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Meine Bachelorarbeit in der Gastronomie und einige Takeaways für dich

Meine Bachelorarbeit in der Gastronomie und einige Takeaways für dich
Tipps und Tricks für die Bachelorarbeit von Lhazen Chhiring // Foto von Andrew Neel (Pexels)

Lesezeit 7’min // Ein Beitrag von Lhazen Chhiring

Die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist ein aktuelles Thema, das alle Erwerbstätigen betrifft und bewegt. In meinem gesamten Studium habe ich jedoch nie eine Studie zur mentalen Gesundheit in der Gastronomie angetroffen. Eine Branche, die mich persönlich sehr interessiert. Deshalb nutzte ich bei der Themenwahl für die Bachelorarbeit die Gelegenheit, selbst darüber zu recherchieren. Dieser Beitrag soll einen Einblick in die Thematik meiner Bachelorarbeit geben und primär als Inspiration und Orientierung für deine bevorstehende Bachelorthesis dienen.

Das Thema meiner Bachelorarbeit

Zwischen hektischen Servicezeiten, getakteten Arbeitsabläufen und Forderungen nach hoher Qualität müssen sich Küchenmitarbeitende in ihrem Arbeitsalltag geschickt koordinieren. Stress wird in dem Arbeitsumfeld als integraler Bestandteil der Tätigkeit angesehen. Physische Belastungsfaktoren sind überwiegend bekannt, jedoch gibt es nur wenig Forschung zu mentalen Belastungsfaktoren in der Küche.

Die Erkenntnisse über diese Faktoren sind in der Branche vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels von hoher Bedeutung. Bereits vor der Covid-19-Pandemie kämpfte die Gastronomie mit einem Fachkräftemangel. Die Pandemie hat das Problem verstärkt: Restaurantschliessungen und weit verbreitetes Homeoffice stellt die Gastronomie vor noch grösseren Schwierigkeiten. Vor allem Mensen sind auf Mitarbeitende und Studierende vor Ort angewiesen.

Die SV Group, die führende Gastronomie- und Hotelmanagement-Gruppe mit Sitz in der Schweiz, ist wie viele Unternehmen in der Branche mit den Problemen des Fachkräftemangels konfrontiert. Sie bemisst der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden einen hohen Stellenwert. Dafür wurde ihr mehrmals das Label «Friendly Work Space» verliehen. Das ist das einzige rein schweizerische Qualitätslabel für Unternehmen mit einem erfolgreichen betrieblichen Gesundheitsmanagement. Diese Auszeichnung war für mich einer der Hauptgründe, das Unternehmen für die Zusammenarbeit anzufragen. Im Interessenaustausch haben wir uns auf die Analyse von Einflussfaktoren auf die Belastung des Küchenpersonals geeinigt, um daraus Massnahmen abzuleiten.

Das klassische Belastungs-Beanspruchungs-Modell von Rutenfranz und Rohmert (1975) besagt, dass erst bei ungenügenden Ressourcen eines Individuums eine negative Beanspruchung entsteht. Die Identifikation solcher negativen Belastungen soll einen Anstoss für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch mehr Ressourcen am Arbeitsplatz geben. Dadurch können nach dem empirisch gut bestätigten Job-Demands-Resources-Modell (JD-R-Modell) von Bakker und Demerouti (2007) das Arbeitsengagement und das organisationale Commitment erhöht und Fluktuationsabsichten vermindert werden. Somit war das eine Ziel der Bachelorarbeit, die relevanten Einflussfaktoren auf die Belastung des Küchenpersonals am Arbeitsplatz zu identifizieren. Das zweite Ziel der Arbeit war es, nach Verbindung der Theorie und Ergebnisse konkrete Handlungsempfehlungen für die SV Group abzuleiten, welche die erkannten Belastungen verringern. Damit soll das Wohlbefinden der Mitarbeitenden erhöht und ihre Bindung an das Unternehmen gestärkt werden, was dem Fachkräftemangel entgegensteuert. 

Foto von Elle Hughes (Pexels)

Ein Thema für die Bachelorarbeit finden

Die Wahl meines Bachelorarbeitsthemas entstammt aus einem persönlichen Kontext: Seit mein Vater 1990 in die Schweiz migrierte, arbeitet er in der Küche. Meine erste Berufserfahrung war am Zukunftstag mit ihm hinter dem Küchentresen. Dabei kann ich mich erinnern, wie überwältigt, aber auch begeistert ich von all den Eindrücken war. Meine Neugier auf die Branche hat sich eingeprägt. So habe ich selbst später neben dem Studium in der Gastronomie gearbeitet. Ich erkannte erst da, wie eigen die Branchenkultur ist, etwa durch den rauen Umgangston oder die hektischen Arbeitsbedingungen. Aufgrund meiner Erfahrungen und des Einflusses meines Vaters hat mich die Frage nach der Wirkung des Arbeitsumfelds und der Arbeitsanforderungen auf die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden in der Gastronomie oft beschäftigt. Dieser Frage wollte ich mich dann in der Bachelorarbeit annähern. 

