8. November 2017

Risikomanagement

Stehen klinisches und betriebliches Risk Management im Gegensatz?

Stehen klinisches und betriebliches Risk Management im Gegensatz?

Dr. Philipp Henrizi photo
von Dr. Philipp Henrizi, Dozent und Projektleiter und Prof. Dr. Stefan Hunziker, Professor für Enterprise Risk Management und Internal Control am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ

Klinisches Risk Management (kRM) unterstützt die Spitäler auf dem Weg zu einer verbesserten Patientenversorgung und fördert so das Kerngeschäft eines jeden Spitals. Es verfolgt vor allem das übergeordnete Ziel der Prävention und Reduktion von Behandlungsfehlern (bspw. die Vermeidung von Medikamenten- und Patientenverwechslung, etc.) sowie der Schadensbegrenzung nach Auftreten von Fehlern, zur Erhöhung der Patientensicherheit. Das kRM soll folglich den Patienten vor Schädigungen durch die Behandlung im Spital bewahren, aus medizinischer und ethischer Sicht idealerweise mit einer Null-Fehler-Toleranz.

Ein betriebliches Risk Management (bRM) hingegen soll vor allem Gefahren für das Spital abwehren und den Unternehmenswert schützen, unter der Berücksichtigung einer akzeptierten Risikotoleranz in einem angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnis. Als wesentliche Unternehmensrisiken werden häufig die strategischen Risiken identifiziert, da sie meist die grössten finanziellen Auswirkungen aufweisen. Allerdings betreffen diese in der Regel nicht das Kerngeschäft eines Spitals – die medizinische Versorgung des Patienten.

Dabei kann das bRM sogar vom kRM lernen, denn es existieren fernab von theoretischen Managementkonzepten sehr gute etablierte Instrumente in der täglichen Patientenversorgung, die als Risk Management aufgefasst werden können. Die Patientenvisite bspw. ist, wenn sie in einem offenen Diskussionsklima durchgeführt wird, eine ideale Möglichkeit, Befunde auf Augenhöhe zu diskutieren und Diagnosen zu überprüfen. Die Beurteilung von Risiken, vor allem in einer interdisziplinären und interprofessionellen Diskussion, kann zu einer verbesserten Risikoanalytik führen.

In welcher Beziehung stehen nun also das kRM und bRM in Spitälern zueinander? Wie lässt sich das kRM in einer spitalweiten, ganzheitlichen Sichtweise subsumieren, unter dem Spannungsfeld der aufgezeigten unterschiedlichen Zielsetzung? Insbesondere stellt die konsistente Bewertungslogik der unternehmensweiten Risiken (klinische und betriebliche) bei der gesamtheitlichen Sichtweise des integrierten Risk Management (ERM) eine Herausforderung dar.

In unserem aktuellen Forschungsprojekt «Ganzheitliches Risikomanagement in Schweizer Spitälern» gehen wir unter anderem der Frage nach, wie sich klinisches und betriebliches Risk Management  in einer unternehmensweiten Beurteilung vereinen lassen.

Erkenntnisse aus diesem Forschungsprojekt fliessen zudem in unser Seminar «Risk Management im Gesundheitswesen» der Hochschule Luzern am 15. März 2018 ein.

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