wie sich der menschliche Körper im All verändert. Doch auf zellulärer Ebene fehlen oft präzise Messdaten. Besonders schwierig ist es, einzelne Zellprozesse unter Mikrogravitation zuverlässig zu untersuchen. «Konventionelle Systeme sind dafür oft zu gross, zu anfällig oder liefern unzuverlässige Daten», sagt Dr. Simon Wüest. Er muss es wissen. Der Forscher und Dozent am Institut für Medizintechnik war selbst schon auf Parabelflügen der ESA unterwegs. Dort führte er biologische Experimente in der Schwerelosigkeit durch. Extreme Bedingungen für die Wissenschaft:
Simon Wüest und seine Kolleg:innen der Hochschule Luzern – Technik & Architektur haben darum ein Mini-Messsystem entwickelt, das elektrophysiologische Experimente unter extremen Bedingungen ermöglicht. Das OoDrop-System ist kompakt, stabil und für kurze Messfenster optimiert.

Im Kern basiert OoDrop auf der etablierten Two-Electrode Voltage Clamp (TEVC)-Technologie. Diese misst elektrische Ströme über Zellmembranen und erlaubt Rückschlüsse auf die Aktivität von Ionenkanälen. Dabei wird sichtbar, wie stark und unter welchen Bedingungen Ionenströme durch die Zellmembran fliessen – ein zentraler Hinweis darauf, wie Zellen Reize verarbeiten und auf ihre Umgebung reagieren.
Die Innovation liegt in der konsequenten Miniaturisierung und Anpassung an die Bedingungen der Mikrogravitation:

Das OoDrop-System kam im GraviTower Bremen zum Einsatz. Dort wird Mikrogravitation in einer präzis kontrollierten und geführten Parabel erzeugt – allerdings nur für wenige Sekunden. In dieser kurzen Zeit muss alles funktionieren:
Trotz dieser Einschränkungen konnten Simon Wüest und sein Team reproduzierbare Messungen durchführen. Das zeigt: Präzise Zellanalysen sind auch unter extremen Bedingungen möglich.
Mit OoDrop steht nun ein Werkzeug zur Verfügung, das elektrophysiologische Experimente unter Mikrogravitation systematisch erlaubt. Im GraviTower Bremen wurden mit Hilfe von Froscheier der mechanosensitive Ionenkanal PIEZO1 untersucht. Dieser wurde als möglicher «Gravitationssensor» in Zellen diskutiert. Das Experiment mit OoDrop zeigte, dass PIEZO1 eher nicht direkt auf Mikrogravitation reagiert.
Ein Erfolg war es trotzdem: Das neue Messsystem der HSLU erlaubt die Analyse einzelner Proteine unter realen Weltraumbedingungen. Das schafft eine Grundlage für zukünftige Experimente auf Raumstationen. Aber auch ein besseres Verständnis biologischer Mechanismen auf der Erde. «In Schwerelosigkeit können wir verstehen, wie die Schwerkraft unser Leben geformt hat», sagt Simon Wüest.
Mit einem Studium an der HSLU – T&A
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