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Aktuelle Herausforderungen in der familienergänzenden Bildungs- und Betreuungsbranche

Aktuelle Herausforderungen in der familienergänzenden Bildungs- und Betreuungsbranche

Interview mit Estelle Thomet, Leitung Nationales / Leitung Region Zürich, kibesuisse – Verband Kinderbetreuung Schweiz, über die aktuellen Herausforderungen im Bereich familienergänzende Bildung und Betreuung.

Mit welchen Herausforderungen sieht sich die familienergänzende Bildungs- und Betreuungsbranche (Kitas, schulergänzende Tagesstrukturen und Tagesfamilien),  welche Ihr Verband kibesuisse vertritt, zurzeit konfrontiert?
Neben der nach wie vor angespannten Lage aufgrund der Covid-19-Krise und den damit verbundenen anspruchsvollen und vielschichtigen Güterabwägungen, die im Rahmen der Umsetzung der Schutzmassnahmen täglich vorgenommen werden müssen, beschäftigt die Branche vor allem die fehlende nachhaltige und an pädagogischen Qualitätsstandards ausgerichtete Finanzierung. Damit die Angebote neben dem Ermöglichen von Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch noch besser auch auf eine bestmögliche Entwicklung der Kinder ausgerichtet sind, braucht es dringend substantielle Investitionen in die pädagogische Qualität. Gleichzeitig ist aber- auch aus volkswirtschaftlicher Sicht – offensichtlich, dass die Elterntarife keinesfalls noch höher ausfallen dürfen und der Staat hier investieren muss.

Welchen Einfluss hatte die Corona-Krise auf die Branche?
In der familienergänzenden Bildung und Betreuung hat die Krise die Systemrelevanz der Angebote in aller Deutlichkeit sichtbar gemacht. Deutlich gezeigt hat sich aber auch die hohe finanzielle Fragilität dieser Angebote, die oftmals aus systemischen Gründen keine finanziellen Reserven haben oder haben dürfen. Dies hat sicher auch dazu beigetragen, dass der politische Diskurs rund um die Finanzierung dieser staatlichen Infrastrukturen wieder Auftrieb erhalten hat.

Wie konnte der Verband die Kindertagesstätten, die schulergänzende Tagesstrukturen und die Tagesfamilienorganisationen unterstützen?
Kibesuisse hat sich für einen möglichst optimalen Informationsfluss bezüglich der bundesrechtlichen und kantonalen Regelungen an unsere Mitglieder eingesetzt. Dazu gehörten auch Klärungen und Interventionen in Bezug auf branchenspezifische Belange.  So z.B. als die 5er Regel im Aussenbereich galt. Was hiess diese z.B. für eine Kita? Durfte eine Kitagruppe mit über 5 Personen noch auf den Spielplatz von nebenan? Eine „falsche“ Interpretation hätte in diesem Fall dazu geführt, dass die Kitas möglichweise weniger Zeit im Freien verbracht hätten, obschon gerade sich draussen aufhalten aus epidemiologischer Sicht sinnvoll wäre. Neben Merkblättern und regelmässigen Mailings haben wir auch ein Standard-Schutzkonzept als Basis für die Schutzkonzepte unserer Mitglieder erarbeitet und regelmässig aktualisiert. Für uns standen dabei sowohl gesundheitliche und epidemiologische Überlegungen wie aber auch insbesondere das Recht der Kinder auf eine positive Entwicklung und ihr Bedürfnis nach einem geregelten Alltag im Vordergrund. Eine äusserst anspruchsvolle Güterabwägung also.

Sie absolvieren zurzeit den CAS Finanzmanagement für Nicht-Finanzfachleute. Was war Ihre Motivation dazu?
Eine nachhaltige, kostendeckende Finanzierung der familienergänzenden Bildung und Betreuung ist essentiell. Dabei geht es nicht darum möglichst günstige Angebote zu haben, sondern qualitative gute Angebote anbieten zu können – und zwar kosteneffizient. Dies erfordert einerseits eine gute und ausreichende staatliche Finanzierung, die die Anreize für gute pädagogische Qualität richtig setzt. Gleichzeitig braucht es auch eine gute betriebswirtschaftliche Führung der einzelnen Angebote. Bei all diesen Themen möchte ich in der Lage sein – zumindest bei Grundsatzfragen – Unterstützung bieten zu können respektive die wesentlichen finanziellen Aspekte mitdenken zu können.

Nicht zuletzt ist es vor allem meine tiefe persönliche Überzeugung, dass die im Kurs erworbenen Finanzkenntnisse ein „must“ für die Vorstandsmandate sind, welche ich in Vertretung von kibesuisse wahrnehme.

Was hat Sie am Weiterbildungsgang überzeugt?
Mir war insbesondere wichtig, dass die Finanzthemen breit angelegt sind und dass es in einem kompakten Zeitrahmen berufs- und familienbegleitend machbar ist. Die zeitliche Planung der Kursblöcke jeweils Ende der Woche, teilweise mit Samstag, mit eng darauffolgenden Prüfungen zum Ende eines Kursblockes, haben mir zugesagt.  Damit kann immer wieder „ein Block“ abgeschlossen werden – ohne zu viel zeitlichen Druck, aber eben auch ohne lange Verzögerungen. Zudem überzeugt mich die Mischung von Theorie und Praxis.

Wie hilft Ihnen diese Weiterbildung in Ihren aktuellen Positionen weiter?
Hilfreich ist insbesondere das erworbene Vokabular.  Zudem haben mir die neuen Kenntnisse bereits bei diversen betriebswirtschaftlichen Fragestellungen in unserem Verband, aber auch im Kontakt mit unseren Mitgliedern, geholfen. Insbesondere freue ich mich aber darauf, dass ich bei bestehenden und allfälligen künftigen Vorstandsmandaten, meinem eigenen Anspruch an grundlegende Kenntnisse, die zur Ausführung eines Vorstandsmandats meines Erachtens notwendig sind, gerecht zu werden. Schliesslich ist im NPO-Bereich eine effiziente Ressourcenverwendung meines Erachtens zwingend – nicht zuletzt auch dann, wenn es sich um öffentliche Gelder handelt. Mit dem CAS Finanzmanagement für Nicht-Finanzfachleute erhalte ich weitere Werkzeuge, um mich diesbezüglich in Zukunft noch stärker engagieren zu können.

Estelle Thomet, Leitung Nationales / Leitung Region Zürich, kibesuisse – Verband Kinderbetreuung Schweiz

Weitere Informationen zum CAS Finanzmanagement für Nicht-Finanzfachleute.

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