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Thermische Energiespeicher zwischen Relevanz und Akzeptanz

Thermische Energiespeicher sind zentral für die Energiewende. Die Technologie steht in den Startlöchern. Doch die Menschen sind skeptisch. Und jetzt?

Thermische Energiespeicher zwischen Relevanz und Akzeptanz

Rund 50 Prozent des gesamten Energiebedarfs entfallen auf Heizen und Kühlen. Thermische Energie ist damit kein abstraktes Thema, sondern etwas, das Menschen unmittelbar betrifft und buchstäblich spürbar ist. Während Strom oft scheinbar «einfach aus der Steckdose» kommt, ist Wärme Teil des Alltags und damit stärker emotional und gesellschaftlich besetzt. Genau das macht thermische Energiespeicher (TES) so relevant, aber auch so herausfordernd.

Dabei ist die Technologie längst weit entwickelt. Viele Lösungen sind erprobt, skalierbar und technisch bereit für den breiten Einsatz. Und trotzdem tun sich thermische Energiespeicher in der Praxis oft schwer. Warum?

Interessierte Teilnehmende am Swiss Symposium Thermal Energy Storage.

Am Swiss Symposium Thermal Energy Storage 2026 wurde deutlich: Die grössten Herausforderungen für TES liegen heute weniger in fehlender Technik, sondern in Kommunikation, Bildung und Vertrauen. Studien zur Technologieakzeptanz zeigen, dass viele Menschen Energiesysteme erwarten, die gleichzeitig effizient, klein, günstig, schnell umsetzbar, sicher und nachhaltig sind. Kurz gesagt: They want it all.

Da diese Erwartungen nicht alle gleichzeitig erfüllbar sind, wurden bewusst Entscheidungssituationen analysiert, in denen Prioritäten gesetzt werden mussten. Dabei zeigte sich ein klares Muster: Bekannte Technologien, insbesondere wasserbasierte Speicher, werden deutlich besser akzeptiert als weniger vertraute Lösungen. Vertrautheit schafft Vertrauen – auch dann, wenn die Lösung technisch nicht optimal ist. Das wirft eine zentrale Frage auf, die sich wie ein roter Faden durch das Symposium zog:

Sollten wir auf technisch nicht optimale Lösungen setzen, nur weil sie gesellschaftlich besser akzeptiert sind?

Was dafür spricht:

  • Akzeptierte Technologien stossen auf weniger Widerstand, lassen sich einfacher erklären und schneller umsetzen.
  • In einer Energiewende, die unter hohem Zeitdruck steht, kann gesellschaftliche Zustimmung ein entscheidender Erfolgsfaktor sein.
  • Projekte kommen voran, Prozesse werden beschleunigt und die Umsetzung scheitert seltener an Widerständen.

Was dagegen spricht:

  • Technisch suboptimale Lösungen können langfristig zu geringerer Effizienz, höheren Kosten oder eingeschränkter Flexibilität führen.
  • Sie können Innovationspotenziale blockieren und verhindern, dass leistungsfähigere Systeme zum Einsatz kommen.
  • Wer ausschliesslich auf Akzeptanz setzt, riskiert, sich langfristig auf Lösungen festzulegen, die den Anforderungen zukünftiger Energiesysteme nicht gerecht werden.
Karten als Diskussionsgrundlage über Thermische Energiespeicher.

Das Swiss Symposium Thermal Energy Storage zeigte sehr konkret, wie thermische Energiespeicher heute bereits zur Integration erneuerbarer Energien beitragen können:

Etwa indem PV-Leistungsspitzen mittels Power-to-Heat in Wärme umgewandelt und gespeichert werden – ein Ansatz, der nicht nur technisch überzeugt, sondern systemisch gedacht ist. Auch grossskalige Speicherlösungen wie Pit Thermal Energy Storage sind technisch weit fortgeschritten. Doch auch hier zeigt sich: Skepsis bei Bewohner:innen, Unsicherheiten bei Partnern und fehlendes Vertrauen bremsen Projekte, obwohl die Lösungen verfügbar wären.

Hoffnung machten die Beiträge zahlreicher Teilnehmender aus Industrie und Energieversorgung. Sie zeigten, dass thermische Energiespeicher zunehmend als strategischer Faktor verstanden werden – nicht nur zur Effizienzsteigerung, sondern auch zur Versorgungssicherheit, zur Dekarbonisierung und zur Wettbewerbsfähigkeit. Ob solare Prozesswärme mit Speicherlösungen, grüne Dampferzeugung, unterirdische Speicher oder quartiersbasierte Wärmenetze: TES wurde durchgehend als integraler Bestandteil zukünftiger Energiesysteme diskutiert, nicht als isolierte Technologie.

Am Ende bleibt eine zentrale Erkenntnis:

Der Erfolg thermischer Energiespeicher entscheidet sich nicht allein im Labor oder in der Planung, sondern im Zusammenspiel von Technik, Kommunikation und gesellschaftlichem Vertrauen. Die Energiewende braucht nicht nur gute Lösungen, sondern auch Menschen, die sie verstehen, mittragen und akzeptieren.

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Am 29. Januar 2027 steigt das 14. Swiss Symposium on Thermal Energy Storage an der Hochschule Luzern.

Alle Infos: www.hslu.ch/sstes

Katharina Kerbleder

Process & Energy Engineer

Schrieb diesen Text nach ihrem Besuch am 13. Swiss Symposium Thermal Energy Storage 2026

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