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Vom Unterricht in die Praxis: Neue Perspektiven im Spitalbau

Sandra Günther ist Projektleiterin für Organisationsentwicklung am Spital Nidwalden. Ende Februar 2026 hat sie das CAS Strategische Spitalbauplanung an der HSLU abgeschlossen. Im Interview erzählt sie, warum sich das CAS für sie gelohnt hat.

Vom Unterricht in die Praxis: Neue Perspektiven im Spitalbau

Frau Günther, vor kurzem haben Sie das CAS Strategische Spitalbauplanung an der Hochschule Luzern besucht. Was konnten Sie aus dem Unterricht für Ihren Berufsalltag mitnehmen?

Das Gelernte unterstützt mich ganz konkret in meinem Arbeitsalltag. Vor allem, weil es uns anhand von so vielen Praxisbeispielen vermittelt wurde. Die Mischung aus strategischen, technischen, architektonischen und organisatorischen Themen hilft mir, Zusammenhänge besser zu verstehen und einzuordnen. Ich merke deutlich, dass ich heute viel breiter auf Fragestellungen im Spitalbau schaue als noch vor ein paar Monaten.

Welche Inhalte fanden Sie besonders spannend?

Besonders prägend war für mich zu verstehen, wie Strategie, Finanzen, Funktionalität und Bau beziehungsweise Form zusammenspielen. Mir wurde klar, wie stark diese Faktoren voneinander abhängen. Das zeigt sich auch deutlich in meiner Abschlussarbeit. Eine Analyse eines Bereichs im Spital bestätigte, dass bauliche Eingriffe mit hohem Aufwand, hohen Kosten und einem langen Betriebsausfall verbunden wären – bei einer verbleibenden Nutzungsdauer von nur etwa zehn Jahren. Daraus ergibt sich für mich eine klare Schlussfolgerung: Statt grosser baulicher Eingriffe setzen wir besser auf gezielte technische Anpassungen, kleinere Veränderungen in der Inneneinrichtung sowie vor allem auf organisatorische Optimierungen und Prozessanpassungen.

Die verschiedenen Perspektiven – von Architektur über Technik und Finanzen bis zur Betriebsorganisation – bringen eine Tiefe in die Diskussionen, die mir im Alltag fehlt.

Welchen Mehrwert hat Ihnen das CAS sonst noch geliefert?

Ganz besonders schätzte ich den hohen Praxisbezug: Einblicke in reale Spitalprojekte zeigten, wie unterschiedlich Herausforderungen angegangen werden und wo typische Stolpersteine liegen. Ein wiederkehrendes Thema ist die Standardisierung. Standardisierte Gebäuderaster, Raumtypen und Ausstattungen erleichtern spätere Anpassungen und erhöhen die Flexibilität. Dieses Wissen hilft mir sehr bei der Bewertung von Investitionsentscheidungen im eigenen Kontext.

Ein grosser Mehrwert des CAS war für mich zudem der Austausch mit der Programmleitung und den Teilnehmenden aus ganz unterschiedlichen Bereichen des Spitalbaus. Die verschiedenen Perspektiven – von Architektur über Technik und Finanzen bis zur Betriebsorganisation – bringen eine Tiefe in die Diskussionen, die mir im Alltag fehlt. Ich profitiere sehr davon, Fragestellungen aus mehreren Blickwinkeln zu beleuchten und Zugang zu Fachwissen zu erhalten, das sonst selten gesammelt verfügbar ist.

Welche Rolle spielen technisches und architektonisches Wissen?

Ich habe im CAS viel technisches und architektonisches Wissen mitgenommen, das mir zuvor gefehlt hat. Heute  verstehe ich besser, wie beispielsweise Lüftungssysteme, Medienversorgung, Zonenlogiken oder architektonische Grundhaltungen unsere Prozesse beeinflussen. Das hilft mir enorm, Situationen realistischer einzuschätzen. Ich denke nicht mehr nur organisatorisch, sondern berücksichtige auch technische und bauliche Grenzen und Möglichkeiten.

