Energiesysteme und -effizienz,
Immer mehr Wärmepumpen sind eine Herausforderung für Netzbetreiber – aber sie bieten auch grosses Potenzial, um Spitzenlasten zu brechen. Eine Studie der Hochschule Luzern zeigt, wie das geht, ohne den Wohnkomfort zu beeinträchtigen.
Die Elektrifizierung des Wärmesektors ist Teil des Zielbildes für eine klimaneutrale Schweiz 2050 des Bundes. Wärmepumpen werden darum künftig einen deutlich grösseren Anteil am Stromverbrauch ausmachen.

Daten-Quelle: Bundesamt für Energie BFE Energieperspektiven 2050+
Für Energieversorger, Netzbetreiber und Gemeinden stellt sich damit eine zentrale Frage: Wie lassen sich steigende Netzlasten effizient ins Stromsystem integrieren?
Die Antwort liegt in der Flexibilität. Wärmepumpen benötigen Strom, um Gebäude zu beheizen. Gleichzeitig speichern Gebäude Wärme in ihrer Bausubstanz – etwa in Wänden oder Böden. Diese sogenannte thermische Trägheit erlaubt es, die Wärmeerzeugung (und damit den Stromverbrauch) kurzfristig zu verschieben, ohne dass sich die Raumtemperatur merklich oder für die Bewohnenden verändert. Konkret bedeutet das: Der Strombedarf respektive Strombezug von Wärmepumpen kann gezielt reduziert oder erhöht werden, um das Stromnetz zu entlasten.
Eine aktuelle Studie der Hochschule Luzern – Technik & Architektur am Kompetenzzentrum Thermische Energiespeicher zeigt, wie gross dieses Potenzial ist und welche Steuerungsstrategien sich besonders eignen.
Die Forschenden um Dr. Curtis Meister und Prof. Dr. Philipp Schütz entwickelten ein sogenanntes Bottom-up-Modell, das Gebäude und Wärmepumpen einzeln modelliert und daraus das Verhalten ganzer Gemeinden simuliert. Grundlage sind überwiegend öffentlich verfügbare Daten zu Gebäuden, ergänzt durch Wetterdaten und typische Nutzungsprofile von Wärmepumpen. Das heisst, das entwickelte Verfahren schätzt Flexibiltätspotenziale, ohne vertrauliche Daten zu nutzen.
Wichtig: Das Modell wurde mit realen Messdaten von 15 Gebäuden und 243 Wärmepumpen überprüft. Die Ergebnisse zeigen, dass das Modell typische Betriebszyklen und Temperaturverläufe realistisch abbildet.

Im Zentrum der Analyse stehen drei Ansätze zur flexiblen Steuerung von Wärmepumpen:
Diese Strategien unterscheiden sich deutlich in ihrer Wirkung auf Netzlast, Komfort und Betrieb:
«Unsere Studie zeigt, dass bereits kleine Eingriffe in die Temperatursteuerung grosse systemische Effekte erzielen können», sagt der Hauptautor der Studie Curtis Meister. «Für Netzbetreiber ist das eine gute Nachricht.»

Die Ergebnisse der Studie liefern folgende Ansatzpunkte für die Praxis:
Diese Potenziale können insbesondere erschlossen werden, wenn Gebäude, Wärmepumpen und Steuerungssysteme stärker vernetzt sind. «Mit dem Ausbau von Wärmepumpen wächst auch der Handlungsdruck im Stromsystem», sagt Philipp Schütz. «Wir konnten zeigen: Wärmepumpen sind nicht nur eine Herausforderung, sondern auch Teil der Lösung.»

Gerne unterstützt die Forschungsgruppe Assessment Sie dabei:
Kommentare
0 Kommentare
Danke für Ihren Kommentar, wir prüfen dies gerne.