Gibt es ein Berufsfeld, mit dem auch du eine persönliche Verbindung hast? Interessiert dich ein Thema der Wirtschaftspsychologie besonders, dass du in dem Beruf untersuchen könntest? Wenn ja, empfehle ich dir, bereits Ende 4. Semester oder anfangs Sommerferien (im Vollzeitmodell) einen Praxispartner zu suchen. Keine Sorge, wenn deine Forschungsfrage noch nicht konkret ist. Sich flexibel an die Bedürfnisse der Auftraggebenden anpassen zu können, ist wichtiger und ein persönliches Interesse an der Bachelorthesis erleichtert ungemein den Prozess. Denn schlussendlich sollte die Arbeit eine hohe Praxisrelevanz aufweisen.

Bei Unsicherheiten kannst du das Coaching zur Bachelorarbeit der HSLU nutzen und/oder deine Betreuungsperson fragen.

Von der Vorstudie bis zur Abgabe

Die Erstellung eines Gerüsts der fertigen Arbeit während der Vorstudie war für mich ein Wegweiser, an dem ich mich im gesamten Prozess orientieren konnte. Hierbei handelt es sich um eine Art Inhaltsverzeichnis für die Arbeit, mit allen Kapiteln und dem erwarteten Inhalt eines Kapitels inkl. Seitenzahl. Ein roter Faden sollte darin klar erkennbar sein. Mit dem Konstrukt kannst du deine Vorstellungen zur fertigen Abschlussarbeit mit deiner Betreuungsperson und deinem Praxispartner konkret besprechen. Diese Übersicht vereinfacht auch die Zeitplanung. Während der Vorstudie empfehle ich zudem eine systematische Literaturrecherche. Damit kann viel Vorarbeit für den Schreibprozess der Abschlussarbeit geleistet werden.

Die Zeit bis zur Abgabe ist oft knapp, deshalb war für mich die Nutzung von technischen Hilfsmitteln zur Steigerung der Effizienz massgeblich.

Das Literaturverwaltungsprogramm Zotero nutzte ich für die Literaturrecherche und für die Zitierungen in der Arbeit. Die App kann automatisch ein Quellenverzeichnis nach APA generieren. Für die Erhebung meiner Daten entschied ich mich für halbstrukturierte Interviews mit Mitarbeitenden und Führungskräften. Die analysierten Ergebnisse aus diesen Interviews besprach ich zudem in einem Tiefeninterview mit einem Mitarbeitendenvertreter. Die Software MAXQDA war für mich beim Transkribieren und Analysieren der Interviews zentral. 

Nach der Abgabe

Die Alumni Hochschule Luzern honoriert im Bachelorstudiengang Business Psychology die Bachelorarbeit mit einer besonders hohen Praxisrelevanz. Dieses Jahr durfte ich die erste Verleihung in Business Psychology entgegennehmen. Die Bewerbung für die Auszeichnung lohnt sich nicht nur für das Preisgeld. Die Auflistung dieser Leistung im Lebenslauf hat einen nachhaltigen Wert und bildet ein Unterscheidungsmerkmal.

Das sind meine Takeaways, die ich dir für deine bevorstehende Bachelorarbeit mitgeben kann. Mit der Rücksicht auf die Individualität deiner Arbeit versuchte ich so allgemeingültige Tipps wie möglich zu geben. Weitere Informationen wirst du bei der Infoveranstaltung von Transfer Service erhalten. Ich wünsche dir viel Erfolg für deine Bachelorthesis!


Referenzen

  • Bakker, A. B., & Demerouti, E. (2007). The Job Demands‐Resources model: State of the art. Journal of Managerial Psychology22(3), 309–328. https://doi.org/10.1108/02683940710733115
  • Rutenfranz, J., & Rohmert, W. (1975). Arbeitswissenschaftliche Beurteilung der Belastung und Beanspruchung an unterschiedlichen industriellen Arbeitsplätzen. Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung.
  • Foto von Andrew Neel: https://www.pexels.com/de-de/foto/macbook-pro-auf-braunem-holztisch-2312369/
  • Foto von Andrea Piacquadio: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-zeichnen-sie-eine-gluhbirne-in-white-board-3758105/
  • Foto von Eduardo Rosas: https://www.pexels.com/de-de/foto/grauer-laptop-computer-der-rechneranwendung-mit-codes-anzeigt-907487/
  • Foto von Elle Hughes: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-und-frau-tragen-schwarz-weiss-gestreifte-schurzen-2696064/

Informationen zur Autorin

Lhazen Chhiring

Diesen Sommer hat Lhazen Chhiring ihr Bachelordiplom in Business Psychology an der HSLU erhalten. Nun studiert sie im Master Angewandte Psychologie an der FHNW mit Schwerpunkt Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie. Nebenher arbeitet sie als Werkstudentin im Recruiting bei Accenture und beginnt demnächst eine neue Position im HR Business Partner Team. In ihrer Freizeit ist sie ausserdem Vorstandsmitglied der Tibetergemeinschaft Wädenswil.

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