Remo Wiegand
Immer wieder kehre ich in meinem Leben zum Nichts zurück. Aus heiterem Himmel breitet sich eine Bodenschwere aus, die jegliches Wollen und Wünschen erstickt. Woher, wohin?
In der Depression zieht es mich vom Kopf zum Körper. Zur Materie, die ich begehre und mir entgleitet. Zum Handwerk, zum Nähen, das mich überfordert. Und glücklich macht, wenn ich es erwartungsfrei trotzdem tue. Handwerk verbindet – und vermisst die Distanz zu einem tief ersehnten Daheim.
Nähend ist eine Stofftasche entstanden. Kunst? Hmm… Im Tagebuch dokumentiere ich Prozess-Freuden und -Zweifel, schreibe über Alles und Nichts, den schweigenden Gott und die ferne Welt. Doch erneut regiert der Kopf. Die teils schweren Gedanken und Gebete suggerieren tiefe Erkenntnisse, ihre Halbwertszeit übersteigt aber selten 24 Stunden.
Das Tagebuch wandert über Faden auf Stoff. Die Technik des Wiefelns verwandelt die Wörter: In unbeholfener «Schnüürlischrift» verfasst, werden die Texte schwer lesbar. Die tänzerischen Buchstaben gewinnen an Bildhaftigkeit und Leichtigkeit. Geist und Körper tarieren ihr Verhältnis neu aus.
Und dann sind da noch diese einzelnen Fäden. Ein Gebet aus Fehlstich und Überbleibsel. Ich liebe sie. Amen.
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