Energiewende,

Nachhaltigkeit,

Partizipation

Auf dem Weg zu Nettonull: Die Energiewende in Schweizer Gemeinden

Der Erfolg der Energiewende hängt wesentlich davon ab, ob Menschen sich als Teil dieses Wandels verstehen und bereit sind, ihn aktiv mitzugestalten. Doch bestehende Beteiligungsformate erreichen häufig nur gut informierte und institutionell bereits eingebundene Gruppen. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hitzkirch entwickelte die Hochschule Luzern einen partizipativen Ansatz, der mit der lokalen Bevölkerung zusammen Wege zur Energiewende findet.

Von Chantal Magnin, Jana Z'Rotz und Fabienne Hämmerle

Auf dem Weg zu Nettonull: Die Energiewende in Schweizer Gemeinden

„Nettonull“-Gesellschaft

In der Schweiz arbeiten viele Gemeinden daran, den Übergang zu einer klimafreundlichen „Nettonull“-Gesellschaft zu schaffen. Dabei stehen das Thema Energie und die Umstellung auf eine nachhaltige Energieversorgung im Mittelpunkt. Die Energieeffizienz von Gebäuden kann erhöht werden, aber auch Einsparungen von Emissionen sind entscheidend auf diesem Weg. Solarpanels auf Dächern, Wärmepumpen, energetische Sanierungen oder Windparks bieten verschiedene Lösungen und Möglichkeiten für die Umsetzung. Gemeinden wählen da unterschiedliche Wege, wobei die Gemeindeverwaltung, die lokalen Unternehmen, aber auch die lokale Bevölkerung und somit jede einzelne Person einen Beitrag leisten können.

Von Hitzkirch lernen: Wege zu einer partizipativen Energiewende

In einem Pilotprojekt mit der Gemeinde Hitzkirch haben wir den Weg der Gemeinde analysiert und diesem zusammen mit der lokalen Bevölkerung reflektiert. Die lokale Bevölkerung wurde zu verschiedenen Zeitpunkten einbezogen: Einerseits hatten sie die Möglichkeit an einer kurzen Onlinebefragung teilzunehmen oder wurden interviewt, andererseits haben wir einen Workshop durchgeführt. Im Workshop gelangten interaktive Datenvisualisierungen und Tools des Smart Region Lab ebenso zur Anwendung wie das sogenannte Visual Storytelling. Dadurch liess sich die komplexe Thematik der Energiewende greifbarer machen.

Visual Storytellung: von der solidarischen Energiegenossenschaft bis hin zu lokalem Widerstand

Ein Kernstück des Workshops vom Mai 2025 bildete die Methode des Visual Storytellings, mit der kreative Erzählweisen und kollektive Zukunftsvorstellungen zusammengeführt wurden.

In einer ersten Gruppenaktivität verfassten die Teilnehmenden im Format einer «Geschichte in drei Akten» individuelle Erzählungen zur Frage: Wie könnte man im Jahr 2035 einer neu zugezogenen Person erzählen, wie Hitzkirch die Energiewende geschafft hat? Diese kollaborativen und mitunter amüsanten Mini-Geschichten führten zu überraschenden Wendungen und eröffneten vielfältige Perspektiven auf Chancen, Herausforderungen und Lösungsansätze rund um die Energiewende.

Anwendung der Methode Visual Storytelling am Workshop in Hitzkirch im Mai 2025 (eigene Aufnahme)

Im Anschluss diskutierten die Gruppen die entstandenen Geschichten, suchten Gemeinsamkeiten und entwickelten daraus mehrere übergreifende visuelle Szenarien. Die Szenarien reichten von kooperativen Visionen – etwa einer solidarischen Energiegenossenschaft – bis hin zu Auseinandersetzungen mit lokalem Widerstand gegen bestimmte Energieformen.

Die Methode des Visual Storytellings erwies sich als niederschwelliger und zugleich wirksamer Zugang zur komplexen Thematik der Energiewende: Sie aktivierte die Teilnehmenden, ermöglichte kreativen Ausdruck, brachte vielfältige Sichtweisen zur Sprache und führte zu anschaulichen Resultaten, die dokumentiert und weiterverwendet werden können.

Erfahrungen aus Hitzkirch weiterdenken und gemeinsam die Zukunft gestalten

Auf Basis der Erfahrungen aus dem in der Gemeinde Hitzkirch durchgeführten Pilotprojekt wollen wir unsere Arbeit in weiteren Projekten gemeinsam mit Gemeinden, Energieversorgern und zivilgesellschaftlichen Akteur:innen schärfen und weiterentwickeln. Für das Gelingen der Energiewende ist es entscheidend, gesellschaftliche Prozesse bewusst zu gestalten. Wir wollen Menschen befähigen, eigene Perspektiven auf die Energiewende einzubringen und gemeinsam Zukunftsbilder zu gestalten. Wir sehen unter anderem drei zentrale Punkte:

  • Verständlichkeit fördern, damit Ziele, Massnahmen und Auswirkungen der Energiewende für die lokale Bevölkerung nachvollziehbar werden und Vertrauen entstehen kann.
  • Beteiligung und Mitgestaltung sollten systematisch ermöglicht werden, sodass unterschiedliche Bevölkerungsgruppen ihre Perspektiven einbringen und aktiv an der Entwicklung von Lösungen mitwirken können.
  • Teilhabe und Akzeptanz lassen sich langfristig nur stärken, wenn Konflikte offen thematisiert und konstruktiv verhandelt werden. Eine transparente Kommunikation, inklusive Beteiligungsformate und eine ehrliche und sachliche Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Interessen tragen dazu bei, tragfähige und gesellschaftlich breit abgestützte Transformationsprozesse zu fördern.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie im vollständigen Bericht und auf der Webseite zum Pilotprojekt.

Möchten Sie die Energiewende in Ihrer Gemeinde aktiv gestalten?

Wir unterstützen Gemeinden und regionale Akteur:innen dabei, Partizipationsprozesse zu entwickeln, Perspektiven sichtbar zu machen und gemeinsam tragfähige Lösungen für die Energiewende zu erarbeiten. Bei Interesse an einem Austausch, einem Workshop oder einer möglichen Zusammenarbeit freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

 

Kontakt: Chantal Magnin,  Jana Z’Rotz und Fabienne Hämmerle

Veröffentlicht am: 1.4.2026

Kommentare

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Danke für Ihren Kommentar, wir prüfen dies gerne.