Arbeits- & Organsationspsychologie

Der Drang, sich ständig rechtfertigen zu wollen!

Der Drang, sich ständig rechtfertigen zu wollen!
Foto von Pixabay

Lesezeit 3′ min // Ein Beitrag von Vanessa Pfister

Im folgenden Beitrag erörtert Vanessa Pfister im Rahmen des Moduls «Kommunikationskompetenz: Mit Bildern und Texten informieren», wie kognitive Dissonanz unsere Entscheidungen beeinflusst und uns dazu drängt, unsere Entscheidungen zu hinterfragen und schönzureden.

«Ich habe mich richtig entschieden, oder? Hättest du dich ebenfalls so entschieden?» Täglich müssen wir uns für verschiedenste Dinge entscheiden. Entscheidungen zu fällen ist ein grosser Bestandteil unseres Lebens, ständig sind wir im Konflikt mit uns selbst. Vieles entscheiden wir unbewusst, oft machen wir uns aber auch unzählige Gedanken. 

Auch ich bin (leider) damit gesegnet, mich nie entscheiden zu können. Selbst bei den kleinsten Dingen bin ich unentschlossen. Sogar bei diesem Blogpost bin ich lange zwischen zwei Themen hin und her gesprungen. Worüber kann ich besser schreiben? Was sind die Vor- und Nachteile? Haben wir uns dann endlich für ein Sache entschieden, geht es aber noch weiter. Um ein positives Selbstbild aufrecht zu erhalten, wird die gewählte Variante auf- und die andere abgewertet. Und um genau diese Rechtfertigung geht es. Als ich zum ersten Mal im Modul «Sozialpsychologie» davon hörte, musste ich schmunzeln: «Das bin ja genau ich!». Und ich schätze, ich bin nicht die Einzige – oder?

Die Kunst sich zu entscheiden

Eine Entscheidung ist «die Auswahl einer Aktion aus einer Menge verfügbarer Massnahmen unter Berücksichtigung möglicher Umweltzustände mit Willensakzent» (Gabler Wirtschaftslexikon). Einfacher gesagt: 

Entscheidung = Willensbildung + Entschluss

Die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen, ist gross. Wir machen uns viele Gedanken, wägen Vor- und Nachteile ab und fragen unsere Liebsten nach ihrer Meinung. Je länger wir Zeit haben, darüber nachzudenken, desto quälender wird es. Letztendlich müssen wir aber immer zu einer Entscheidung kommen. Aber das ist noch nicht alles, denn jetzt kommt die Kognitive Dissonanz ins Spiel. 

Kognititive Dissonanz nach Entscheidungen

Eine kognitive Dissonanz liegt vor, wenn Emotionen, Gedanken und Handlungen im Widerspruch zueinanderstehen. Wir fühlen uns also unwohl, wenn wir uns gegen unser Selbstbild (inkonsistent) verhalten. Es handelt sich um einen unangenehmen Zustand, den wir vermeiden wollen. Die Konsistenz wird durch kognitive Veränderungen wiederhergestellt.

Was heisst dies nun im Zusammenhang mit Entscheidungen?

Nach Entscheidungen ist ein kurzes Bedauern über die nicht gewählte Variante spürbar. Je wichtiger die Entscheidung, desto stärker die Dissonanz. Dies wird Nachentscheidungsdissonanz genannt. Der Gedanke, dass wir möglicherweise die falsche Entscheidung getroffen haben, bedroht unser Selbstbild. Im Grunde sind wir nämlich davon überzeugt, dass wir immer gute Entscheidungen treffen.  

Damit dieser unangenehme Zustand der Dissonanz verschwindet, werten wir die gewählte Alternative auf und entwerten die nicht gewählte. Wir rechtfertigen uns. Vor uns selbst und vor anderen. Von diesem Zeitpunkt an nehmen wir Informationen auf eine verzerrte Weise auf. Das heisst, wir lassen nur Hinweise zu, welche unsere Aussagen untermauern. Andere Informationen ignorieren wir schlicht und einfach. 

Doch wie kommen wir nun aus diesem Teufelskreis heraus? Der einzige Weg ist der Weg des Bewusstseins. Es ist, wie überall im Leben, wichtig, unser Handeln bewusst zu reflektieren und ständig zu verbessern.  

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Referenzen

  • Aronson, E., Wilson, T. D., & Akert, R. M. (2014). Sozialpsychologie. München: Pearson.
  • Gabler Wirtschaftslexikon. Entscheidung. Abgerufen am 24. November 2021 von https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/entscheidung-36360
  • HSLU Unterrichtsmaterial, Sozialpsychologie (HS20/21, Woche 06), Konsistenz- und Dissonanztheorien, Dozierende: Dr. Carmen Grebmer, Dr. Nicole Ruffieux, Prof. Dr. Christian Weibel
  • Photo by Siegfried Poepperl from Pexels
  • Foto von Pixabay: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-der-schachfigur-halt-277124/

Informationen zur Autorin

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Moduls «Kommunikationskompetenz: Mit Bildern und Texten informieren» an der Hochschule Luzern – Wirtschaft.

Vanessa Pfister studiert seit 2021 Business Psychology an der HSLU.

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