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Gleiche Leistungen, unterschiedliche Kosten: Was Gemeinden kaum beeinflussen können

Weshalb geben manche Gemeinden deutlich mehr Geld pro Einwohnerin und Einwohner aus als andere? Die Gründe dafür liegen nicht nur in politischen Entscheidungen oder der Effizienz der Gemeindeverwaltung. Auch die geografische Lage, die Bevölkerungsdichte und weitere strukturelle Gegebenheiten beeinflussen, wie teuer die Bereitstellung öffentlicher Leistungen ist. Eine Gemeinde muss ihre Strassen unterhalten, die Wasserversorgung sicherstellen und eine funktionierende Verwaltung betreiben – unabhängig davon, wie viele Menschen dort wohnen. Die Kosten dafür können jedoch sehr unterschiedlich ausfallen. Wer die Ausgaben der Gemeinden miteinander vergleicht, stellt teilweise beträchtliche Unterschiede fest. Doch höhere Pro-Kopf-Ausgaben bedeuten nicht automatisch, dass eine Gemeinde weniger wirtschaftlich arbeitet oder sich mehr leistet.

Von Etienne Gerber und Roland Fischer

Gleiche Leistungen, unterschiedliche Kosten: Was Gemeinden kaum beeinflussen können

Die Kosten der Weite und der Enge

Besonders deutlich zeigen sich die Kostenunterschiede zwischen dünn und dicht besiedelten Gebieten. Sowohl eine besonders geringe als auch eine besonders hohe Bevölkerungsdichte kann mit strukturellen Mehrbelastungen verbunden sein. In kleinen, peripher gelegenen Gemeinden fallen häufig hohe Pro-Kopf-Ausgaben an. Ein wesentlicher Grund sind Skaleneffekte, die nicht ausgeschöpft werden können: Gewisse öffentliche Leistungen verursachen Fixkosten, die sich bei einer kleinen Bevölkerung auf weniger Personen verteilen. Hinzu kommen längere Strassen- und Leitungsnetze pro Einwohnerin und Einwohner, eine dezentrale Siedlungsstruktur sowie teilweise erschwerende topografische Bedingungen. Wir sprechen hier von «Kosten der Weite».

Doch nicht nur dünn besiedelte Gemeinden können strukturell bedingte Mehrkosten aufweisen. Auch in den dicht besiedelten Zentren können zusätzliche Belastungen entstehen. Städte und Gemeinden mit regionaler Zentrumsfunktion stellen vielfach Infrastruktur und öffentliche Leistungen bereit – beispielsweise in den Bereichen Kultur, Sicherheit und Unterhaltung – die auch von Personen aus anderen Gemeinden genutzt werden. Dies verursacht sogenannte Zentrumslasten. Wir sprechen hier von «Kosten der Enge». Gleichzeitig kann die Bevölkerungszusammensetzung Mehrkosten verursachen. So beobachten wir in den Städten oft höhere Bevölkerungsanteile von Personen, die zusätzliche Unterstützung benötigen, z.B. Sozialleistungen oder Langzeitpflege.

Welche Kosten lassen sich tatsächlich beeinflussen?

Für den innerkantonalen Finanzausgleich stellt sich damit eine zentrale Frage: Welcher Teil der gemeindlichen Ausgaben ist auf strukturelle Rahmenbedingungen zurückzuführen und welcher Teil auf politische Entscheidungen?

Nicht alle Ausgabenunterschiede sind zwangsläufig gegeben. Gemeinden können etwa unterschiedliche Leistungsstandards festlegen oder ihre Aufgaben unterschiedlich effizient erfüllen. Solche Unterschiede werden als sogenannter Wahlbedarf vom strukturell bedingten Aufwand abgegrenzt.

Um solchen strukturell bedingten Mehrkosten Rechnung zu tragen, kennen die meisten Kantone einen Lastenausgleich als Bestandteil ihres innerkantonalen Finanzausgleichs. Dieser soll nicht sämtliche hohen Ausgaben abgelten, sondern übermässige Belastungen berücksichtigen, die sich von einer Gemeinde kaum beeinflussen lassen. Dafür müssen die relevanten strukturellen Faktoren möglichst zuverlässig bestimmt und ihre finanziellen Auswirkungen quantifiziert werden.

Wie die Hochschule Luzern strukturelle Lasten untersucht und quantifiziert

Um strukturell bedingte Kostenunterschiede möglichst zuverlässig zu bestimmen, hat das Institut für Betriebs- und Regionalökonomie (IBR) der Hochschule Luzern ein statistisches Modell entwickelt. Dieses wurde 2024 im Rahmen des Projekts Reform des Lastenausgleichs des Bundes erarbeitet, um den Einfluss struktureller Gegebenheiten auf die Ausgaben der Kantone zu untersuchen. Mit dem Modell können die Kosten der Enge und Weite der Kantone sowie strukturell bedingte Kosten aufgrund von weiteren Faktoren wie der Höhenlage oder dem Anteil an Personen mit bedarfsabhängigen Sozialleistungen nachgewiesen und quantifiziert werden.

Der Ansatz wurde 2025 im Projekt Lastenausgleich Graubünden auf die Bündner Gemeinden angewendet. Dabei wurde wiederum untersucht, wie die Bevölkerungsdichte mit den gemeindlichen Ausgaben zusammenhängt. Das Modell berücksichtigt sowohl die Kosten der Weite als auch jene der Enge. Ergänzend wurden weitere strukturelle Einflussfaktoren – wie beispielsweise die Höhenlage – als Ursache für höhere Kosten identifiziert.

Die Ergebnisse und das zugrunde liegende Modell können auch anderen Kantonen als Grundlage dienen, um ihren bestehenden Lastenausgleich zu überprüfen und gegebenenfalls neu auszugestalten. Ein gut funktionierender Lastenausgleich ist – neben dem Ausgleich von Unterschieden in der Finanzkraft – wichtig für eine solidarische und bedarfsgerechte Aufgabenerfüllung innerhalb eines Kantons: Er entlastet Gemeinden, die aufgrund nicht beeinflussbarer Rahmenbedingungen höhere Kosten tragen. Damit trägt er dazu bei, dass Gemeinden ihre Aufgaben trotz unterschiedlicher struktureller Voraussetzungen zu vergleichbaren Bedingungen erfüllen können.

Veröffentlicht am: 04.11.2026

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