Energiesysteme und -effizienz,
Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz
Wie lassen sich Lüftungsanlagen ökologischer gestalten? Eine Studie der Hochschule Luzern – Technik & Architektur zeigt, welche Materialien künftig entscheidend sein könnten.
Mechanische Lüftungsanlagen sind heute zentral für eine gute Raumluftqualität und energieeffiziente Gebäude. Gleichzeitig verursachen sie einen erheblichen Anteil der Grauen Energie und Treibhausgasemissionen. Besonders die Lüftungsverteilung – meist aus verzinkten Stahlleitungen – trägt stark zur Umweltbelastung bei. Mit zunehmendem Technisierungsgrad der Gebäude steigt dieser Anteil weiter. Deshalb stellt sich die Frage: Welche alternativen Materialien können helfen, die Ökobilanz deutlich zu verbessern?
Eine Studie des Zentrums für integrale Gebäudetechnik (ZIG) untersucht, wie sich Graue Energie und Treibhausgasemissionen von Lüftungsanlagen reduzieren lassen. Im Zentrum steht die Analyse metallischer und nichtmetallischer Materialien, die bisher kaum oder gar nicht im Lüftungsbau eingesetzt werden. Die Forschenden um Gianrico Settembrini definierten zunächst technische Anforderungen, erstellten einen umfassenden Kriterienkatalog und führten Expertengespräche sowie einen Workshop durch. Die vielversprechendsten Materialien wurden hinsichtlich Ökologie, Technik und Realisierbarkeit bewertet.

Metallische Materialien sind heute Standard im Lüftungsbau – insbesondere verzinkter Stahl. Die Studie zeigt, dass sich bereits innerhalb dieser Materialfamilie deutliche ökologische Verbesserungen erzielen lassen:
Die Resultate verdeutlichen: Auch ohne radikale Materialwechsel können Optimierungen bei Beschichtungen und beim Einsatz von Recycling-Stahl erheblich zur Reduktion von Grauer Energie beitragen.
Noch grösseres Potenzial bergen Materialien, die bislang kaum mit Lüftungsanlagen in Verbindung gebracht wurden.
So bringt die Firma Propera aktuell einen Lüftungsschacht aus Karton auf den Markt (zum Case auf unserem Blog).

Die folgende Tabelle fasst zentrale Erkenntnisse aus der HSLU-Studie zusammen:
| Material | Vorteile | Nachteile | Offene Forschungsfragen |
| Karton | sehr geringe Graue Energie; rezyklierbar; erneuerbar; bereits punktuell im Einsatz | Feuchte- und Brandschutz noch nicht abschliessend geklärt | Wie lassen sich ökologische Beschichtungen entwickeln? Wie performen Leitungen aus Altkarton im Vergleich zu Primärkarton? |
| Holzwerkstoffe | robust, vielfältig, nachwachsend | mögliche Feuchteempfindlichkeit; Additive beeinflussen Zirkularität | Welche Holzwerkstoffe eignen sich für feuchte Lüftungsumgebungen? |
| Textilien | bereits vereinzelt im Einsatz (bei Überdruck-systemen) | Zirkularität und Umweltbelastung stark materialabhängig | Welche ökologische Materialkombinationen können breit in Lüftungssystemen eingesetzt werden, auch bei Unterdruck? |
| Formgepresste Zelluloseplatten | aus Altpapier; gut rezyklierbar | geringe Erfahrung im Lüftungsbau; Feuchteverhalten unklar | Erfüllen sie langfristig Formstabilität und Festigkeitsanforderungen? |
| Pilzbasierte Materialien (Mycelium) | sehr ökologisch; spannende Wachstumstechnologie | technisch noch wenig erforscht | Wie lassen sich Festigkeit, Feuchteresistenz und Brandschutz sicherstellen? |
| Kunststoffe (inkl. Bioplastics) | technisch flexibel; in Reinform gut rezyklierbar | ökologische Gesamtbilanz kritisch; Entsorgung problematisch | Können sortenreine oder vollständig abbaubare Varianten entwickelt werden? |

Die Ergebnisse zeigen klar: Alternative Materialien eröffnen neue Wege, um Lüftungsanlagen ökologischer und ressourcenschonender zu gestalten. Karton, Holz oder Zellulose könnten künftig eine bedeutende Rolle spielen – insbesondere, wenn Beschichtungen und technische Eigenschaften weiter optimiert werden. Gleichzeitig wird die Bedeutung von Recyclingmaterialien steigen, da Primärrohstoffe knapper werden und regulatorische Anforderungen an nachhaltige Bauweisen zunehmen.
Langfristig ist zu erwarten, dass Lüftungsanlagen (und Gebäudetechnik allgemein) stärker nach Prinzipien der Kreislaufwirtschaft konzipiert werden: sortenrein, wiederverwendbar und mit minimalem Material- und Energieeinsatz. Welche Herausforderungen und Geschäftsmodelle damit einhergehen, lesen Sie in diesem Beitrag.
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