Im CAS wird auch Funktions- und Layoutplanung vermittelt – hilft das in der Praxis?

Die Arbeit mit funktionalen Zusammenhängen, Raumprogrammen und räumlichen Beziehungen ist für mich sehr praxisnah und knüpft direkt an meine tägliche Arbeit als Nutzervertreterin für die Bestandsentwicklung des Spital Nidwalden an. Mit einfachen Funktionsdiagrammen kann gut aufgezeigt werden, welche Bereiche sinnvoll miteinander verbunden sein sollten und wo räumliche Trennungen zu ineffizienten Abläufen führen. Das unterstützt stark bei der Bewertung bestehender Strukturen.

Und welche Bedeutung haben die vertieften Bedarfs- und Zukunftsanalysen für Ihre Arbeit?

Die im CAS vermittelten Methoden zur Bedarfserhebung, Kapazitätsanalyse und Szenarioentwicklung sind für mich zentral. Sie ermöglichen fundierte und nachvollziehbare Entscheidungen. Ich kann dadurch zukünftige Entwicklungen besser einschätzen – etwa wie sich Patientenströme verändern oder wie viel Raum ein modernes Spital tatsächlich benötigt. Das gibt mir eine viel solidere Grundlage für strategische Überlegungen.

Wenn Sie ein Resümee ziehen würden: Wie lautet Ihr persönliches Fazit zum CAS?

Das CAS hat mein Verständnis für Spitalbau und -entwicklung deutlich erweitert. Vieles davon fliesst nun direkt in meinen Arbeitsalltag, insbesondere bei Diskussionen zur zukünftigen Ausrichtung unseres Spitals.

Besonders wertvoll ist für mich, dass ich heute klarer und fundierter argumentieren kann, weil ich die verschiedenen Perspektiven besser zusammenbringe.

Die Absolventen und Absolventinnen des CAS Strategische Spitalbauplanung
2025/2026 am Campus in Horw

Wie beurteilen Sie die Programmleitung und die Dozierenden?

Serge Fayet als Programmleiter hat eine offene, begeisternde Art, ein enormes Fachwissen und die Fähigkeit, Menschen aus unterschiedlichsten Professionen miteinander ins Gespräch zu bringen. Ich habe sehr geschätzt, wie er Diskussionen anstösst, Horizonte öffnet und gleichzeitig eine Atmosphäre schafft, in der man sich einbringen und voneinander lernen kann. Die weiteren Dozierenden kommen aus verschiedenen Fachgebieten rund um die Spitalbauplanung – von Strategie über Beschaffung, Nachhaltigkeit und Politik bis hin zu Layout, Gebäudetechnik, Baukosten, Digitalisierung sowie Prozessen und Organisation. Gerade diese Vielfalt macht den Unterricht spannend und sehr praxisorientiert.

Bleiben Sie mit den anderen Teilnehmenden im Austausch?

Ja, auf jeden Fall. Ich schätze sehr, dass der Austausch im Alumni-Netzwerk weitergeht und ich durch gemeinsame Aktivitäten wie Studienreisen zusätzliche Expertise aufbauen kann. Damit entsteht für mich ein Umfeld, das über das CAS hinaus wirkt und mich beruflich wie persönlich weiterbringt.

Vielen Dank und ganz viel Erfolg bei allen kommenden Spitalbauprojekten, liebe Frau Günther!

Sandra Günther, Projektleiterin für Organisationsentwicklung beim Spital Nidwalden in Stans, Absolventin CAS Strategische Spitalbauplanung

Hier gibt’s mehr Infos zur neuen Weiterbildung:

CAS Strategische Spitalbauplanung
Start: 2
0. Oktober 2026

Online-Infoveranstaltung am 22. April oder 10. Juni kom

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