Die Schweiz hat sich verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu sein, und der Bausektor trägt mit rund 25 Prozent der landesweiten Treibhausgasemissionen eine Mitverantwortung dafür. Nicht zuletzt deshalb möchten die Gemeinden die Emissionen ihrer Baustellen senken. Doch sobald eine Ausschreibung ansteht, stellt sich eine praktische Frage: Welche Anforderungen an elektrische Baumaschinen und Transportfahrzeuge sind realistisch, ohne deutlich teurere oder zu wenige Offerten zu riskieren? Genau diese Unsicherheit hält viele öffentliche Bauherrschaften bislang davon ab, elektrisches Bauen zu verlangen.
Die Erfahrungen aus Luzern, Zürich und Basel zeigen: Gemeinden können diesen Stillstand über die Vergabe durchbrechen. Ein sorgfältig konzipiertes Zuschlagskriterium «Elektrisches Bauen» mit einer Gewichtung von 20 bis 40 % schränkt den Wettbewerb nicht ein, sondern macht sichtbar, wie viel der Markt bereits zu bieten hat. Das Kriterium kam und kommt inzwischen in mehreren Dutzend Ausschreibungen zum Einsatz.

Knapp 50 Interviews mit Vertreter:innen von elf Schweizer Städten und Gemeinden, Bauunternehmen, Maschinenherstellern und -vermietern zeigen ein Henne-Ei-Problem: Hersteller investieren seit vielen Jahren stark in die Entwicklung elektrischer Maschinen, doch die Nachfrage fehlt. Gemeinden formulieren ihre Ausschreibungen zurückhaltend, weil ihnen die Erfahrung fehlt, was heute machbar ist, und sie zu wenige oder deutlich teurere Offerten befürchten. Bauunternehmen wiederum investieren nicht in teurere elektrische Maschinen, solange diese kaum gefordert werden. Alle drei warten aufeinander.

Zürich zeigte als erste Pilotstadt, dass sich dieser Stillstand durchbrechen lässt. Die Pilotbaustelle wurde in einem offenen Verfahren anhand des entwickelten Zuschlagskriteriums «Elektrisches Bauen» vergeben. Sechs Firmen reichten Offerten ein, mehrere davon mit einem bereits substanziellen elektrischen Angebot. Der Markt war aufnahmefähiger, als die verbreitete Zurückhaltung vermuten liess. Aufbauend auf dieser Erfahrung wurde das Zuschlagskriterium zu einem dreiteiligen Dokumentenset weiterentwickelt. Es kommt heute auch ausserhalb von Zürich und der drei Pilotstädte zum Einsatz.
Auch Luzern machte den Nutzen vor Ort sichtbar. Im Rahmen des Innosuisse-Forschungsprojekts «Elektrifizierung städtischer Baustellen» der Hochschule Luzern wurde die Haltekante Y für den Bahnersatzverkehr im Auftrag des städtischen Tiefbauamts vollständig mit elektrischen Baumaschinen ausgebaut, vom Mobilbagger bis zum Fertiger. Solche Maschinen reduzieren nicht nur CO₂-Emissionen, sondern auch Lärm und Luftschadstoffe, unmittelbar dort, wo Menschen wohnen, arbeiten und zur Schule gehen.
Die zentrale Botschaft für Gemeinden:
Sie müssen nicht warten, bis der Markt vollständig elektrifiziert ist. Mit einem erprobten und angemessen gewichteten Zuschlagskriterium können sie bestehende elektrische Angebote sichtbar machen und zugleich Nachfrage signalisieren.
Die vollständigen Ergebnisse einschliesslich der Best-Practice-Dokumentationen aller drei Pilotbaustellen veröffentlicht die Hochschule Luzern zum Projektabschluss im Herbst 2026. Auf dieser Projektwebsite finden Sie viele weitere Informationen zum Projekt und auch die Ergebnisse, sobald diese vorliegen.
Veröffentlicht am: 13.10.2026
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