Gemeindeentwicklung,

Raumplanung,

Siedlungsentwicklung

Innenverdichtung versus Frei- und Grünraum

Mit dem neuen Raumplanungsgesetz sind die Gemeinden aufgefordert, auf eine Siedlungsentwick­lung nach innen zu fokussieren. Dadurch geraten Frei- und Grünräume unter Druck. Gleichzeitig steigt deren Bedeutung für die Siedlungsqualität:  Frei- und Grünräume sind Treffpunkte, dienen der Erholung in unmittelbarer Nähe und mindern die Hitzeent­wicklung und fördern die Attraktivität einer Gemeinde.

Innenverdichtung versus Frei- und Grünraum

Von Stephan Käppeli

Wie können Gemeinden mit dem Dilemma Innenverdichtung versus Frei- und Grünraum konstruktiv umgehen?

Wie kann eine entsprechende Planung und Umsetzung erfolgen? Sind Konzepte in länd­lichen Gemeinden notwendig – sie sind ja grün? Wie können die konkreten Massnahmen finanziert werden?

Über 70 Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, Mitarbeitende aus kommunalen und kantonalen Ver­waltungen und Planungsbüros sowie Forschende der Hochschule Luzern HSLU befassten sich an der dritten Tagung «Gemeinden aktuell» mit möglichen Antworten auf diese Fragen.

 

3. Tagung «Gemeinden aktuell»:

Grüne Gemeinde – Kühle Gemeinde – Attraktive Gemeinde

 

Beiträge aus der öffentlichen Verwaltung, Forschung & Praxis

Jérôme Vonarburg (Bereichsleiter Orts- und Regionalplanung, Kanton Luzern) ordnete das Thema auf kantonaler Ebene ein, zeigte die vielfältigen kommunalen Herausforderungen auf und präsentierte das neue «Modul Klima», das die Gemeinden bei ihrer Planung unterstützen soll. Markus Koschenz, (Insti­tut für Gebäudetechnik und Energie/HSLU) präsentierte die neuesten Forschungsergebnisse zum Thema «Quartierklima-Simulation». Sie zeigen, dass bis anhin der Begrünung in Kombination mit der Möglichkeit Wohnungen zu lüften zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Aufgrund der Erkenntnisse seiner Studie müssen wohl die häufig gebauten grossen Fensterflächen und Lüftungssysteme hinter­fragt werden.

Quelle: Eigene Aufnahme

Markus Bieri (freiraumarchitektur) zeigte anhand von Beispielsgemeinden den Prozess für die Erstellung eines Freiraumkonzeptes, das auch soziale Aspekte umfasst, auf und ging dabei auch auf Stolpersteine ein. Ivo Willimann (HSLU) veranschaulichte, wie mittels dem «Cockpit öffentli­che Planung» unterversorgte Gemeindegebiete eruiert und so Massnahmen priorisiert werden kön­nen. Markus Gmünder und Christian Kraft (HSLU) verdeutlichten die Schwierigkeiten bei der Finanzie­rung entsprechender Massnahmen und die Logik des Immobilienmarktes und der Investoren. Die In­puts wurden durch rege genutzte Fragerunden ergänzt.

Quelle: Eigene Aufnahme

Podiumsdiskussion: Wie können Frei – und Grünräume finanziert werden?

Im abschliessenden Podium erörterte Gemeindepräsidentin Claudia Bernasconi, weshalb in ihrer Ge­meinde Greppen, «gemäss Luzerner Zeitung der grünsten des Kantons Luzern», ein Freiraumkonzept umgesetzt wird und wie die Bevölkerung einbezogen wurde. Gabriela Theus (Immofonds Asset Management AG) verwies darauf, dass eine gute Versorgung mit Frei- und Grünräumen auch im langfristigen Interesse der Investoren ist und die Zusammenarbeit mit den Gemeinden für beide Seiten positive Effekte hat. Sie hielt jedoch auch fest, dass zu detaillierte Vorgaben und Reglementierungen kontraproduktiv sein können. Im Gespräch zeigte sich, dass die Finanzierung der Massnahmen eine Knacknuss darstellt. Die Einnahmen aus der Mehrwertabgabe decken den Finanzbedarf vielfach nicht oder sind auf kanto­naler Ebene gebunden. Eine Finanzierung aus allgemeinen Steuermitteln steht in Konkurrenz mit an­deren Gemeindeaufgaben und der direkte Einbezug der privaten Investoren bleibt begrenzt. Es stellte sich die Frage, ob die kantonalen Mehrwertabgabenfonds für entsprechende Massnahmen auf kom­munaler Ebene geöffnet werden sollten, sobald die Abgeltungen für Rückzonungen mehrheitlich er­folgt sind.

Das Tagungsthema wird in Zukunft auf kommunaler Ebene weiter an Bedeutung gewinnen. Vor die­sem Hintergrund muss festgehalten werden, dass «grün nicht gleich grün ist». Es geht auf Gemeinde­ebene um die Schaffung gut vernetzter und vielseitig nutzbarer Freiräume, die sowohl ökolo­gisch/klimatisch als auch sozial wirken.

Veröffentlicht am: 13.02.2026

Autor: Stephan Käppeli

Dozent, Institut für Betriebs- und Regionalökonomie IBR
+41 41 228 42 31 stephan.kaeppeli@hslu.ch

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